„Früher haben die Kinder den ganzen Tag draußen gespielt, heute sitzen sie nur noch vor dem Computer.“ „Früher waren die Kinder mit einem Lutscher zufrieden, heute müssen es Handys sein.“ „Widerworte gegenüber Erwachsenen? Das hätten wir uns nicht erlauben können.“ „Die Kinder von heute haben fürs Spielen keine Fantasie mehr.“
Solche und ähnliche Sätze hört man oft, wenn man mit älteren Menschen, den eigenen Eltern oder Großeltern über die Themen Kinder und Kindheit spricht. In diesen Aussagen hört man das Unverständnis über die heutige Kindergeneration heraus und unterschwellig ist es auch das Unverständnis über unsere aktuelle Lebenssituation.
Auf soziologischen Erkenntnissen basierend beschreibe ich in der vorliegenden Arbeit, unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte, den Wandel der Kindheit in Deutschland von den 1950er Jahren bis heute.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Straße
3. Wohnen
4. Spielen
5. Fernsehen / Neue Medien
6. Wandel der Familie / Individualisierung
7. Erziehungsverhalten
8. Abschlussbeurteilung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den soziologischen Wandel der Kindheit in Deutschland von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart, indem sie gesellschaftliche Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf die Lebenswelt von Kindern analysiert.
- Veränderung der Spielräume im öffentlichen Raum
- Einfluss von Wohnformen auf die kindliche Entwicklung
- Medienkonsum und dessen Stellenwert im Alltag
- Strukturwandel von Familienbildern und Erziehungspraktiken
Auszug aus dem Buch
Spielen
Für die meisten Kinder in den ersten Jahren nach dem Krieg war es Normalität, die älteren Familienmitglieder bei der täglichen Arbeit zu unterstützen. Dies ging von der Hilfe im Haushalt über Maurertätigkeiten am zu reparierenden Haus bis hin zu ersten Erwerbstätigkeiten, um zum materiellen und finanziellen Überleben der Familie beizutragen. Zeit zum Spielen war daher nur eingeschränkt vorhanden. Doch diese Zeit wurde selbstverständlich genutzt. Spielzeug und Geld für solches war zwar noch kaum vorhanden, jedoch wurden – wie bereits weiter oben erwähnt – viele Gegenstände, die im Haushalt und in der näheren Umgebung gefunden wurden, zum Spielzeug umfunktioniert oder die Kinder bauten oder bastelten sich daraus ihre Spielmaterialien wie z.B. Drachen oder Pfeil und Bogen. Sogar selbstgebastelte Papierschiffchen genügten den Ansprüchen (vgl. Rolff, Zimmermann, Weinheim, Basel 1985). Fußbälle nähte man sich aus Flicken und Lumpen zusammen. Höherwertiges Spielzeug, wie beispielsweise einen richtigen Fußball, gab es damals höchstens als Geschenk zu besonderen Anlässen wie Weihnachten. In Gemeinschaftsaktivitäten wie dem Straßenfußballspiel hatte dieses Kind fortan einen höheren Status in der Gruppe (vgl. Maier, Hamburg 1980).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Kindheit aus soziologischer Sicht und führt in die Thematik der gesellschaftlich bedingten Lebensverhältnisse ein.
Straße: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel der Straße vom zentralen Spielplatz der Nachkriegszeit zum stark befahrenen Verkehrsraum der Gegenwart.
Wohnen: Hier werden die veränderten Wohnformen seit der Nachkriegszeit analysiert und deren Auswirkungen auf die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern aufgezeigt.
Spielen: Das Kapitel thematisiert den Wandel vom selbst geschaffenen Spielzeug und freien Spiel hin zu einer kommerzialisierten Spielzeugwelt und organisierten Freizeit.
Fernsehen / Neue Medien: Es wird die zunehmende Bedeutung moderner Medien im Alltag von Kindern sowie deren Einfluss auf die Freizeitgestaltung und Entwicklung untersucht.
Wandel der Familie / Individualisierung: Das Kapitel befasst sich mit der Auflösung traditioneller Familienbilder und der Zunahme von Patchwork-Familien im Kontext der gesellschaftlichen Individualisierung.
Erziehungsverhalten: Hier wird der historische Wandel vom autoritären Erziehungsstil hin zur gesetzlich verankerten gewaltfreien Erziehung dargestellt.
Abschlussbeurteilung: Die Autorin fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine verstärkte Verantwortung der Jugendarbeit, um Kindern trotz veränderter Lebensbedingungen Spielräume zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Kindheit, Soziologie, Wandel, Erziehung, Spiel, Nachkriegszeit, Medienkonsum, Familie, Individualisierung, Jugendhilfe, Lebenswelt, Wohnraum, Freizeit, Sozialisation, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der Kindheit in Deutschland, betrachtet über einen Zeitraum von den 1950er Jahren bis heute.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Veränderungen der Lebensräume (Straße und Wohnen), das veränderte Spielverhalten, der Einfluss neuer Medien sowie der Wandel der Familienstrukturen und Erziehungspraktiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Veränderungen der Kindheit nicht bei den Kindern selbst liegen, sondern Resultate gesellschaftlicher Entwicklungen sind.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Arbeit nutzt einen soziologischen Ansatz, um das Handeln von Individuen innerhalb gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zu beschreiben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Lebensbereiche wie das Spielen auf der Straße, Wohnsituationen, den Medienkonsum sowie rechtliche und gesellschaftliche Aspekte der Kindererziehung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wandel der Kindheit, Erziehungsverhalten, Medialisierung, familiäre Individualisierung und die Bedeutung der Jugendhilfe.
Welchen Einfluss hatte der Zweite Weltkrieg auf die Spielmöglichkeiten?
In der unmittelbaren Nachkriegszeit boten Trümmer und Ruinen den Kindern einen ungestörten Spielraum, da der Straßenverkehr kaum vorhanden war und die Erwachsenen mit dem Wiederaufbau beschäftigt waren.
Welche Bedeutung hat das "Kinderzimmer" für die heutige Generation?
Das Kinderzimmer dient heute als privater Rückzugsort zum Schlafen und Spielen, was gleichzeitig zu einer Verlagerung der kindlichen Aktivitäten von draußen nach drinnen geführt hat.
Wie hat sich das Erziehungsverhalten seit den 1950er Jahren verändert?
Es fand eine Abkehr vom autoritären Erziehungsstil mit körperlichen Züchtigungen hin zu einer gesetzlich definierten, gewaltfreien Erziehung statt.
Welche Rolle spielt das "Billigspielzeug" aus soziologischer Sicht?
Es wird als Konsumgut betrachtet, das Kindern zwar eine gewisse Autonomie verleiht, aber aufgrund mangelnden pädagogischen Inhalts wenig zur Entwicklung beiträgt.
- Arbeit zitieren
- Marcus Brauer (Autor:in), 2009, Wandel der Kindheit von 1950 bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164728