Wirtschaftsaufschwung durch Tourismus? Die Dominikanische Republik und Haiti im Vergleich


Seminararbeit, 2010
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition: Tourismus, Tourist

3. Die Dominikanische Republik

3.1 Die Entwicklung des Tourismus

3.2 Probleme

3.3 Weitere Rahmenbedingungen

4. Die Republik Haiti

4.1 Die Entwicklung des Tourismus

4.2 Problematische Rahmenbedingungen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ungeachtet der Tatsache, dass sich die Dominikanische Republik und Haiti eine Landmasse im Meer mit einer Fläche von knapp 75 000 km² teilen, könnten die beiden lateinamerikanischen Nachbarländer kaum unterschiedlicher sein.

Die Republik Haiti, die den flächenmäßig kleineren westlichen Teil der Insel Hispaniola für sich beansprucht, weist beispielsweise hinsichtlich seiner Marktwirtschaft größere Defizite auf (ein Index von 3.75 auf dem Bertelsmann Transformation Index von 2008). Dies gilt ebenfalls fast in dem selben Maße für demokratische Züge wie Staatlichkeit, politische Partizipation, Rechtsstaatlichkeit, Stabilität demokratischer Institutionen und die politische bzw. gesellschaftliche Integration: Auf dem internationalen Länder-Ranking des BTI von 2008 verfügt Haiti über einen Demokratiestatus von 4.40. So gesehen ist dieses kleine Land unter anderem von politischer Instabilität und einer mangelnden wirtschaftlichen Transformation geprägt.

Nicht so die Dominikanische Republik, die mit circa 48 700 km² die östlichen zwei Drittel der Insel einnimmt und auch über die Fläche hinaus durchaus mehr in puncto Demokratie und Marktwirtschaft zu bieten hat: Auf der Bewertungsskala des BTI von 2008 liegt der "Marktwirtschaftswert" auf einem Index von 6.00, der Demokratiestatus überflügelt diese Zahl noch mit einem Vergleichswert von 7.60. Demnach schneidet die Dominikanische Republik bezüglich dieser zwei Aspekte deutlich besser ab als ihr Nebenland, wobei es natürlich in diesem Fall ebenso Mängel zu beanstanden gibt.

Es stellt sich infolgedessen die Frage: Wie können sich die beiden Staaten nur so unähnlich hinsichtlich der Demokratie- und Wirtschaftsentwicklung sein?

In der hier vorliegenden Seminararbeit möchte ich einem Teil der Ursachen auf den Grund gehen und mich näher mit dem Thema "Marktwirtschaft" auseinandersetzen, genauer gesagt mit dem Tourismus als eine Art Rahmenbedingung bzw. beeinflussender Faktor (unabhängige Variable) auf die Wirtschaftskraft oder das wirtschaftliche Wachstum (abhängige Variable). Inwiefern beeinflusst der Tourismus die Wirtschaft in der Dominikanischen Republik und auf Haiti?

Zunächst gebe ich einen kurzen Überblick über das, was sich hinter dem Begriff des Tourismus und des Touristen verbirgt, anschließend gehe ich auf die Anfänge des Tourismus' in den beiden Ländern ein. Es folgt die jeweilige Beschreibung der Tourismusentwicklung mit der jeweiligen Problematik dahinter, die aktuellen Ergebnisse der Bemühungen und das Fazit. Im Fazit soll das Berichtete hinsichtlich der zwei Analyseeinheiten verglichen werden.

2. Definition: Tourismus, Tourist

Wie so oft in der Wissenschaft ist es auch in diesem Fall nahezu unmöglich, eine für alle zufriedenstellende Definition für einen zu erklärenden Begriff zu finden. Trotz dieses Vorbehalts ist es unumgehbar, es dennoch zu versuchen.

Ich beziehe mich hiermit auf eine Definition von Jörn Mundt, der meines Erachtens nach den Begriff "Tourismus" auf der Grundlage von neueren Überlegungen gut umschreibt: „Damit fasst man unter dem Oberbegriff Tourismus alle Reisen, unabhängig von ihren Zielen und Zwecken, zusammen, die den zeitweisen Aufenthalt an einem anderen als den Wohnort einschließen und bei denen die Rückfahrt Bestandteil der Reise ist“ (Mundt, J. 2006: 7).

Die bereits erwähnten Definitionsschwierigkeiten weisen auch auf die Tatsache hin, dass sich der Tourismus aufgrund seiner variierenden Auffassungen nicht (einheitlich) messen lässt. Durch amtliche Zählungen/ Statistiken, Befragungen sowie Beobachtungen kann dem allerdings etwas entgegengewirkt werden (vgl. Mundt, J. 2006: 11). Ferner kann der Tourismus vor dem wirtschaftlichen Hintergrund eigentlich nicht als offizieller Wirtschaftszweig anerkannt werden, da „Wirtschaftszweige […] traditionell von der Angebotsseite des Marktes her definiert [werden], nicht von der Nachfrageseite“ (Mundt, J. 2006: 417). Beim Tourismus handelt es sich daher um ein recht komplexes und verzweigtes System, das sich zu anderen Industrien schwer abgrenzen lässt.

