Erster Kontinentalkongress: Eine Kraftprobe zwischen Radikalen und Gemäßigten


Hausarbeit, 2010

13 Seiten, Note: 3+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vorgeschichte

2. Der Erste Kontinentalkongress
2.1 Die Delegierten
2.2 Der Verlauf des Ersten Kontinentalkongresses
2.3 Die Suffolk-Resolutionen
2.4 Galloways „Plan of Union“

3. Beschlüsse des Kongresses
3.1 Die „Declaration of Rights“
3.2 Die „Association"

4. Weiterer Verlauf

5. Fazit

6. Bibliographie
6.1 Quellen
6.2 Literatur

Einleitung

„Ein Drittel Tories, ein Drittel Whigs, der Rest Bastards“.1 So bezeichnete der spätere Gründungsvater der Vereinigten Staaten, John Adams, die Delegierten, die vom 5. September bis zum 26. Oktober 1774 in Philadelphia beim Ersten Kontinentalkongress tagten. Durch dieses Zitat, das nicht einmal zwei Jahre vor der amerikanischen Unabhängigkeit ausgesprochen wurde, wird deutlich, dass sich die Delegierten bei Beginn des Kongresses noch keineswegs einig darüber waren, wie sich das Verhältnis der Kolonien zu England gestalten sollte. Auf der einen Seite gab es eine - vom zitierten John Adams geführte - radikale Fraktion, die die Unabhängigkeit der Kolonien anstrebte, auf der anderen Seite stand ein konservativ royalistisches und um ein versöhnliches Verhältnis zu England bemühtes Lager.

Bevor der bekanntere Zweite Kontinentalkongress im Jahr 1775 offiziell den Kriegs- zustand mit England erklären konnte, kam es bereits zu Gefechten zwischen den a- merikanischen Milizen und der englischen Armee. Wie konnten die Radikalen durch den Ersten Kontinentalkongresses so plötzlich die Führung übernehmen, während die Gemäßigten fast verstummten? Diese Arbeit soll durch eine Analyse des Ersten Kon- tinentalkongresses und des Konfliktes zwischen den Radikalen und den Gemäßigten eine Antwort auf diese Frage finden. Dabei wird auch kurz auf die Ereignisse vor und nach dem ersten Kongress eingegangen um seine historische Bedeutung zu er- gründen.

1. Vorgeschichte

Nach der Boston Tea Party im Jahre 1773 verstärkte England den Druck auf die Ko- lonien, besonders auf Massachusetts. Vier „Acts“ wurden beschlossen um die Kolo- nien einzuschüchtern und Massachusetts zu isolieren. Diese „Acts“, auch „Intolerab- le Acts“ bzw.„Coercive Acts“ genannt, betrafen zwar hauptsächlich Boston, lösten aber in allen Kolonien Solidaritätserklärungen und Protest aus.

Das erste Gesetz war der „Boston Port Act“. Dieses beinhaltete eine Blockade des Bostoner Hafens durch die englische Flotte. Die Blockade sollte solange bestehen, bis Massachusetts Schadenersatz für den bei der Boston Tea Party vernichteten Tee leisten würde.2 Der „Massachusetts Government Act“ brachte bedeutende Einschnit- te in die politische Selbstverwaltung und die Eigengerichtsbarkeit von Massachu- setts. Die Charta von 1691 wurde praktisch aufgehoben, da der englische Gouver- neur von nun an den Gouverneursrat, die Richter und sogar die Geschworenen er- nennen konnte und somit „an die Stelle des Wahlprinzips das Ernennungsprinzip trat“.3 Ferner durften die „Town Meetings“, ein Hauptbestandteil der amerikanischen politischen Selbstbestimmung, nur noch einmal ohne besondere Erlaubnis des Gou- verneurs im Jahr zusammentreten. Die Eigengerichtsbarkeit von Massachusetts wur- de durch den „Administration of Justice Act“ noch stärker eingeschränkt. Der Gou- verneur durfte nun die Prozesse nicht nur in andere Kolonien, sondern sogar nach England verlegen. Das vierte Gesetz der „Intolerable Acts“, genauer der „Quartering Act“, betraf schließlich alle Kolonien. Die englischen Soldaten waren jetzt berech- tigt, Quartiere zu requirieren, wenn keine passenden Unterkünfte vorhanden waren.

