Die Begriffe Vernunft, Wissenschaft und Philosophie bei Thomas Hobbes


Seminararbeit, 1998

20 Seiten, Note: 1,3

Anja Meisner (Autor:in)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hobbes und die Hintergründe seiner Philosophie
2.1. Biographische Daten zu Hobbes
2.2. Geschichtliche Hintergründe
2.3. Geistesgeschichtliche Hintergründe
2.4. Hobbes’ Werk

3. Hobbes’ Anthropologisches Konzept

4. Zu den Begriffen Vernunft, Wissenschaft und Philosophie
4.1. Vernunft
4.2. Wissenschaft und Philosophie

5. Zusammenfassung

6. Literaturliste

Titel: Die Begriffe Vernunft Wissenschaft und Philosophie bei Thomas Hobbes

Autorin: Anja Meisner

Seminartyp: Proseminar 1997/98

Seminartitel: Thomas Hobbes und John Locke

Uni und Fach: Universität Potsdam, Politikwissenschaft, Politische Theorie

1. Einleitung

Die Grundlage einer jeden Staatsform ist der Mensch. Aus diesem Grund ist jeder Philosoph, der im Gedankenexperiment einen neuen Staat konstruieren möchte, gefordert, zuerst den Menschen und seine Natur zu erforschen. Gegenstand dieser Arbeit soll Thomas Hobbes’ Vorstellung vom Menschen und speziell sein Konzept der Vernunft und Wissenschaft sein.

Zuerst wird man bei Hobbes in sein Werk mit dem Titel „Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates“ schauen, um etwas über dieses Thema zu erfahren, da es die endgültige Fassung seiner politischen Philosophie enthält.[1] Dennoch wird sich diese Arbeit (auch unter Verwendung weiterer Primärliteratur) auf die Beschreibung von Hobbes Begriff der Vernunft und Wissenschaft konzentrieren, ohne näher auf sein wichtigstes Werk einzugehen.

Das Verwenden weniger Sekundärliteratur, sollte eine größere Verwirrung verhindern, die eine übermäßige Anzahl von Rezeptionen des Themas hervorrufen würde, da Hobbes’ anthropologisches Konzept sehr komplex ist.

Ein philosophisches Konzept kann niemals vom gesellschaftlichen Hintergrund, auf dem es entstand, getrennt werden. Deshalb beschäftigen sich die ersten Kapitel der Hausarbeit ausführlich mit Hobbes’ Biografie, den geschichtlichen Entwicklungen, den geistesgeschichtlichen Hintergründen und Hobbes’ Werk, was ein Grundverständnis für ihn, die Art und Weise seines Denkens und den ihm erschlossenen Entwicklungsstand der Gesellschaft entwickeln sollte.

Neben der Beschäftigung mit den Begriffen der Vernunft, Wissenschaft und Philosophie wird man auf den folgenden Seiten auch Darstellungen zur hobbesschen Anthropologie finden, die insofern ausschlaggebend sind, als dass sie Hobbes’ Verständnis der oben genannten Begriffe dem Leser zugänglicher machen.

2. Hobbes und die Hintergründe seiner Philosophie

2.1. Biographische Daten zu Hobbes

Thomas Hobbes wurde am 5. April 1588 in einem Dorf in der Nähe von Malmesbury (England) geboren. Sein Vater war ein ungebildeter Landpfarrer, Trinker und Spieler, der aufgrund eines Zwischenfalls Malmesbury verlassen musste. Sein Onkel ermöglichte ihm ein Studium in Oxford, wo Hobbes trotz Missfallen an der Lehre seinen Abschluss machte. Um 1626 war der damals 38-Jährige Thomas Hobbes als Sekretär bei Francis Bacon[2] beschäftigt.

Als Begleiter junger Adliger unternahm er drei große Kontinentalreisen. Auf einer dieser Reisen entdeckte er in einer privaten Bibliothek in Genf zufällig ein Exemplar der Euklidschen Geometrie, dessen Beweisführung von Satz zu Satz und Beweis zu Beweis ihn so sehr faszinierte, dass er sie zu seiner eigenen Methode und zum „... Muster jeder wahren Wissenschaft ...“[3] machte. Geometrie ist für ihn aber nur „als Muster einer vorurteilslosen und klaren analytischen und kompositorischen Methode bedeutsam ...“[4], und nicht der Stoff als solcher.

1640 veröffentlichte er anonym, von politischen Freunden motiviert, mehrere Traktate über politische Probleme, um den König gegen rebellische Tendenzen zu unterstützen. Er hoffte, mit seinen völlig leidenschaftslosen und sachlichen Argumenten über die absolute Souveränität des Monarchen könnte er dazu beitragen, einen Bürgerkrieg abzuwenden. Die Zeit und die Schwäche des Königs ließen es Hobbes ratsam erscheinen aus England zu fliehen, noch ehe etwas gegen ihn unternommen wurde. Er ging nach Paris wo er elf Jahre lang lebte. Hier ließ er auch den dritten Teil der „Elements of Law and Politic“ drucken, und hoffte wiederum, dadurch etwas in seiner Heimat zu verändern.

1645 wird Hobbes zum Mathematiklehrer des Prinzen von Wales ernannt, wurde aber ausdrücklich angehalten nur Mathematik und nicht Politik zu unterrichten. Nach der Veröffentlichung des Leviathan im Jahre 1651 wurde er vom Hofe verbannt, weil einige Gedanken, die er im Leviathan zum Ausdruck gebracht hatte, nicht mit den Interessen der Royalisten konform gingen. Er zog sich mehr und mehr zurück, schrieb auch weiterhin politische, philosophische und naturwissenschaftliche Texte und führte ein angenehmes, ruhiges Leben, bis er 1679 mit 91 Jahren in Hardwick starb.

2.2. Geschichtliche Hintergründe

In der Zeit nach 1532 wurde die Kirche in England reformiert, Heinrich VIII. machte die päpstliche Kirche zur staatlichen[5], die sich auch nach seinem Tode durch innerkirchliche Reformen im Sinne des Protestantismus weiterentwickelte. Gegenreformen unter Maria I., die katholisch war, wurden von Elisabeth I., die England 44 Jahre lang zwischen 1558 und 1603 regierte, rückgängig gemacht. Die Herrschaft Elisabeths war innen- und außenpolitisch durch Vermeidung von Extremen gekennzeichnet. Sie führte mit verschiedenen europäischen Königshäusern Eheverhandlungen, ging aber keine ein, um sich nicht zu stark an eine der europäischen Konfliktparteien zu binden. Elisabeth I. unterstützte Protestanten in Schottland, in den Niederlanden und in Frankreich, vermied es aber, das ohnehin kritische Verhältnis zum katholischen Spanien zu strapazieren. Nach 1585 ging sie mit den gegen Spanien rebellierenden Niederlanden einen Vertrag ein, nachdem Frankreich und Spanien ein Bündnis geschlossen hatten. In dieser Situation entschloss sie sich auch, Maria Stuart, die als Mittelpunkt der katholischen Opposition angesehen wurde, hinrichten zu lassen. Daraufhin rüstete Philipp II. von Spanien zum entscheidenden Schlag gegen England eine riesige Flotte aus, die Armada. Sie drang im Geburtsjahr Hobbes’ in englische Gewässer ein, die von den Engländern aber geschlagen wurde, was einen Wendepunkt in der europäischen Geschichte bedeutete. Im Elisabethanischen Zeitalter erlebte die Musik und Literatur in England eine Blüte, mit dem Sieg über die Armada begann der Aufstieg Englands zur überseeischen Macht und es wurden die Grundsteine für die spätere Stellung Englands im Welthandel gelegt.

Auf dem Kontinent ist die Zeit zwischen 1618 und 1648 vom Gemetzel des Dreißigjährigen Krieges geprägt, der zu einem fast vierzigprozentigem Verlust der Bevölkerung führte. Dieser Krieg begann als Glaubenskrieg und wurde mehr und mehr zum Machtkampf, endete schließlich in simpler Barbarei.[6]

Nach dem Tod Elisabeths folgten Jakob I. (1603 – 1625) und Karl I. (1625 – 1649) auf den englischen Thron. Sie gerieten beide in einen schweren Konflikt mit dem Parlament. Zum Verfassungs- und Sozialkonflikt kam der Konflikt zwischen Bischofskirche und Puritanern, die eine Reinigung der Kirche von katholischen Elementen betrieben. 1642 brach dann der Bürgerkrieg aus, als Karl I. in Schottland das anglikanische Kirchensystem (Staatskirche) durchsetzten wollte und zusätzlich in Irland rebelliert wurde, sich dadurch die Konflikte zwischen Krone und Parlament verstärkten. 1649 wurde schließlich der König angeklagt und hingerichtet, worauf eine Staatsform folgte, die entscheidend von Oliver Cromwell geprägt war. Cromwell war Oberbefehlshaber der revolutionären Armee, der New Model Army, die die Übertragung der Souveränitätsrechte auf das Parlament forderte. Nach der Hinrichtung Karl I. wurden unter Leitung Cromwells die Vorstellungen der New Model Army realisiert. Doch 1653 löste er das Parlament auf und übernahm das semi-monarchische Amt des Lordprotektors auf Lebenszeit. Nachdem Cromwell 1658 starb, ging die Macht an das Parlament wieder zurück, in dem die Royalisten stark vertreten waren und der Thronerbe Karl II. nach England zurückkehren konnte, die Monarchie also restauriert wurde. In der Zeit der Republik erlebte England eine wirtschaftliche Blüte. Diese Zeit war aber auch geprägt von kolonialpolitischen Auseinandersetzungen mit Spanien und handelspolitischen Kriegen (englisch-niederländischer Seekrieg).

