Events going green - Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche

Ein ernsthafter ökologischer Ansatz oder doch nur Marketing?


Bachelorarbeit, 2010

87 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Nachhaltigkeit
2.2 Corporate Social Responsibility = CSR
2.3 Die Veranstaltungsbranche
2.3.1 Kongress
2.3.2 Marketingevents
2.3.3 Messe
2.3.4 Andere Veranstaltungsarten
2.3.4.1 Incentives
2.3.4.2 Konzert
2.3.4.3 Sportveranstaltungen
2.4 Green Events
2.5 Marketing

3 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility in der Veranstaltungsbranche
3.1 Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche
3.1.1 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
3.1.2 Unterschiedliche Nutzung des Begriffs der Nachhaltigkeit
3.1.3 Beweggründe für die Implementierung von Nachhaltigkeit
3.1.4 Herausforderung bei der Implementierung von Nachhaltigkeit
3.2 Corporate Social Responsibility in der Veranstaltungsbranche
3.2.1 Die Entstehung des Corporate Social Responsibility Ansatzes
3.2.2 Abgrenzung von Corporate Social Responsibility zu Corporate Citizenship
3.2.2.1 Corporate Giving
3.2.2.2 Corporate Foundation
3.2.2.3 Corporate Volunteering
3.2.3 Motive für Corporate Social Responsibility
3.2.4 Kommunikation der Corporate Social Responibility
3.2.5 Voraussetzungen und Bedingungen für die erfolgreiche Einführung ..
3.2.6 Argumente gegen ein Corporate Social Responsibility Engagement ..
3.3 Green Events
3.3.1 Möglichkeiten eine Veranstaltung in ein Green Event umzuwandeln ..
3.3.2 Gründe für die Organisation von Green Events
3.3.3 Schwierigkeiten bei der Organisation von Green Events
3.4 Greenwashing

4 Marketingaktivitäten in Bezug auf ein nachhaltiges und soziales Engagement
4.1 Beweggründe zur Einbindung von Nachhaltigkeit- und Corporate Social Responsibility in die Unternehmenskommunikation
4.2 Ausrichtung eines Marketingkonzepts
4.3 Schwierigkeiten
4.4 Kommunikationsmöglichkeiten
4.4.1 Zielsetzung
4.4.2 Wirksame Kommunikationsmöglichkeiten
4.4.3 Unwirksame Kommunikationsmöglichkeiten in der Veranstaltungsbranche
4.4.3.1 „Ablasshandel“
4.4.3.2 Oberflächlicher Aktionismus
4.4.4 Zertifizierungsmöglichkeiten
4.5 Zusammenfassung: „Marketingzweck oder echte Verantwortung“

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Handlungsfelder von Corporate Social Responsibility

Abbildung 2: Gründe für gesellschaftliches Engagement

Abbildung 3: Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Abbildung 4: Zentrale Elemente der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen

Abbildung 5: Haus des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen

Abbildung 6: Einflussfaktoren für gesellschaftliches Engagement

Abbildung 7: "Sein-Tun-Haben" Ebenen

Abbildung 8: Unterschied zwischen Sein, Tun, Haben

Abbildung 9: Eingesetzte Instrumente zur Kommunikation des gesellschaftlichen Engagements

Abbildung 10: Detailplanung eines Green Events

Abbildung 11: Nachhaltigkeitserwähnung in der Werbebranche

Abbildung 12: Integration der Umweltleistung in die allgemeine Veranstaltungsziele

1 Einleitung

Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility - die gesellschaftlichen Themen?

Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility entwickeln sich zunehmend zu sehr wichtigen Themen in der Gesellschaft. Der Gedanke einer gesellschaftlichen Verant­wortung ist inzwischen ein Leitbild, das viele internationale Unternehmen etabliert ha­ben und vor allem Großunternehmen machen sich Gedanken zu dieser Thematik die dadurch versuchen ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht zu werden.

Im Mittelpunkt steht hierbei die Verantwortung aller Beteiligten, unabhängig davon, ob sie direkt oder indirekt von dem Einsatz der Ressourcen betroffen sind.

Der Druck auf die Unternehmen, ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsbemühungen zu verstärken und transparent zu gestalten, hat immens zugenommen.1 Verstärkt orientie­ren sich auch Investoren an Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibilitykriterien. Die Unternehmen reagieren auf die unterschiedlichen Anforde­rungen der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten sowie ihren Interessensvertretern. In vielen Branchen ist ein nachhaltiger und sozial engagierter Ansatz nicht mehr wegzu­denken. Die Lebensmittelbranche hat den Trend schon vor einiger Zeit erkannt und lockt die Verbraucher mit „Bio-" und „Öko-Produkten", während die Automobilbranche versucht, den CO2- Ausstoß drastisch zu reduzieren.

Auch die Veranstaltungsbranche hat sich des Themas bereits seit langem angenom­men. In vielen Fachzeitschriften, wie zum Beispiel im Verbände Report, m:con Visions, und in der CIM - Conference and Incentive Management wird über Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility berichtet. Die Verbände der Branche stellen sich dieser Diskussion bewusst und suchen nach neuen Lösungsansätzen. Messen wie die IMEX oder die SuisseEMEX mit dem Schwerpunkt „Green Events" nehmen beständig zu und greifen die Themen auf.

Es ist anzumerken, dass es bei dieser Debatte nicht allein um ökologische und soziale Aspekte geht. Ökonomische und ethische Aspekte rücken genauso in den Vordergrund und die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen erzwingen ein Umden­ken. Der Trend der Nachhaltigkeit ist inzwischen auch zum Thema der Geschäftsfüh- rung geworden und schlägt sich zum Beispiel in geänderten Leitbildern und in einer entsprechenden Unternehmensführung nieder.

