Stuart Hall: Im Reigen von Kodierung und Dekodierung - Im Angesicht der Hybridity


Referat (Ausarbeitung), 2010

11 Seiten, Note: 14


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stuart Hall: Kodieren/ Dekodieren

3. Kulturelle Identität und Diaspora

4. Literatur

1. Einleitung

Stuart Hall gilt als einer der wichtigsten Begründer der Cultural Studies. Geboren wurde Hall 1932 in Kingston, Jamaika. Dort wuchs er in einer Familie des unteren Mittelstandes auf. 1951 führte ihn sein Weg nach England, wo er studierte und später an verschiedenen Universitäten arbeitete, bis er 1968 Leiter des Birminghamer Centre of Contemporary Cultural Studies (CCCS) wurde (vgl. Krotz in Hepp/ Krotz/ Thomas 2009, S.210). Nachdem er diese Position 1977 aufgab, war Hall bis zu seiner Pensionierung 1997 als Professor für Soziologie an der britischen Open University tätig, ab 1995 war er zudem Präsident der British Sociological Association (vgl. Hall in Bromley/ Göttlich/ Winter 1999, S.92). Halls Interessen gelten dem Sozialismus, insbesondere dem in Groß Britannien, zudem beschäftigt er sich mit antikolonialer Politik in den Dritte- Welt- Ländern. Heute gilt Stuart Hall nicht nur als einer der wichtigsten Intellektuellen marxistischer Ordnung, sondern darüber hinaus „international als visionärer, kritischer Intellektueller.“ (ebd., S.92).

1980 erschien sein Werk „Kodieren/ Dekodieren“, mit dem ich mich im Folgenden näher auseinandersetzen werde, der zweite Schwerpunkt dieser Arbeit soll schließlich auf Halls Verständnis von kultureller Identität liegen. Er führt den Begriff der Diaspora an, sieht die kulturelle Identität eines Menschen als etwas Hybrides an. In seinem Werk „Kulturelle Identität und Diaspora“ bezieht sich Hall diesbezüglich insbesondere auf eigene Erfahrungen, die er als Schwarzer Karibe gemacht hat.

2. Stuart Hall: Kodieren/ Dekodieren

Hall entwickelte mit dem Modell Kodieren/ Dekodieren einen neuen Ansatz für das Verstehen von Massenkommunikations- und Rezeptionsprozessen (vgl. Hall in Bromley/ Göttlich/ Winter 1999, S.92). Dieses Modell sieht Kommunikationsprozesse als Struktur, „die durch Artikulation miteinander verbundener, aber eigenständiger Momente produziert und aufrechterhalten wird [...].“ (ebd., S.92). Die Bestandteile dieses Kommunikationsprozesses sind nach Hall Produktion, Zirkulation, Distribution/ Konsum und Reproduktion, angelehnt sind diese Begrifflichkeiten an Marx´s Modell der Güterproduktion (ebd., S.93). Jeder Moment des Kommunikationsprozesses ist dabei notwendig, kein Bestandteil des Diskurses kann also den darauffolgenden gewährleisten, obwohl sie in enger Verbindung zueinander stehen. Jeder Moment ist unverwechselbar, hat seine spezifischen Existenzbedingungen und seine eigene Modalität (vgl. ebd., S.93f). Bis heute ist dieser Ansatz richtungsweisend für Medienanalyen der Cultural Studies und löste damit den herkömmlichen Ansatz ab, der Kommunikation als linearen Informationstransport ansieht (vgl. Krotz in Hepp/ Krotz/ Thomas 2009, S.214). Kommunikation wurde in diesem Modell auf die einseitige Verschickung von Paketen reduziert, es ging hauptsächlich darum, zu erfahren, „wer was zu wem und auf welchem Kanal sagt, wer das nutzt und welche Wirkung das hat.“ (ebd., S.214). Hall zufolge bleiben in diesem Ansatz sowohl der Klassencharakter einer Gesellschaft als auch der darauf basierende Interessen- und Machtkampf der Menschen unberücksichtigt. Dieser behavioristische Ansatz mache es zudem nicht möglich, Gefühlsregungen, die in den Menschen vorgehen, zu verdeutlichen, demnach bleibe auch der Sinn ihrer Handlungen im Verborgenen, so Hall (vgl. ebd., S.215).