Bei der Definition von "Tourist" gilt es ebenfalls deren Grenzen klar abzustecken – die Statistische Kommission der Vereinten Nationen unterscheidet dabei seit 1968 zwischen Besucher, Tourist und Ausflügler:

- ,Besucher' sind danach übergreifend alle Reisenden, die sich zeitweilig an einem anderen Ort als dem ihres ständigen Wohnsitzes aufhalten.
- Unter dem Begriff ,Tourist' wurden dabei allgemein diejenigen zeitweiligen Besucher eines Landes zusammengefasst, die sich für mindestens 24 Stunden an einem anderen als ihrem Wohnort aufhalten.
- ,Ausflügler' dagegen sind diejenigen, die sich kürzer dort aufhalten. (Mundt, J. 2006: 4)

Von "Touristen" ist auf dieser Grundlage nur die Rede, wenn die betreffenden Personen an dem besagten Ort mindestens eine Nacht verbringen, sprich von einer Unterkunftsmöglichkeit Gebrauch machen.

Trotz dieser Annäherungen an eine eingängige Definition der Begrifflichkeiten, ist es bis heute nicht gelungen, eine international anerkannte und von allen Seiten bewilligte Begriffsbestimmung zu finden[1].

3. Die Dominikanische Republik

Die Dominikanische Republik ist eine äußerst beliebte Reisedestination im Karibischen Meer, wenn nicht sogar die beliebteste Sehnsuchtslandschaft der Karibischen Inseln. Circa drei Millionen Besucher strömen jährlich in das sagenumwobene Urlauberparadies mit azurblauem Wasser und palmenbestandenen Stränden – im Jahr 2009 circa 180 000 Deutsche2. Am häufigsten frequentiert wird das Domizil von US-Amerikanern und Kanadiern. Punta Cana, Bávaro, La Romana, Boca Chica oder Río San Juan – mit Sicherheit ist eine dieser Örtlichkeiten für viele schon da gewesene Besucher ein Begriff, denn es sind die größten Touristenzentren, die diese Insel zu bieten hat. Die "Hauptsehenswürdigkeiten" sind u.a. zum einen die Hauptstadt Santo Domingo und zum anderen die verschiedenen Nationalparks, sprich die naturverbundenen Attraktionen.

Neben dem Tourismus als Haupteinnahmequelle spielen in der Dominikanischen Republik die Landwirtschaft (hier dominiert der Export von Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Tabak und Bananen) und die sogenannten zonas francas (Freihandelszonen) eine nicht unwesentliche Rolle.

3.1 Die Entwicklung des Tourismus

Die ersten festen Wurzeln des dominikanischen Tourismus' findet man zu Beginn der 1980-er Jahre, denn „1966 gab es in ganz Santo Domingo nur drei nennenswerte Hotels, 1971 wurde das Tourismus-Förderungsgesetz erlassen, das mittels Werbung, besonderen Privilegien für Unternehmer und direkten staatlichen Investitionen tatsächlich einen anhaltenden Boom auslöste“ (Fleischmann, U. 1995: 25). Die Regierung hat somit bereits 1971 die fremdenverkehrstechnischen Fähigkeiten erkannt, die in diesem Land schlummerten. Letztendlich war die zugespitzte Situation der Wirtschaft durch den Verfall der Rohstoffpreise in den Achtziger Jahren der ausschlaggebende Grund für den verstärkten Aufbau auf dem Tourismus durch den Staat. Weitere Unterstützung erhielt die Dominikanische Republik von der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank durch Kreditvergabe an die Dominikanischen Zentralbank und durch Anweisungen (vgl. Lengefeld, K. 2010)1.

[...]


[1] Weitere Ausführungen zu diesem Thema würde den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen.

2 Zur besseren Übersicht verzichte ich auf die Internetquellenangabe im Textverlauf. Vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/DominikanischeRepublik/Wirtschaft.html, 22.08.2010.

1 Vgl. http://www.bpb.de/publikationen/J9QQTL,0,0,Nachhaltige_Entwicklung_durch_Tourismus_Was_kann_Haiti_von_der_Dominikanischen_Republik_lernen.html#art0, 23.08.2010.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftsaufschwung durch Tourismus? Die Dominikanische Republik und Haiti im Vergleich
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Regierung und Verwaltung in Lateinamerika
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V165202
ISBN (eBook)
9783640808502
ISBN (Buch)
9783640809097
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirtschaftsaufschwung, tourismus, dominikanische, republik, haiti, vergleich
Arbeit zitieren
Eugenia Steinbach (Autor), 2010, Wirtschaftsaufschwung durch Tourismus? Die Dominikanische Republik und Haiti im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165202

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