Saladin und Richard Löwenherz

Der Umgang mit dem Anderen


Hausarbeit, 2011
22 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vormerkung

I. Die Sarazenen gegenüber dem Anderen
A. Die religiösen Aspekte
B. Die kriegerischen Aspekte

II. Die Franken gegenüber dem Anderen
A. Die religiösen Aspekte
B. Die kriegerischen Aspekte

III. Saladin und Richard Löwenherz
A. Saladin
B. Richard Löwenherz
C. Der Sultan und der Löwe

IV. Bibliographie

Vormerkung

Um eine einheitliche Transliteration der arabischen Wörter zu gewährleisten, wurde diese aus praktischen Gründen (die Schreibweise variiert weitgehend in vielen Quellen) an der des Buches: MÖHRING, Hannes, Saladin. Der Sultan und seine Zeit 1138-1193. München 2005, angepasst.

Der Dritte Kreuzzug (1188-1192) wurde vom Papst Gregor VIII.,

Nachfolger des verstorbenen Papstes Urban III., am 29. Oktober 11871 mit dem Schreiben „Audita tremendi“2 ausgerufen. Dies war die westliche Reaktion auf die militärischen Erfolge Saladins und die damit verbundene Ausbreitung des Islams im Orient. Maßgebend war die Einnahme der Heiligen Stadt Jerusalem. Es standen sich also muslimische Truppen, unter der Führung Saladins, und die westlichen Kreuzfahrer gegenüber. Das westliche Heer war mit allen christlichen Großmächten am Kreuzzug beteiligt. Hierzu zählten nicht nur das englische Königreich (Richard I. Löwenherz), das Heilige Römische Reich (Friedrich I. Barbarossa) und das französische Königreich (Philipp II. August), sondern auch noch der Erzbischof von Pisa, der Landgraf von Thüringen und der Graf von Flandern3. Es standen sich zwei von Grund auf verschiedene Kulturen gegenüber: der lateinisch-christliche Westen und der muslimische Orient. Diese beiden Kulturen unterschieden und unterscheiden sich noch heute weitgehend z.B. in Bezug auf Religion, Sprache, Recht, Technik, usw. Die Quellen über die Kreuzzüge sind recht günstig, da jene Zeit aus zwei Sichten dokumentiert wurde und sich man deshalb ein recht gutes Bild der Vergangenheit machen kann4.

Das Bild des jeweiligen (orientalische und westliche Bevölkerung) gegenüber dem Anderen (deren Religion und Kriegsführung5 ) wird in einem ersten Teil genauer betrachtet. Im Folgenden werden die Unterschiede zwischen den beiden bedeutendsten Befehlshabern des dritten Kreuzzuges, Saladin und Richard Löwenherz, in Bezug auf die kulturellen Verschiedenheiten und religiösen Ansichten der einzelnen Person hervorgehoben. Abschließend wird die legendenumwobene ruhmreiche Beziehung der beiden Kriegsherren beleuchtet.

I. Die Sarazenen gegenüber dem Anderen

Die Sarazenen (saraceni), wie die Kreuzritter Muslime im Mittelalter nannten6, waren unter der Befehlsaufsicht Saladins auf dem Wege der Wiederherstellung der Einheit des islamischen Reiches7. Was die Muslime von der christlichen Religion hielten und wie sie auf das Durchsetzungsvermögen der Abendländler anhand derer Kreuzzüge zu sprechen waren, wird nun vertieft.

A. Die religiösen Aspekte

Die „ungesittete, grobschlächtige und ziemlich begriffsstutzige“8 westliche Kultur wurde zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert im Orient in ein recht schlechtes Licht gerückt. Trotz geschlossener Verträge zwischen islamischen und christlichen Glaubensanhängern (z.B. Graf Balduin II. von Edessa mit Dschauli Saqawuh, dem Emir von Mosul), war der religiöse Standpunkt der Christen für die Sarazenen ein beständiges Problem. Eigentlich war das Bild der Muslime gegenüber dem Christentum nicht von Grund auf feindlich oder abwertend eingestellt, da man im Nahen Osten zu jener Zeit noch kein deutliches Bild der westlichen Kultur und Religion besaß. Zu Zeiten des ersten Kreuzzuges waren die Muslime der Meinung, dass es sich bei den brutalen Überfällen um Raubzüge von „[Söldnern] und Hilfstruppen“9 der seit Jahrhunderten verfeindeten Byzantiner handle. Nur teilweise war im Orient bekannt, dass das eigentliche Ziel Jerusalem war und noch viel weniger war man sich bewusst, dass es sich bei den Kreuzfahrern um westlich lateinische Christen handelte10. Im Laufe der Zeit, prägte sich nach und nach ein antagonistisches Bild in die Köpfe der Muslime. Die Idee Saladins bestand in der Wiedervereinigung des Islam, bei welcher die christliche Religion ein Dorn im Auge war. Die teilweise erfolgreiche Wiedervereinigung ließ Saladin, obwohl der Islam im Mittelalter eine offenere Religion als die des Christentums war, nicht davon abbringen alle Anstrengungen in den Dschihad11 zu investieren und gegen die Franken vorzugehen12. Der „Held des Dschihad“13, Saladin, griff also die Idee des heiligen Krieges wieder auf, obwohl sie bereits seit Jahrhunderten nahezu in Vergessenheit geratenen war14. Jedoch nur nahezu, da Saladins Vorgänger und Vorbild, Nūraddīn Mahmūd, bereits begann, die Idee des Dschihad zu verbreiten. Saladin seinerseits wusste jedoch geschickt alle Mittel so einzusetzen, um die Massen zu mobilisieren und seiner Herrschaft auf politischem sowie militärischem Plan den nötigen Halt in der Bevölkerung zu geben. „Der Held des Dschihad“ verstand es, Syrien und Ägypten in ein vereintes Reich zu gliedern und dem Dschihad einen noch nie zuvor erreichten Ausdruck zu geben. Somit war die muslimische Bevölkerung schlussendlich der christlichen Religion, trotz vergleichsweise relativ offener Einstellung, doch feindlich eingestellt und die Heilige Stadt sollte aus der Hand der Kreuzfahrer gerissen werden. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass nach Saladins Tod der Gedanke des Dschihad und dem damit verbundenen antagonistischen Gedanken gegenüber dem Christentum nachließ15.

B. Die kriegerischen Aspekte

In Bezug auf die Behandlung der Unterlegenen sind bei beiden Kulturen markante Unterschiede festzustellen. Was die orientalische Kriegsführung angesichts der Christen geprägt hat, wird nun in den einzelnen wichtigen Auseinandersetzungen (u.a. Schlacht von Hattin und Fall von Jerusalem) unter der Führung Saladins zwischen 1187 und 1192 genauer erklärt.

Zunächst ist die verheerende Schlacht von Hattin (3.- 4. Juli 1187) der Anfang des Untergangs Jerusalems für die Kreuzfahrerstaaten. Bei dieser Schlacht zeigte Saladins Streitmacht, im Vergleich zu den darauffolgenden siegreichen Schlachten, wenig Gnade. Das Heilige Kreuz wurde den Christen entnommen, die Bischöfe niedergemetzelt und der König (Guido von Lusignan) gefangen genommen. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde in Gefangenschaft genommen, nur ein Bruchteil konnte fliehen16. Auch unter Saladins Herrschaft wurden unmenschliche Taten begangen17.

Bei dem Kampf um Jerusalem selbst, im Jahre 1187, hatte Saladin und sein Heer ruhmreiche Milde gezeigt, welche ihm noch heute nachgesagt wird. Achtundachtzig Jahre nach dem Blutbad, welches die Ungläubigen bei der Einnahme Jerusalems während des ersten Kreuzzugs anrichteten (1099), verzichtete man nun darauf „Gleiches mit Gleichem zu vergelten“18. Hinzuzufügen ist jedoch, dass Saladin dies angeblich nur tat wegen der Forderungen seitens der Belagerten und deutlich unterlegenen Christen in der Stadt. Diese drohten damit, Frauen, Kinder und 5000 muslimische Gefangene zu töten sowie die islamischen Heiligtümer zu zerstören. Der Sultan erhob ein festgelegtes Lösegeld, zu welchem jeder, ob wohlhabend oder arm, sich in der Stadt freikaufen konnte. Obwohl rund 34.000 Christen dieser Zahlung nicht nachkommen konnten, ließ Saladin rund 18.000 von ihnen durch eine geringe pauschale Zahlung auf freien Fuß, die übrigen 15.000-16.000 wurden in Gefangenschaft genommen. Saladin erlaubte nach der Eroberung der Stadt den Juden wieder die Ansiedlung in Jerusalem (was unter der Herrschaft der Kreuzfahrerstaaten verboten war) und die orientalischen Christen wurden gleichberechtigt mit den Muslimen akzeptiert (weshalb sie von den katholischen Kreuzfahrern wegen Verrats beschuldigt wurden). Nichts desto trotz mussten letztere trotzdem das Lösegeld sowie die Kopfsteuer bezahlen19. Des Weiteren verbot Saladin seinem Heer zu plündern und die heilige Grabeskirche zu zerstören20. Am 2.

Oktober 1187 wurde dem Sultan die Stadt überlassen. Dieser ließ später die christlichen Gebäude in Moscheen umbauen, mit Ausnahme der Grabeskirche21.

In weiteren Schlachten und Belagerungen im Jahre 1188 verhielten sich die Sarazenen im Kampf gegen die Christen immer gleichermaßen tolerant und barmherzig. Bei der Einnahme der Stadt Latakia (15. Juli) erlaubte man es den Christen in der Stadt zu bleiben, sofern sie die Kopfsteuer zahlten. Weiterhin wurden die Städte Darbasak (16. September) und Baghras (26. September) von Saladins Streitmacht erobert. Den Templern wurde freien Abzug gewährt, aber sie mussten ihr ganzes Hab und Gut den Muslimen übergeben. Mit Bohemund III. von Antiochia schloss Saladin einen Waffenstillstandsvertrag über acht Monate und wenn bis zum Ablauf dieser Frist keine Hilfe aus Europa angekommen sei, sollte die Stadt Antiochia auch an Saladin übergeben werden. 1189 fielen weitere Städte in muslimische Hand (Saphet, Belvoir, Montréal); den dort angesiedelten Christen wurde immer freien Abzug gewährleistet22.

Saladin ließ 1188 aufgrund einer Lösegeldzahlung23 Guido von Lusignan, den ehemaligen König von Jerusalem, wieder frei mit dessen Versprechen, dass letzterer nie wieder gegen den Sultan in den Kampf ziehen würde24.

Nachdem Richard Löwenherz und Saladin 1192 einen Waffenstillstandsvertrag über drei Jahre und acht Monate geschlossen hatten stand fest, dass Jerusalem in alleiniger Hand Saladins bleiben würde. Saladin gewährte den christlichen Pilgern in Jerusalem freien Zutritt und erteilte die Zulassung zweier christlicher Priester in der Grabeskirche25.

[...]


1 Vgl.: MÖHRING, Hannes, Saladin. Der Sultan und seine Zeit 1138-1193. München 2005, S. 90, und ROBERG, B, Artikel „G.VIII.“. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 4. Zürich / München 1989, S. 1671. Dies bezüglich wurde Gregor VIII am 21. Oktober zum Papst gewählt. Dies stellt sich gegen die Aussage aus: WESTPHAL, Wilfried, Richard Löwenherz und Saladin. Der dritte Kreuzzug. Ostfildern 2006, S. 16, dass „die Enzyklika (…) vom 19. Oktober datiert“.

2 VAN EICKELS, Klaus, Die Schlacht von Hattin und der Fall Jerusalems 1187. In: WIECZOREK, Alfried / FANSA, Mamoun / MELLER, Harald (Hg.), Saladin und die Kreuzfahrer. Mainz 2006, S. 101.

