Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Analyse des Berufswahlverfahrens von Jugendlichen


Hausarbeit, 2008
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
2.1 Der Wunsch der Jugendlichen eine Duale Ausbildung zu absolvieren 2 und die Realisation dieses Wunsches
2.1.1 Die Beruflichen Pläne von Jugendlichen
2.1.2 Realisierte Pläne der Jugendlichen
2.1.3 Der Wunschberuf : Wer und wie vele Jugendliche verfolgen mit ihrer Ausbildung nun auch ihren Berufswunsch?
2.1.4 Kein Ausbildungsplatz, und jetzt?
2.2 Wenn die Nachfrage ungleich dem Angebot ist
2.2.1 Forderungen der Unternehmen: Ausbildungsreife - Die unendliche Wunschliste
2.2.2 Was Arbeitgeber bieten
2.3 Berufswahlkriterien: Worauf Jugendliche bei der Wahl eines Berufes achten..

3. Die „Berufsberater“ der Jugendlichen
3.1 Eltern
3.2 Peergroups
3.3 Schülerpraktikum und Schule
3.4 Professionelle Berufsberatung

4. Die Bedeutung der Berufsbezeichnung

5. Schlussbetrachtung und Ausblick

6. Quellenverzeichnis

7. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übereinstimmung von Wunsch- und Ausbildungsberuf

Abbildung 2: Übereinstimmung von Wunsch und Ausbildungsberufen (2006): Geschlechterspezifisch

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen Schulabschluss und Erreichen des Ausbildungswunsches (2006)

Abbildung 4: Statusverteilung nach dem Verlassen der allgemein bildenden Schule

Abbildung 5: Kriterien zur Ausbildungsreife

Abbildung 6: Berufswahlkriterien von Jugendlichen

Abbildung 7: Wahrgenommene Attraktivität einiger Berufe

1. Problemstellung

„Ausbildungsbilanz 2007: mehr Ausbildungsstellen, weniger unversorgte Bewerber“ verkün­dete die Bundesregierung Anfang diesen Jahres auf ihrer Webpage.1 Diese Neuigkeiten klingen zuerst einmal positiv: 10.400 mehr betriebliche Ausbildungsplätze machen den Ju­gendlichen Hoffnung. Doch immer noch gibt es wesentlich mehr Ausbildungssuchende als Ausbildungsstellen angeboten werden. Die Ausbildungsplatzlücke belief sich im Jahr 2007 auf 187.520. Damit ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Lücke festzustellen, aller­dings darf nicht vergessen werden, dass auch die Schülerzahl im Vergleich zum Vorjahr um 114000 gesunken ist.2

Die bestehende Ausbildungsplatzproblematik lässt die pessimistische Stimmung auf dem Arbeitsmarkt bereits erahnen: Auf der einen Seite haben die Arbeitgeber extrem hohe Anfor­derungen an ihre Auszubildenden und sind mit den Bewerbern immer häufiger unzufrieden, auf der anderen Seite sitzen verzweifelte, ängstliche Jugendliche, die das Gefühl haben, den Anforderungen kaum gerecht werden zu können. „Generation kann nix“3, „Unternehmen kla­gen über schlechte Schüler“4 oder „Arbeitgeber halten Jugend für zu dumm“5 titeln populäre deutsche Zeitungen und demonstrieren so die Einstellung der Gesellschaft und Unterneh­men gegenüber der heutigen Jugend. Dabei wäre es besonders wichtig, das Potential der heutigen Jugend effektiv zu nutzen und die jungen Menschen zu entsprechenden Fachkräf­ten auszubilden: Die demographisch rückläufige Anzahl junger Menschen wird in einen Fachkräftemangel münden, der schon bald zu erheblichen Problemen führen wird.

Die eben genannten Aspekte machen die Berufswahl für die Jugendlichen zu einer noch schwierigeren psychischen Last, als sie dies ohnehin schon ist: Sie sollen sich in einer unübersichtlichen Fülle an beruflichen Möglichkeiten zu Recht finden um für sich den pas­senden Beruf herauszupicken. Doch Globalisierung und technischer Fortschritt, die zu einer rasanten Marktdynamik geführt haben, erfordern heutzutage die Bewältigung von wesentlich vielfältigeren Aufgaben in den verschiedenen Berufen. Die Komplexität der Aufgaben in den einzelnen Berufen nimmt ständig zu.

