Sprache und Bild als Medien im Expressionismus


Seminararbeit, 2010

13 Seiten, Note: 1,5 (sehr gut)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Zur Sprache als Medium expressionistischer Literatur

2. Die Verbindung von Sprache und Bild im Expressionismus

3. Zum Bild als Medium im Expressionismus

4. Schlussfolgerungen

5. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Die Bezeichnung Expressionismus stammt ursprünglich aus der bildenden Kunst und benennt eine Epoche, die von ca. 1910 bis 1925 andauerte. Der Stilbegriff ,Expressionismus’ kam erstmals im Zusammenhang mit der Kunstausstellung der Berliner Secession von 1911 auf[1]. In der Einleitung zum Ausstellungskatalog wurde die neue Kunstrichtung als Expressionismus bezeichnet. Der Begriff wurde daraufhin von der Presse aufgenommen und anschließend erst auf die Literatur übertragen. So weist bereits die Übernahme der Bezeichnung ,Expressionismus’ auf die Literatur auf eine Gemeinsamkeit, die zumindest in der Presse und später auch in der Öffentlichkeit als solche wahrgenommen wurde.

Die Entstehung von Großstädten, Industrialisierung, Technik und der Arbeitslosigkeit etc. veränderte um die Jahrhundertwende den Lebensalltag der Menschen. Diese Umstrukturierung wurde Thema für die literarischen Expressionisten und in ihren Prosatexten wurden vor allem folgende Themenkreise angesprochen: Industrialisierung, Krankheit, Krieg, Großstadt, Hektik, Tod, Entindividualisierung, die Hoffnung auf eine neue Welt, Menschenmassen, Anonymität des modernen Lebens etc. Der Mensch hat Angst vor Überforderungen, vor Geschwindigkeit, davor, von der Technik überwunden zu werden, vor der drohenden Existenz und vor dem Tod.

In meiner Seminararbeit werde ich mich also damit beschäftigen, die Beziehung und Funktion der Sprache und des Bildes als Medien in der Literatur zu zeigen. Im ersten Kapitel gibt es eine Analyse zur Sprache als Medium expressionistischer Literatur. Im zweiten Kapitel lässt sich die Verbindung von Sprache und Bild im Expressionismus zeigen. Im dritten Kapitel wird das Bild als expressionistisches Mittel dargestellt. Schließlich werden die Schlussfolgerungen dieser Arbeit dargestellt. In allen Kapiteln stehen natürlich Beispiele dort, wo es nötig sei.

1. Zur Sprache als Medium expressionistischer Literatur

Gewöhnlich betrachten wir die Sprache als ein Mittel zum Zweck; sie entzieht sich unserer Aufmerksamkeit, wie der Körper im Vollzug einer gewohnten Bewegung. Die normale Erfahrung der Sprache verdeckt die Sprache als Sprache. Aber besonders in der Literatur kann man die Sprache nicht so oberflächlich betrachten. Uns interessiert am meisten in der Tat diese Vorsätzlichkeit der Sprache, die man auch als Medialität der Sprache bezeichnen kann.

Insbesondere in der Literatur des Expressionismus hat die Sprache eine sehr wichtige Rolle gespielt. Die Expressionisten waren eigentlich überwiegend junge Literaten, die aus guten Elternhäusern kamen und mit der bestehenden Weltordnung nicht übereinstimmten. Die Entstehung von Großstädten, Industrialisierung, Technik und der Arbeitslosigkeit etc. veränderte um die Jahrhundertwende den Lebensalltag der Menschen. Diese Umstrukturierung wurde Thema für die literarischen Expressionisten und in ihren Prosatexten wurden vor allem folgende Themenkreise angesprochen: Industrialisierung, Krankheit, Krieg, Großstadt, Hektik, Tod, Entindividualisierung, die Hoffnung auf eine neue Welt, Menschenmassen, Anonymität des modernen Lebens etc. Der Mensch hat Angst vor Überforderungen, vor Geschwindigkeit, davor, von der Technik überwunden zu werden, vor der drohenden Existenz und vor dem Tod.

Alle diese Themen wollten aber die Expressionisten nicht direkt aufzeigen. Sie haben also die Sprache als Medium auf eine solche Weise benutzt, damit sie ihren Zweck erreichen konnten. Genauer haben sie keine einheitliche Sprache benutzt. Die Sprache ist ekstatisch übersteigert, metaphorisch, symbolistisch überhöht und versucht, die traditionelle Bildungssprache zu zerstören. Sie betont die Ausdrucksfähigkeit und Rhythmen, die fließen, hämmern oder stauen können. Sprachverknappung, Ausfall der Füllwörter, Artikel und Präpositionen, Worthäufung, nominale Wortballungen, Betonung des Verses, Wortneubildung und neue Syntaxformung sind typisch expressionistische Stilmerkmale.

