Das Thema Hochbegabung fand über Jahre hinweg abseits des einschlägig wissenschaftlichen Diskurses kaum gesellschaftliche Beachtung. Seit einigen Jahren gewinnt nicht nur die kommerzielle Vermarktung des Phänomens, sondern vor allem die empirische Erforschung und die Übertragung auf pädagogische Arbeitsfelder an Bedeutung. Trotzdem wird Hochbegabung z. B. in dem Kerncurriculum für die Grundschule des Faches Sachunterricht oder in gängigen Einführungswerken der Grundschulpädagogik in keiner Weise erwähnt und auch ein aktuelles Lehramtsstudium ist zu durchlaufen möglich, ohne einmal mit dieser Thematik in Berührung gekommen zu sein.
Im Vordergrund dieser Hausarbeit steht weniger die Abhandlung von Intelligenz- und Hochbegabungsmodellen, sondern die Darstellung von 'typischen' Verhaltensmerkmalen, geschlechtsspezifischen Unterschieden und Förderungsansätzen, da es diese Bereiche sind, die für die Zukunft angehender LehrerInnen von Vorteil sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Was ist Hochbegabung?
3 (Wie) Kann man Hochbegabung erkennen?
3.1 Verhaltensmerkmale von hochbegabten Kindern
3.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede im Allgemeinen
3.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Hochbegabten
3.4 Das Phänomen Underachievment
3.5 Unterschiede in der Attribution von Leistung
4 Förderung(-sansätze) für Hochbegabte
4.1 Allgemeine Förderaspekte und prinzipien
4.2 Förderung im Sachunterricht
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erkennung und Förderung hochbegabter Kinder innerhalb des Grundschulalltags, mit einem besonderen Fokus auf den Sachunterricht. Ziel ist es, angehenden Lehrkräften ein Bewusstsein für die Bedürfnisse hochbegabter Schülerinnen und Schüler zu vermitteln, Verhaltensweisen zu identifizieren und Möglichkeiten einer pädagogisch fundierten Unterstützung aufzuzeigen.
- Grundlagen der Hochbegriffsdefinition und Modellbildung
- Erkennung von Verhaltensmerkmalen hochbegabter Kinder im Schulalltag
- Geschlechtsspezifische Unterschiede und das Phänomen Underachievement
- Förderprinzipien wie Enrichment, Akzeleration und Grouping
- Praktische Umsetzungsmöglichkeiten der Begabtenförderung im Fach Sachunterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Verhaltensmerkmale von hochbegabten Kindern
Wie bereits erwähnt weist das Phänomen Hochbegabung eine sehr große Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Verläufe der Entwicklung sowie verschiedenste Erscheinungsbilder auf. Aus diesem Grund ist zu beachten, dass die folgenden Merkmale, die ein Indiz für Hochbegabung sein können, zwar wissenschaftlich fundiert sind, in der Zusammenstellung ihres Auftretens doch stark variieren und nur selten komplett anzutreffen sind. Die Merkmale werden unterschieden in eher leicht und eher schwer erkennbar. Vom Umfeld und speziell von Lehrkräften eher leicht zu erkennende Hochbegabungsbereiche sind z. B. ein überdurchschnittlich ausgeprägter Wortschatz, sehr ausdrucksvolle und flüssige Sprache. Dazu kommt das Vorhandensein von persönlicher Lesemotivation, wobei Bücher bevorzugt werden, die weit über die eigene Altersstufe hinausgehen (vgl. Fortenbacher 2006: 33f). Des Weiteren können z. B. hohes Allgemeinwissen, stark ausgeprägtes Detailwissen in Teilbereichen und herausragendes Beobachtungsvermögen Indizien sein. Vielen fällt es leicht abstrakt zu Denken, Probleme zu erkennen, zu analysieren, zu beschreiben und Problemlösungen zu finden (ebd.). Viele hochbegabte Kinder können kritisch mit ihren erbrachten Leistungen umgehen, streben ihr bestmögliches Ergebnis an und weisen eine hohe Konzentrationsfähigkeit und ein hervorstechendes Beharrungsvermögen auf. Hochbegabte Kinder können häufig mehrere Aufgaben gleichzeitig lösen, arbeiten jedoch lieber allein und unabhängig und interessieren sich für Erwachsenenthemen, wie z. B. Religion und Politik. Weitere kennzeichnende Merkmale sind der ungewöhnliche Sinn für Humor, ein extrem ausgebildeter Gerechtigkeitssinn und die Neigung, ihr Wissen an andere Kinder und Erwachsene weiterzugeben (vgl. ebd.).
