Marduks Kampf gegen das Chaos-Ungeheuer Tiamat

Darstellungen des babylonischen Schöpfungsmythos und die Vielfalt der Deutungen


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Kurzüberblick über die Geschichte Mesopotamiens
1.2. Der sumerische Einfluss auf das babylonische Pantheon

2. Babylonische Schöpfungsvorstellungen
2.1. Das Gedicht Enuma Elish
2.2. Ikonographische Darstellungen des Chaoskampfes
2.3. Rituale zum Neujahrsfest Akidu

3. Die Vielzahl der Deutungen
3.1. Khoury
3.2. Stolz
3.3. Eliade

4. Fazit

Anhang

Skizze: Das babylonische Pantheon

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Zu Beginn dieser Arbeit, die sich den unterschiedlichen Ausdrucksformen des kosmogonischen Mythos der Babylonier und der Vielzahl ihrer Deutungen durch westliche Wissenschaftler widmet, steht ein einleitender Teil, der die Kulturgeschichte Mesopotamiens bis zur altbabylonischen Zeit beleuchtet. In diesem Kapitel wird vorallem auf die enge Vernetzung babylonischer religiöser Vorstellungen mit denen der älteren mesopotamischen Hochkultur, der Sumerer, eingegangen. Gleichzeitig wird auf die Notwendigkeit der historisch-archäologischen Methode hingewiesen und die Möglichkeiten der Ziehung von Schlussfolgerungen aus dieser kritisch betrachtet. Das folgende Kapitel beschreibt die drei wesentlichen Darstellungsformen des Mythos: das Gedicht Enuma Elish; drei Rollsiegel, die beispielhaft ikonographische Ausdrücke repräsentieren; schließlich das Neujahrsfest Akidu mit seinen rituellen Ausprägungen. Daraufhin werden aus der Vielzahl möglicher Deutungen der komplexen babylonischen Mythenstruktur drei unterschiedliche Ansätze vorgestellt. Ein kurzes Fazit schließt die Arbeit ab.

1.1. Kurzüberblick über die Geschichte Mesopotamiens

Eine Darstellung der Kultur Mesopotamiens ist ohne historisch-archäologische Zugänge unmöglich, da einzig archäologische Quellen wie Siedlungsreste, Keramik oder gebrannte Tonplatten Aufschluss über die untergegangenen Kulturen Mesopotamiens geben können. Die Archäologie ist also für die religionswissenschaftliche Analyse babylonischer Mythen eine wesentliche Hiflswissenschaft, ohne deren Vorarbeit kein empirisches Material zur Verfügung stünde. Oftmals bieten die vorhandenen Quellen jedoch große Interpretationsspielräume, wie diese Arbeit u.a. aufzeigen soll. So konstruieren Historiker und Archäologen (auf mehr oder weniger verlässlichen Indizien beruhend) Theorien über das Leben der Menschen in der untersuchten Kultur, die sich mitunter widersprechen. Stolz fasst das Problem so zusammen: „Häufig genug müssen wir fehlende Kenntnisse durch Vermutungen ergänzen.“1 Die folgende kurze Zusammenfassung widmet sich der Darstellung von Eckpunkten der Entwicklung zur babylonischen Hochkultur und versucht Spekulationen von Seiten des Autors zu vermeiden.

Zu den ältesten historischen Quellen Vorderasiens gehören Reste der Stadtmauer Jerichos, die um 9000 v.Chr. angelegt wurde. In diese Zeit fällt die „neolithische Evolution“,2 der Übergang des Menschen vom Jagen und Sammeln zur Sesshaftigkeit mit Regenfeldbau als Nahrungsquelle. Verschiedene technische und soziale Neuerungen führten zum Fortschritt der frühen Kulturen. Zur Aufbewahrung des Ernteüberschusses wurde zunächst Ton zu Krügen gebrannt. Ab dem vierten Jahrtausend v.Chr. wurde Kupfer verarbeitet; bald darauf entdeckte man, dass die härtere Legierung Bronze durch Kupfer und Zinn hergestellt werden kann. Seit der Bronzezeit begann die Besiedlung des sumpfigen Landes zwischen Euphrat und Tigris. Die dort mutierenden Getreidesorten sorgten für ein Vielfaches an Erträgen, dadurch setzte eine Stratifizierung der Gesellschaft ein. Arbeitskraft im Landwirtschaftssektor wurde frei, Handel und Urbanisierung kamen auf, es entwickelte sich eine Ungleichverteilung der Macht des Einzelnen in der Gemeinschaft. Gleichzeitig wurde das Sumpfland trocken gelegt und künstliche Bewässerungsanlagen installiert. Im Gegensatz zu Ägypten mussten Deiche aufgetürmt werden, denn „die Fluten der mesopotamischen Flüsse waren um ein Vielfaches zerstörerischer als das regelmäßige Ansteigen und Fallen des Nils“.3 Diese enorme Arbeitsleistung musste neben dem Handelswesen vom König organisiert werden, der zudem trotz der Ungleichverteilung der Macht den Frieden sichern musste.4 Konkurrenz unter den Städten brachte jedoch militärische Auseinandersetzungen mit sich, was zahlreiche Reste von (teils zerstörten) Befestigungsanlagen bezeugen.

