Potenzial und nationale sozio-ökologische Auswirkungen der Bioethanolherstellung in Brasilien


Diplomarbeit, 2008

100 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Aufbau der Arbeit und methodische Vorgehensweise

2. Internationale und lokale Klima- und Umweltpolitik
2.1. Die Politik reagiert: Entstehung der Klimapolitik
2.1.1. Die erste völkerrechtliche Vereinbarung: die Klimarahmenkonvention
2.1.2. Das Kyoto-Protokoll 1997
2.2. Das brasilianische Energiemodell
2.3. Auswirkungen der internationalen Klimapolitik für Brasilien

3. Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung als Evaluierungsrahmen
3.1. Entstehung des Begriffs
3.2. Divergierende Konzepte einer Nachhaltigen Entwicklung
3.3. Operationalisierung des Leitbildes

4. Die Ethanolproduktion aus Zuckerrohr in Brasilien bis 1985
4.1. Geschichte des Zuckerrohranbaus und der Ethanolherstellung Brasiliens
4.2. Entstehungsgründe und Inhalte des nationalen Alkoholprogramms
4.3. Neue Dimensionen: die zweite Phase des Programms
4.4. Bewertung des Programms bis 1985
4.4.1. Ökonomische Aspekte
4.4.2. Soziale Aspekte
4.4.3. Ökologische Aspekte
4.4.4. Gesamtbewertung

5. Brasiliens Ethanolproduktion ab 1985
5.1. Politische Rahmenbedingungen der Ethanolproduktion
5.1.1. Brasilien wird demokratisch
5.1.2. Liberalisierung des Zucker- und Ethanolsektors
5.2. (Inter-) Nationale Gründe der heutigen Nachfrage nach Treibstoffethanol
5.2.1. Klimapolitische Erfordernisse
5.2.2. Wirtschaftliche und geopolitische Hintergründe
5.2.2.1. Versorgungssicherheit
5.2.2.2. Entwicklungen der Weltmarktpreise von Rohöl und Zucker
5.2.3. Technologische Bedingungen
5.2.4. Brasiliens einzigartige Stellung im Ethanolsektor
5.3. Zusammenfassung

6. Potenzialanalyse Brasiliens
6.1. Klimapolitischer Beitrag
6.1.1. Bewertungsinstrument
6.1.2. Untersuchungsrahmen
6.1.3. Energie- und Treibhausgasbilanz von Treibstoff
6.1.3.1. Energiebilanz
6.1.3.2. Treibhausgasbilanz
6.1.4. Energie- und Treibhausgasbilanz von Zuckerrohrethanol
6.1.4.1. Abbrennen der Zuckerrohrfelder - Folgen für die Treibhausgasbilanz?
6.1.4.2. Energiebilanz Zuckerrohrethanol
6.1.4.3. Treibhausgasbilanz Zuckerrohrethanol
6.2. Berechnung des CO2-Einsparungspotenzials in Brasilien 2007
6.3. Potenzial umgerechnet auf die globalen Verkehrsemissionen
6.4. Welches Potenzial besitzt Brasilien?
6.4.1. Limitierende Faktoren
6.4.2. Begünstigende Faktoren
6.4.3. Bewertung
6.5. Bewertung des klimarelevanten Potenzials aus Sicht der Nachhaltigkeit

7. Analyse lokaler Auswirkungen
7.1. Ökologische Folgen
7.1.1. Wasserverbrauch und Wasserverschmutzung
7.1.2. Monokultureller Anbau und Biodiversität
7.1.3. Ökologische Gesamtbewertung
7.2. Folgen für die lokale Gesellschaft
7.2.1. Voller Tank - leerer Teller?
7.2.2. Gesundheitsbelastungen für die Bevölkerung
7.2.3. Beschäftigungseffekt und Arbeitsbedingungen
7.2.4. Soziale Gesamtbewertung
7.3. Lokales Gesamturteil

8. Bewertung der Ergebnisse und Zukunftsperspektiven
8.1. Bewertung der Chancen und Risiken
8.2. Zukunftsperspektiven und Lösungsansätze

9. Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl CDM Projekte nach THG (%)

Abbildung 2: Internes Energieangebot Brasiliens 2007 (%)

Abbildung 3: Anteil erneuerbarer Energien an Gesamtenergiematrix (%)

Abbildung 4: Wechselwirkungen Nachhaltiger Entwicklung

Abbildung 5: Entwicklung des Rohölpreises 1975 - 2008

Abbildung 6: Anteilige Entwicklung der Zucker- und Alkoholproduktion

Abbildung 7: Entwicklung Ethanolverbrauch

Abbildung 8: WTW Emissionen von Treibstoff

Abbildung 9: THG-Bilanz von Zuckerrohrethanol

Abbildung 10: Cerrado-Gebiet innerhalb Brasiliens

Abbildung 11: Entwicklung Zuckerrohranbaufläche 1961-2007

Abbildung 12: Registrierte Sklavenarbeit in Brasilien

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entwicklung der Energienutzung im Verkehrssektor

Tabelle 2: Zeitrahmen für Abbrennverbot im Staat São Paolo

Tabelle 3: Energiebilanz Zuckerrohrethanol

Tabelle 4: CO2 Bilanz Zuckerrohrethanol

Tabelle 5: Effizienzsteigerung Zuckerrohrwirtschaft 1975 - 2000

Tabelle 6: Bodenerosion verschiedener Anbaukulturen

Tabelle 7: Veränderung der Agrarprodukte in Brasilien 1990-2006

Tabelle 8: Veränderung der Agrarprodukte in São Paolo 1990-2006

Tabelle 9: Beschäftigung im Zuckerrohrsektor

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

PROFESSOR LEONEL LUIZINHO; SERGINHO SIDNEY SÃ und PROFESSOR NEWTÃO QUINHO: A cana que aqui se planta, tudo dá... até energia.