Auch wenn sich Unternehmen in wirtschaftlich weit entwickelten Ländern zunehmend um ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung kümmern können und bei bestimmten Aspekten angemessenen Verzicht akzeptieren, kann dies nicht von den vielen jungen und dynamischen Volkswirtschaften erwartet werden, die noch immer danach streben, die Lebensstandards der „westlichen Welt" zu erreichen. Gefragt sind Dienstleistungen und Möglichkeiten, die eine Entkoppelung von wirtschaftlichem Wachstum und Res­sourcenverbrauch sowie Umweltverschmutzung ermöglichen und zur Lösung sozialer Probleme beitragen.2

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit sollen die Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility untersucht, veranschaulicht und anschließend auf die Veranstal­tungsbranche projiziert werden. Es gilt herauszufinden, ob die Veranstaltungsbranche die Thematik seriös betreibt oder es sich grundsätzlich doch um reine Marketingbemü­hungen handelt, die eher öffentlichkeitswirksam als langfristig verändernd wirken.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in einen allgemeinen und einen spezifizierten Teil, in dem explizit Bezug auf die Nachhaltigkeits- und Corporate Social Responsibility Be­mühungen in der Veranstaltungsbranche eingegangen wird.

Im allgemeinen Teil soll zunächst auf die theoretischen Grundlagen der Thematik ana­lysiert werden. Anschließend werden die Begriffe Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility speziell in Bezug auf die Veranstaltungsbranche untersucht, und im vier­ten Kapitel der Fragestellung nachgegangen, ob Veranstaltungsorganisatoren ihr ge­sellschaftliches Engagement als echte Verantwortung sehen oder es nur als Marke­tingeffekt nutzen, ohne wirklich entscheidende Ambitionen. Des Weiteren soll unter­sucht werden, welche Aspekte ein Marketingkonzept, speziell in Bezug auf ein Nach­haltigkeits- und Corporate Social Responsibility-Engagement in der Veranstaltungs­branche, glaubwürdig und verantwortlich erscheinen lassen. Indem unterschiedliche Kommunikationsmöglichkeiten vorgestellt werden, wird im Gegenzug ebenfalls darge­stellt, welche Aspekte eher als ,Augenwischerei‘ verstanden werden können.

Abschließend werden im Fazit alle bisherigen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Verfasserin zusammengefasst und überprüft, sowie versucht auf die zugrunde lie­gende Fragestellung eine Antwort zu finden, bzw. eine Position zu beziehen.

2 Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel soll zunächst auf die theoretischen Grundlagen der vorliegenden Arbeit eingegangen und alle relevanten Begriffe definiert werden, um vorauszusetzen, dass die verwendeten Definitionen übereinstimmend verstanden werden.

2.1 Nachhaltigkeit

Erstmalig bereits im 17. Jahrhundert verwendet, hat das Thema Nachhaltigkeit eine lange Geschichte, in der sich seine Bedeutung und eine mit dem Begriff verbundene Dringlichkeit kaum verändert, jedoch im allgemeinen Verständnis erweitert haben:

„Die Nachhaltigkeitsidee ist überall wo sie in der Geschichte auftaucht, ein Kind der Krise“.3

Schon Hans Carl von Carlowitz - Oberberghauptmann zu Zeiten August des Starken - stellte fest, dass man in der Forstwirtschaft des 17. Jahrhunderts die Bestände der Natur „mit Behutsamkeit“4 nutzen müsse, sodass, eine „Gleichheit zwischen An- und Zuwachs und dem Abtrieb des Holzes erfolget“5 und die Nutzung „immerwährend“6, „continuierlich“7 und „perpetuirlich“8 stattfinden könne.9

Bis heute ist diese Aussage von großer Bedeutung, wenn es um die Ressourcenscho­nung geht. Werden den Wäldern dieser Welt durch Schadstoffe in der Luft und im Bo­den, weiterhin ihre natürlichen Lebens- und Wachstumsvoraussetzungen entzogen, schreitet auch der Klimawandel durch die Schädigung der Ozonschicht immer schnel­ler voran.10

Die eigentliche Prägung des Begriffes Nachhaltigkeit, entstand jedoch im Wesentlichen im Jahre 1987 durch den sogenannten Brundtland Reporr11.Die Brundtland Kommissi­on10 definierte Nachhaltigkeit über zwei wesentliche Aspekte:11 Zum einen die Befriedi­gung der Grundbedürfnisse (essential needs) der Armen und zum anderen das Einhal­ten eines Verfolgungsmusters, das auch zukünftigen Generationen die Nutzung be­grenzter Ressourcen ermöglicht (Generationengerechtigkeit).

Mit einer nachhaltigen Entwicklung ("Im Original ,sustainable development' genannt und im Deutschen als nachhaltige Entwicklung übersetzt."12 ) soll also ein Gleichge­wicht hergestellt werden, zwischen der Befriedigung von Lebens-, Konsum- oder Pro­duktionsbedürfnisse, der heutigen Generation einerseits und andererseits der Vermei­dung eines Risikos für die Befriedigung der Bedürfnisse nachfolgender Generationen.13 Die Brundtland Kommission weißt mit Ihrer Definition damit ebenfalls auf einen der wesentlichen Grundaspekte der Nachhaltigkeit hin: die Ressourcenschonung.

Jedoch erst im Rahmen der Klimakonferenz der UNO im Jahr 1992 in Rio de Janeiro entstand die Agenda 21, ein Aktionsprogramm für nachhaltiges Wirtschaften im 21. Jahrhundert, in dem der Begriff der Nachhaltigkeit entstand, wie er in der heutigen Lite­ratur genutzt wird.

Ein nachhaltiger und zukunftsfähiger Umgang mit Ressourcen sind die Kernaspekte der Agenda 21, wobei der Begriff der Ressourcen sich in diesem Zusammenhang nicht nur auf Bodenschätze und nachwachsende Rohstoffe, wie noch bei Carl von Carlowitz, beschränkt, sondern auch die vielfältig vernetzten lokalen, regionalen und globalen Ökosysteme und letztendlich die gesamte Erde mit ihrer Erdatmosphäre mit ein­schließt.14 15

Mit der zunehmenden Bedeutung von Corporate Social Responsibility15 und der Forde­rung nach einer nachhaltigen Entwicklung gegenüber Unternehmen, entstand das so­genannte „Drei-Säulen-Modell". Es beinhaltet die Dimensionen „Soziales", „Ökologi­sches" und „Ökonomisches", die heutzutage als Ausgangspunkt für die Verankerung von Nachhaltigkeit gelten. Ob die einzelnen Säulen in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen, ist umstritten und abhängig von dem Betrachtungspunkt der jewei­ligen Gruppierung: Für die Wirtschaft hat die Ökonomie Priorität; für Umweltgruppen hingegen stehen die ökologischen Belange an der Spitze, und Gewerkschaften wiede­rum fokussieren sich auf den sozialen Aspekt.16

Eine eindeutige Definition des Begriffs Nachhaltigkeit existiert in der vorhandenen Lite­ratur nicht, was die Variationsbreite im Verständnis und in der Nutzung des Begriffes erklärt. Im Kern geht es um die Verantwortung gegenüber der Umwelt, den Mitmen­schen und nachfolgenden Generationen, wie Rhan Gunderlach und Annette Hornung- Pickert in ihrem Buch „Die Kunst Nachhaltigkeit zum Event zu machen" beschreiben: "Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen."17

Die Autorin verwendet den Begriff Nachhaltigkeit im Verlauf dieser Arbeit im Sinne des Brundtland Reports und der Agenda 21, bei der Betrachtung ob dieser zu Marketing­zwecke genutzt wird oder langfristige Ambitionen für eine Umsetzung bestehen.

2.2 Corporate Social Responsibility = CSR

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll jedoch nicht nur auf das Thema der Nachhal­tigkeit eingegangen werden, sondern auch die Auswirkungen eines Corporate Social Responsibility Engagements näher betrachtet werden.

Auch für den Begriff Corporate Social Responsibility gibt es bisher keine einheitliche Definition. Im Grünbuch18 der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2001 wird der Begriff wie folgt beschrieben:

„Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Be­lange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehun­gen mit den Stakeholdern zu integrieren."19

In seinem Buch „Corporate Social Responsibility als strategische Herausforderung" beschreibt Klaus Rainer Kirchhoff Corporate Social Responsibility wie folgt: "Corporate Social Responsibility ist die über Charity-Engagements und Mäzenatentum hinausge­hende Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung: wie beispielsweise die Einhaltung der Menschenrechte und sozialer Standards (Code of Conduct), der verantwortungs­volle Umgang mit Ressourcen, Umweltschutz sowie die Aufstellung eines Verhaltenkodex gegenüber Mitarbeitern, Stakeholdern und der Gesellschaft."20

Neben den sozialen Aspekten, wird Corporate Social Responsibility häufig auch im Zusammenhang mit ökonomisch bedingten Beweggründen einer solchen Verantwor­tung genannt. Wie bereits in Kapitel 2.1 erwähnt, bilden sowohl soziale, als auch öko­nomische und ökologische Gesichtspunkte die Grundlage für das sogenannte Drei- Säulen-Modell, welches von einem Unternehmen als Fundament einer sozialen Ver­antwortung gesehen werden kann. Hierauf wird im weiteren Verlauf der Arbeit, in Kapi­tel 3.1.1, näher eingegangen.

Auf der nachfolgenden Abbildung ist zu erkennen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt Corporate Social Responsibility (CSR) in einem Unternehmen zu integrieren so dass alle Bereiche und Tätigkeiten berücksichtigt werden können. Es werden die ver­schiedenen Handlungsfelder von Corporate Social Responsibility dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Handlungsfelder von Corporate Social Responsibility

Quelle: Bundesministerium für Umwelt (Hrsg.), 2009, S. 6.

Die geforderte Verantwortung von Unternehmen gegenüber der Gesellschaft beinhaltet eine ganze Reihe von Ideen, Strategien und Praktiken, die die Unternehmensführung beeinflussen.21

Wie in Abbildung 2 zu sehen ist, sind die Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen groß und reichen von der symbolischen Übernahme klangvoller PR-Konzepte, über weitreichende Integration von Corporate Social Responsibility in das unternehmerische Reputations- und Risikomanagement, bis hin zu einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtungen im Kerngeschäft.22 Wie sich ein Unternehmen jedoch ausrichtet ist sehr individuell und abhängig von der jeweiligen Unternehmenskultur. Ähnlich ist aber, dass Corporate Social Responsibility sowohl innerhalb eines Unternehmens, als auch nach außen hin zwischen Unternehmen und der Gesellschaft, mit dem Ziel wirkt eine nachhaltige und langanhaltende Entwicklung zu schaffen.23

Corporate Social Responsibility stellt als eine Art Leitmodel dar, was für eine Verant­wortung ein Unternehmen gegenüber all seinen Stakeholdern hat.24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gründe für gesellschaftliches Engagement

Quelle: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), 2005, S.13.

Eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches gesellschaftliches Engagement eines Unternehmens ist immer ein gewisser wirtschaftlicher Erfolg.25 Denn neben den drei Säulen des zuvor genannten Modells - soziale, ökologische und ökonomische Aspekte - spielen auch wirtschaftliche Betrachtungsweisen eine große Rolle, die häufig unter­schätzt werden, wenn ein langfristiger Corporate Social Responsibility-Ansatz imple­mentiert werden soll.26

In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) ent­sprechend der Definition der Europäischen Kommission in ihrem Grünbuch aus dem Jahr 2001 verstanden.

2.3 Die Veranstaltungsbranche

Der Begriff „Veranstaltungsbranche“ konnte nicht eindeutig definiert werden, da auch nach längerer Suche keine geeigneten Quellen für eine Definition gefunden werden konnten. Bei der weiteren Bearbeitung der vorliegenden Bachelorarbeit wird deshalb von der folgenden Beschreibung ausgegangen:

Die Veranstaltungsbranche umfasst die Personen, die Veranstaltungen durchführen. Dazu gehören unter anderem Verbände, Messegesellschaften, Professional Conferen­ce Organiser (PCO), Eventagenturen und auch freie Mitarbeiter der Branche. Das Produkt der Branche beinhaltet verschiedene Arten von speziell organisierten Veranstaltungen, die sich durch Inhalt, Anlass, Zielgruppe, Größe, Dauer, und Erleb­nisumfeld voneinander unterscheiden, jedoch alle den Charakter eines erlebnisorien­tierten und emotionalisierten Ereignisses haben. Im Folgenden sollen die häufigsten Veranstaltungsarten kurz vorgestellt werden, um dem Leser einen Überblick über die verschiedenen Ausrichtungsmöglichkeiten einer Veranstaltung zu geben, in deren Pla­nung, Organisation und Durchführung Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility integriert werden kann. Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt jedoch auf dem Kongress-, Messe-, und Eventbereich.

2.3.1 Kongress

Als Kongress wird in der Regel eine Versammlung bezeichnet, die an wechselnden Orten, als ein- oder mehrtägige Zusammentreffen von Menschen mit gleichen oder ähnlichen Interessen im Rahmen einer Einladung einer Organisation oder eines priva­ten Veranstalters zu wissenschaftlichen oder fachlichen Themen stattfindet. Diese Zu­sammentreffen werden häufig mehrere Jahre im Voraus festgelegt und dienen sowohl dem Wissens- und Erfahrungsaustausch, als auch der personalen Kommunikation.27 Neben den Vorträgen, Diskussionen und Arbeitsgruppen, wird häufig zusätzlich noch ein Rahmenprogramm angeboten, welches sowohl touristische als auch fachliche Ex­kursionen enthalten kann.28

2.3.2 Marketingevents

Auf Grund der Informationsflut, der Kunden heutzutage ausgesetzt sind, gehen Unter­nehmen immer häufiger dazu über, ihre Produkte in speziell dafür organisierten Veran­staltungen zu präsentieren.29 Durch die Emotionalisierung der Botschaft, wird dem Kunden das Unternehmen in einem „von ihm positiv empfundenen Umfeld"30 vorge­stellt „und dadurch das Unternehmen und seine Leistungen mit diesen positiven Ein­drücken in Verbindung "31 gebracht. Diese speziell organisierten Veranstaltungen wer­den häufig als Events bezeichnet.

Der Marketingexperte Bruhn beschreibt das Event als "ein Event ist eine besondere Veranstaltung oder ein spezielles Ereignis, das multisensitiv vor Ort von ausgewählten Rezipienten erlebt und als Plattform zur Kommunikation von Unternehmen genutzt wird."32

Des Weiteren dienen Events der erlebnisorientierten Vermittlung und Implementierung der Marketingziele eines Unternehmens. Mit Hilfe von Emotionen und Erlebnissen werden dadurch Kundenbindungen verstärkt und neu aufgebaut.33 Auch die Image­pflege und Unternehmenskommunikation finden immer häufiger im Rahmen von derar­tig organisierten Inszenierungen statt.34

Ein weiterer Aspekt ist, dass Events einen zeitlich begrenzten und damit vergänglichen Charakter haben. Umso größer ist die Herausforderung, innerhalb kurzer Zeit einen lange anhaltenden Eindruck zu vermitteln. Dies ist nur möglich, wenn Events Aufmerk­samkeit erzeugen, indem sie Begegnung und Beziehungen ermöglichen.35 Die menschliche Aufmerksamkeit wird hier als eine knappe Ressource betrachtet, die am wirkungsvollsten gebunden wird, wenn die anwesenden Teilnehmer in die Ereignisse involviert werden, d.h. sowohl reagieren als auch agieren dürfen. Durch diese Interakti­on wird das Erlebte entsprechend eindrücklich erlebt und später erinnert.36

2.3.3 Messe

Eine Messe ist nach Paragraph 64 GewO (Gewerbeordnung) „eine zeitlich begrenzte, im allgemeinen regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Ausstellern das wesentliche Angebot eines oder mehrerer Wirtschaftszweige ausstellt und überwiegend nach Muster an gewerbliche Wiederverkäufer, gewerbliche Verbrau­cher oder Großabnehmer vertreibt."37

Da eine Messe - ebenso wie alle anderen bereits vorgestellten Veranstaltungsarten - einen immateriellen Charakter besitzt, steht der persönliche Kontakt und eine vertrau­ensvolle Beziehung zwischen Veranstaltern, Ausstellern und Besuchern im Vorder­grund. Damit soll auch bei einem hohen Fremdeinfluss die Kundenausrichtung des Dienstleistungsangebots gewährleistet werden.38

Darüber hinaus handelt es sich bei einer Messe um eine Marktveranstaltung, bei der die Präsentation von Produkten zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort stattfindet, die Zielgruppe jedoch meist nur ungefähr definiert, aber nicht eindeutig be­stimmt ist.39

2.3.4 Andere Veranstaltungsarten

An dieser Stelle sollen kurz weitere Veranstaltungen, neben Kongressen, Events und Messen, definiert werden, die in der Veranstaltungsbranche geplant, organisiert und durchgeführt werden. Sie werden in der vorliegenden Arbeit nur der Vollständigkeits­halber erwähnt, sind jedoch nicht entscheidend für die Betrachtung ob Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility ein echtes Bemühen oder ein Marketingeffekt dar­stellen.

2.3.4.1 Incentives

Incentives werden oft im Rahmen von unternehmensinternen Leistungswettbewerben als „Belohnung" ausgeschrieben und sollen dazu dienen, die entsprechenden Mitarbei­ter zu motivieren und zu begeistern, um dadurch eine Leistungssteigerung zu errei­chen.40 Sie können sowohl abteilungsspezifisch, als auch unternehmensweit ausge­schrieben werden.

Auch wenn Incentives oft eine positive Auswirkung auf die Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens haben, kann es dennoch zu negativen Folgen kommen, wenn der Aus­schreibung und der Kommunikation der Ziele keine klare Planung zugrunde liegt und eine Chancengleichheit unter den Mitarbeitern nicht gewährleistet ist.41 Incentives kön­nen sowohl einen materiellen Wert in Form von Sachleistungen als auch einen immate­riellen Wert in Form von extra organisierten Veranstaltungen oder Reisen haben.

Aber auch außerhalb von Unternehmen werden Incentive-Veranstaltungen organisiert. So laden beispielsweise Hotels Agenturen ein, da sich das jeweilige Hotel mehr Bu­chungen verspricht als von den Mitbewerbern der Agentur auf dem Markt. Das Hotel verspricht sich durch die zusätzlich erbrachte Aufmerksamkeit' und einen dadurch in­tensivierten Kontakt einen Wettbewerbsvorteil.

Incentives werden demnach nicht nur intern als Motivationsmöglichkeit für die eigenen Mitarbeiter des Unternehmens genutzt, sondern helfen auch die nötige Kundenbindung entstehen zu lassen.

2.3.4.2 Konzert

Ein Konzert ist ein Musikvortrag, der vor einer zu diesem Zweck versammelten Hörer­schaft privat oder öffentlich aufgeführt wird.42

Konzerte können von sehr unterschiedlicher Natur sein: Während ein Jazzkonzert eine Art Clubatmosphäre erzeugt, bilden Rock- und Pop-Konzerte meistens eine zwanglose Massenzusammenkunft. Bei klassischen Konzerten wird der Begriff Konzert wiederum als die Zusammenführung verschiedener Instrumente und Künstler verstanden.43

2.3.4.3 Sportveranstaltungen

Der Begriff ,Sportveranstaltung' konnte nicht eindeutig definiert werden, da auch nach längerer Suche keine geeigneten Quellen für eine Definition gefunden werden konnten. Bei der weiteren Bearbeitung der vorliegenden Bachelorarbeit wird deshalb von der folgenden Beschreibung ausgegangen, die auf dem allgemeinen Verständnis einer solchen Veranstaltung basiert.

Demnach ist eine Sportveranstaltung eine Zusammenkunft mehrerer Sportler dersel­ben oder verschiedener Sportarten, die über einen festgelegten Zeitraum und mit vorab festgelegten Wettbewerbsregeln gegeneinander antreten und die eigene Leistung messen. Dieses kann sowohl in einem professionellen Rahmen geschehen, wie z.B. der Fußball-Weltmeisterschaft oder auch in einer anderen Liga, wie z.B. der Bundesli­ga und Kreisliga des Handballs, aber auch auf einer nicht professionellen Ebene. Diese Sportveranstaltungen werden oft aus reinem Unterhaltungszweck veranstaltet, wie z.B. der RedBull Flugtag.

2.4 Green Events

Weder im Englischen noch im Deutschen gibt es bisher eine eindeutige und anerkann­te Definition für den Begriff des Green Events. Der Ausdruck entstand im Rahmen ei­ner immer größer werdenden Bedeutung der Themen „Nachhaltigkeit und „Sozialen Verantwortung“ seitens der Unternehmen gegenüber der Gesellschaft. Auch immer mehr Veranstaltungsorganisatoren versuchen dieser an sie gestellten Forderung nach­zukommen.

Aufgrund der fehlenden eindeutigen Definition des Begriffes Green Events besteht ein weiter Spielraum für Interpretationen. In vielen sogenannten Green Meeting Guidelines bzw. Green Events Guidelines lassen sich ähnliche Hinweise und Vorschläge für die Vorbereitung und Durchführung eines Green Events finden.

Als Beispiele seien hier genannt:

a. ) “Options to reduce this footprint include offering exhibitors a fully equipped eco- stand..."44
b. ) "Venues certified with a recognised green building rating system or another recog­nised environmental management system should be preferred wherever possible."45
c. ) "Reusable items should be used to the extent possible. If disposable items are es­sential, try to ensure they are recyclable and appropriate recycling systems are in place."46
d. ) „... ein Veranstaltungsort, der für alle Teilnehmer gut zu erreichen ist - wenn mög­lich, mit der Deutschen Bahn“47
e. ) "Eindämmung der Papierflut z. B. durch doppelseitigen Druck, Minimierung der Zahl der verteilten Handouts sowie Rücknahme von ausgelegten Foldern und Broschü- ren".48
f. ) „.die Auswahl nachhaltig wirtschaftender Kongresszentren und Hotels“49

Bei allen Vorschlägen geht es darum, den CO2-Austoß im Rahmen einer solchen Ver­anstaltung zu verringern, die Verwendung von natürlichen Ressourcen wie Wasser und Energie zu minimieren und deren Nutzung entsprechend den lokalen Vorkommnissen anzupassen.

Die anfallende Müllmenge sollte so gering wie möglich gehalten werden und die Ent­stehung schon im Vorhinein auf ein Minimum reduziert werden, zum Beispiel indem nur noch die nötigsten Unterlagen ausgedruckt werden. Wenn es sich nicht umgehen lässt, sollte recyclebares Material genutzt werden.

Der Nachhaltigkeitsgedanke sollte bei der Wahl des Veranstaltungsortes beginnen und sich auf alle Bereiche, wie das Catering, den Transport der Teilnehmer und deren Un­terkunft, bis hin zu einem entsprechend geschulten Personal vor Ort auswirken. Vor allem die Kommunikation der anvisierten Ziele ist wichtig, denn nur wenn die gesamte Lieferantenkette einer solchen Veranstaltung bei der Implementierung neuer Regulie­rungen erfasst wird, sind die Effekte der Nachhaltigkeit auch wirklich spürbar.50

Green Events verbinden die erlebnisorientierten Ziele eines „normalen" Events mit den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökologisch, sozio-kulturell und ökonomische Zie­le). Um einen langfristigen Nutzen zu stiften, wird die Umweltbelastung verringert, die regionale Wirtschaft berücksichtigt, und werden soziale und kulturelle Akzente ge- setzt.51

Wie der Autor des Buches „Zukunftsfähiges Eventmarketing", Rainer Lucas, feststellt, besitzt das nachhaltige (green) Event "eine Scharnierfunktion zwischen Besucher- und der Organisationsperspektive."52 Es erfüllt sowohl die Kernidentität der Organisation oder des Unternehmens, das die jeweilige Veranstaltung aus meist ökonomischen Gründen durchführt, als auch andererseits die Wertansprüche und den Wunsch nach sozialer Nähe der Teilnehmer.53

2.5 Marketing

Marketing - zu Deutsch Vermarktung - beschreibt den Unternehmensbereich, der "strukturiert die Unternehmensziele als Sollzustände heraus [arbeiten soll], die am Markt erreicht werden sollen."54

Die Aufgabe des Marketings ist es, durch die „Zusammenführung der externen und internen Informationsgrundlagen (...), konkrete Marketingziele zu definieren, die eine kundenorientierte Ausrichtung und die Erlangung von Wettbewerbsvorteilen sicherstel­len sollen."55

In der Regel bestehen die Unternehmensziele darin, die Nachfrage der Kunden zu be­friedigen und einen Gewinn für das Unternehmen zu erwirtschaften beziehungsweise Bedürfnisse zu schaffen, um Produkte platzieren zu können.

