Die Maschinenmetapher in John Steinbecks "The Grapes of Wrath"


Seminararbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition: Metapher

3. Die Maschine als Organisationsform

4. Die Maschinenmetapher in The Grapes of Wrath
4.1 Die Bank als Maschine
4.2 Die Landbesitzer
4.3 Der Traktor und der Traktorfahrer

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

Jemanden zurechtstutzen, aus jemandem Kleinholz machen, die treibende Kraft von jemandem/ etwas sein, nicht ganz dicht sein, eine Schraube locker haben... diese Liste würde sich mit Sicherheit beliebig fortsetzen lassen. Unsere Alltagssprache ist, ohne, dass es uns häufig bewusst wäre, mitunter metaphorisch aufgeladen. Die soeben erwähnten bildlichen Umschreibungen sind jedoch nur ein kleiner Teil einer für diese Seminararbeit signifikanten Spezie: der Maschinenmetapher.

In der hier vorliegenden Seminararbeit wird zunächst der Begriff der Metapher im Allgemeinen kurz umrissen, im Anschluss folgt eine (verwaltungswissenschaftlich angehauchte) Untersuchung über die Maschine als Organisationsform und deren Ursprung. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend beschäftige ich mich mit John Steinbecks Roman The Grapes of Wrath aus dem Jahre 1939, einem als naturalistisch kategorisierten Roman, der das tragische Schicksal der Farmer aus Oklahoma und anderen Staaten der USA vorrangig anhand der Erlebnisse der Familie Joad darstellt. Mein Schwerpunkt liegt hierbei auf dem fünften Kapitel des Werkes, das sich der Institution Bank als monströse Maschine widmet. Inwiefern wird die Bank als eine Maschine betrachtet? Aber auch auf die Rolle der Landbesitzer, des Traktors und des Traktorfahrers wird näher eingegangen. Ziel der Seminararbeit ist es, die Bedeutung dieser Metapher im Roman anhand der soeben erwähnten Schwerpunkte aufzuzeigen.

2. Definition: Metapher

Metapher kommt aus dem Griechischen metaphorá und bedeutet Übertragung, Transport.1 Sie „beruht auf einer Abbild – oder Ähnlichkeitsrelation“.2 Das heißt, dass Metaphern immer dann Verwendung finden, wenn man die Komponente(n) einer Erfahrung mit der Terminologie einer anderen Erfahrung zu umschreiben sucht. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Bilder und Metaphern bloß eingeschränkte Sichtweisen eröffnen, denn man wird dazu aufgefordert, die Welt von einem festgelegten Standpunkt aus zu betrachten.

In diesem Fall möchte ich weniger den Menschen als Maschine erklären (sozusagen als eine Form von Menschenbild), sondern höchstens als einen Bestandteil einer Maschine (siehe 3) – vergleichbar mit einem winzigen, aber doch fundamentalen Zahnrad einer aus vielen einzelnen Bestandteilen zusammengesetzten Maschine. Das Augenmerk wird, wie in der Einleitung bereits erwähnt, mehr auf die Organisation als eine Maschine gerichtet.

3. Die Maschine als Organisationsform

Maschinen bestimmen das Leben der Menschen maßgeblich und sind allgegenwärtig. Über Jahrhunderte hinweg haben Maschinen „ihre Spuren in die menschliche Vorstellungskraft, die Gedanken und Gefühle der Menschen gegraben“.1

Zahlreiche Wissenschaftler wie beispielsweise Galileo Galilei, Sir Isaac Newton, Adam Smith oder Max Weber haben ihren wesentlichen Beitrag zu den mechanistischen Vorstellungen von der Welt geleistet. Maschinenartige Institutionen werden heutzutage als Behörden bezeichnet, da deren Tagesablauf an die minutiöse Genauigkeit einer Uhr erinnert. In einer Bank als einem Ordnungssystem wird dies nicht anders gehandhabt, denn wenn zum Beispiel bei einem Überweisungsauftrag ein Fehler unterläuft, dann hat die Person, die dafür zuständig ist, das heißt ein Teil dieser Maschine, unverlässlich gehandelt und den bürokratischen und routinemäßigen Ablauf gestört.