„ A cana que aqui se planta, tudo dá

dásamba até o dia clarear.

O combustível do futuro é brasileiro,

é energia que hoje embala meu Salgueiro. (...) ”

(Das Zuckerrohr, das hier gepflanzt wird, bringt alles,

es bringt den Samba bis zum Morgengrauen.

Der Treibstoff der Zukunft ist Brasilianisch,

das ist die Energie, die heute mein Salgueiro vorantreibt.

(…))

Samba Enredo von Salgueiro (Karneval 2004, Rio de Janeiro, Brasilien)

Erklärung:

Jede Sambaschule singt beim Karneval ihr eigenes Musikstück, den so genannten Enredo. Im Jahr 2004 wählte die Schule Escola de Samba Mirim Aprendizes do Salgueiro dieses Stück aus.

1. Einleitung

Weltweit sind Lebensstandard und Mobilisierungsgrad der Menschen von der Nutzung verschiedener Energiequellen abhängig. Gegenwärtig ist Erdöl die Hauptenergiequelle. Mit einem Anteil von über 60 Prozent nimmt der Transportsektor eine Schlüsselrolle beim globalen Ölkonsum ein.1 Infolge des wachsenden Individualverkehrs der Schwel- lenländer Brasilien, China und Indien, ist selbst bei erheblichen Einsparungen durch effizientere Motoren kurzfristig nicht von einer Trendwende beim Kraftstoffverbrauch auszugehen. Mit der steigenden Nutzung fossiler Treibstoffe nehmen auch die weltwei- ten CO2-Emissionen zu. Angesichts des voranschreitenden Klimawandels und der Ressourcenknappheit von Erdöl ist ein strategisches Umdenken in der Energienutzung dringend erforderlich. Die Dringlichkeit des Klimaschutzes wurde 2007 mit dem vierten Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wissen- schaftlich bestätigt.2 Zudem belegt der ehemalige Weltbank-Ökonom Sir Nicholas STERN in einem 2006 vorgelegten Bericht, dass die Kosten, die durch eine Anpassung an klimabedingte Veränderungen entstehen, fünf bis 20-mal so hoch liegen werden, wie aktiver Klimaschutz.3 Vermeidung und Anpassung müssen in einer gemeinsamen Strategie verfolgt werden, die nur durch eine Kombination von erneuerbaren Energien mit effizienteren Technologien erreicht werden kann.

Im Lichte der forcierten Warnungen der Klimawissenschaftler und Ökonomen wird international seit geraumer Zeit die Substitution fossiler Treibstoffe durch so genannte Biotreibstoffe diskutiert. Gemeinhin gelten diese als klimaneutral, da sie während des Verbrennungsvorgangs nur die Menge an CO2 ausstoßen, die sie im Wachstum aus der Atmosphäre gebunden haben. Eine Form von Biotreibstoff ist Bioethanol, welches auf Basis verschiedener stärke- oder zuckerhaltiger Pflanzen hergestellt werden kann.4 Brasilien produziert Bioethanol aus Zuckerrohr und ist nach den USA (Produktion aus Mais) der zweitgrößte Hersteller.5 Auch angesichts der steigenden Ölpreise erscheint eine Substitution attraktiv. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie und ob Bioethanol in Zukunft einen Beitrag zur Nachhaltigen Mobilität leisten kann.

1.1. Problemstellung und Zielsetzung

Die Produktion und Verwendung von Zuckerrohrethanol ist ein sehr komplexes Thema. Politik, Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft stellen in diesem Zusammenhang sich wechselseitig beeinflussende Handlungsfelder dar. Um einer ganzheitlichen Bewertung des brasilianischen Ethanoltreibstoffs gerecht zu werden, müssen deshalb diese Wechselwirkungen aufgezeigt und bewertet werden.

Die Gesetzgebung fordert bereits in vielen Staaten die Beimischung von Biotreibstoffen zu herkömmlichen Treibstoffen6, um eine Treibhausgasreduzierung zu erreichen; der globale Nachfragetrend steigt somit an. Wenige Länder besitzen das Potenzial, die Nachfrage durch Eigenproduktion zu decken. Brasilien nimmt in diesem Fall eine Aus- nahmestellung ein. Jahrzehntelange Erfahrung mit Ethanoltreibstoff, gute und billige Produktionsbedingungen und eine technologische Vorreiterrolle haben das Land zum größten Exporteur von Bioethanol aufsteigen lassen.7 Die vorliegende Arbeit analysiert Potenziale und nationale Auswirkungen der Zuckerrohrethanolherstellung und -nutzung in Brasilien.

Als erstes Ziel soll herausgefunden werden, wie die Energie- und Treibhausgasbilanz von brasilianischem Zuckerrohrethanol in einer ganzheitlichen Analyse im Vergleich zur fossilen Treibstoffbilanz ausfällt. Die Berechnung soll aufzeigen, wie viele Tonnen Treibhausgase (THG) global durch die Nutzung von brasilianischem Ethanol einge- spart werden könnten und ob somit zur weltweiten Treibhausgasminderung beigetra- gen werden kann. Weiterhin wird ausgehend von diesen Daten eine Potenzialanalyse für Brasilien zur Deckung des weltweiten Treibstoffethanolverbrauchs erstellt. Wie viel der weltweiten Nachfrage kann unter aktuellen und zukünftigen Produktionsbedingun- gen gedeckt werden?

Die Ethanolherstellung aus Zuckerrohr und insbesondere das Vorhaben der brasiliani- schen Regierung, die Produktion auszudehnen, wirken sich auf die lokale Umwelt und Gesellschaft aus. Das zweite Ziel der Arbeit ist somit, die nationalen sozio- ökologischen Auswirkungen aufzudecken und zu bewerten. Die Ergebnisse der Bewer- tung werden anschließend als Grundlage für den Zukunftsausblick herangezogen.

1.2. Aufbau der Arbeit und methodische Vorgehensweise

Den Kapiteln der Arbeit entsprechend werden im Folgenden Aufbau und methodisches Vorgehen beschrieben.

Anschließend an das vorliegende einleitende Kapitel werden im zweiten Abschnitt die wichtigsten internationalen klimaschutzpolitischen Rahmenbedingungen, wie Klimarahmenkonvention und Kyoto-Protokoll, erläutert. Unter Einbeziehung des brasilianischen Energieversorgungsmodells werden die Auswirkungen der internationalen Klimapolitik für Brasilien dargestellt.

In Kapitel drei wird die Bedeutung des Konzeptes der Nachhaltigen Entwicklung für eine zukünftige globale Energieversorgung dargestellt. Der Vorteil dieses Konzeptes zur Bewertung liegt in der gleichzeitigen Beachtung aller vier angesprochenen Hand- lungsfelder. Anhand der Skizzierung der wichtigsten Modelle und Strategiepfade wird abschließend ein passendes Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung für die vorliegende Arbeit operationalisiert.

Das vierte Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte der brasilianischen Ethanol- nutzung. Brasilien führte Mitte der 1970er Jahre aufgrund der ersten Ölkrise ein Pro- gramm zur massiven Förderung von Biotreibstoffethanol aus Zuckerrohr ein. Damit war Brasilien der erste Staat mit einem umfassenden Biotreibstoffprogramm weltweit. Die Folgen dieser ausgeprägten Expansion des Zuckerrohranbaus auf Wirtschaft, Gesell- schaft und Umwelt zum damaligen Zeitpunkt werden analysiert. Das Leitbild der Nach- haltigen Entwicklung wurde damals noch nicht explizit zur Bewertung des Programms angewendet. Dennoch ist die Bewertung der drei Felder mit dem Leitbild vergleichbar und kann somit gut den aktuellen Auswirkungen gegenübergestellt werden.

Das fünfte Kapitel behandelt die Entwicklung der brasilianischen und globalen Rah- menbedingungen der Ethanolherstellung von 1985 bis heute. Nach knapper Darstel- lung der veränderten politischen Rahmenbedingungen Brasiliens seit 1985 erfolgt die Untersuchung der aktuellen Nachfragegründe. So führen der Klimaschutzaspekt und die Energieversorgungssicherheit dazu, dass der weltweite Trend in Richtung einer Substitution fossiler Treibstoffe durch Biotreibstoffe geht. Für eine erste Einschätzung der zukünftigen Ethanoltreibstoffentwicklung werden neue Technologien beschrieben und die herausragende Stellung Brasiliens in diesem Bereich verdeutlicht.

Vor diesen Hintergrundinformationen erfolgt im sechsten Kapitel eine Potenzialanalyse für Brasilien. Im ersten Abschnitt wird untersucht, ob Zuckerrohrethanol im Vergleich zu herkömmlichen Treibstoffen ein Treibhausgasreduktionspotenzial aufweist. Zu diesem Zweck wird eine ganzheitliche Energie- und Treibhausgasbilanz der fossilen Treibstoffe erstellt und einer den gleichen Maßstäben folgenden Analyse für Zuckerrohrethanol gegenübergestellt. Anhand des Vergleichs der beiden Treibstoffarten wird dann durch eigene Berechnungen die gesamte Treibhausgaseinsparung für Brasilien im Jahr 2007 kalkuliert. Anschließend erfolgt eine Berechnung des globalen Einsparungspotenzials. Dafür wird die brasilianische Treibstoffnutzungsstruktur auf die gesamte Welt projiziert und die dadurch entstehenden Einsparungen berechnet. Als Ergebnis soll festgestellt werden, welchen Beitrag dies zur weltweiten Treibhausgasreduktion leisten könnte. Abschließend wird in einer eigenen Analyse das Ausdehnungs- und Produktionspoten- zial Brasiliens berechnet.

Für eine Einschätzung des Zuckerrohrethanols im Sinne der gewählten Nachhaltig- keitsstrategie ist die Analyse der lokalen sozio-ökologischen Auswirkungen dringend notwendig. Das siebte Kapitel beschäftigt sich deshalb in einem ersten Abschnitt mit den lokalen Umweltauswirkungen der aktuellen Produktion und der Auswirkungen ei- ner zukünftigen Expansion. Konkret sind dabei die Bereiche Wasserverbrauch und - verschmutzung, Biodiversität und Bodenerosion von Interesse. Die soziale Untersu- chung befasst sich mit den Auswirkungen des Treibstoffethanols auf die Luftqualität in Ballungsräumen und geht auf den Beschäftigungseffekt und Arbeitsbedingungen im Zucker- und Ethanolbereich ein. Besonderes Interesse ruft weltweit die mögliche Kon- kurrenz zwischen Nahrungsmitteln und Energiepflanzen hervor. Eine mögliche Konkur- renz, Verdrängungseffekte und Ernährungssicherheit werden in diesem Zusammen- hang für Brasilien untersucht.

Im abschließenden Kapitel erfolgen die Bewertung der Ergebnisse sowie die Darstellung der Chancen und Risiken aus internationaler und lokaler Perspektive. Durch Aufzeigen der aktuellen Forschungstrends wird die zukünftige mögliche Entwicklung greifbar gemacht. Lösungsansätze für die identifizierten Probleme vervollständigen und beenden die Untersuchung.

