Der Kampf Heinrichs IV. gegen Rudolf von Rheinfelden im Spiegel zeitgenössischer Quellen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

31 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenanalyse
2.1 Brunos Buch vom Sachsenkrieg
2.2 Otto von Freising: Gesta Friderici
2.3 Frutolf von Michelsberg: Chronica
2.4 Lampert von Hersfeld: Annalen

3. Die Entwicklung des Konflikts zwischen König Heinrich IV. und Rudolf von Rheinfelden
3.1 Hintergründe der fürstlichen und kirchlichen Oppositionsbewegung
3.2 Der Umschwung Rudolfs und seine Beweggründe
3.3 Die Wahl Rudolfs zum Gegenkönig
3.4 Der Verlauf der Auseinandersetzungen

4. Der Tod Rudolfs von Rheinfelden und seine Darstellung in den zeitgenössischen Quellen

5. Schlussbetrachtung

6. Abkürzungsverzeichnis

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Literatur

1. Einleitung

Im 11. Jahrhundert kam es zum ersten Mal in der Geschichte des Reichs zur Erhebung eines deutschen Gegenkönigs infolge einer freien Wahlhandlung durch die Fürsten.[1] Der Thronstreit zwischen dem Salierkönig Heinrich IV. und seinem Schwager Rudolf von Rheinfelden, dem Herzog von Schwaben, bildet ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der Salierdynastie und ihrer Herrschaftsdurchsetzung in der Epoche des Investiturstreits. Er verdeutlicht, dass es in dieser Zeit nicht nur einen Konflikt zwischen deutschem Königtum und Papsttum bzw. Kirche gab, sondern auch innerdeutsche Gegner, welche sich aus unterschiedlichen Motiven gegen Heinrich IV. und seine Herrschaftsvorstellung auflehnten.

In dieser Arbeit geht es um die Entstehung und Entwicklung des Konflikts zwischen Heinrich IV. und Rudolf. Im Mittelpunkt stehen dabei die Ursachen dieser Auseinandersetzung und das Bild, das von Herrscher und Gegenkönig in den zeitgenössischen Quellen gezeichnet wurde. Orientiert wurde sich an der bisherigen Forschungsliteratur, so bilden die Standardwerke von Oscar Grund[2] und Heinz Bruns[3] die Grundlage, die trotz ihres Alters noch immer den aktuellen Stand der Forschung widerspiegeln. Das Gegenkönigtum Rudolfs wurde allerdings selten als einzelnes Thema, sondern meist in Zusammenhang mit der Regierung Heinrichs IV. behandelt. Daher bieten auch die Herrscherbiographien von Gerd Althoff[4], Egon Boshof[5] oder Stefan Weinfurter[6] in Teilkapiteln einen guten Überblick über die Auseinandersetzung. Ebenso sei hier noch Tilman Struve[7] erwähnt, der sich mit seinem Aufsatz um ein ausgeglichenes Bild Rudolfs von Rheinfelden bemüht. Beiträge zu einzelnen Teilaspekten wie zur Forchheimer Wahl, die Abstammung Rudolfs oder dessen Grablege bieten respektive Walter Schlesinger[8], Eduard Hlawitschka[9] und Berthold Hinz[10]. Die Arbeit versucht, die Einzelbeiträge zum Thema stringent zusammenzuführen, um eine Rekonstruktion der damaligen Ereignisse zu geben und daraufhin mittels der zeitgenössischen Quellen Brunos Buch vom Sachsenkrieg[11], der Chronik Frutolfs von Michelsberg[12], Otto von Freisings Taten Friedrichs[13] und der Annalen Lamperts von Hersfeld[14] eine Deutung und Bewertung des Gegenkönigtums vorzunehmen.

Den Schwerpunkt der Untersuchung bildet die Darstellung der Persönlichkeiten Heinrichs IV. und besonders Rudolfs von Schwaben, der als Beispiel für die Wandlung von einem treuen Gefolgsmann des Königs zu einem seiner hartnäckigsten Gegner Ausdruck der Epoche des Investiturstreits mit seinen Umbrüchen, in denen einzelne Persönlichkeiten immer selbstbewusster wurden, ist.[15] In diesem Zusammenhang wird auch die Frage, inwieweit Rudolf als Gegenkönig einen großen Handlungsspielraum besaß und eigene Entscheidungen traf oder insgesamt in die Zwänge der Fürstenopposition eingebettet war, behandelt. Die Motive für den Sinneswandel und Umschwung Rudolfs zum Widerstand gegen Heinrich IV. und seine Erfolgschancen stehen im Zentrum der Analyse. Die Ausführungen können freilich nur einen fragmentarischen Überblick bieten, da sie sich auf zeitgenössische, keineswegs rein objektiv angelegte Quellen stützen, die beispielhaft als Vertreter der jeweiligen Seite ausgewählt wurden. Sie spiegeln die Parteilichkeit der damaligen Zeit wider und müssen gegeneinander abgewogen werden, um eine möglichst ausgewogene Interpretation darzulegen. Des Weiteren bieten sie aber auch die Möglichkeit, gerade die verschiedenen Darstellungen und Deutungen aus damaliger Sicht wahrzunehmen.

Im ersten Teil der Arbeit wird zunächst der Hintergrund der Primärquellen vorgestellt, um sie im Folgenden in den Gesamtzusammenhang einzuordnen. Dann widmet sich die Arbeit der Beleuchtung der Motive der Fürstenopposition und des Parteiwechsels Rudolfs und zeichnet auf Grundlage der Sekundärliteratur den Verlauf der Auseinandersetzungen zwischen der Partei Heinrichs IV. und dessen Opposition nach. Den Determinanten für den Ausbruch des Streits und der Dynamik des Konflikts soll nachgespürt werden. Der letzte Teil der Arbeit behandelt schließlich die Bewertung des gesamten Gegenkönigtums und die Urteile über die Person Rudolfs anhand der verschiedenen Deutungen seines Todes durch die Geschichtsschreiber, was letztendlich die politische Inanspruchnahme Rudolfs und die verschiedenen Ansprüche der gegnerischen Parteien zeigt.

2. Quellenanalyse

2.1 Brunos Buch vom Sachsenkrieg

Bruno von Magdeburg gilt als einer der erbittertsten Kritiker des Salierkönigs. Sein einziges Werk Saxonicum bellum bezieht eindeutig Stellung und vertritt ganz und gar den sächsischen Standpunkt seines Verfassers.[16] Dieser gehörte zur Umgebung des Erzbischofs Werner von Magdeburg und des Bischofs Werner von Merseburg, dem er sein um 1082 entstandenes Werk widmete.[17] Es wird vermutet, dass er entweder in deren bischöflichen Kanzleien tätig, der für das Jahr 1100 belegte Domscholaster Bruno von Magdeburg oder identisch mit dem Kanzler des Gegenkönigs Hermann von Salm war, was aber unbeweisbar bleibt.[18] In jedem Fall beschreibt er in seinem Werk den Bürgerkrieg Heinrichs IV. gegen die Sachsen. Angefangen mit einem Prolog, einem Überblick über die Jugend des Königs und einer Vorgeschichte des Sachsenaufstandes, schildert der Sachsenkrieg den Verlauf der Auseinandersetzungen von 1073 bis zur Weihe Hermanns von Salm zum Gegenkönig am 26. Dezember 1081.[19] Brunos Schrift ist geprägt von seiner Einseitigkeit, von einer fehlerhaften Darstellung der Ereignisse und bewussten Verzerrungen, und doch berichtet er sehr ausführlich und leidenschaftlich. Für Bruno als überzeugtem Sachsen stellte Heinrich IV. alles Unrecht dar und so zeichnet er auch ein entsprechendes Charakterbild von ihm, wofür er seine Darstellung zuweilen mit bissigem Spot und Ironie schmückt.[20] Schon in Heinrichs jugendlichen Ausschweifungen sieht er den Beweis seiner Verderbtheit, Tücke und Niedertracht und zählt diese anschaulich auf.[21]