Die repräsentativste Gattung des Expressionismus, vor allem des Frühexpressionismus, ist die Lyrik. Die neue Dichtergeneration lehnte die bisherige literarische Tradition ab[2]. An die Stelle von Naturlyrik setzte sie Großstadtlyrik, welche mit einer neuen Ausdrucksweise, die hier im weiteren Verlauf als expressionistisch-großstädtisch herausgestellt werden soll, provozierte.

Das Ambivalente an diesem Traditionsbruch ist, dass die meisten Autoren in den tradierten Formen der Lyrik, wie zum Beispiel der häufig verwendeten Form des Sonetts, verbleiben, anstelle sich neue Ausdruckswege zu suchen[3]. Dieser Widerspruch wird in allen Analysen zum Stil expressionistischer Lyrik als bedeutend hervorgehoben, aber dabei wird meist nicht betrachtet, dass gerade hierin das Provokative der Gedichte liegt. Die von den Expressionisten benutzten - und in dem damaligen Kunstverständnis noch sehr anstößigen - Themen wie Verwesung, Tod, Häßlichkeit und Elend verstärken ihre Wirkung gerade in den bekannten traditionellen Formen der Lyrik. Die Diskrepanz von Inhalt und Form schockt. Die Form wird hierbei sozusagen ,mißhandelt’, was es den Inhalt betrifft.

Der typische Sprachgestus des Expressionismus ist seine spezifische und ganz konkrete Antwort auf die von ihm wahrgenommene Krise der Kultur[4].

Die Dichter hatten mit der „Tradition rosenumrankter Erlebnislyrik“ gebrochen[5], das Häßliche wurde nun zum Hauptmotiv ihrer Lyrik. Die Irritation über diesen neuen Stil beschrieb ein Journalist des Berliner Tageblatts, indem er einen Vortragsabend des ,Neopathetischen Cabaretts’ als lyrische Parodie wiedergab:

Gestern die schöne Frühlingsnacht

Hab ich höchst jammervoll zugebracht

Bei den Gemälden im Haus Cassierer

Jedoch beileibe nicht wegen ihrer;

Sondern wegen der neuen Richtung

Genannt die Neopathetische Dichtung.

Es sassen zwei Leute; es stand ein Trupp -

Das Ganze hiess ,Der neue Klub’.

Gepflegt wurde hier die Poesie.

Von Jüngern der Neuropathologie. -

Da sass eine allerliebste Kleine;

Ich sagte zu mir: ,Für diese Eine

Verrat ich die ganzen Pathetiker’.

(So denkt natürlich kein Ethiker.)

Und in Betrachtung dieses Gesichts

Hörte ich Worte, verstand aber nichts.

Am Tisch sass ein Jüngling und fügte Sätze

Zu einem greulichen Kunstgeschwätze,

Die Worte fielen in starrem Krampf,

Andre verschwammen in Nebeldampf,

Und Bilder, die reine Gedärmverschlingung,

Bezeugten die neopathet’sche Gesinnung;

Es troff von Blut und anderen Sachen -

Man lachte zwar, aber’s war nicht zum Lachen. ...

(vom 18. 05.1911)[6]

[...]


[1] Paulsen: Deutsche Literatur des Expressionismus, a.a.O., S. 11

[2] Paulsen: Deutsche Literatur des Expressionismus, a.a.O., S. 16

[3] Giese: Interpretationshilfen Lyrik des Expressionismus, a.a.O., S. 181

[4] Isernhagen: Die Bewußtseinskrise der Moderne und die Erfahrung der Stadt als Labyrinth. In: Die Stadt in der Literatur. Hg. von Cord Mecksepeter u. Elisabeth Schraut, a.a.O., S. 93

[5] Stücheli, Peter: Poethisches Pathos: eine Idee bei Friedrich Nietzsche und im deutschen Expressionismus. Bern: Lang AG, Europäischer Verlag der Wissenschaften 1999, S. 40

[6] ebd., S. 41

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Sprache und Bild als Medien im Expressionismus
Hochschule
National & Kapodistrian University of Athens
Note
1,5 (sehr gut)
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V164969
ISBN (eBook)
9783640802944
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literatur, medien, sprache, medium, bild, expressionismus, literaturtheorie, deutsch, germanistik
Arbeit zitieren
Vasso Kouki (Autor), 2010, Sprache und Bild als Medien im Expressionismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164969

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