All diese Faktoren üben einen unglaublichen Druck auf die Jugendlichen bei der Berufssuche aus, die sich der Tragweite ihrer Entscheidung für einen Beruf durchaus bewusst sind6.

Im Folgenden wird zuerst betrachtet, wer und wie viele (anteilig) Jugendliche überhaupt ihren Wunsch nach einem Ausbildungslatz erfüllt bekommen und wie häufig dieser Ausbildungs­platz dann auch dem Wunschberuf entspricht. Anschließend wird das Augenmerk auf die hohen Anforderungen der Unternehmen an die Bewerber, die Qualität einiger Ausbildungs­stätten sowie die Berufswahlkriterien der Jugendlichen gelenkt: Schließlich haben auch sie Anforderungen an ihren Beruf. Abschließend werden die Einflussfaktoren bei der Berufswahl der Jugendlichen, die ,Berufsberater‘ der heutigen Zeit sowie der Einfluss der Berufsbe­zeichnung auf Berufswähler genauer unter die Lupe genommen.

2. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

2.1 Der Wunsch der Jugendlichen eine Duale Ausbildung zu absolvieren und die Realisation dieses Wunsches

Nach dem Beenden der schulischen Laufbahn stellt sich für jeden Jugendlichen, egal welche Schulform er zuvor besucht hat oder welchen Alters er ist, die Frage nach der beruflichen Zukunft.7 Dabei glauben immer weniger Jugendliche daran, ihre beruflichen Vorstellungen verwirklichen zu können: 2006 waren es noch 50% der Hauptschüler, 57% der Realschüler und 65% der Gymnasiasten (Daten aus der Shell-Jugendstudie 2006). Besonders bei den Hauptschülern ist die Zuversicht in den letzten Jahren massiv zurück gegangen. Außerdem wächst die Furcht vor Arbeitslosigkeit, wobei dieser Anstieg bei höheren Schulabschlüssen geringer ist als bei niedrigeren Schulabschlüssen.8

2.1.1 Die Beruflichen Pläne von Jugendlichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Schulabgängerbefragung 2006 des BiBB hat (unter anderem) Folgendes ergeben: Mit 57% möchten mehr als die Hälfte aller Befragten am Ende des Schuljahres 2005/2006 eine duale Berufsausbildung beginnen. (1) Dabei unterscheidet sich das Interesse zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen um fast 7 Prozentpunkte. Dieser Unterschied ist mit dem unterschiedlichen Interesse der Geschlechter zu begründen: Weibliche Jugendliche streben häufig höhere Abschlüsse an; so beginnen sie nach der Schulzeit eher ein Studium, eine andere Berufsausbildung (beispielsweise im Öffentlichen Dienst) oder aber erweitern ihre Kompetenzen durch einen höheren allgemein bildenden Schulabschluss.

(2) Schulabsolventen aus den neuen Bundesländern haben ein größeres Interesse an einer dualen Ausbildung als ihre Kameraden aus den alten Bundesländern (62,9% in den alten Bundesländern im Gegensatz zu 55,5% in den neuen Bundesländern). In den alten Bundes­ländern wechseln die Schüler nach ihrem ersten Schulabschluss eher auf eine allgemein bildende und berufliche oder berufliche Vollzeitschule um ihre Einstiegschancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

(3) Bei dem Wunsch nach einer dualen Ausbildung spielen die Migrationshintergründe keine Rolle, d.h. für Jugendliche mit Migrationshintergrund scheint eine duale Ausbildung genauso attraktiv wie für Jugendliche ohne Migrationshintergrund (~ 57%). Dagegen streben Jugend­liche ohne Migrationshintergrund viel häufiger ein Studium an als die andere Gruppe. Grund hierfür könnte unter anderem die fehlende Zugangsberichtigung für die Hochschule aufgrund niedrigerer Schulabschlüsse sein.

(4) Betrachtet man nur die Absolventen von Hauptschule, Realschule und Gymnasium, kann man sagen, dass mit zunehmendem Schulabschluss, das Interesse an einer dualen Ausbil­dung sinkt. Ein Gymnasiast hat beispielsweise wesentlich mehr Möglichkeiten bei der Wahl der Berufsausbildung als ein Hauptschüler. Auffällig ist jedoch, dass mittlerweile fast ein vier­tel (22,5%) der Gymnasialabsolventen Interesse an einer dualen Ausbildung haben. Im Jahr 2006 waren dies ,nur‘ 17,1%.

2.1.2 Realisierte Pläne der Jugendlichen

Vergleicht man die beruflichen Pläne der Jugendlichen mit den realisierten Berufswegen, so lässt sich insgesamt festhalten, dass lediglich 32,8% der befragten Jugendlichen auch wirk­lich zum nächstmöglichen Termin nach Schulabschluss eine duale Ausbildung begonnen haben. Geplant hatten es dagegen 57%. Allerdings hat sich die Einmündungsquote der Ju­gendlichen in das duale Ausbildungssystem mit 32,8% im Vergleich zum Vorjahr (28,0%) erhöht. Die gestiegene Anzahl der realisierten dualen Ausbildungen ist unter anderem der gestiegenen Anzahl abgeschlossener Ausbildungsverträge zu verdanken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(1) Entsprechend den bereits beschriebenen Unterschieden zwischen weiblichen und männ­ lichen Jugendlichen haben 2006 mehr männliche als weibliche Jugendliche eine Ausbildung begonnen.
(2) Ebenfalls sind entsprechend den Erwartungen mehr Jugendliche der neuen Bundeslän­der in eine duale Ausbildung eingetreten als ihre Kameraden aus den alten Bundesländern.
(3) Drastische Unterschiede treten bei Jugendlichen mit und Jugendlichen ohne Migrations­hintergrund auf: Hatten doch beide Gruppen gleichermaßen eine duale Ausbildung angest­rebt, können die Jugendlichen mit Migrationshintergrund den Wunsch nach der dualen Aus­bildung offensichtlich seltener realisieren (nur 27,4% im Vergleich zu 34,2% ohne Migrati­onshintergrund).
(4) Vergleicht man bei den Schultypen die Einstiegsquoten in eine duale Ausbildung mit den­jenigen aus dem Vorjahr, so ist festzustellen, dass mittlerweile mehr Absolventen mit höhe­rem Schulabschluss, beispielweise 15,4% aus dem Gymnasium, eine duale Ausbildung be­ginnen als noch vor einem Jahr (8,4%). Hauptschüler haben offensichtlich auch schlechtere Chancen dem Wunsch einer dualen Ausbildung nachzukommen: Nur 35,7% Jugendliche -im Vergleich zu 69,9% ,Planenden‘- realisierten ihr Vorhaben (somit realisierten nur ungefähr die Hälfte aller Hauptschüler ihren Plan bezüglich der dualen Ausbildung). Bei den Gymna­siasten sind es 22,5% die eine duale Ausbildung planten und 15,4%, die anschließend auch wirklich eine Ausbildung machen (hier realisieren 68% der Gymnasiasten ihren Plan, eine duale Berufsausbildung zu absolvieren). Die große Auswahl an Auszubildenden (wie aus Punkt 2.1 ersichtlich) und die als höherwertig gesehenen Fähigkeiten der Gymnasiasten ge­hören zu den Gründen, die den Hauptschülern das Leben bei der Verwirklichung ihrer beruf- lichen Pläne bezüglich der dualen Ausbildung schwer machen. Daher entschließen sich be­sonders jüngere Bewerber mit Hauptschulabschluss häufig dazu ihre schulische Vorbildung zu erhöhen um somit bessere Chancen am Arbeitsmarkt zu erhalten.9

2.1.3 Der Wunschberuf : Wer und wie vele Jugendliche verfolgen mit ihrer Ausbildung nun auch ihren Berufswunsch?

Bisher haben wir lediglich betrachtet, ob und inwiefern die Jugendlichen den Wunsch nach einer dualen Ausbildung realisieren konnten (repräsentativ waren die Daten des BiBB für das Schuljahr 2005/2006). Dabei wurde jedoch noch nicht untersucht, ob die Ausbildung, die der Jugendliche letzten Endes begonnen hat, auch mit der ursprünglichen Wunschtätigkeit über­einstimmt. Dies geschieht im Folgenden.

(1) Die Schulabgängerbefragung 2006 (siehe Anhang, Abbildung 1) ergab, dass trotz der ungünstigen Lage am Ausbildungsmarkt etwas mehr als zwei Drittel (67,5%) aller Jugendli­chen ihre beruflichen Vorstellungen verwirklichen konnten. Bei 20,9% der Befragten stimmt die berufliche Ausbildung nun immerhin teilweise mit ihren Wünschen und Vorstellungen überein. Die verbleibenden Jugendlichen machen nun scheinbar eine völlig andere Ausbil­dung, als sie ursprünglich geplant hatten. Allerdings konnten in den Jahren 2004 bzw. 2005 74,7% bzw. 72,4% der Jugendlichen ihrem Berufswunsch nachgehen, mehr also als 2006. 2005 scheinen demnach lediglich 6,8% eine völlig andere Ausbildung begonnen zu haben als dies 2006 mit 11,1% der Fall war.
(2) Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Unterschied zwischen den Ge­schlechtern: Männliche Jugendliche realisieren ihre beruflichen Wünsche weit öfters (71,2%) als die weiblichen Jugendlichen (nur 61,9%). Entsprechend müssen die weiblichen Jugendli­chen häufiger auf alternative Berufe ausweichen, die dann entweder nur teilweise oder oft auch gar nicht ihren ursprünglichen Wünschen entsprechen (siehe Anhang, Abbildung 2).
(3) Hinsichtlich der Schulabschlüsse steigt die Übereinstimmung zwischen Wunschberuf und nun tatsächlich gewähltem Ausbildungsberuf mit der Höhe des Schulabschlusses: Von allen Hauptschülern, die es geschafft haben einen dualen Berufsausbildungsplatz zu ergattern, entspricht diese Ausbildung nur bei 63,6% dem Wunschberuf. 82,2% der ehemaligen Schü­ler mit Hochschul-/ Fachhochschulreife, und somit wesentlich mehr als bei den Hauptschü­lern, gaben dagegen an nun ihrer gewünschten dualen Ausbildung nachzugehen (siehe An­hang, Abbildung 3).

2.1.4 Kein Ausbildungsplatz, und jetzt?

Nicht alle Jugendlichen finden beim ersten Anlauf auch gleich eine Ausbildungsstelle. Alter­nativ beginnen einige ein Studium, eine andere Ausbildung oder besuchen eine weiterfüh- rende Schule. Doch auch dann sind viele Bewerber noch nicht versorgt: 49.453 Jugendliche waren am 30.September 2006 noch ohne Ausbildungsstelle. Bemühungen der Arbeitsagen­turen konnten diese Zahl bis Mitte Januar auf rund 17400 verringern.10 Und trotzdem bleiben auch nach der zweiten Runde noch immer Jugendliche ohne Beschäftigung.

Entgegen vieler gesellschaftlicher Vorurteile, die heute Jugend sei faul11, schreibt ein erfolg­loser Jugendlicher durchschnittliche 40,6 Bewerbungen (ein erfolgreicher nur 37,2 Bewer­bungen, er findet schneller eine Stelle) und zieht eine größere Bandbreite an Berufen in Be­tracht als ein erfolgreicher Bewerber.12 Außerdem versuchen die Jugendlichen ihre Zeit bis zu einer eventuellen Ausbildung sinnvoll zu überbrücken: Wer noch der gesetzlichen Schul­pflicht unterliegt, nimmt gezwungener Maßen am Übergangssystem teil, wie beispielsweise dem Berufsvorbereitungsjahr oder aber macht ein Praktikum. Diejenigen männlichen Ju­gendlichen, die nicht mehr der gesetzlichen Schulpflicht unterliegen, absolvieren den Wehr­oder Zivildienst und verlängern diesen sogar, die weiblichen Jugendlichen machen ein frei­williges soziales oder ökologisches Jahr.13 Die restlichen 3% geben an, wegen Kinderbetreu­ung oder Krankheit zu Hause zu sein, unternehmen längerfristige Reisen oder sind arbeits­los.

Betrachtet man einen Zeitraum von 5 Jahren, verändern sich diese Daten. Neben den Ju­gendlichen, die erfolgreich von ihrem Betrieb übernommen werden oder in einem anderen Berieb erfolgreich eine Stelle annehmen, gibt es auch Jugendliche, die nach der Ausbildung jobben gehen oder arbeitslos werden.14

Durchschnittlich 144684 Auszubildende pro Jahr (~22%) brechen ihre Ausbildung aufgrund falscher Berufsvorstellungen, „mangelnder sozialer Integration“, wie beispielsweise persönli­che Differenzen mit den Kollegen, oder „fehlender Arbeitstugenden“, wie beispielsweise Un­pünktlichkeit, ab. Während die meisten eine neue Lehrstelle oder andere Ausbildungsmög­lichkeit finden, stehen 40% der Lehrstellenabbrecher als ungelernte Arbeiter am Ausbil­dungsmarkt zur Verfügung.15 Abhilfe hierzu soll durch eine bessere Berufsberatung erfolgen, die in Kapitel 3 genauer betrachtet wird.

2.2 Wenn die Nachfrage ungleich dem Angebot ist

2.2.1 Forderungen der Unternehmen: Ausbildungsreife - Die unendliche Wunschliste

Als wäre die ungünstige Situation am Ausbildungsmarkt nicht schon belastend genug für die Jugendlichen, werden diese neuerdings durch den Begriff „Ausbildungsreife“ noch weiter unter Druck gesetzt. Betrachtet man Fachliteratur zu diesem Thema, findet man eine schein­bar unendliche Aufzählung verschiedener Kriterien, die eher einem Wunschtraum als der Realität ähneln.16 Es scheint, als „müsse man gerade zu perfekt sein, um eine Ausbildungs­stelle zu bekommen.“17

Ausbildungsreife setzt sich aus fünf übergreifenden Merkmalen zusammen:18 s schulische Basiskenntnisse, wie Rechtschreibung oder mathematische und wirtschaftliche Grundkenntnisse s psychologische Leistungsmerkmale, wie beispielsweise logisches Denken oder Merkfä­higkeit s psychologische Merkmale des Arbeitsverhaltens und der Persönlichkeit, wie Frustrations­toleranz, d.h. trotz Rückschläge zeigt man kontinuierlichen Arbeitseinsatz und beendet die Aufgabe erst, wenn sie vollständig erfüllt ist19 s psychische Merkmale, wie der altersgerechte Entwicklungsstand s Berufswahlreife, wie Selbsteinschätzung Schon bei dieser groben Auflistung wird klar: Das hohe Niveau der Anforderungen der Aus­bildungsreife frustriert viele Jugendliche. Betrachtet man beispielsweise einen Absolventen des allgemein bildenden Gymnasiums mit einem Abiturschnitt von 1,4: Ist dieser in Rhein­land-Pfalz auf ein Gymnasium gegangen, dann hat dieser, wenn man die Auflistung genau betrachtet, keine wirtschaftlichen Grundkenntnisse, da er keinen Wirtschaftsunterricht hatte. Er kann sich nun überlegen, was bei einem Kaufvertrag wichtig sein könnte. Aber reicht das schon? Oder sollte man bereits mit Begriffen wie „zwei konkludente Willenserklärungen“ um sich werfen? Und wie genau stellt man eigentlich fest, ob der Entwicklungsstand eines Ju­gendlichen nun auch wirklich altersgerecht ist?

Dies sind nur zwei kritische Denkanstöße aus dem alltäglichen Leben, welche bereits zeigen, dass die Angst vieler Jugendlichen vor der Bewerbung auf eine Ausbildungsstelle begründet ist. Und in diesem Beispiel sprachen wir noch von einem Abiturienten mit äußerst gutem Abi­tur, nicht aber von den vielen anderen Suchenden auf dem Ausbildungsmarkt.

2.2.2 Was Arbeitgeber bieten

Die Unternehmen fordern eine ganze Menge Kompetenzen von ihren Auszubildenden. Dass die Unternehmen selbst allerdings oftmals scheinbar trotzdem noch nicht einmal das bieten, was man einen guten Ausbildungsplatz nennt, das wurde in der Studie „Ausbildung aus Sicht der Auszubildenden“ bekannt: Jugendliche nannten beispielsweise „die schlechte Planung und Organisation der Ausbildung,...die mangelnde fachliche und zeitliche Unterstützung so­ wie ...quantitative oder qualitative Defizite des betrieblichen Unterrichts“20, monotone lang­weilige Arbeiten, Ausnutzung der Lehrlinge durch Vorgesetzte, ausbildungsfremde Tätigkei­ten oder ungerechte Behandlung.21 Die regelmäßige Überprüfung der Ausbildungsstellen und der Ausbilder auf pädagogische Einung könnte vielen dieser Probleme Abhilfe schaffen.

Betrachtet man nun diejenigen Aspekte, die Jugendliche an ihrem Ausbildungs­patz schätzen oder sich für ihren Arbeitsplatz wünschen, so handelt es sich hier um allge­meine Bedingungen, die ein effektives Lernen und/ durch Arbeiten ermöglichen: Freundlich­keit der Vorgesetzten und Angestellten, das Übernehmen von Verantwortung durch selbst­ständiges Arbeiten, geistige Anstrengung durch die Arbeit oder beispielsweise Akzeptanz und Unterstützung durch Kollegen. Auffällig bei diesen Aspekten ist die soziale Seite der Ausbildung, der Wille, zwar mit eigenen Fähigkeiten, aber gleichzeitig auch durch Kooperati­on etwas bewirken zu können.22

Das Aufzählen dieser Kriterien, die, sollte man meinen, fast alle in Unternehmen etabliert sein sollten, zeigt, dass die Ausbildungsplätze unglaublich hohe Anforderungen an ihre Aus­zubildenden Stellen (Stichwort „Ausbildungsreife“) aber teilweise scheinbar nicht annähernd das bieten, was man eine qualifizierte Ausbildungsstätte nennen kann.

2.3 Berufswahlkriterien: Worauf Jugendliche bei der Wahl eines Berufes achten

Berufswahlkriterien setzen sich aus einer kurzfristigen und einer langfristigen Komponente zusammen. Kurzfristig müssen die Jugendlichen zuerst einmal einen Ausbildungsplatz be­kommen. Sie werden dann auch eher den Ausbildungsbetrieb wählen, bei dem die Chance einer Übernahme nach der Ausbildung besteht.23

Langfristige Aspekte beziehen sich dann auf die spätere Berufstätigkeit selbst (siehe An­hang, Abbildung 6): 70% aller Jugendlichen möchten nur einen Beruf ergreifen, den es auch in Zukunft noch geben wird; fast genauso viele legen Wert auf ein gesichertes Einkommen. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit spielt eine große Rolle: 56% der Befragten möchten ihren Hobbies neben der Arbeit noch nachgehen können, 48% möchten am Wo­chenende frei haben. Die männlichen Befragten legen mehr Wert darauf, viel Geld zu ver­dienen wie die weiblichen Befragten. Für diese dagegen ist die soziale Komponente bei der Arbeit wichtiger als für die männlichen Befragten: 57% der Frauen möchten in ihrem Beruf mit Menschen in Kontakt kommen, während dies nur für 32% der Männer wichtig scheint. Gymnasiasten scheinen aufgrund ihres höheren Bildungsgrades von vornherein anzuneh­men, dass sie ein gesichertes Einkommen haben und gut verdienen werden.

[...]


1 Regierung Online

2 Jugend Verdi, S.1

3 Die Welt Online vom 21. April 2004

4 Bild Zeitung vom 10.05.2005

5 TAZ online vom 16.02.2005

6 Tschöpe/ Witzki, S.50

7 alle Daten & Abbildungen sind aus dem Berufsbildungsbericht 2007, S. 59-76, soweit nicht anders gekennz.

8 Langness, Anja/ Leven, Ingo/ Hurrelmann, Klaus (2006), S.71-76

9 Krewerth, Andreas/ Eberhard, Verena (2006), S.83

10 Berufsbildungsbericht 2007, S.2

11 Westdeutsche Zeitung, 21.September 2006

12 Krewerth, Andreas/ Eberhard, Verena (2006), S.91

13 Berufsbildungsbericht 2007, S.64

14 ebenda, S.86

15 Lang, Helmut (2007), S.244-246

16 Diekmann, S.21

17 Eberhard, Verena/ Krewerth, Andreas/ Ulrich, Joachim Gerd (2005), S.10-13

18 Eberhard/ Ulrich (2006), S.40; siehe Anhang Abbildung 5 für ein Beispiel solch einer Auflistung

19 Diekmann (2008), S.26

20 Ebner, S.255

21 ebenda, S.254

22 ebenda, S.252-253, S.255

23 Buschbeck/ Krewerth, S.77-83, soweit nicht anders gekennzeichnet

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Untertitel
Analyse des Berufswahlverfahrens von Jugendlichen
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Betriebspädagogik I
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
25
Katalognummer
V164865
ISBN (eBook)
9783640801817
ISBN (Buch)
9783640801336
Dateigröße
2336 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zwischen, Wunsch, Wirklichkeit, Analyse, Berufswahlverfahrens, Jugendlichen
Arbeit zitieren
Susanne Metzger (Autor), 2008, Zwischen Wunsch und Wirklichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164865

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