Ab dem dritten vorchristlichen Jahrtausend waren die Sumerer, deren Herkunft nicht unumstritten ist, die dominierende Volksgruppe. Sie gründeten erste Reiche, die sich um 2500 vom oberen Meer, d.h. dem Mittelmeer bis zum unteren Meer, dem persischen Golf, erstreckten. Politische Zentren der Sumerer waren z.B. Nippur und Uruk, wo nach sumerischen Quellen Gilgamesch ein berühmter König gewesen sein soll.5 Zum Zeitpunkt des sumerischen Herrschaftsantritts ist die Schrift bereits über ganz Mesopotamien verbreitet. Stolz beschreibt die Verwendungszwecke der Schrift für die Sumerer:

„Man entdeckt […] schnell, dass die Schrift auch für andere Zwecke gebraucht werden kann als für wirtschaftliche Zusammenhänge […], man notiert und kopiert Mythen.“6

Die Stadt Babylon erlangte im zweiten Jahrtausend v.Chr. die politische Vorherrschaft, diese für unsere Betrachtung wichtige Periode ist die altbabylonische Zeit (1960-1531 v.Chr.).7 Die babylonische Hochkultur basierte also direkt auf der älteren sumerischen. Dies macht die Bestimmung genuin babylonischer Kulturleistungen nahezu unmöglich, denn das Nichtfinden bestimmter sumerischer Kulturgüter beweist nicht ihr Nichtvorhandensein. Andererseits kann davon ausgegangen werden, dass Einflüsse der sumerische Kultur tief in die babylonische Kultur eingegangen sind, auch wenn sie nicht immer direkt zu erkennen sind. Ein gutes Beispiel für die enge Verwebung sumerischer Elemente in den babylonischen Kulturkontext bietet die Betrachtung religiöser Vorstellungen, die vornehmlich durch Mythen überliefert sind.

1.2. Der sumerische Einfluss auf das babylonische Pantheon

Im vorangehenden Abschnitt wurde auf die Übernahme sumerischer Kulturgüter durch die nun herrschenden Babylonier aufmerksam gemacht. Ein gutes Beispiel dafür bietet das Götterpantheon der alten Babylonier.

Die Babylonier adaptierten in großen Teilen das sumerische Religionssystem, was bei Betrachtung der Götternamen und ihrer Genealogie auffällt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist dem Anhang eine Skizze des babylonischen Pantheons beigefügt, die den Namen des jeweiligen Gottes und seinen Wirkungsbereich angibt. Abweichende sumerische Namen der Götter sind gegebenenfalls in eckigen Klammern beigefügt. Khoury geht soweit zu sagen, dass es sich beim sumerischen und babylonischen Glaubenssystem um dasselbe handelt, denn „dieselben Götternamen, dieselben Mythen zeugen von derselben religiösen Welt.“8 Stolz spricht von sogar von einer Religion Mesopotamiens [Hervorhebung des Autors].9 Jedoch verschoben sich die Machtverhältnisse innerhalb des Pantheons in der altbabylonischen Zeit zugunsten Marduks, des Stadtgottes von Babylon, der nun zum Demiurgen avancierte. Die anderen Götter behielten aber weiterhin ihre jeweiligen Kultorte und Wirkungsbereiche. So wurde in Uruk beispielsweise auch in nachsumerischer Zeit der Gott des Himmels, An, verehrt; allerdings nun unter dem Namen Anu.10

2. Babylonische Schöpfungsvorstellungen

Obwohl die ikonographischen Darstellungen des Kampfes zwischen Chaos und Kosmos älter als das Enuma Elish und das Akidu-Fest sind, wird der Autor zur Vereinfachung des Verständnisses der Thematik des Mythos mit der Darstellung der literarischen Ausdrucksform im Gedicht Enuma Elish beginnen. Assmann folgend wird danach der Fokus auf dem bildhaften Ausdruck des Mythos liegen, denn „unter den verschiedenen Darstellungsmodalitäten und Aggregatzuständen des Mythos ist neben der Narrativität die kondensierte Bildhaftigkeit besonders hervorzuheben.“11 Das Kapitel endet mit einer Beschreibung wesentlicher Elemente des zwölftägigen Neujahrsfestes Akidu, in denen der Mythos ritualisiert dargestellt wurde.

[...]


1 Stolz. S.54.

2 Vgl.: Stolz. S.53-57.

3 Parker. S.54.

4 „Die soziale Stratifizierung kulminiert in der Einrichtung monarchischer Herrschaft.“ Stolz. S.56.

5 Vgl.: Eliade. 2004. S.148.

6 Stolz. S.57.

7 Vgl.: Haussig. S.26.

8 Khoury. S.125.

9 „Die Religion Mesopotamiens ist durch Polytheismus charakterisiert“. Stolz. S.57.

10 Vgl.: Khoury. S.125.

11 Assmann. S.188.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Marduks Kampf gegen das Chaos-Ungeheuer Tiamat
Untertitel
Darstellungen des babylonischen Schöpfungsmythos und die Vielfalt der Deutungen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für allgemeine Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Kosmogonische Mythen und Weltbildkonstruktion
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V164711
ISBN (eBook)
9783640804412
ISBN (Buch)
9783640804702
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
marduks, kampf, chaos-ungeheuer, tiamat, darstellungen, schöpfungsmythos, vielfalt, deutungen
Arbeit zitieren
Florian Illerhaus (Autor), 2008, Marduks Kampf gegen das Chaos-Ungeheuer Tiamat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164711

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Marduks Kampf gegen das Chaos-Ungeheuer Tiamat



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden