Die islamische Philosophie

Das Streben nach der Glückseligkeit


Hausarbeit, 2010
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiographie

3. Die Bedeutung der ,,Glückseligkeit“ nach dem islamischen Philosophen Al- FÁrÁbÐ

4. Wissen und Handlung ist der Schlüssel zur Glückseligkeit
4.1 Das Verhältnis des Wissens zum Handeln
4.2 Die Stellung der Sufis zum Wissen und Handeln

5. Wege, die zum Glück führen
5.1 Änderung der ethischen Gesinnung
5.2 Verbesserung der Charaktereigenschaften
5.3 Beseitigung der Angst vor dem Tod und des Kummers im Diesseits

6. Resümee

1. Einleitung

Glück zu haben oder zumindest glücklich zu sein ist wohl der Wunsch jedes Menschen? Dieses Ziel kann eine Phantasie, Ideal oder aber auch eine Lebensaufgabe sein. Danach richtet sich jedes menschliche Verhalten. Glück kann sich auf materielle, so wie auch auf spirituelle Werte beziehen. Dies muss sich jeder an Hand eigener Erfahrung, oder an Hand der Erfahrung anderer selbst bewusst gemacht. Dass der Mensch aus zwei Dimensionen besteht, kann nicht abgestritten werden. Er besteht sowohl aus einem Körper als auch aus einem Geist. Es stellt sich die Frage, welche Handlungen den Menschen zu einem vollkommenen und glückseligen Wesen formen? Was macht den Menschen wirklich glücklich? Spielt bei der vollkommenen Glückseligkeit das Materielle oder das Spirituelle eine bedeutsamere Rolle? Mit derart Fragen haben sich Philosophen wie Aristoteles, Platon etc. beschäftigt. Sie haben zwar die Glückseligkeit definiert, haben diese jedoch auf das Diesseitige beschränkt. Al-GhazÁlÐ hingegen berücksichtigt ebenfalls das Jenseits und lässt es nicht außer Acht. Er sieht die bloße Vernunft nicht ausreichend, um das höchste Gut, die Glückseligkeit zu verwirklichen.

Die Frage, inwieweit die griechische Philosophie die islamische Ethik beeinflusst hat, ist eine sehr interessante Frage. Mit der Gründung des ,,Haus der Weisheit“ im 9. Jahrhundert kamen griechische Werke in die arabische Welt und genossen hohes Ansehen bei den Arabern. Schriftliche Materialien wurden ins Arabische übersetzt und somit fing ab diesem Zeitpunkt der Einfluss der griechischen Philosophie auf den Islam an. GhazÁlÐ, der sich als eine sehr wichtige Autorität auszeichnet, verfasste im 11. Jahrhundert zahlreiche Werke, hinsichtlich des Erreichens der vollkommenen Glückseligkeit. ,,MÐzÁn al-Ýamal“ ist ebenfalls ein Werk, das dieses Thema aufgreift, und dessen Adressaten islamische Aristoteliker sind. Der Beweggrund für die Publikation dieses vorliegenden Werkes besteht dementsprechend darin, dass GhazÁlÐ das Erreichen der Glückseligkeit aus der islamischen Perspektive thematisieren möchte. Denn er vertritt die Meinung, dass die islamische Ethik nicht die Notwendigkeit verspürt von der griechischen Philosophie Gebrauch zu nehmen.[1]

Der Grund für seine Annahme ist das Fehlen der Glaube an Gott und an das Jenseits in der griechischen Philosophie. In dem vorliegenden Werk bekräftigt GhazÁlÐ den Glauben an das Jenseits mit unterschiedlichen Analogien und stellt ihn (Glauben an das Jenseits) als Bedingung für die Erlangung des seelischen und geistigen Zufriedenheit. Er erwähnt sowohl die diesseitige als auch die jenseitige Glückseligkeit und nennt die zugehörigen Werte, wobei er seinen Schwerpunkt auf die jenseitige Glückseligkeit legt, weil sich diese auf die Ewigkeit bezieht und nicht vergänglich ist. GhazÁlÐ geht sehr systematisch vor in seinem Werk und erwähnt sehr präzise den Weg, wie man zu der Glückseligkeit kommt. Er benennt die Tugenden, die man sich aneignen und Charaktereigenschaften, von denen man sich lostrennen muss, um den Weg, der zur Glückseligkeit führt bestreiten zu können.

2. Kurzbiographie

Sein vollständiger Name ist AbÙ ÍÁmid MuÎammed ibn MuÎammed al ÇhazÁlÐ. Er ist im Jahre 1058 in TÙs[3] (eine Stadt im Norden des Iran) was heute im Iran liegt, geboren und starb im Jahre 1111. ÇhazÁlÐ ist ein sehr wichtiger Gelehrter im Islam. Er war ein persischer islamischer Theologe, Philosoph und Sufi. Er gilt heute noch als einer der bedeutendsten religiösen Denker im Islam.[2]

ÇhazÁlÐ besuchte im jungen Alter bereits eine Medresse (Ein Bildungszentrum). Dort fand er Frieden und dies ermöglichte ihm, hohe Qualifikationen zu erwerben. Er selbst beschrieb seine Lage zu der Zeit mit folgenden Worten,, Außerhalb des Wohlgefallen Gottes begab ich mich auf die Suche nach Wissen, jedoch das Wissen an sich ohne das Wohlgefallen Gottes hatte keinen Wert.“ Er zog das Jenseitige dem Diesseitigen vor und versuchte ab einer bestimmten Epoche seines Lebens sich nur dem Wohlgefallen Gottes zu widmen. In seiner Kindheit, die er in TÙs verbrachte, ging er zu Ahmed Razkani, bei dem er ein wenig vom islamischen Recht lernte.

Anschließend begab er sich nach CurcÁn[4] (Stadt im Norden des Iran) um Schüler des EbÙ naÒr IsmÁili zu werden. Er studiert eine Weile bei EbÙ naÒr IsmÁili und kopierte seine Werke. Daraufhin ging er zurück nach TÙs und verbrachte 3 Jahre dort, die er nutzte, indem er das Wissen, das er in Cürcan erwarb, ständig wiederholte.

Folglich reiste er nach Nisabur[5] (Stadt im Norden des Iran) und wurde Schüler des Imam al Íarameyn. Bei ihm lernte er das Islamische Recht, UÒul al- fiqh, UÒul ad- dÐn und Logik – Wissenschaften. Außerdem studierte er ebenfalls Philosophie. Er erreichte einen sehr hohen Rang und war in der Lage, die Philosophen, die gegen seine Ansichten waren, außer Kraft zu setzen. Aus dem Grund nannte ihn Imam al Íarameyn ,,Universalgenie“. Im Jahre 484 nach Hiºra, als er mit dem Lehren anfing, war er gerade mal 34 Jahre alt. Er wurde seitens der Menschen sehr gut empfangen. In BaÈdÁd erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere. Was das Materielle angeht, also das Finanzielle, war er abgesichert und genoss die Aufmerksamkeit der Bevölkerung.

Das Wohlergehen, Reichtum und Ruhm sorgte ab einem bestimmten Zeitpunkt für eine immaterielle, geistige Unruhe bei GhazÁlÐ, sodass er sich von der Gesellschaft, von den Menschen entfernte. Dies bildete sozusagen eine neue Epoche in seinem Leben. Er entfernte sich von all den materiellen Besitztümern und suchte allein die Gottesnähe und den inneren Frieden. Man kann sich jetzt die Frage stellen, was ihn dazu veranlasste seinen Lebensstil so enorm zu ändern?

Was sein Philosophiestudium angeht, kam er zu der Erkenntnis, dass es nicht der Zweig ist, der den Menschen zu der Glückseligkeit bringt. Hauptsächlich die Religionsphilosophie hält er für absurd, weil dieser Zweig den Verstand über die Metaphysik setzt. Sein Hauptargument ist, dass der Verstand begrenzt ist und das Transzendente ( das Übernatürliche ) nicht mit dem Verstand wahrnehmen kann.

Schließlich ging er zum Sufismus über und analysierte Werke von sehr wichtigen Gelehrten, die heute in der islamischen Welt bewundert wie zum Beispiel ÍariÔ al- MuÎasibÐ und ¹uneyd BaÈdadÐ. Dies sind Personen, die zu den Gründern des Sufismus gehören.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt, als er die Werke der Gelehrten untersuchte, kam er zu der Erkenntnis, dass man den Weg des Sufismus nicht durch Wissen realisieren kann, sondern, dass der entscheidende Faktor die Taten sind, die man begeht.

Laut GhazÁlÐ sind dies Taten, die den Menschen zum ewigen Licht führen. Man sollte sich auf diesem Weg nur Gott widmen, und um dies erreichen zu können, müsse man sich vom Besitz, Ruhm, Vorrang trennen und sich zurückziehen von weltlichen Interessen. Die Mittel, die dazu verhelfen die Glückseligkeit zu erreichen erwähnt ¹hazÁlÐ in seinem Werk,, mizÁn al-Ýamal“ ausführlich.

3. Die Bedeutung der ,,Glückseligkeit“ nach dem islamischen Philosophen Al- FÁrÁbÐ

Wenn man sich die Geschichte der Philosophie und Ethik aus einer genaueren Perspektive betrachtet, kommt man zu der Erkenntnis, dass vor der Epoche GhazÁlÐs zahlreiche Philosophen im Bereich Ethik fungiert haben, die großartige Werke verfasst und großes Ansehen genossen haben. ,,Nikomachische Ethik“ war beispielsweise eines der bedeutendsten Werke von Aristoteles, der diese Thematik zu behandeln versuchte. Das Ziel dieses Werkes bestand darin, dem Menschen einen Pfad zu zeigen, der sie zum guten Menschen formt und ihnen ein glückliches Leben gewährleistet.

Islamische Philosophen wie al- FÁrÁbÐ, Avicenna und al- ÝÀmirÐ wurden von der aristotelischen Philosophie und Ethik beeinflusst. Al- FÁrÁbÐ beispielsweise, der zwischen 870 und 950 lebte, hat drei Werke verfasst, in denen er explizit das Glück beziehungsweise die Glückseligkeit thematisiert. Die Namen dieser Werke sind ,,taÎsÐl as- saÝÁda“ (Aneignung der Glückseligkeit) , ,,al- madÐna Ýl fÁÃila“ (Der Musterstaat), ,,as- siyÁsÁt al- madanÐya“ (Die Staatsführung).[6]

[...]


[1] Al- GhazÁlÐ; Kriterium des Handelns. 1.Auflage, Darmstadt. WBG Verlag, 2006, Seite 59

[2] Prof. Dr. Abdülhalim Mahmut; al- MunqiÆ min aÃ- ÃalÁl ve tasavvufi incelemeler. 2. Auflage, Istanbul. Kayihan Yayinevi, 1997, Seite 11-21

[3] http://www.ghazali.org/articles/gz1.htm

[4] Ebd.

[5] http://www.ghazali.org/articles/gz1.htm

[6] Al- GhazÁlÐ; Kriterium des Handelns. 1.Auflage, Darmstadt. WBG Verlag, 2006, Seite 32

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die islamische Philosophie
Untertitel
Das Streben nach der Glückseligkeit
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V164883
ISBN (eBook)
9783640802869
ISBN (Buch)
9783640803071
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Hausarbeit wird das Erreichen der Glückseligkeit aus der islamisch- philosophischen Perspektive bearbeitet. Zugleich wird die islamische Moral und Ethik seitens des wichtigen Philosophen (Ghazali) thematisiert und von mir wiedergegeben.
Schlagworte
Glückseligkeit, islamische Philosophie, Ghazali
Arbeit zitieren
Student Fatih Kilic (Autor), 2010, Die islamische Philosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164883

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die islamische Philosophie


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden