Catherine Breillats "Romance XXX - was wissen Sie über Männer?" - zwischen Pornographie und Feminismus


Seminararbeit, 2010

13 Seiten, Note: 1+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Hauptteil

2. Kurze Zusammenfassung des Films
2.1 Frauenrollen in Romance XXX

3. Exkurs: Wie die Nacktheit die Medien eroberte
3.1. FlieBende Grenzen zur Pornographie
3.2 Rocco Siffredi

4. Zusammenfassung: Romance XXX und Pornofilm

5. Romance XXX und der Feminismus
5.1 Feministische Kritik - Andrea Dworkin

6. Zusammenfassung Romace XXX und Feminismus

7. Fazit und Zusammenfassung

Quellen

Bibliographie

Filmographie

1. Einleitung

Nachdem ich mich etwas mit dem Film RomanceXXX von Catherine Breillat beschaftigt habe, war es mir schier unmoglich den Film wirklich einzuordnen. Weder handelte es sich um Pornographie, noch um einen Spielfilm im klassischen Sinne. Auch hatte ich das Gefuhl, dass der Film im weitesten Sinne politisch oder feministisch motiviert ist, gerade was die sexuellen Unterschiede zwischen den konstruierten Geschlechtern angeht, ohne das ich dieses weiter begrunden konnte.

Der Film stellt nicht bloB klischeebehaftete weibliche Korper zur Schau - langbeinig, blond und groBbusig - Marie, die Hauptfigur, ist keineswegs eine dieser Frauen. Der Blick den Breillat auf den weiblichen Korper hat ist weniger fetischisierend und daher radikal. Der Film bemuht sich aber auch nicht ernsthaft, das Vorurteil der sexhungrigen, identitatslosen Frau zu vernichten und ist demnach auch kein blosser feministischer Film.

In dieser Hausarbeit mochte ich daher versuchen durch dies beiden Vermutungen, der Film sei einerseits Pornographie und andererseits aber auch ein feministischer Film, einen Zugang zu RomanceXXX zu bekommen und auch die Frage klaren inwiefern RomanceXXX die Themen Pornographie und Feminismus aufgreift und behandelt. Unter anderem mochte ich aufzeigen wieso dieser Film fur so viel Aufsehen und Emporung gesorgt hat und mich daher mit der „Sexualisierung“ der Medien in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten befassen.

Ich werde auBerdem auf die feministische Pornokritik von Andrea Dworkin eingehen und die andersartigkeit von RomanceXXX zu verdeutlichen. Breillat trifft namlich keineswegs einen unter Feministinnen akzeptierten Ton, sie beschreitet einen ganz eigenen Weg um die Emanzipation der Frau zu zeigen.

Beginnen mochte ich allerdings zunachst mit einem kleinen Diskurs zur Sexualisierung des Films und der Medien. AuBerdem sind Begriffserlauterungen fur diese Hausarbeit unabdingbar.

Hauptteil

2. Kurze Zusammenfassung des Films

Es geht um die Grundschullehrerin Marie. Sie ist mit Paul liiert, einem Model, der ihr den Geschlechtsverkehr verweigert. Als Grund werden dem Zuschauer zwei Moglichkeiten angeboten. Moglichkeit eins ist die Jager und Sammler Theorie: Paul mussjagen. Marie istjedoch bereits erlegt und Paul verliert das Interesse. Moglichkeit zwei: Paul ist tatsachlich in sexueller Hinsicht desinteressiert, was der Zuschauer kaum glauben kann und deswegen auf Variante a) zuruckgreift.

Verzweifelt uber die Zuruckweisung sturzt sich Marie in Affaren. Paolo lernt sie in einer Bar kennen und schlaft mit ihm. Mit ihrem Schulleiter Robert lebt sie seine sado- masochistischen Phantasien aus. Dieses Verhaltnis bestehtjedoch auch aus Vertrauen und Nahe.

In einer weiteren Sequenz verkauft sich Marie zunachst an einen Unbekannten und wird darauf von ihm Unbekannten vergewaltigt.

Marie wird von Paul schwanger und er scheint sich nunmehr gar nicht fur sie zu interessieren. Zusammen mit Robert fahrt sie ins Krankenhaus um das Kind zu bekommen und dreht kurz davor den Gasherd auf. Bei der darauffolgenden Gasexplosion stirbt Paul. Marie scheint mit ihrem Sohn und der „Trennung“ von Paul, endlich mit sich im Reinen zu sein.

Der Film kann deswegen also als Film uber die Emanzipation der Frau verstanden werden.

2.1 Frauenrollen in Romance XXX

Marie nimmt einige Rollen im Film ein. Sie ist die Partnerin, der One- Night- Stand, die Geliebte, die vergewaltigte Frau und die Mutter.

In beinahejeder Rolle ist siejedoch das Opfer. Als sexuell unbeachtete Partnerin Pauls. Die immer noch unbefriedigte Frau wahrend des Geschlechtsverkehrs mit Paolo und das Vergewaltigungsopfer. Marie durchquert diese Stationen und entwickelt sich fort.

Lediglich als Geliebte Roberts, denn hier verbindet sich Sexuelles mit Geistigem, fuhlt sich Marie als Frau geschatzt. Ebenso in der Mutterrolle. Als Mutter ist sie eine vollkommene Frau und vollkommen autark.

Dies sind Stereotypen in die das Frauenbild seitjeher gepresst wurde: Mutter oder Hure, Geliebte oder Ehefrau. Dass eine Frau aber alles dies sein kann, zeigt Catherine Breillat hier in ihrer Reihe von Bildern in denen Marie ihre verschiedenen Ichs, in verschiedenen Stationen, zeigt. Angelika Henschel und Heike Schlottau schreiben in ihren Buch Schaulust. Frauen betrachten Frauenbilder im Film1 nicht nur von diesem antagonistischem Gestaltungsschema der Heiligen und der Hure, sondern auch von der Objektivierung der Frau im Film und ihrer Sexualitat, sie schreiben auch von dem ,,mannlichen Blick2 “ der den Frauen eine ,,Andersartigkeit des Weiblichen, die an Sexualitat gebunden ist3 “ unterstellt. Die Frau wird auf das Objekt des Begehrens reduziert. RomanceXXXversucht diese Stereotypen zunachst einzufangen um dann spater mit ihnen zu brechen. Marie ist zunachst eine eher „heilige“ Erscheinung, in Schaulust werden die Begriffe ,,Jungfraulichkeit, kindliche Unschuld und Reinheit gepaart mit Sexualitat und Verfuhrung4 “ verwendet, ich finde sie zutreffend. Sie ist zunachst stets in weiB gekleidet, sie liebt Paul und wunscht sich eine „normale“ Beziehung mit ihm. Mit der Darstellung Maries Sexualitat wiederspricht sich Breillat bei der Besetzung mit dem Rollentyp beabsichtigt. Marie uberwindet ihre Scham und ist nun nicht mehrjungfarulich oder rein. Breillat fuhrt in Marie also die Heilige mit der Hure zusammen und zeigt so die fehlerhaftigkeit in der stereotypen Darstellung von Frauenbildern auf.

3. Exkurs: Wie die Nacktheit die Medien eroberte

Der Weg zu Breillats Darstellung von Korpern war lang und immernoch nicht ganz gegangen. Undenkbar war es zu Beginn des Films noch, Menschen nackt oder gar auf erotische Art und Weise zu zeigen, geschweige denn erregte Genitalien, wie es in RomanceXXX der Fall ist.

,,...allem Anschein nach [sind] Nacktheit und Scham nicht nur in der Antike und im Mittelalter, sondern auch in fremden primitiven Gesellschaften so eng miteinander verbunden [...], dass vieles fur die Wahrheit des biblischen Mythos spricht, nach dem die Scham vor der EntbloBung des Genitalbereichs keine historische Zufalligkeit ist, sondern zum Wesen des Menschen gehort.“5

Wie kommt es dann, dass entbloBte Korper doch standig im Fernsehen zu sehen sind? Wurde unser Sehverhalten nach und nach zu dem was es heute ist, durch bloBe Gewohnung?

Die Liberalisierung von Sex und Sexualitat in den deutschen Medien begann schleichend in den 50er Jahren. In dem Film von 1951 Die Sunderin war Hauptdarstellerin Hildegard Knef als Marina ganze drei Sekunden nackt auf der Leinwand zu sehen, nicht nur dass das deutsche Publikum emport war, der Film wurde bis 1954 verboten.

