Religion und Staat im antiken Griechenland

Was trug Religion zur Herausbildung einer griechischen Identität bei und wie wirkte sich Religion bei der Entscheidungsfindung in der Politik aus?


Hausarbeit, 2008
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis

II. Einleitung

III. Religion und Herausbildung / Festigung der Identität

IV. Religion und Prozesse der Entscheidungsfindung in Politik und Krieg

V. Fazit

VI. Bibliographie

II. Einleitung

„Da die griechische Religion an die Gesellschaft gebunden war, an Familie und Geschlecht, vor allem aber an den Staat, war der Kultdienst in erster Linie verpflichtende Aufgabe der politischen Gemeinschaft.“[1] – so lautet es in der Einführung in die griechische und römische Religion von Robert Muth. Staat und Religion waren im antiken Griechenland sehr eng miteinander verknüpft und dies hatte weitreichende Folgen für das Zusammenleben in den verschiedenen Polis. Diese Hausarbeit setzt sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Staat und der Religion im antiken Griechenland auseinander.

Ich möchte aufzeigen, dass es klare Beziehungen zwischen den griechischen Staaten und ‚ihrer‘ polytheistischen Religion gab. Des weiteren möchte ich darlegen, dass Religion zum Einen dazu beitrug, dass die Griechen sich dadurch eine eigene Identität schufen und zum Anderen, dass die Religion, der Mythos und alles was damit zusammenhing, Prozesse der Entscheidungsfindung in Politik und dem eng damit verknüpften Kriegen legitimierte. Dies soll an verschiedenen Beispielen veranschaulicht werden.

Das Hauptaugenmerk wird dabei die Zeit von der Archaik bis zur klassischen Zeit, also der Blütezeit der attischen Demokratie, bilden. Damit ist davon auszugehen, dass „die“ griechische Religion bereits vorherrschte und sich lediglich weiterentwickeln konnte. Daher sollen hier nicht die Anfänge der griechischen Religion veranschaulicht werden, jedoch ihre Auswirkungen auf den Staat vom 8. bis zum 5. Jahrhundert vor Christi Geburt.

Die Quellenlage zu diesem Thema aus der Zeit der Archaik erweist sich als sehr ausgiebig, da viele Schriften aus der Antike noch vorhanden sind. Auch gibt es viele Abhandlungen über die griechische Religion, da sie nicht nur die Religion eines der wichtigsten Völker aller Zeiten, sondern auch der merkwürdigste und späteste Polytheismus der alten Geschichte ist.[2]

III. Religion und Herausbildung / Festigung der Identität

Die Religion ist schon immer grundsätzlich eines der wichtigsten Identifikationsmerkmale einer Gesellschaft. Von jeher ist die griechische Religion an den Staat und die Gesellschaft gebunden gewesen; diese drei bildeten eine untrennbare Einheit. Es gab keine Berufspriesterschaft, deren Interessen in einen Gegensatz zu denen der Gesellschaft und des Staates treten konnten. Der Hausvater verrichtete den Kult für die Familie, der König und die Beamten verrichteten ihn für den Staat und seine Unterabteilungen.[3]

Eine Herausbildung von Identität durch Religion lässt sich an verschiedenen Beispielen belegen, so am Beispiel einer Krisenbewältigung. Kulthandlungen können in kritischen Lagen zu einem Halt, vielleicht sogar dem Einzigen, mutieren.[4] Jegliche Krise, die die Menschen zu bewältigen hatten, können als Manifestationen der ‚Stärkeren‘, der Götter und Heroen, gedeutet werden: Missernten und Unfruchtbarkeit des Landes, Seuchen von Menschen und Vieh, Sterilität und Missgeburten, aber auch Bürgerkriege und Niederlagen gegen den äußeren Feind.[5] Gegen den Schrecken der Realität bildet der Glaube in diesem Fall ein Orientierung schaffendes System. Zu seinen Funktionen zählt hier vor allem, die Erfahrung des Heiligen mitzuteilen und zu gewährleisten. Damit bewahrt er gleichzeitig die Kontinuität und Identität der gelebten Religion.[6]

Als einen weiteren Prozess, der zur Herausbildung einer griechischen Identität führte, kann die Reinigung angesehen werden – wobei zu unterscheiden wäre: zum Einen die Reinigung des Menschen und zum Anderen die Reinigung von Heiligtümern. Durch Reinigung und die Beseitigung von ‚Schmutz‘ wird ein in der Gesellschaft akzeptabler Status wieder zurückgewonnen. Reinigung ist somit ein sozialer Prozess.[7]