Marketing kann also als eine „operative Unternehmensfunktion (Absatz, Verkauf oder Vertrieb)"56 verstanden werden, in der die vier klassischen Marketinginstrumente Pro­dukt, Preis, Kommunikation und Distribution zum Einsatz kommen. Diese vier klassi­schen Marketinginstrumente werden auch als Marketing-Mix bezeichnet. Im Jahr 1964 veröffentlichte der Harvard Professor Neil H. Borden einen Artikel (The Concept of the Marketing Mix) in dem er erstmalig den heute oft zitierten Marketing-Mix definierte, diesen jedoch um die, für die Veranstaltungsbranche, wichtigen Elemente „Physical Evidence, People and Process"57 erweitert. Diese drei zusätzlichen Elemente sind bei der Erbringung von Dienstleistungen von großer Bedeutung, da sie eine imma­terielle Leistung erst ermöglichen und implizieren auf was im Zusammenhang mit einer solchen Leistung geachtet werden sollte.

Marketing ist heutzutage immer häufiger auch ein Teil der Unternehmensstrategie, die „als Kundenorientierung von den Beschaffungsmärkten her zu den Absatzmärkten hin, (...) alle Unternehmensbereiche und -funktionen durchdringt"58 und somit alle Unter­nehmensaktivitäten umfasst, die auf aktuelle und potenzielle Märkte ausgerichtet sind.

Eine einheitliche Definition für den Begriff „Marketing" zu finden ist jedoch schwierig, da er je nach Betrachtungsperspektive unterschiedlich abgegrenzt werden kann.

So definiert Kotler, ein Marketingprofesser an der Kellogg School of Manage­ment/Northwestern University Marketing als „ein Prozess im Wirtschafts- und Sozialge­füge durch den Einzelpersonen und Gruppen ihre Bedürfnisse und Wünsche befriedi­gen, indem sie Produkte und andere Dinge von Wert erstellen, anbieten und miteinan­der austauschen."59

Während der deutsche Marktingexperte Meffert, Marketing als „jegliche Form eines Austauschs zwischen zwei Kontrahenten, bei dem beide Parteien durch den Aus­tauschprozess ihre Bedürfnisse zu befriedigen versuchen"60 definiert.

Wie, und vor allem was ein Unternehmen publiziert und kommuniziert, ist abhängig von den Marketingstrategien und -zielen eines jeden einzelnen Unternehmens und kann grundsätzlich in leistungsbezogene (zum Beispiel Zeitungsartikel über die Anlagebera­tung einer Bank), unternehmensbezogene (zum Beispiel Bericht über die Hauptver­sammlung einer Versicherung) und gesellschaftsbezogene Öffentlichkeitsarbeit (zum Beispiel Stellungnahme des Vorstandsvorsitzenden zum Wirtschaftsstandort Deutsch­land) unterteilt werden.61 Den Marketingabteilungen stehen heutzutage viele verschie­dene Möglichkeiten zur Verfügung: vom persönlichen Kontakt bei einem Kundenge­spräch oder einer Verkaufsveranstaltung, über die Verbreitung der Vermarktungsstra­tegie mit Hilfe von Funk- und Fernsehen, bis hin zu extra für das entsprechende Pro­dukt organisierten Veranstaltungen sind den Ideen kaum Grenzen gesetzt.

Wenn in einer Branche eine zunehmende Produktgleichheit von Konsumgütern und eine fortschreitende Marktsättigung herrscht, sowie eine damit verbundenen andau­ernden Erhöhung der Qualitätsanforderungen, wird es für Unternehmen immer schwie­riger und aufwendiger, den USP62 ihrer Produkte und Leistungen zu unterstreichen und so die Aufmerksamkeit der Kunden zu erreichen.

Aufmerksamkeit wird dadurch zu einer neuen "Ressource" der Wirtschaft. Sie ist eben­so knapp wie andere Ressourcen und unterliegt eigenen Gesetzmäßigkeiten zu ihrer Erneuerbarkeit.63 Um das Interesse von Kunden zu erlangen, wird deren Aufmerksam­keit immer öfter mit Hilfe von speziell geschaffenen Erlebniswelten im Rahmen der Marketingmaßnahmen des Unternehmens geweckt.

Wie bereits in 2.3.2 beschrieben, findet eine solche Emotionalisierung von Ereignissen meist im Rahmen von Events statt.

Schwierigkeiten, die ein Dienstleistungsunternehmen bei der Organisation von Veran­staltungen im Rahmen des Marketing-Mix hat, liegen häufig in der Herausforderung, die Veranstaltung mit den allgemeinen Marketing- und Kommunikationszielen der be­auftragenden Unternehmen/Institutionen zu verbinden.64

Das Fazit aus den oben genannten Erkenntnissen ist, dass Veranstaltungen sich im­mer mehr als ein eigenständiges Element des Marketing-Mix etablieren, da sie die ver­schiedenen Komponente des Marketings - wie Produkt, Preis, Kommunikation und Distribution - kombinieren und dadurch ermöglichen, einen wirklichen Marketing-Mix darzustellen und nicht nur die Einzelbereiche des Marketings zu vermitteln.65

3 Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility in der Veranstaltungsbranche

Nachdem im ersten Teil der vorliegenden Arbeit auf die theoretischen Grundlagen der Begriffe Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility eingegangen wurde, wer­den im folgenden Kapitel die vorgestellten Ansätze auf die Veranstaltungsbranche pro­jiziert. Ebenso werden die verschiedenen Schnittstellen zwischen der Veranstaltungs­branche und dem Prinzip des nachhaltigen Wirtschaftens dargestellt.

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts begann in Europa die Frage nach Wirtschaft­lichkeit den Gedanken an die gesellschaftliche und kulturelle Verantwortung von Un­ternehmen immer mehr zu verdrängen. Durch die Globalisierung und eine dadurch bedingte zunehmende Anzahl von Mitbewerbern wurde der Konkurrenzgedanke wich­tiger, und die neuen Ziele der Unternehmen waren Gewinn statt Vertrauen und Millio­nen statt Moral.66

Ein schonender Ressourcenverbrauch, Generationengerechtigkeit und fairer Handel - dies sind nur einige Stichworte, die Unternehmen momentan nach und nach wieder in ihre Leitbilder integrieren. Eine solche Neuausrichtung beziehungsweise Wiederentde­ckung der vorhandenen gesellschaftlichen Werte, der Handlungsmotive der Unterneh­men und der grundsätzlichen Lebensweise der Gesellschaft ist notwendig, um Nach­haltigkeit und Corporate Social Responsibility als gesellschaftliche Gesamtprojekte seitens der Unternehmen zu implementieren und dadurch eine umweltbewusste und sozialverträglichere Entwicklung zu garantieren.67

Immer mehr Unternehmen verankern zunehmend die Begriffe Nachhaltigkeit und Cor­porate Social Responsibility in ihrem Leitbild. Wie ist dies jedoch in einer Branche mög­lich, die sich über Kurzlebigkeit und ständige Innovation definiert? Die zunächst wider­sprüchlich wirkenden Ansätze „nachhaltige und soziale Verantwortung“ und „Event" werden von Veranstaltungsorganisatoren und Teilnehmern jedoch immer weniger kont­rär wahrgenommen. Sie bilden auch in dieser Branche inzwischen einen festen Be­standteil der täglichen unternehmerischen Aktivitäten. Inwiefern ein Engagement in Nachhaltigkeit- und Corporate Social Responsibility jedoch auch langfristig umgesetzt werden kann, wird in diesem Kapitel überprüft.68

3.1 Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche

Aus der Sicht eines Veranstaltungsorganisators sind bei der Einführung von Nachhal­tigkeit in die Unternehmensstrategie und Veranstaltungsorganisation folgende Fragen vorab zu klären und die Ausrichtung eines Unternehmens festzulegen:69

a. ) Die grundsätzliche Definierung der gesellschaftlichen Verantwortung eines Veran­staltungsorganisators und die sich daraus ergebenden Anforderungen an ihn und die von ihm organisierten Veranstaltungen sollten evaluiert werden.
b. ) Die Herausforderungen, die durch die Implementierung eines Nachhaltigkeitsansat­zes für den Veranstalter und die Veranstaltungen entstehen und welches Wissen darü­ber bereits vorliegt sollten geprüft werden.
c. ) Die Art und Weise, wie der Veranstalter sich zu den Herausforderungen äußern möchte. (Aktiv oder passiv, belehrend oder lernend, monologisch oder im Dialog)
d. ) Die Festlegung des Themen-Schwerpunkts der geeignet wäre, um den Nachhaltig­keitsansatz mit dem Wertekern der eigenen Veranstaltung und des eigenen Unterneh­mens erfolgreich zu verbinden.

Es gibt bisher keine Gesetze oder festgeschriebene Regularien, die vorschreiben, wie die Implementierung eines solchen Engagements durchzuführen ist. Brancheninterne Ratgeber helfen jedoch bei anfänglichen Schwierigkeiten und zeigen Ansätze und Ideen auf, die zu einem erfolgreichen Einsatz sowohl in der grundsätzlichen als auch langfristig nachhaltigen Ausrichtung einer Veranstaltung führen.

3.1.1 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Der von der Enquête-Kommission70 des Deutschen Bundestages „Zum Schutz des Menschen und der Umwelt" geprägte Begriff, „Drei-Säulen-Modell“ - auch „magisches Dreieck" genannt - beinhaltet die Dimensionen „Soziales", „Ökologisches" und „Öko­nomisches". Das Modell gilt vielen Veranstaltungsorganisatoren als Ausgangspunkt und Grundlage für nachhaltiges Wirtschaften und wird in der folgenden Abbildung ver­anschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Quelle: o.V., http://www.rockwool.de/Nachhaltigkeit/grundlagen, o.J., abgerufen am 22.06.10, o.S.

Der Grundgedanke des Modells ist, dass eine nachhaltige Entwicklung nur dann er­reicht werden kann, wenn alle drei Dimensionen (sozial, ökologisch, ökonomisch) gleichrangig und in systematischer Weise miteinander verknüpft werden.

[...]


1 Vgl. Rücker, in: m-e-n-s-a, 2009, Ausgabe 06, S.6.

2Vgl. Bundesministerium für Umwelt (Hrsg.), 2009, S. 5.

3 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10. (http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhalrigkeit).

4 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10. (http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhalrigkeit).

5 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10. (http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhalrigkeit).

6 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10. (http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhalrigkeit).

7 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10. (http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhalrigkeit).

8 Grober, in: ZEIT ONLINE, 1999, abgerufen am 01.03.10. (http://www.zeit.de/1999/48/Der_Erfinder_der_Nachhalrigkeit).

9 Definition Brundtland Report: Im Jahr 1987 von der UNO veröffentlichte Bericht, der sich um die Erhaltung der Umwelt kümmert und politische Richtlinien vorgeben sollte.

10 Definition Brundtland Kommission: Eine von den Vereinten Nationen 1983 gegründete unabhängige Sachkommission, die mit der Erstellung eines Perspektivenberichts zur langfristigen und tragfähigen, umweltschonenden Entwicklung beauftragt wurde. Die Kommission setzte sich aus 19 Bevollmächtigten aus 18 Staaten weltweit zusammen. Gro Harlem Brundtland wurde zur Vorsitzenden gewählt.

11(Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit, o.J.,

12http://www.Nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_1987_728.htm, abgeru­fen am 01.07.2010.)

13 Vgl. o.V., http://www.agenda21-treffpunkt.de/info/nachhalt.htm, 2007, abgerufen am 07.03.10.

14 Gunderlach, Hornung-Pickert; Lucas (Hrsg.), 2007, S. 135.

15 Vgl. Wancizek, http://www.oeci.at/wissensportal/sustainability-management-104/, o.J., abge­ rufen am 07.03.10, o.S.

16 Vgl. o.V., http://www.agenda21-treffpunkt.de/info/nachhalt.htm, 2007, abgerufen am 07.03.10, o.S.

17 Definition des Begriffes Corporate Social Responsibility siehe Kapitel 2.2.

18 Vgl. Buchert; et alli, 2009, S. 24; vgl. dazu auch Wancizek, http://www.oeci.at/wissensportal/sustainability-management-104/, 2008, abgerufen am 07.03.10, o.S.