Ihm nach ist Kommunikation nur im Verhältnis zu Kultur und Gesellschaft zu verstehen. Somit ist die Wirklichkeit auch nur über sprachliche oder zeichenbezogene Formen zu erfahren, sie kann also nur über Zeichen medial vermittelt werden. Bei einer Kommunikationsanalyse müssen zudem gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse, Regeln der Sprache und semiotische Überlegungen berücksichtigt werden (vgl. ebd., S. 216f). Zeichen funktionieren laut Hall nach bestimmten gesellschaftlichen Regeln, welche kultur- und zeitspezifisch sind, demnach sind auch Medieninhalte nicht objektiv zu verstehen, sondern verweisen auf etwas (vgl. Hall in Bromley/ Göttlich/ Winter 1999, S.96). Beispielsweise ist die im Fernsehen dargestellte Kuh nur ein Zeichen für die Kuh selbst, da sie dort zwar „muhen“ kann, jedoch mir, dem Zuschauer keine Milch geben kann (vgl. Krotz in Hepp/ Krotz/ Thomas 2009, S.215). Es sind gesellschaftsspezifische Kodes notwendig, um Gesagtes verstehen zu können bzw. das nun Dekodierte in einen selbst gewählten Kontext zu setzen (vgl. ebd., S.215). Diese Kodes sind nicht naturgegeben, sondern werden innerhalb einer Gesellschaft konstruiert. Viele dieser Kodes erscheinen uns jedoch natürlich, da wir sie von Kindesbeinen an in unser Denkschema integriert haben (vgl. Hall in Bromley/ Göttlich/ Winter 1999, S.99).

Mithilfe des folgenden Modells[1] möchte ich den Kommunikationsprozess, wie Hall ihn beschreibt, näher erläutern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Modell berücksichtigt neben Produzenten, TV- Programm und Rezipienten auch die Produktionsbedingungen und die technische Infrastruktur des Senders. Im Rahmen der institutionellen Strukturen eines TV- oder Rundfunksenders werden Programme hergestellt, hier wird die Nachricht also produziert, dabei sind spezifische Bedingungen wie Produktionsverhältnisse der Nachricht, aber auch via Produktionsroutinen angeeignetes Wissen etc. zu beachten (vgl. Hall in Bromley/ Göttlich/ Winter 1999, S.95). Der Wissensrahmen bestimmt weiterhin die Vorstellung und die Bedeutung der Nachricht, also auch den Ablauf des Programms, erheblich mit. Nun wird die Nachricht nach gesellschaftlich anerkannten Kodes verpackt (kodiert). Das entstandene (TV-)Programm ist nun Hauptaugenmerk des Diskurses, es stellt Themen dar, die u.a. an Zuschauervorstellungen angelehnt, ausgewählt wurden (vgl. Hall in Bromley/ Göttlich/ Winter 1999, S.95). Der Konsum der Fernsehnachricht wird gleichzeitig zum Ausgangspunkt der Realisation dieser- der Zuschauer erkennt die Nachricht nun als sinnvoll an, rezipiert diese und bettet sie in einen selbstbestimmten Kontext ein, nachdem er sie nach den für seine Kultur spezifischen Regeln der Sprache dekodiert hat. Hier wird deutlich, dass auch Produktionsverhältnisse eines Senders den Regeln der Sprache unterstellt sind, sonst wäre eine Kommunikation nicht möglich (ebd., S.96). Die Nachricht erzielt beim Zuschauer schließlich einen individuell spezifischen Effekt, beispielsweise kann sie ihm einen bestimmten Nutzen bringen oder ein Bedürfnis befriedigen. Durch die Zuschauerquote beispielsweise kann nun der Wissensrahmen der Produzenten erweitert werden, somit können sich Produktionsverhältnisse gegebenenfalls ändern (vgl. ebd., S.96).

[...]


[1] Quelle: http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.roebkers.de/medien/IMG00007.GIF&imgrefurl=http://www.roebkers.de/medien/diplarb3.htm&usg=__7fnY9VHiyEdI7OUPyoBL-TXlwCs=&h=300&w=540&sz=4&hl=de&start=1&um=1&tbnid=qryR1yVhHT4CNM:&tbnh=73&tbnw=132&prev=/images%3Fq%3Dmodell%2Bcoding/%2Bdecoding%2Bhall%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26hs%3Dqtj%26sa%3DG%26um%3D1, Zugriff am 12.01.2010, 14:44Uhr (Grafik auf Deutsch u.a. in Bromley/ Göttlich/ Winter 1999, S.97).

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Stuart Hall: Im Reigen von Kodierung und Dekodierung - Im Angesicht der Hybridity
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Insitut für Soziologie)
Veranstaltung
Postcolonial Studies
Note
14
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V164776
ISBN (eBook)
9783640798810
ISBN (Buch)
9783640798629
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stuart, Hall, Reigen, Kodierung, Dekodierung-, Angesicht, Hybridity
Arbeit zitieren
Hanna Ruehle (Autor), 2010, Stuart Hall: Im Reigen von Kodierung und Dekodierung - Im Angesicht der Hybridity, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164776

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