Auch an Heiligtümern und in Götterbildern setzt sich Schmutz fest. Eine regelmäßige Reinigung ist unumgänglich, wenn auch eher peinlich.[8] Die Reinigung steht im Gegensatz zum ‚reinen‘ Fest, jedoch wird das Ergebnis der ‚Reinheit‘ überhöht und somit wiederum legitimiert.[9] Als Beispiele hierfür gelten die Plynteria, das ‚Waschfest‘, und die Reinigung des Palladion.[10]

Kulthandlungen wurden in der Regel nicht nur für ‚große‘ und ‚kleine‘ Gottheiten vollzogen, sondern auch für Lokalgottheiten[11], da es sich bei der griechischen Religion sich um Polytheismus handelt:

„Als Polytheismus wird eine Religionsform bezeichnet, in der ein Handeln einer Mehrzahl persönlich vorgestellter Götter konzipiert ist. Das Handeln der Götter wird dargestellt als aufeinander bezogen, auf die Welt gerichtet, die Menschen betreffend. Von der bloßen Mehrzahl von Götterkulten in einer bestimmten Region unterscheidet sich eine polytheistische Religion durch eine 'Binnenstruktur' ihres Götterapparats, durch ein in sich gegliedertes und durch ein Handlungssystem bestimmtes Pantheon.“[12]

Da die Griechen nun Polytheisten waren verehrten sie in ihren Gemeinschaften, so zum Beispiel in den Stadtstaaten, mehrere ‚kleine‘ Götter, die dann wiederum in ihren Gegenden ‚groß‘ hießen.[13] So nahmen sich die Athener die Göttin Athene als Stadtgöttin und schufen ein Gemeinschaftsgefühl, also eine Identität, durch Kulte zur Ehren dieser Göttin.[14] Eine besondere Ausprägung fand die Kultgemeinschaft der Athener in den großen Festen zu Ehren der Stadtgöttin, insbesondere zu den Panathenäen.[15] Auch andere Städte besaßen ihre Stadtgottheiten: auf dem Peloponnes glaubte man, dass er gänzlich Poseidon gehöre; die Insel Ortygia vor Syrakus war von den Göttern der Artemis geschenkt worden; an der trojanischen und äolischen Küste sei Apollon ‚groß‘ gewesen und der Bundestempel aller Karer waren dem Zeus geweiht.[16]

[...]


[1] Muth, Robert: „ Einführung in die griechische und römische Religion “: Darmstadt, 1988: S. 26.

[2] Vgl. Burkhardt, Jacob: „ Griechische Kulturgeschichte “: Leipzig, 1929: S. 301.

[3] Vgl. Nilsson, Martin P.: „ Geschichte der griechischen Religion “ in: „ Handbuch der Altertumswissenschaft “ Bd. 2: [Hrsg.] Iwan von Müller: München, 1961: S. 708.

[4] Vgl. Burkert, Walter: „ Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche “: Stuttgart, 1977: S. 396.

[5] Ebd.

[6] Mohn, Jürgen: „ Mythostheorien - Eine religionswissenschaftliche Untersuchung zu Mythos und Interkulturalität “: München, 1998: S. 121.

[7] Burkert: S. 129.

[8] Ebd. S. 134.

[9] Ebd. S. 134.

[10] Ebd. S. 134.

[11] Muth: S. 143.

[12] Gladigow, Burkhard: „ Polytheismus “: in: [Hrsg.] Cancik, Hubert: „ Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe “, Bd. IV: Stuttgart, 1998: S. 321.

[13] Vgl. Burkhardt: S. 321.

[14] Ebd. S. 321.

[15] Vgl. Bleicken, Jochen: „ Die Athenische Demokratie “: Paderborn, 1995: S. 127.

[16] Vlg. Burkhardt: S. 321.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Religion und Staat im antiken Griechenland
Untertitel
Was trug Religion zur Herausbildung einer griechischen Identität bei und wie wirkte sich Religion bei der Entscheidungsfindung in der Politik aus?
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V164985
ISBN (eBook)
9783640801947
ISBN (Buch)
9783640802357
Dateigröße
940 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antike, religion, staat, entscheidungsfindung, krieg, orakel, delphi
Arbeit zitieren
Martin Kersten (Autor), 2008, Religion und Staat im antiken Griechenland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164985

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