19 Gunderlach, Hornung-Pickert; Lucas (Hrsg.), 2007, S. 138.

20 Diskussionspapier der Europäischen Kommission, welches oft als Vorlage für Verord­ nungen und Richtlinien dient.

21 Europäische Kommission (Hrsg.), 2001, http://eur- lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/com/2001/com2001_0366de01.pdf, abgerufen am 03.07.10, o.S.

22 Kirchhoff; Gazdar, et alli (Hrsg.), 2006, S. 17.

23 Vgl. Curbach, in Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik, 2007, Ausgabe 8/1,

24http://www.zfwu.de/fileadmin/pdf/Dissertationsprojekte/8_1_04_Diss_Curbach_imp.pdf, abgerufen am 29.06.2010, S. 78.

25 Vgl. Curbach, in Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik, 2007, Ausgabe 8/1,

26http://www.zfwu.de/fileadmin/pdf/Dissertationsprojekte/8_1_04_Diss_Curbach_imp.pdf, abgerufen am 29.06.2010, S. 78.

27 Vgl. Paul, 2006, S. 68.

28 Paul, 2006, S. 66.

29 Vgl. Kirchhoff; Gazdar, et alli (Hrsg.), 2006, S. 22.

30 Vgl. Kirchhoff; Gazdar, et alli (Hrsg.), 2006, S. 22.

31 Vgl. Goschmann, 2000, S. 91.

32 Vgl. Goschmann, 2000, S. 90.

33Vgl. Lucas, 2007, S. 3.

34Bruhn, Meffert, 2009, S. 295f.

35Bruhn, Meffert, 2009, S. 295f.

36Bruhn, Meffert, 2009, S. 295f.

37Vgl. Lucas, 2007, S. 17f.

38Vgl. Lucas, 2007, S. 3.

39Vgl. Paul, 2006, S. 19; vgl. dazu auch Lucas, 2007, S. 21.

40Vgl. Lucas, 2007, S. 23; vgl. dazu auch Paul, 2006, S. 66.

41 GewO §64, 2008, S. 42

42 Vgl. Kirchgeorg, 2003, S. 367.

43 Vgl. Goschmann, 2000, S. 115.

44 Vgl. Goschmann, 2000, S. 73.

45 Vgl. Goschmann, 2000, S. 73.

46 O.V., http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/791036, o.J., abgerufen am 30.06.10, o.S.

47 Vgl. o.V., http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/791036, o.J., abgerufen am 30.06.10, o.S.

48 ufi.org, 2009, S. 6.

49 I.C.L.E.I. http://www.iclei-europe.org/index.php?id=greening, o.J., abgerufen am 12.05.10, S. 19.

50 I.C.L.E.I. http://www.iclei-europe.org/index.php?id=greening, o.J., abgerufen am 10.03.10, S. 19.

51 German Convention Bureau, http://www.gcb.de/DEU/tagungsland/gruener_tagen.htm, o.J., abgerufen am 30.06.2010, o.S.

52 German Convention Bureau, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicher­ heit (BMU) (Hrsg.), http://www.bmu.de/files/europa_und_umwelt/downloads/application/pdf/broschuere_leitf aden_umweltgerecht.pdf, 2008, abgerufen am 10.03.10, S. 12.

53 German Convention Bureau, http://www.gcb.de/DEU/tagungsland/gruener_tagen.htm, o.J., abgerufen am 30.06.10, o.S.

54 Vgl. I.C.L.E.I., http://www.iclei-europe.org/index.php?id=greening, abgerufen am 12.05.10, S. 19.

55 Vgl. Lucas, 2007, S. 17, vgl. dazu auch green-mice.de (Hrsg.), http://www.greenevents.ch/PDF/GreenMice_Deutschland.pdf, 2009, abgerufen am 12.05.10, S. 22.

56 Lucas, 2007, S. 6.

57 Vgl. Lucas, 2007, S. 6.

58 Paul, 2006, S. 28.

59 Kirchgeorg, 2003, S. 368

60 Belz; Billharz, 2005, S. 3.

61 O.V., http://www.marketingteacher.com/Lessons/lesson_marketing_mix.htm, o.J., abgerufen am 01.07.10, o.S.

62 Belz; Billharz, 2005, S. 3.

63 Kotler, 2007, S. 264

64 Meffert, 2008, S. 10.

65 Vgl. Bruhn; Meffert, 2009, S. 476.

66 Definition USP: Unique selling proposition, ist ein ” ‘einzigartiges Verkaufsverspre­ chen‘, das i.R. [in] einer Werbebotschaft gemacht werden soll. Sie bezieht sich auf einen strategischen Wettbewerbsvorteil, den das Produkt eines Anbieters ge­genüber den Erzeugnissen der Konkurrenz aufweisen sollte.“ (Quelle: Wirtschafts­lexikon 24, http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/unique-selling-proposition/unique- selling-proposition.htm, o.J., abgerufen am 01.07.10, o.S.).

67 Vgl. Lucas, 2007, S. 23.

68 Vgl. Lucas, 2007, S. 18.

69 Vgl. Paul, 2006, S. 29.

70 Vgl. Paul, 2006, S. 44.

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Events going green - Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche
Untertitel
Ein ernsthafter ökologischer Ansatz oder doch nur Marketing?
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
87
Katalognummer
V164891
ISBN (eBook)
9783640807130
ISBN (Buch)
9783640807055
Dateigröße
2720 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit stellt in den theoretischen Grundlagen die definitorische Vielfalt insbesondere des Begriffs Nachhaltigkeit umfassend und abwägend dar. Die Betrachtung der Veranstaltungsbranche in Bezug auf das Thema ist weit gefasst und kritisch hinterfragt. Die daraus gezogenen Schlüsse sind sehr gut nachvollziehbar.
Schlagworte
Event, Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility, Marketing, Veranstaltungsbranche, Marketingeffekt, Analyse, Marketinginstrument, green, environment
Arbeit zitieren
Louisa von Lenthe (Autor), 2010, Events going green - Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164891

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