Das Himmelsmandat im Hinblick auf eine Interpretation von Naturkatastrophen

Die philosophische Begründung der Koppelung von Natur und Politik


Seminararbeit, 2006

8 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Das Himmelsmandat: Koppelung zwischen Politik und Religion

2.0 Philosophische Begründung des Neo-Konfuzianismus

3.0 Interpretation von Katastrophen: Untergang einer Dynastie

4.0 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis:

1.0 Das Himmelsmandat: Koppelung zwischen Politik und Religion

Die Entstehung des Himmel-Mandates ist nicht leicht zu datieren aufgrund des Mangels an geschichtlichen Quellen. Man geht heutzutage davon aus, dass das Konzept schon während der Shāng-Dynastie bekannt war, jedoch seine Verwendung erst in dem Versuch der Legitimation des Aufstandes des Zhōu-Herzogs fand.

Die Lehre Konfuzius’, die zwischen dem 6. und 4. Jh. v.u.Z. entstand, war es, die das Himmelsmandat in ein System integrierte. Mit Bezug auf das Buch der Wandlungen (Yijing,易 經 ) und auf die Doktrin der Mitte (Zhongyong, 中 庸 ), die zur unbedingten Pflichtlektüre der Studierenden gehörten, war für den Konfuzianismus klar, dass die „menschliche Natur im untrennbaren Zusammenhang mit dem Himmel bzw. mit dem Mandat des Himmels“[1] stünde.

Der Herrscher galt als Vertreter der kosmischen Ordnung. Er besaß nur ein vom Himmel erteiltes Mandat (chin.: Tiānmìng , 天 命, ) und damit die Aufgabe, die Welt so zu ordnen, dass sie „im Einklang mit der natürlichen Ordnung ist“[2].

Das, was für die moderne Welt die Naturgesetze sind, also Etwas, das außerhalb der menschlichen Verfügungsgewalt liegt, hatte in China nicht nur Auswirkungen auf die „physikalisch beschreibbare Welt, sondern auch [auf] die soziale Welt“[3].

Dies hieß, dass der Kaiser, als Sohn des Himmels, die Verantwortung hatte, das Reich so zu führen, dass die Harmonie gewährleistet wurde. Genauso hieß das: „Falls der Mensch dem Willen des Himmels nicht folgt, dann warnt der Himmel den Menschen durch eine natürliche Katastrophe“[4]. In diesen Ansätzen wird schon deutlich, dass jegliche Form von Unruhen im chinesischen Reich von nun an dafür genutzt werden konnten, das Verhalten des Herrschers in Frage zu stellen. Astronomische Erscheinungen wie Meteoriten oder eine Sonnenfinsternis, aber auch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erdbeben oder eine langjährige Dürreperiode waren nun Inhalt eines Diskurses im Volk und unter Beamten und Regimegegnern. Vom Wohlwollen des Volkes hing es ab, ob die Interpretationsansätze Anklang fanden oder ob der Herrscher unberührt weiter regieren konnte.

Eine Besonderheit stellte jedoch die von Menzius betonte Verantwortung der Untergegebenen dar, gegen einen machtmissbrauchenden Herrscher zu rebellieren. Dies ist im folgenden Zitat beschrieben:

„Wenn der Herrscher nicht mehr tugendhaft ist, die fehlende Antwort der Götter beim Ritual sich beispielsweise durch das Eintreten von Naturkatastrophen oder das Ausbleiben von Ernten äußert, [...] hat [er] das Himmelsmandat bereits verloren und darf gestürzt werden.“[5]

Im Besonderen hieß dies, wenn eine Rebellion erfolgreich war, bedeutete dies zugleich, dass der Herrscher sein vom Himmel verliehenes Mandat verloren hatte und es an der Zeit gewesen ist, dieses an einen anderen Herrscher weiterzugeben (egal, wie zufrieden das Volk mit der Herrschaft gewesen war).

[...]


[1] Chun-Chieh Huang und Stephan Schmidt, Konfuzianismus: Kontinuität und Entwicklung: Studien zur chinesischen Geistesgeschichte, S. 163.

[2] Franz-Reiner Erkens, Die Sakralität von Herrschaft, Herschafftslegtimierung im Wechsel der Zeiten und Räume, S. 249.

[3] Ebenda, S. 249.

[4] Hee-man Lee, Veränderte Bildungsanforderungen im Zusammenhang technologischer und ökologischer Umwälzungen in Südkorea, S. 134.

[5] Almut Mayer, Yômeigaku im Japan der frühen Meiji-Zeit: Yamada Hôkoku (1805-1877), S. 110.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Das Himmelsmandat im Hinblick auf eine Interpretation von Naturkatastrophen
Untertitel
Die philosophische Begründung der Koppelung von Natur und Politik
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Jahr
2006
Seiten
8
Katalognummer
V165208
ISBN (eBook)
9783640807765
ISBN (Buch)
9783640807741
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Himmelsmandat, Naturkatastrophen, China, Menzius, Neo-Konfuzianismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Das Himmelsmandat im Hinblick auf eine Interpretation von Naturkatastrophen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165208

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