2. Internationale und lokale Klima- und Umweltpolitik

Die internationale Klimapolitik ist ein sehr junges eigenständiges Politikfeld, welches sich vorrangig mit der Ausarbeitung von Konventionen und Gesetzen zur Bekämpfung des anthropogenen Klimawandels beschäftigt. Bereits 1896 beschrieb der schwedische Chemiker Svante ARRHENIUS menschliche Einflüsse auf das Klima.8 Heute, knapp einhundert Jahre später, ist der anthropogene Einfluss auf das Klima eindeutig wissenschaftlich belegt. Die zukünftige Entwicklung sowie der Ausbau und die Nutzung von Bioethanol als alternativem Treibstoff hängen stark von den Entscheidungen und Gesetzen der Staatengemeinde ab. Deshalb ist die Untersuchung des internationalen Politikumfeldes auch für die vorliegende Arbeit von Bedeutung.

Ohne der inhaltlichen Erklärung und Operationalisierung des Leitbildes der Nachhalti- gen Entwicklung in Kapitel 4 vorgreifen zu wollen, soll bereits hier die notwendige Ver- bindung von Nachhaltigkeit und Klimapolitik hergestellt werden. Klimapolitik bezieht sich auf den Klimawandel, der ein globales, bereichs-übergreifendes Problem ist. Sie muss damit notwendigerweise einem ebenfalls übergreifenden Plan folgen, dessen Kernkomponente die Beachtung von Wirtschaft, Politik, Umwelt und Gesellschaft ist.9 Nur unter diesem integrativen Aspekt kann eine objektive und kritische Bewertung des Zuckerrohrethanols in Brasilien erfolgen.

2.1. Die Politik reagiert: Entstehung der Klimapolitik

Die wichtigste Station der internationalen Klimapolitik für die vorliegende Arbeit ist das Kyoto-Protokoll mit seinen Verpflichtungen zur CO2-Reduktion, da von Ethanol ange- nommen wird, dass es als Benzinsubstitut Treibhausgasemissionen einsparen kann. Die folgenden Teilabschnitte stellen knapp die wichtigsten Stationen auf dem Weg zum Kyoto-Protokoll dar und gehen im Anschluss auf dessen Zielsetzung und Verpflichtun- gen ein.

2.1.1. Die erste völkerrechtliche Vereinbarung: die Klimarahmenkonvention

Mit dem so genannten Brundtlandbericht 10 der World Commission for Environment and Development 11 von 1987 wurde das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung international etabliert und eine ernsthafte politische Auseinandersetzung mit dem Thema Klima ein- geleitet. Der Brundtlandbericht verwies auf den „dringenden Handlungsbedarf der in- ternationalen Völkergemeinschaft“12 sowie auf die Notwendigkeit von verbindlichen Verträgen und Konventionen und leitete einen Prozess internationaler Klimatreffen ein. Auf der vom dritten bis 14. Juni 1992 stattfindenden Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung13 in Rio de Janeiro, Brasilien, wurde die UN- Klimarahmenkonvention von 150 Staaten unterzeichnet, welche am 21. März 1994 nach der Ratifizierung durch den 50. Staat in Kraft trat.14 Das Ziel der Klimarahmen- konvention (KRK) ist laut Artikel 2:

„in übereinstimmung mit den einschlägigen Bestimmungen des überein- kommens die Stabilisierung der Treibhausgasemissionen in der Atmos- phäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropo- gene Störung des Klimasystems verhindert wird. Ein solches Niveau sollte innerhalb eines Zeitraums erreicht werden, der ausreicht, damit sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen kön- nen, die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und die wirtschaft- liche Entwicklung auf nachhaltige Weise fortgeführt werden kann.“15

Mit der Forderung nach Reduktion von Treibhausgasemissionen wird eine neue Ära menschlicher Verantwortung eingeleitet. Die vom Menschen mitverursachte Änderung des Klimas kann nur durch die Kombination von alternativen Energiemöglichkeiten in Verbindung mit Nachhaltigkeitskriterien erreicht werden. Gemäß KRK bedeuten:

„’Klimaänderungen’ Änderungen des Klimas, die unmittelbar oder mittel- bar auf menschliche Tätigkeiten zurückzuführen sind, welche die Zusam- mensetzung der Erdatmosphäre verändern, und die zu den über ver- gleichbare Zeiträume beobachteten natürlichen Klimaschwankungen hinzukommen“16

Es handelt sich also um eine Beziehung dualer Natur zwischen Mensch und Umwelt. Die Beziehung ist dabei durch den Faktor ‚Beeinflussung’ gekennzeichnet. Demnach ist Klimawandel die Beeinflussung bestimmter Prozesse, unter anderem durch menschliches Handeln.

Inhaltlich besteht die Konvention aus fünf Prinzipien (Art. 3), aus welchen sich wiede- rum die Verpflichtungen (Art. 4) für die einzelnen Länder ergeben. Laut Einleitung der Konvention soll Klimaschutz gemäß der „gemeinsamen, aber unterschiedlichen Ver- antwortlichkeiten [und] (…) Fähigkeiten“17 der Vertragsparteien erfolgen. Die Klima- rahmenkonvention unterscheidet zwischen zwei Staatengruppen: die Industrie- und Transformationsstaaten (Annex-I-Staaten) und die restlichen Staaten (Nicht-Annex-I- Staaten, bzw. Entwicklungsländer).18 Die Annex-I - Staaten sollen die Führung bei der Erreichung des Ziels übernehmen,19 da diese bis heute für einen Großteil des Treib- hausgasausstoßes verantwortlich sind und gleichzeitig die wirtschaftliche Kraft besit- zen, Änderungen zu tragen.

Ein weiteres wichtiges Dokument des Erdgipfels ist die Agenda 21. Unter dem Grundsatz Global denken - lokal handeln fordert sie Nachhaltige Entwicklung und gibt Handlungsempfehlungen zu aktuellen Weltproblemen wie Armutsbekämpfung, internationalem Handel sowie Umwelt- und Klimaschutz. Kapitel 9, Schutz der Erd Atmosph ä re, schreibt dazu:

„Elementares und wichtigstes Ziel (…) ist die Reduzierung der schäd- lichen Auswirkungen des Energiesektors auf die Atmosphäre durch Förde- rung einer Politik oder ggf. von Programmen, die den Anteil umwelt- verträglicher und gleichzeitig kostengünstiger, insbesondere neuer und erneuerbarer Energieträger (…) erhöht. Bei diesem Ziel soll auch die Not- wendigkeit nach sozialer Ausgewogenheit und einer angemessenen Ener- gieversorgung sowie der steigende Energiebedarf in den Entwicklungs- ländern zum Ausdruck kommen.“20

Beide Dokumente verdeutlichen die Dringlichkeit, alternative Energiequellen zur Redu- zierung der Treibhausgasemissionen zu finden, um den anthropogenen Einfluss zu reduzieren.

Neben der KRK und der Agenda 21 wurden in Rio ferner die Konvention über biologi sche Vielfalt, die Walderkl ä rung und die Rio-Deklaration verabschiedet. Alle diese Dokumente erkennen die Notwendigkeit der Integration von Umwelt und Entwicklung in der internationalen Debatte an.21 Zudem machen sie deutlich, dass die weltweite Entwicklung, so wie sie momentan existiert, nicht nachhaltig ist. Zum Schutz unserer Erde ist ein drastisches Umdenken dringend notwendig.

Als Hauptkritikpunkt der KRK wird angeführt, dass weder konkrete Daten, noch feste Zeitvorgaben zur „Stabilisierung bzw. Reduktion der Treibhausgase“22 festgelegt wur- den.

2.1.2. Das Kyoto-Protokoll 1997

Die fehlende Konkretisierung der Klimarahmenkonvention sollte durch nachfolgende Vertragsstaatenkonferenzen (Confernce Of The Parties, COP) ausgebessert werden. 1995 fand die erste dieser Konferenzen in Berlin statt. Ziel war es, das bislang Erreich- te dank neuer Erkenntnisse zu aktualisieren und Handlungsempfehlungen für den künf- tigen Klimaschutz abzuleiten . 23 Zwar wurden hier feste quantitative und zeitliche Ziele gefordert, doch schafften es weder COP-1 noch COP-2 in Genf 1996, diese Ziele aus- zuarbeiten und in einem Protokoll festzuhalten. Auf der dritten Vertragsstaatenkonfe- renz im Dezember 1997 in Kyoto, Japan, wurde dann das so genannte Kyoto-Protokoll verabschiedet.24 Erstmals wurden verbindliche Maßnahmen festgelegt. So verpflichtet das Protokoll die Annex-I-Staaten der KRK (im Kyoto-Protokoll: Annex-B-Staaten) die anthropogenen Treibhausgasemissionen im Zeitraum von 2008 bis 2012 um acht Pro- zent auf Basis des Referenzjahres 1990 zu senken.25 Das Protokoll wurde auf der COP-3 unterzeichnet, wurde mit der Ratifizierung Russlands am 5. November 2004 völkerrechtlich verbindlich und trat am 16. Februar 2005 in Kraft.

Die Vereinten Nationen schreiben vor, dass die Verpflichtungen derart zu erfüllen sind, dass „nachteilige Auswirkungen auf den Sozialbereich, die Umwelt und die Wirtschaft der Vertragsparteien, […], so gering wie möglich gehalten werden.“26 Das Kyoto- Protokoll sieht demnach eine Reduktion der Treibhausgasemissionen im Sinne der Nachhaltigkeit vor. Alle Bereiche sollen gleichermaßen zum Ziel beitragen und ge- schützt werden.

Zur Erreichung des Reduktionsziels sieht das Protokoll drei flexible Mechanismen vor. Der erste ist das Emission Trading.27 Jedes Land erhält Emissionsrechte, die seit 2005 an der Börse gehandelt werden können. Dadurch werden Unternehmen begünstigt die in klimafreundliche Technologien investieren, da sie überschüssige Zertifikate gewinnbringend verkaufen können.

Der zweite Mechanismus ist die Joint Implementation (JI, Gemeinschaftsreduktion). Hierbei können Annex-I-L ä nder in anderen Annex-I-L ä ndern treibhausgasreduzierende Maßnahmen durchführen und sich diese Werte auf die Emissionszertifikate anrechnen lassen.28

Im Gegensatz zum JI können Annex-I-L ä nder im Zuge des Clean Development Me- chanism (CDM) THG-reduzierende Projekte in Entwicklungsländern durchführen und sich die eingesparten Emissionen als Zertifikate anrechnen lassen. Ziel ist es, einen Technologietransfer zu schaffen, da es kostengünstiger ist, veraltete Technologien durch klimafreundliche auszutauschen, als bereits effiziente Technologien weiterzu- entwickeln.29 Im Zuge dieses Mechanismus kann sich Brasilien hohe Investitionen er- warten. Die Interministerial Commission on Global Climate Change (CIMGC) kontrol- liert alle CDM -Projekte in Brasilien. Bis Mai 2008 verzeichnet Brasilien 285 Projekte und nimmt damit nach China und Indien den dritten Platz ein. Abbildung 1 zeigt die Projektinhalte nach Treibhausgasemissionen. Der Großteil der Projekte (67 Prozent) zielt auf Reduzierung des CO2 Ausstoßes ab.30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl CDM Projekte nach THG (%)

Quelle: MCT (2008); eigene Darstellung.