Weil er als Vertreter des sächsischen Standpunktes das historische Recht auf Seiten der Sachsen sieht, weist Bruno trotz Heinrichs juristisch berechtigter Haltung alle Schuld am Krieg dem König zu.[22] Als Zeitgenosse mit solch glühendem Stammesgefühl kann Bruno keine objektive Wahrheit der Ereignisse, sondern nur deren Wirkung auf die Ziele der Sachsen erkennen, wodurch seine oftmals fehlerhaften Darstellungen als für ihn subjektiv wahr erscheinen.[23] Seine völlige Überzeugtheit von der guten Sache der Sachsen ist auch in Brunos leidenschaftlicher Berichterstattung zu erkennen, für die er einen reichen Wortschatz, ausgeprägtes Pathos und wirkungsvolle Rhetorik verwendet.[24] Als Quellen dienten ihm neben seiner eigenen Erfahrung besonders mündliche Berichte der Antiköniglichen und zahlreiche Briefe, die er in sein Werk einarbeitete.[25] Trotz seiner Irrtümer bildet Brunos Buch vom Sachsenkrieg doch ein wertvolles Werk zur Erkenntnis und Deutung des sächsischen Standpunktes und zeigt, wie Bruno als dessen Vertreter im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Quellen die damaligen Geschehnisse einordnete und bewertete.

[...]


[1] Bruns, Gegenkönigtum Rudolfs, S. 120.

[2] Grund, Wahl Rudolfs zum Gegenkönig, Leipzig 1870.

[3] Bruns, Gegenkönigtum Rudolfs, Bleicherode 1939.

[4] Althoff, Heinrich IV., Darmstadt 2006.

[5] Boshof, Heinrich IV., Göttingen – Zürich – Frankfurt am Main 1979.

[6] Weinfurter, Heinrich IV., Sigmaringen 1991.

[7] Struve, Bild des Gegenkönigs, Sigmaringen 1991.

[8] Schlesinger, Wahl Rudolfs in Forchheim, Sigmaringen 1973.

[9] Hlawitschka, Herkunft und Seitenverwandte, Sigmaringen 1991.

[10] Hinz, Grabdenkmal Rudolfs, Frankfurt am Main 1996.

[11] Brunos Buch vom Sachsenkrieg, hg. von Hans-Eberhard Lohmann (MGH Dt. MA 2), Leipzig 1937.

[12] Die Chronik Frutolfs von Michelsberg, hg. und übers. von Franz-Josef Schmale – Irene Schmale-Ott, in: Frutolfs und Ekkehards Chroniken und die Anonyme Kaiserchronik (FSGA 15), Darmstadt 1972, S. 47-121. Es wird die FSGA-Ausgabe verwendet, da die Edition der MGH SS 33 noch in Bearbeitung ist.

[13] Otto von Freising und Rahewin, Gesta Friderici I. Imperatoris, hg. von Georg Waitz – Bernhard von Simson, (MGH SS rer. Germ. [46]), Hannover – Leipzig ³1912, ND Hannover 1978.

[14] Lampert von Hersfeld, Annalen, in: Die Werke Lamperts von Hersfeld (MGH SS rer. Germ. [38]), hg. von Oswald Holder-Egger, Hannover – Leipzig 1894, ND Hannover 1984, S. 1-304.

[15] Struve, Bild des Gegenkönigs, S. 475.

[16] Schmale, Einleitung zu Bruno, S. 28.

[17] Schmale, Bruno von Magdeburg, Sp. 791.

[18] Schmale, Einleitung zu Bruno, S. 28; ders., Bruno von Magdeburg, Sp. 791.

[19] Schmale, Einleitung zu Bruno, S. 28.

[20] Schmale, Bruno von Magdeburg, Sp. 791.

[21] Brunos Sachsenkrieg, cap. 6, S. 16: so z.B. den Umgang mit seinen Mätressen: Binas vel ternas simul concubinas habebat; nec his contentus, cuiuscumque filiam vel uxorem iuvenem et formosam audierat, si seduci non poterat, sibi violenter adduci praecipiebat.

[22] Schmale, Einleitung zu Bruno, S. 30.

[23] Ebd., S. 29.

[24] Schmale, Einleitung zu Bruno, S. 30.

[25] Schmale, Bruno von Magdeburg, Sp. 791.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Der Kampf Heinrichs IV. gegen Rudolf von Rheinfelden im Spiegel zeitgenössischer Quellen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Der Teppich von Bayeux und andere Sachquellen des Mittelalters
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
31
Katalognummer
V164963
ISBN (eBook)
9783640801022
ISBN (Buch)
9783640800773
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kampf, Heinrichs, Rudolf, Rheinfelden, Spiegel, Quellen
Arbeit zitieren
Nadja Häckel (Autor), 2009, Der Kampf Heinrichs IV. gegen Rudolf von Rheinfelden im Spiegel zeitgenössischer Quellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164963

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