Die „Coercive Acts“ brachten die Kolonien bereits in Aufruhr. England beschloss jedoch ein weiteres Gesetz, den „Quebec Act“. Dieser stand zwar nicht in direktem Zusammenhang mit der Boston Tea Party, steigerte aber ebenfalls die anti-britische Stimmung der Kolonialisten. Quebec bekam von den Kolonien beanspruchte Gebiete im Norden des Ohio von England zugesagt, dafür wurde Quebec ein Geschworenen- system und eine Repräsentativversammlung verwehrt. Des Weiteren wurde der Ka- tholizismus toleriert. Die Kolonien fürchteten nun, dass es ihnen ebenso wie den Ka- nadiern ergehen könnte.4

Um die Durchführung der „Acts“ zu gewährleisten und zu überwachen, wurde der Oberbefehlshaber der englischen Armee in Nordamerika, General Gage, zum Gouverneur von Massachusetts ernannt.5

Der Plan Massachusetts zu isolieren scheiterte nicht nur, sondern führte zum Gegen- teil: Massachusetts lud als Antwort auf die „Intolerable Acts“ alle Kolonien zum Kontinentalkongress ein, der am 5. September 1774 in Philadelphia erstmalig statt fand.6

2. Der Erste Kontinentalkongress

2.1 Die Delegierten

Bis auf Georgia waren alle Kolonien, die ab 1783 die Vereinigten Staaten bildeten, der Einladung gefolgt. Die Delegierten aus den eher gemäßigten Kolonien Connecti- cut, New Jersey, Maryland und New York wurden von den patriotischen „Commit- tees of Correspondence“ ausgesucht, die Delegierten aus Massachusetts, Delaware, Rhode Island und Pennsylvania von gewählten Versammlungen, die sich ebenfalls eher an den Radikalen orientierten. Nach Ende des Kongresses beklagten sich daher die Gemäßigten, die den Kongress für nicht repräsentativ hielten und sich benachtei- ligt fühlten.7

Die insgesamt 55 Delegierten kamen fast alle aus der Oberschicht, etwa die Hälfte waren Anwälte, der Rest reiche Plantagenbesitzer und Großhändler.8 Allerdings wa- ren auch „einfache“ Leute vertreten, beispielsweise der Schuhmacher Roger Sher- man aus Connecticut.9 So kann man auch aufgrund der unterschiedlichen Konfessio nen, Interessen und Einstellungen der Delegierten kaum von einer homogenen Grup- pe sprechen. Die konservativ geltende Oberschicht war dafür zu sehr in sich gespal- ten und brachte neben vielen Gemäßigten letztendlich die radikalsten Delegierten hervor.10

Die Radikalen wurden von den Gesandten John und Samuel Adams aus Massachu- setts (Samuel Adams war übrigens der einzige Berufspolitiker des Kongresses) und von George Washington aus Virginia angeführt. Joseph Galloway aus Pennsylvania und John Jay aus New York setzten sich an die Spitze der Gemäßigten.11 Der unver- einbare Konflikt zwischen den Gemäßigten und den Radikalen bestimmte fortan das Bild des Kongresses.

2.2 Der Verlauf des Ersten Kontinentalkongresses

Die Radikalen, die bereits bei der Auswahl der Delegierten für den Kongress im Vor- teil waren, konnten direkt bei Beginn einen weiteren kleinen Sieg erringen: Galloway wollte den Kongress im State House, also der Abgeordnetenkammer, abhalten, Sa- muel Adams dirigierte aber alle in die Carpenters Hall, das Zunfthaus der Zimmer- leute, in dem die Delegierten nicht dem Einfluss der königlich-britischen Tradition ausgesetzt waren.12 Ebenfalls positiv für die Radikalen fielen die Wahlen des Präsi- denten und des Kongresssekretärs aus: Präsident wurde Peyton Randolph aus dem Abgeordnetenhaus von Virginia, Kongresssekretär wurde Charles Thomson, Mitglied der „Sons of Liberty“ und scherzhaft „John Adams von Pennsylvania“ genannt.13

[...]


1 Nach: Herre, Franz: Die amerikanische Revolution. Geburt einer Weltmacht. Köln 1976, S. 88.

2 Vgl. Schröder, Hans Christoph: Die Amerikanische Revolution. Eine Einführung. München 1982, S. 45.

3 Vgl. Dippel, Horst: Die Amerikanische Revolution 1763-1787. Frankfurt a.M. 1985, S. 58.

4 Vgl. Schröder: Die Amerikanische Revolution, S. 46.

5 Vgl. Morgan, Edmund: The Birth of the Republic 1763-89. Chicago 1957, S. 60.

6 Vgl. Fisher, Sydney George: The Struggle for American Independence. Philadelphia/London 1908, S. 226.

7 Vgl. Fisher: The Struggle for American Independence, S. 221.

8 Vgl. Morgan: The Birth of the Republic, S. 62.

9 Vgl. McCullough, David: John Adams. New York 2001, S. 85.

10 Vgl. Miller, John: Origins of the American Revolution. Boston 1943, S. 379f.

11 Vgl. Herre: Die amerikanische Revolution, S. 87f.

12 Vgl. Herre: Die amerikanische Revolution, S. 88.

13 Vgl. Morgan: The Birth of the Republic, S. 62.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Erster Kontinentalkongress: Eine Kraftprobe zwischen Radikalen und Gemäßigten
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
3+
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V164954
ISBN (eBook)
9783640801916
ISBN (Buch)
9783640802418
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Amerikanische Unabhängigkeit, Kontinentalkongress
Arbeit zitieren
Oliver Birkmann (Autor), 2010, Erster Kontinentalkongress: Eine Kraftprobe zwischen Radikalen und Gemäßigten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164954

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