2.2. Das brasilianische Energiemodell

Brasilien ist zwar reich an Bodenschätzen (Kupfer, Zinn, Uran, u.a.), verfügt aber nur über geringe Kohle-, Erdöl- und Erdgasvorkommen und ist somit Nettoimporteur fossi- ler Energiequellen. Als vorrangiges Ziel der brasilianischen Energiepolitik gilt deshalb die Schaffung der Unabhängigkeit von Erdölimporten. Brasilien besitzt ein sehr gutes Versorgungsnetz an alternativen Energien; besonders Wasserkraft und Biomasse spie- len hier eine wichtige Rolle.31 2006 erreichte Brasilien mit 1,8-1,9 Millionen geförderten Barrels (b) pro Tag die Selbstversorgung mit Öl.32 Abbildung 2 gibt die Zusammenset- zung des internen Energieangebots Brasiliens an. Auffallend ist der hohe Anteil von ca. 45 Prozent erneuerbaren Energiequellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Internes Energieangebot Brasiliens 2007 (%)

Quelle: MME (2007f); eigene Darstellung.

Bereits 1975 führte Brasilien das so genannte Pro Á lcool -Programm ein, welches fest- legte, dass ein gewisser Teil des fossilen Treibstoffes durch Ethanol aus Zuckerrohr substituiert werden muss. 2006 produzierte Brasilien 17,7 Millionen m3 Ethanol und deckte damit 40 Prozent des Treibstoffbedarfs der ottomotorbetriebenen Fahrzeuge.33 Im Vergleich mit der Energiematrix der restlichen Welt verzeichnet Brasilien den mit Abstand größten Anteil an erneuerbaren Energiequellen. Abbildung 3 verdeutlicht dies:

Abbildung 3: Anteil erneuerbarer Energien an Gesamtenergiematrix (%)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: MME (2007f); eigene Darstellung.

Brasilien generierte 2007 45,9 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quel- len. In den OECD -Ländern betrug dieser Anteil nur 6,2 Prozent, außerhalb OECD und Brasilien waren es 12,7 Prozent (Daten für OECD -Staaten und die Welt liegen nur bis 2005 vor).

Auch der Ausbau der Wasserkraft zur Stromerzeugung wurde durch den Wunsch nach mehr Unabhängigkeit gefördert und trug somit 2007 insgesamt zu über 40 Prozent zum Primärenergieaufkommen und fast 90 Prozent zur Stromerzeugung in Brasilien bei.34 Auf den ersten Blick scheint dieser Energiemix durch den großen Anteil an erneuerba- ren Energien eine nachhaltige Option zur langfristigen Sicherung des Energiebedarfs zu sein. Anhand von Ethanol werden Wechselwirkungen und Zielkonflikte analysiert werden.

2.3. Auswirkungen der internationalen Klimapolitik für Brasilien

Brasilien unterzeichnete die Klimarahmenkonvention am 4. Juni 1992 auf dem Erdgip- fel und ratifizierte sie am 28.2.1994 als Nicht-Annex-I-Staat.35 Am 23. August 200236 ratifizierte Brasilien auch das Kyoto-Protokoll und setze damit ein Zeichen um die Re- duzierung von Treibhausgasemissionen politisch zu fördern. Mit der Ratifizierung der beiden Protokolle wurde es Teil eines globalen Systems zur Bekämpfung des anthro- pogenen Klimawandels.

Die Nutzung von Biotreibstoffen wird oft mit den Reduktionszielen des Kyoto-Protokolls begründet und gerechtfertigt. Weltweit steigt daher seit einigen Jahren die Nachfrage nach Biotreibstoffen. Brasilien wird versuchen, dieser Nachfrage nicht nur im eigenen Land, sondern auch durch weltweiten Export nachzukommen, solange es ökonomisch rentabel ist. Der Leitspruch der Agenda 21, Global denken - lokal handeln, macht die- sen Zusammenhang deutlich. Das globale Problem des Klimawandels verlangt lokale Maßnahmen und Anstrengungen um diesem entgegenzuwirken. Auftretende Zielkon- flikte der lokalen Maßnahmen werden in dieser Arbeit für den Bereich der Ethanolher- stellung und -nutzung kritisch analysiert.

3. Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung als Evaluierungsrahmen

Vor dem Hintergrund des in den letzten Jahren gestiegenen öffentlichen Interesses an Themen zu Umwelt- und Klimaschutz, sind in den vergangenen 15 Jahren verstärkt nationale Gesetze und internationale Vereinbarungen zum globalen Umweltschutz ver- abschiedet worden. Besonders die internationalen Vereinbarungen sind dabei von gro- ßer Bedeutung. Beim Schutz der Erde handelt es sich nicht um eine von Nationalgren- zen limitierte Aufgabe. Klimaveränderungen schlagen sich grenzübergreifend nieder. Parallel zur breit geführten Klimadebatte hat sich der Begriff der Nachhaltigen Ent- wicklung37 in den vergangenen Jahren etabliert und ist aus der Diskussion nicht mehr wegzudenken. Den Stellenwert erhält das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung dadurch, dass es sich nicht auf die nationale oder regionale Ebene beschränkt, son- dern „die Globalisierung ökonomischer wie ökologischer Probleme ebenso wie die In- terdependenz der Betroffenen und die notwendige Globalität zielführender Lösungsan- sätze “ 38 betont.

