Der Dritte Kreuzzug (1188-1192) wurde vom Papst Gregor VIII., Nachfolger des verstorbenen Papstes Urban III., am 29. Oktober 1187 mit dem Schreiben „Audita tremendi“ ausgerufen. Dies war die westliche Reaktion auf die militärischen Erfolge Saladins und die damit verbundene Ausbreitung des Islams im Orient. Maßgebend war die Einnahme der Heiligen Stadt Jerusalem. Es standen sich also muslimische Truppen, unter der Führung Saladins, und die westlichen Kreuzfahrer gegenüber. Das westliche Heer war mit allen christlichen Großmächten am Kreuzzug beteiligt. Hierzu zählten nicht nur das englische Königreich (Richard I. Löwenherz), das Heilige Römische Reich (Friedrich I. Barbarossa) und das französische Königreich (Philipp II. August), sondern auch noch der Erzbischof von Pisa, der Landgraf von Thüringen und der Graf von Flandern . Es standen sich zwei von Grund auf verschiedene Kulturen gegenüber: der lateinisch-christliche Westen und der muslimische Orient. Diese beiden Kulturen unterschieden und unterscheiden sich noch heute weitgehend z.B. in Bezug auf Religion, Sprache, Recht, Technik, usw. Die Quellen über die Kreuzzüge sind recht günstig, da jene Zeit aus zwei Sichten dokumentiert wurde und sich man deshalb ein recht gutes Bild der Vergangenheit machen kann .
Das Bild des jeweiligen (orientalische und westliche Bevölkerung) gegenüber dem Anderen (deren Religion und Kriegsführung ) wird in einem ersten Teil genauer betrachtet. Im Folgenden werden die Unterschiede zwischen den beiden bedeutendsten Befehlshabern des dritten Kreuzzuges, Saladin und Richard Löwenherz, in Bezug auf die kulturellen Verschiedenheiten und religiösen Ansichten der einzelnen Person hervorgehoben. Abschließend wird die legendenumwobene ruhmreiche Beziehung der beiden Kriegsherren beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
Vormerkung
I. Die Sarazenen gegenüber dem Anderen
A. Die religiösen Aspekte
B. Die kriegerischen Aspekte
II. Die Franken gegenüber dem Anderen
A. Die religiösen Aspekte
B. Die kriegerischen Aspekte
III. Saladin und Richard Löwenherz
A. Saladin
B. Richard Löwenherz
C. Der Sultan und der Löwe
IV. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bild des „Anderen“ im Kontext des dritten Kreuzzuges (1188–1192) und analysiert, wie die beiden zentralen Akteure, Saladin und Richard Löwenherz, trotz der tiefgreifenden kulturellen und religiösen Differenzen agierten. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwieweit religiöse Anschauungen und die jeweiligen ritterlichen bzw. höfischen Kodizes den Umgang der Kontrahenten miteinander sowie mit den Unterlegenen prägten.
- Kulturelle Wahrnehmung zwischen dem lateinisch-christlichen Westen und dem muslimischen Orient.
- Die Rolle der Religion als Motivator für den Kreuzzug und den Dschihad.
- Die kriegerische Auseinandersetzung und der Umgang mit Unterlegenen in Akkon und Jerusalem.
- Die diplomatischen Beziehungen und die Mythenbildung um die Interaktion von Saladin und Richard Löwenherz.
Auszug aus dem Buch
C. Der Sultan und der Löwe
Erwähnenswert für Saladins und Richard Löwenherzens gemeinsames Wesen ist die Art und Weise der Herrschaft in ihrem eigentlichen Machtbereich. Richard Löwenherz, welcher sich nur während kurzer Zeit in England aufhielt, widmete seine ganze Aufmerksamkeit dem Krieg im Heiligen Land und vernachlässigte dabei zunehmendes sein englisches Volk. Saladin seinerseits hatte eigentlich Ägypten als Mittelpunkt seines Reiches gewählt. Jedoch richtete dieser seine Herrschaft eher auf Syrien und Palästina.
Das einzige Abkommen zwischen beiden, welches von zwei Seiten gleichermaßen gefordert wurde, war der Waffenstillstandsvertrag vom 2. September 1192. Zuvor kam es bereits zwischen November 1191 und August 1192 zu einem wichtigen Umschwung. Beide Seiten vermochten kleine Siege zu verzeichnen, jedoch konnte bisweilen keine große Schlacht entschieden werden. Richards beide Versuche (Januar und Juni 1192) Jerusalem anzugreifen, schlugen fehl. Der erkrankte Richard Löwenherz musste dringend in sein Land zurück um dort interne Problem zu lösen. Saladin war physisch und moralisch angeschlagen, sein Land war zerstreut und zerstritten. Es musste einen Mittelweg gefunden werden, da kein langwieriger Sieg errungen werden konnte. Es wurden wieder Verhandlungen aufgenommen und dieses Mal mit dem Willen zur erhofften Lösung. Obwohl beide Parteien auf einige Einverständnisse pochten, wurde am 1. September, nach reichlichem Hin und Her, das Friedensabkommen von Imadaddin al-Isfahani nieder geschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Die Sarazenen gegenüber dem Anderen: Dieses Kapitel beleuchtet die Wahrnehmung des christlichen Gegners aus muslimischer Sicht, wobei besonders die religiösen Motivationen des Dschihad unter Saladin hervorgehoben werden.
II. Die Franken gegenüber dem Anderen: Hier wird das westliche Bild des Islams als „abstoßende Lehre“ analysiert und der religiös motivierte Kreuzzugsaufruf des Papstes als Grundlage für die Feindseligkeit dargestellt.
III. Saladin und Richard Löwenherz: Dieser Hauptteil vergleicht die Biografien und das diplomatische Handeln der beiden Anführer und demontiert den Mythos ihrer tatsächlichen persönlichen Begegnung.
IV. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur zur historischen Einordnung des dritten Kreuzzuges.
Schlüsselwörter
Dritter Kreuzzug, Saladin, Richard Löwenherz, Dschihad, Religionskonflikt, Mittelalter, Orient, Okzident, Diplomatie, Waffenstillstand, Akkon, Jerusalem, Heiliger Krieg, Toleranz, Ritterlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das gegenseitige Bild der Kulturen während des dritten Kreuzzuges und untersucht die Interaktion zwischen den Befehlshabern Saladin und Richard Löwenherz.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Felder sind die religiöse Wahrnehmung des „Anderen“, die Kriegsführung in der Levante sowie die höfisch-diplomatischen Beziehungen der Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Verhältnis zwischen den Kontrahenten vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen religiösen und kulturellen Hintergründe zu beleuchten und Mythen von der Realität zu trennen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse zeitgenössischer Quellen und moderner wissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der sarazenischen und fränkischen Sichtweisen sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Biografien von Saladin und Richard Löwenherz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Kreuzzüge, Dschihad, interkulturelle Konfrontation, das Bild des Anderen und ritterliche Diplomatie.
Haben sich Saladin und Richard Löwenherz jemals persönlich getroffen?
Nein, es ist historisch belegt, dass sich die beiden Herrscher nie persönlich begegnet sind, obwohl dies in Legenden und bildlichen Darstellungen oft suggeriert wird.
Warum war Saladins Umgang mit den Unterlegenen oft „milder“ als der der Franken?
Der Autor führt dies auf Saladins religiöse Überzeugung zurück, die ihn dazu anleitete, Racheakte weitestgehend zu vermeiden, während das Verhalten der Kreuzfahrer oft als grausamer beschrieben wird.
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- Gilles Genot (Autor), 2011, Saladin und Richard Löwenherz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165354