Einer der ersten und vor allem ausschlaggebenden Faktoren für die Angleichung der Organisationen an die Anforderungen der Maschinen war die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert in Westeuropa und Nordamerika: "[…] the spread of business with its emphasis on material fruits, profit and the 'stock–taking' habit".2 Eine geschäftsorientierte und profitbezogene Mentalität kristallisierte sich unter den Menschen dieses Zeitalters immer mehr heraus und der Fokus richtete sich dementsprechend mehr auf materielle Güter. Die Fabrik- und Landbesitzer verfolgten das Ziel, ihre Effizienz zu steigern. Neuen vielversprechenden Techniken und Verfahrensweisen, die dieses Ziel zu erreichen schienen, wurde ein hoher Stellenwert eingeräumt. Das übergeordnete Ziel des Ganzen war, Organisationen zu einwandfrei funktionierenden und leistungsorientierten Maschinerien zu modellieren, die lediglich bedingt durch systematisierte einzelne Teile korrekt arbeiteten. Menschen dienten hierbei einzig und allein als Rohmaterial.1

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass dieses sogenannte Rohmaterial schnell und ohne großen Aufwand auszutauschen war, sollte der Arbeiter seine Funktionen nicht gehorsam erfüllen. Man kann sich vorstellen, dass die Anforderungen an die Beschäftigten bei der maschinellen Organisationsform nicht allzu hoch waren, da es meist geistig anspruchslose Arbeit war, die es zu bewältigen galt. Zudem wurden Menschen immer mehr ersetzt, und zwar ebenfalls von Maschinen: „Such […] generation […] is part of a larger celebration of technology by which Americans viewed the machine […] as a 'replacement for the human body'“.2

Die negativen Konsequenzen dieses Mechanismus' waren unter anderem, dass jegliche Form von Divergenz unterdrückt wurde. Sei es, dass Instruktionen von den höheren Ebenen auf einem präzise definierten Weg im Bereich der Organisation weitergeleitet wurden, um eine bestimmte Wirkung zu erreichen. Sei es, dass der humane Aspekt der Organisationen vernachlässigt wurde. Sobald neue Probleme an der Oberfläche erschienen, wurde ihnen oft keine Beachtung geschenkt, weil keine adäquaten Lösungsvorstellungen vorhanden waren (Stichwort Fabrikdisziplin).

In The Grapes of Wrath von John Steinbeck ist das nicht anders zu beobachten.

4. Die Maschinenmetapher in The Grapes of Wrath

Die Maschinenmetapher findet – wie in den Wissenschaftszweigen der Physik, der Wirtschaft, der Chemie und der Soziologie – auch in literarischen Werken Verwendung. „If the realist novel resembles a time machine, the naturalist novel diagrammatically foregrounds, and maps in high relief, the evolutionary dynamics of this machinery“.1

So spielt nach Winfried Fluck die Maschinenmetapher neben der Tiermetapher im naturalistischen Roman eine herausragende Rolle "als rhetorisches Register zur Intensivierung von Bedrohung und Selbstverlustängsten".2

Auch Robert J. Griffin und William A. Freedman publizierten in Robert Con Davis' Essay-Sammelband eine Abhandlung über die zwei dominant motifs3 in The Grapes of Wrath: die Maschine und das Tier.

Im Folgenden kommt nun mein eigener Beitrag zu diesem Thema hinzu, die Analyse der drei Aspekte, nämlich der Bank als Organisationsform, der Landbesitzer, sowie des Traktors und des Traktorfahrers, wobei sich 4.3 in zwei Teilbereiche untergliedert.

[...]


1 Vgl. Burdorf, Dieter/ Fasbender, Christoph/ Moenninghoff, Burkhard (2007): Metzler Lexikon. Literatur, Stuttgart: J. B. Metzler, 3. Aufl., 494.

2 Nünning, Ansgar (2008): Metzler Lexikon. Literatur- und Kulturtheorie, Stuttgart: J. B. Metzler, 4. Aufl., 491.

1 Morgan, Gareth (1997): Bilder der Organisation, Stuttgart: Klett – Cotta, 24.

2 Furst, Lilian R./ Skrine, Peter N. (1971): Naturalism, London: Methuen, 12.

1 Morgan (1997), 29.

2 Seltzer, Mark: „The Naturalist Machine“, in: Yeazell, Ruth Bernard (ed.): Sex, Politics, and Science in the

Nineteenth-Century Novel, Baltimore, Md. [u.a.] 1986, 119.

1 Seltzer (1986), 140.

2 Fluck, Winfried: „Der amerikanische Naturalismus“, in: Zapf, Hubert (ed.): Amerikanische Literaturgeschichte, Stuttgart Metzler 2. Auflage 2004, 210.

3 Freedman, William A./ Griffin, Robert J.: Machines and Animals: „ Pervasive Motifs in The Grapes of Wrath“, in: Robert Con Davis (ed.): The Grapes of Wrath: A Collection of Critical Essays, New Jersey 1982, 115.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Maschinenmetapher in John Steinbecks "The Grapes of Wrath"
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V165170
ISBN (eBook)
9783640807307
ISBN (Buch)
9783640807086
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
maschinenmetapher, john, steinbecks, grapes, wrath
Arbeit zitieren
Eugenia Steinbach (Autor), 2010, Die Maschinenmetapher in John Steinbecks "The Grapes of Wrath", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165170

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