2.3. Geistesgeschichtliche Hintergründe

Die Zeit von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist geistesgeschichtlich die Epoche des Rationalismus und der Aufklärung, politisch die Epoche der Vorherrschaft absolutistischer Staatsgewalt und künstlerisch die Epoche des Barock und Rokoko. Gleichzeitig ist es die Epoche des fundamentalen geistigen und politischen Wandels in Europa.

In dieser Epoche wandelt sich die Stellung der Kirche und des Glaubens, besonders auch ihre Bedeutung als Richtlinie allen Denkens und Handelns. Der Mensch ist nun frei auf sich gestellt und empfängt sein Gesetz „... nicht mehr primär aus einer durch den Glauben gesicherten Einstellung zur Welt.“[7] Diese Entwicklung vollzieht sich zuerst in der Philosophie, später dann in den Naturwissenschaften und in der Literatur.

Durch die Glaubenskriege und -konflikte stagnierte das kulturelle Leben, besonders stark allerdings nur in Deutschland. In England und Frankreich, die ihre nationale Einheit gefunden und ein hohes Maß an geistiger Freiheit bewahrt hatten, konnte sich die Philosophie der frühen Neuzeit am besten entwickeln, obwohl die Systeme der großen Denker dennoch Stückwerke blieben und nicht an die einst erreichte systematische Einheit heranreichten.[8] Sandvoss[9] schreibt in seinem Rückblick auf die frühe Neuzeit, der auch Hobbes zuzuordnen ist, dass keiner der Denker dieser Zeit sich vollständig vom Mittelalter und der christlichen Tradition löste. Dennoch wurde hier der Emanzipationsprozess der Neuzeit in Gang gesetzt, der sich darin zeigte, dass sie neue Systeme entwickelten, die sich weder aus früheren Systemen ableiten noch auf diese reduzieren lassen.

[...]


[1] Kersting, Wolfgang: Thomas Hobbes zur Einführung, Hamburg 1992, Seite 64.

[2] Francis Bacon lebte von 1561 – 1626. Er war Philosoph und Lordkanzler am Hof des britischen Königs Jakob I. (Regierungszeit in England 1603 – 1625) und unterstützte diesen, seinen unumschränkten Absolutismus zu praktizieren. Aus: Hans-Joachim Lieber (Hrsg.): Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart, Bonn 1993, Seite 173.

[3] Hobbes, Thomas: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates, Berlin 1966, Einleitung von Iring Fetscher, Seite XIII.

[4] Ebenda: Seite XIII.

[5] Daten aus: Schlaglichter der Weltgeschichte, Bonn 1996.

[6] Sandvoss, Ernst R.: Geschichte der Philosophie, Band 2, München 1989, Seite 178.

[7] Lieber, Hans-Joachim (Hrsg.): Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart, Bonn 1993, Seite 158.

[8] Sandvoss, Ernst R.: Geschichte der Philosophie, Band 2, München 1989, Seite 178.

[9] Ebenda: Seite 222 – 223.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Begriffe Vernunft, Wissenschaft und Philosophie bei Thomas Hobbes
Hochschule
Universität Potsdam  (Politische Theorie)
Veranstaltung
Thomas Hobbes und John Locke
Note
1,3
Autor
Jahr
1998
Seiten
20
Katalognummer
V164756
ISBN (eBook)
9783640799701
ISBN (Buch)
9783640799954
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hobbes, Leviathan, Gesellschaftsvertrag, homo homini lupus, Naturzustand
Arbeit zitieren
Anja Meisner (Autor:in), 1998, Die Begriffe Vernunft, Wissenschaft und Philosophie bei Thomas Hobbes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164756

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