Im folgenden Abschnitt wird erläutert wie das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung das wachsende Interesse an Umweltschutz begleitet hat. Die beiden bereits angesprochenen Etappen des Brundtlandberichts aus dem Jahr 1987 und die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 sind für diesen Prozess von besonderer Bedeutung gewesen.

3.1. Entstehung des Begriffs

Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit aus dem Bereich der Forstwirtschaft im 18. Jahrhundert und besagt, dass „von den Erträgen einer Substanz und nicht von der Substanz selbst“39 gelebt werden soll. 1987 entstand mit der Veröffentlichung des Brundtlandberichts die Grundlage vieler heute verwendeter Definitionen im internatio- nalen Kontext. Gleichzeitig erfuhr der Begriff breite öffentliche Wahrnehmung und Ak- zeptanz.

„Unter Nachhaltiger Entwicklung verstehen wir eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“40

Charakteristisch ist die integrative Betrachtung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Die bis dato bestehende Polarisierung auf ökonomisches Wachstum wird aufgehoben und um die Dimensionen Ökologie und Soziales erweitert. Ein integrativer Ansatz wirt- schaftlicher, ökologischer und sozialer Aspekte erscheint auch deshalb sinnvoll, da sich globale Probleme wechselseitig beeinflussen. Ein weltumspannendes Leitbild ei- ner zukunftsfähigen Entwicklung ist geboren: die Nachhaltige Entwicklung.

Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro knüpft an dieses Leitbild an und verankert es in den dort verabschiedeten Konventionen. Nachhaltige Entwicklung wird aber nicht explizit definiert.41 Diese Konferenz „ist zum Symbol eines neuen Bewusstseins für die gemeinsame Verantwortung der Weltgesellschaften geworden: 178 Staaten haben […] sich dazu bekannt, das Leitbild ‚sustainable development’ auszufüllen […].“42 Zehn Jahre nach Rio wurden auf der Nachfolgekonferenz in Johannesburg 2002 die wichtigsten Prinzipien der Nachhaltigen Entwicklung bekräftigt und neue Aktionspläne verabschiedet.43

3.2. Divergierende Konzepte einer Nachhaltigen Entwicklung

Der Begriff der Nachhaltigen Entwicklung prägt zwar das Vokabular internationaler Akteure, Konsens herrscht allerdings nur beim Namen, nicht beim Inhalt. Bevor nun eine für diese Arbeit sinnvolle Abgrenzung erstellt werden kann, werden die wichtigsten unterschiedlichen Konzepte charakterisiert.

Besonders kritisch ist die Theorie der schwachen ökologischen Nachhaltigkeit zu betrachten, welche besagt, dass „die Summe von künstlichem und natürlichem Kapital Maßstab der Erhaltung bzw. der Weiterentwicklung“44 ist. Dementsprechend wäre ein Verlust an Artenvielfalt durch ein Mehr an Autos ausgleichbar.

[...]


1 IEA (International Energy Agency) (Hrsg.) (2007): Key World Energy Statistics 2007. S. 44.

2 Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) (2007): Climate Change 2007: The Physical Sci- ence Basis. Summary for Policymakers.

3 Vgl. STERN, N. (2006): Stern Review on the ecomomics of climate change. Deutsche Zusammenfas- sung, S. 14.

4 Vgl. DREIER, T. (2000): Ganzheitliche Systemanalyse und Potenziale biogener Kraftstoffe. Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Anwendungstechnik, Technische Universität München (Hrsg.), S. 26f.

5 Vgl. WALTER, A. et al. (2007): Market Evaluation: Fuel Ethanol. IEA (International Energy Agency) (Hrsg.), Bioenergy Task 40/UNICAMP. S. 54ff.

6 Z.B. EU (2003): Richtlinie 2003/30/EG zur F ö rderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder ande- ren erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor. Oder: Presidência da República (1993): Lei N° 8.723, de 28 de Outubro de 1993, Brasília, Brasilien.

7 Vgl. WALTER, A. et al. (2007), S. 54.

8 Vgl. LOSKE, R. (1996): Klimapolitik - Im Spannungsfeld von Kurzzeitinteressen und Langzeiterforder- nissen. Metropolis Verlag, 2. Auflage, Marburg. S. 17.

9 Vgl. GERES, R. (2000): Nationale Klimapolitik nach dem Kyoto-Protokoll. Verlag Lang, Frankfurt am Main; Berlin; Bern; Brüssel; New York; Wien. S. 59.

10 Anm.: 1983 wurde die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (WCED = World Commission on Environment and Development) durch die Vereinten Nationen gegründet mit dem Auftrag, einen lang- fristigen umweltbezogenen Perspektivenbericht über das Jahr 2000 hinaus zu erstellen. 1987 veröf- fentlichte die Kommission ihren Bericht Our Common Future welcher die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik maßgeblich beeinflusste. Siehe: Lexikon der Nachhaltigkeit (2008): Brundtland-Report 1987: Unsere gemeinsame Zukunft.

11 Anm.: Deutsch: Weltkommission für Umwelt und Entwicklung.

12 Lexikon der Nachhaltigkeit (2006): Rio-Konferenz 1992 (Erdgipfel).

13 Anm.: Engl.: UN Conference on Environment and Development (UNCED)

14 Vgl. COENEN, R. (1997): Die internationale Klimapolitik und die Klimarahmenkonvention. S. 163. In: KOPFMÜLLER, J. und COENEN, R. (Hrsg.) (1997 ): Risiko Klima. Der Treibhauseffekt als Herausfor- derung f ür Wissenschaft und Politik. Verlag Campus, Frankfurt am Main. S. 159-199.