Zeitgleich zu den deutschen Ressentiments gegenuber dem Film die Sunderin der Trend ein, zunehmend erotisierende Bilder von Frauen zu zeigen. Mit Gina Lollobrigida und Sophia Loren fanden sich im Hollywoodfilm der 50er Jahre Schauspielerinnen mit offensichtlicher sexueller Ausstrahlung. Vor allemjedoch hatte man mit Marilyn Monroe sicherlich das Sexsymbol in den Medien.

Wieso wurden in Deutschland dann aber in den fruhen 50er Jahren hauptsachlich Heimat- und Familienfilme gezeigt? Dagmar Hoffmanns Theorie6 daruber ist, dass es in der Nachkriegszeit zu einer Starkung der Frau kam. Bevor die Soldaten aus dem Krieg heimkehrten, sofern sie dies taten, mussten die Frauen in Familie und Alltag zunachst selber klarkommen. Die zuruckgekehrten Manner fanden sich also in einer neuen Ordnung wieder. Durch die Medien, wie eben dem Kino, wollte der Mann die Frauen auf ihre rechtmafiigen Platze zuruckverweisen. Nicht umsonst wurden meist naiv anmutende Frauen gezeigt. Dies ubrigens auch nicht nur im deutschen Film, die typischen „Sexbomben“ beispielsweise im amerikanischen Film, wurden zwar fur ihre Erotik und Schonheit bewundert,jedoch auch belachelt.

1970 erhielt das ZDF Briefe von Besorgten Eltern mit der Bitte, man moge doch in Zukunft bitte davon absehen, im Fernsehen Frauen mit durchsichtigen Blusen zeigen. So geschehen bei der Sendung ,,Wunsch dir was“7

Noch weiter nach der Sexuellen Revolution zeigte Nina Hagen in einer Fernsehsendung, bekleidet, wie sich eine Frau beim Geschlechtsverkehr zu beruhren hatte, um zum Hohepunkt zu gelangen.

Dies sind nur einige wenige Beispiele die uns zu der Situation brachten, wie wir sie in der Medien und Filmlandschaft heute vorfinden: enttabuisierte, exhibitionistische, narzisstische und voyeuristische Gestaltung unter dem gemeinsamen Motto ,,Sex sells“.

3.1. FlieRende Grenzen zurPornographie

Auch wenn nackte Bruste im Fernsehen und auch auf der Kinoleinwand mittlerweile fast schon konformistisch und ,,ein Muss“sind, so schockieren Filme seit den 90er Jahren, wie zum Beispiel Baise Moi! oder Basic Instinct (1992), das Publikum doch immer noch mit der Darstellung von primaren Geschlechtsteilen.

Dies wird oft als „Pornographie“ abgetan und verpont, genauso geschehen bei RomanceXXX.

[...]


1 'Henschel,Angelika/Schlottau, Heike: Schaulust. Frauen betrachten Frauenbilder im Film. Verlag CH Waser. Bad Segeberg 1989

2 Henschel, Angelika/Schlottau,Heike: Schaulust. Frauen betrachen Frauenbilder im Film. Verlag CH Waser. Bad Segeberg 1989 S19.

3 Ebd. S.19.

4 Ebd. S.19.

5 Durr, Hans Peter: Der Mythos vom ZivilisationsprozeB Band 1: Nacktheit und Scham;Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1988. S. 335.

6 Hoffmann, Dagmar: Sexualitat und Korper im Film. In: Gesellschaft im Film: Markus Schroer (Hg.).UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2008.

7 Roshani, Anuschka: Das Verschwinden derPubertat; in: DerSpiegelNr. 50 / 1998.S.108

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Catherine Breillats "Romance XXX - was wissen Sie über Männer?" - zwischen Pornographie und Feminismus
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1+
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V164780
ISBN (eBook)
9783640799763
ISBN (Buch)
9783640800308
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Catherine, Breillats, Romance, Männer, Pornographie, Feminismus
Arbeit zitieren
Greta Schmidt (Autor:in), 2010, Catherine Breillats "Romance XXX - was wissen Sie über Männer?" - zwischen Pornographie und Feminismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164780

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