3 MÖHRING, Saladin (wie Anm. 1), S. 89-90.

4 WESTPHAL, Richard (wie Anm. 1), S.73: Ob „ein getreues Bild der tatsächlichen Ereignisse“ aus dieser Zeit möglich ist, trotz der guten „Quellenlage“, ist fraglich.

5 Die Kriegsführung wird auf den Umgang des Siegers über den Unterlegenen beschränkt um den Inhalt der Arbeit nicht auszulasten.

6 WESTPHAL, Richard (wie Anm. 1), S.232.

7 MÖHRING, Saladin (wie Anm. 1), S. 116.

8 THORAU, Peter, „Die fremden Franken“ ± al-farang al-guraba. Kreuzfahrer und Kreuzzüge aus arabischer Sicht. In: WIECZOREK, Alfried / FANSA, Mamoun / MELLER, Harald (Hg.), Saladin und die Kreuzfahrer. Mainz 2006, S. 117.

9 THORAU, „Die fremden Franken“ (wie Anm. 8), S. 118.

10 THORAU, „Die fremden Franken“(wie Anm. 8), S. 120-125.

11 Vgl.: WESTPHAL, Richard (wie Anm.1), S.232: „Der Dschihad ist eine „kriegerische Unternehmung gegen (nicht-muslimische) „Ungläubige““, und: TOLAN, John, La guerre sainte. L’islam et la croisade. In : L’histoire 38 (2008), S.7: « Le jihad (est) “l’effort dans la voie de Dieu”. L’effort militaire n’est qu’une des façons d’accomplir le jihad ».

12 EDDE, Anne-Marie, Saladin. Paris 2008, S.201-204.

13 Vgl : MARTINEZ-GROS, Guerre civile et guerre sainte. Saladin, champion du jihad. In : L´histoire 38 (2008), S.14, und EDDE, Saladin (wie Anm.12), S.205-211.

14 TOLAN, La guerre sainte (wie Anm. 11), S.7.

15 THORAU, Peter, „die fremden Franken“ (wie Anm. 8), S. 115-125.

16 VAN EICKELS, Die Schlacht von Hattin (wie Anm.2), S. 101.

17 WESTPHAL, Richard (wie Anm.1), S.132.

18 MÖHRING, Hannes, Saladin und die Frage der religiösen Toleranz. In: WIECZOREK, Alfried / FANSA, Mamoun / MELLER, Harald (Hg.), Saladin und die Kreuzfahrer. Mainz 2006, S. 158.

19 MÖHRING, Saladin und die Frage der religiösen Toleranz (wie Anm.18), S. 158f.

20 FANSA, Khaldoun / FANSA, Mamoun, Salah al-Din Yusuf ibn Ayyub aus arabischer Sicht. In: FANSA, Mamoun (Hg.): Syrien in der Zeit Saladins: Begleitschrift zur Sonderausstellung "Saladin und die Kreuzfahrer" im Landesmuseum anlässlich der Ausstellung in Oldenburg vom 05.03. ± 02.07.2006 (Schriftreihe des Landesmuseums für Natur und Mensch, Heft 42). Oldenburg 2006, S. 32.

21 MÖHRING, Saladin (wie Anm.1), S. 80-84.

22 MÖHRING, Saladin (wie Anm.1), S. 86-89.

23 WESTPHAL, Richard (wie Anm.1), S.138.

24 MÖHRING, Saladin (wie Anm.1), S. 97.

25 Vgl: FANSA, Salah al-Din Yusuf ibn Ayyub (wie Anm.20), S. 32, und: MÖHRING, Saladin (wie Anm. 1), S. 103f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Saladin und Richard Löwenherz
Untertitel
Der Umgang mit dem Anderen
Hochschule
Université du Luxembourg
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V165354
ISBN (eBook)
9783640808847
ISBN (Buch)
9783640809165
Dateigröße
870 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Saladin, Richard, Löwenherz, Kreuzzug
Arbeit zitieren
Gilles Genot (Autor), 2011, Saladin und Richard Löwenherz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165354

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