15 UNFCCC (1992a): Rahmen übereinkommen der Vereinten Nationen über Klima ä nderungen.

16 UNFCCC (1992a).

17 UNFCCC (1992a).

18 Vgl. BRAUCH, Hans G. (1998): Klimapolitik der Schwellenstaaten S üdkorea, Mexiko und Brasilien. AFRES-PRESS Studie für das Umweltbundesamt, 1. Auflage, Mosbach, S. 28.

19 COENEN, R. und SARDEMANN G. (1998): Klimarahmenkonvention, Kyoto Protokoll und Forschung zu globalen Umweltver ä nderungen. Forschungszentrum Karlsruhe - Technik und Umwelt - Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse. Abschlußbericht zum BMBF-Vorhaben: Informations- stelle Umweltforschung Förderkennzeichen 01 LP 9401/5, Karlsruhe. S. 6.

20 STAIß, F. (Hrsg.) (2007): Jahrbuch Erneuerbare Energien 2007. Stiftung Energieforschung Baden- Württemberg, Radebeul, Bieberstein. S. 58

21 Alle Dokumente einsehbar unter: http://www.ciesin.org/datasets/unced/unced.html.

22 ENGELHARDT, W. und Weinzierl, H. (Hrsg.) (1993): Der Erdgipfel - Perspektiven f ür die Zeit nach Rio. Economica Verlag, Bonn. S. 116.

23 Vgl. FISCHER, W. und HOLTRUP P. (Forschungszentrum Jülich) (1998): Erfolge und Defizite der internationalen Klimaschutzpolitik. S. 251. In: BORSCH P. und HAKE, J. (1998): Klimaschutz - eine globale Herausforderung. Bonn Aktuell, Landsberg am Lech. S. 243 - 292.

24 Vgl. FISCHER, W. und HOLTRUP, P. (1998), S. 272ff.

25 Vgl. FISCHER, W. und HOLTRUP, P. (1998), S. 275.

26 UNFCCC (1997): Das Protokoll von Kyoto zum Rahmen übereinkommen der Vereinten Nationen über Klima ä nderungen. Kyoto, Japan, Artikel 3, Abs. 14.

27 Vgl. UNFCCC (1997), Artikel 17.

28 Vgl. UNFCCC (1997), Artikel 3.

29 Vgl. GTZ (2002): CDM - Clean Development Mechanism. What is it? How does it work ?. Eschborn, S. 2.

30 Vgl. MCT (2008): Current status of CDM project activities in Brazil and in the world - Last compilation from the UNFCCC webpage.

Anm.: andere THG: CH4 (Methan); N2O (Distickstoffmonoxid)); PFC (Perfluorkarbon).

31 Vgl. BRAUCH, H. (1998), S. 226.

32 Vgl. UNICA (Uni ã o da Ind ú stria de Cana-de-A çú car) (2007): Production and use of fuel ethanol in Brazil - Answers to the most frequently asked questions. São Paolo, Brasilien. S. 15.

33 Vgl. UNICA (2007), S. 15.

34 Vgl. GTZ (Hrsg.) (2007): Energiepolitische Rahmenbedingungen f ür Stromm ä rkte und erneuerbare Energien. 23 L ä nderanalysen. Eschborn. S. 16.

35 Vgl. BRAUCH, H. (1998), S. 39 und 227.

36 Vgl. UNFCCC (1992b): Status of Ratifikation.

37 Anm.: Engl: Sustainable Development; andere übersetzungen: dauerhafte Entwicklung, zukunftsfähige Entwicklung; hier werden die Begriffe Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung synonym verwendet.

38 SPANGENBERG, J. (2005): Nachhaltigkeit - Konzept, Grundlagen, Herausforderungen, Anwendun- gen. Aus: Utopie kreativ, Heft 174, S. 327 - 341.

39 GRUNWALD, A. und KOPFMÜLLER, J.: Nachhaltigkeit. Campus Verlag, Frankfurt am Main. S. 14.

40 HAUFF, V. (1987), S. 46.

41 Vgl. Di GIULIO, A. (2004): Die Idee der Nachhaltigkeit im Verst ä ndnis der Vereinten Nationen - An- spruch Bedeutung und Schwierigkeiten. Aus der Reihe: Ethik in der Welt, Hrsg. Prof. Dr. Andreas Graeser, Band 3. S. 87.

42 Abschlussbericht der Enquete-Kommission (1998): Schutz des Menschen und der Umwelt - Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltig zukunftsvertr ä glichen Entwicklung. S. 77.

43 Vgl. HERMLE, R. (2002): Johannesburg - Gipfel der Ank ündigungen. In: Entwicklung und Zusammen- arbeit, Nr. 10, Oktober, S. 271.

44 GRUNWALD, A. und KOPFMÜLLER, J. (2006), S. 37.

Ende der Leseprobe aus 100 Seiten

Details

Titel
Potenzial und nationale sozio-ökologische Auswirkungen der Bioethanolherstellung in Brasilien
Hochschule
Universität Passau  (Philosophische Fakultät)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
100
Katalognummer
V164775
ISBN (eBook)
9783640801718
ISBN (Buch)
9783640802395
Dateigröße
2706 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit;, Brasilien;, Bioethanol;, Biotreibstoff;, Klima;, ökologisch, Klimawandel, sozial, CO2, Life-Cycle-Assessment, Carbon
Arbeit zitieren
Isabel Gür (Autor), 2008, Potenzial und nationale sozio-ökologische Auswirkungen der Bioethanolherstellung in Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164775

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