Als eher schwer zu erkennen gelten folgende Merkmale, da sie vor allem unterschwellig vorhanden sind und im Alltag oft im Verborgenen bleiben. Viele hochbegabte Kinder meiden Gruppengeschehen, ziehen sich zurück, wirken überheblich oder eingebildet. Durch die ungenügende Fähigkeit, ihre Impulsivität und Intuition zu kontrollieren, kann Unberechenbarkeit entstehen. Folglich können hochbegabte Kinder zu Außenseiter werden, indem sie z. B. unnötig rumalbern oder ihre Mitschüler ärgern, um die Aufmerksamkeit zu erhalten, die sie sich wünschen. Andere versuchen, ihre Hochbegabung zu verheimlichen (geben bewusst falsche Antworten im Unterricht etc.), um nicht aufzufallen und akzeptiert zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für die Themenwahl und kritisiert die mangelnde Verankerung von Hochbegabung in der aktuellen Lehrerausbildung.
2 Was ist Hochbegabung?: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene Begriffsdefinitionen und die wissenschaftliche Einordnung von Intelligenz, wobei besonders die Unterscheidung zwischen quantitativen und qualitativen Kriterien hervorgehoben wird.
3 (Wie) Kann man Hochbegabung erkennen?: Hier werden spezifische Verhaltensmerkmale, geschlechtsspezifische Unterschiede bei Hochbegabten und das Phänomen Underachievement ausführlich analysiert.
4 Förderung(-sansätze) für Hochbegabte: Das Kapitel stellt die zentralen Förderprinzipien Akzeleration und Enrichment vor und diskutiert deren spezifische Anwendungsmöglichkeiten im Sachunterricht.
5 Fazit: Der Autor zieht ein Resümee, das die Wichtigkeit eines bewussten und fachlich fundierten Umgangs mit Hochbegabung im Schulalltag unterstreicht und warnt vor unseriösen kommerziellen Angeboten.
Schlüsselwörter
Hochbegabung, Grundschule, Sachunterricht, Underachievement, Enrichment, Akzeleration, Begabtenförderung, Intelligenzquotient, Geschlechtsspezifik, Lernmotivation, Leistungsverweigerung, Schulalltag, Individuelle Förderung, Hochbegabungsmodelle, Lehrkräfte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik der Erkennung und Förderung hochbegabter Kinder im Grundschulkontext, insbesondere unter Einbeziehung des Sachunterrichts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Hochbegabung, der Identifikation von Merkmalen, geschlechterspezifischen Verhaltensweisen und konkreten didaktischen Förderansätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, bei angehenden Lehrkräften ein Bewusstsein für hochbegabte Kinder zu schaffen, damit diese im Unterricht besser erkannt und in ihrer Entwicklung unterstützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse bestehender Fachliteratur und einschlägiger Hochbegabungsmodelle basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche der Erkennung durch Verhaltensmerkmale, die Analyse von Geschlechterunterschieden, das Problem des Underachievements sowie die theoretische und fachspezifische Anwendung von Förderprinzipien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Hochbegabung, Sachunterricht, Enrichment, Akzeleration, Underachievement und die pädagogische Förderung in der Grundschule.
Warum fällt es Lehrkräften oft schwer, hochbegabte Mädchen zu identifizieren?
Mädchen tendieren häufiger dazu, ihre Leistungen anzupassen, um nicht aus der Peergroup ausgegrenzt zu werden, was zu einer Verheimlichung ihrer Begabung führt.
Was besagt das "Mikado-Modell" im Kontext dieser Arbeit?
Das Mikado-Modell von Trautmann illustriert die dynamische und oft verborgene Natur von Begabungsfaktoren, die je nach Situation unterschiedlich zum Vorschein kommen.
Warum wird im Fazit vor bestimmten Organisationen gewarnt?
Der Autor warnt vor Anbietern, bei denen der Profit im Vordergrund steht und die Eltern durch grenzwertige Testergebnisse zu unnötigen kostenpflichtigen Folgetests verleiten.
Welche Rolle spielt der Sachunterricht für die Förderung?
Aufgrund seiner Themenvielfalt eignet sich der Sachunterricht hervorragend, um hochbegabte Kinder durch Enrichment oder Grouping-Methoden individuell zu fordern.
- Arbeit zitieren
- M.Ed. Georg Rabe (Autor:in), 2008, Wer ist hier hochbegabt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165299