Welche Rolle spielt die Heterogenität älterer Migranten für die Soziale Arbeit und wie reagiert die soziale Altenhilfe darauf?

Soziale Arbeit mit älteren Migranten - kultursensible Altenhilfe


Hausarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebenslagen von älteren Migranten

3. Zugangsbarrieren zu öffentlichen Hilfen

4. Entwicklung einer kultursensiblen Altenhilfe
4.1 Interkulturelle öffnung
4.2 Maßnahmen und Projekte
4.3 Beitrag der Sozialen Arbeit

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Rund sieben Millionen Ausländer1 leben in Deutschland (vgl. Statistisches Bundes­amt 2010, S.46). Deutschland als Zuwanderungsland hat sich somit auch mit einer zunehmenden Anzahl älterwerdender Zuwanderer auseinander zu setzen. Die zur Zeit in Deutschland lebenden Migranten sind zwar im Vergleich zur deutschen Be­völkerung noch jünger (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2009, S. 10), jedoch „...zählen Migrantinnen und Migranten zu der am stärksten wachsenden Gruppe alter Menschen.“ (Arbeitskreis Charta für eine Kultursensible Altenpflege 2002, S.110). Gegenwärtig leben knapp 950.000 Menschen in Deutschland, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und 60 Jahre oder älter sind. In 10 Jahren, d.h. im Jahr 2020, wird ihre Zahl auf ca. zwei Millionen ansteigen, wenn man den Modellrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung des Bundesministeriums folgt. 2030 soll die Anzahl der älteren Migranten in Deutschland sogar ca. 2,8 Millio­nen betragen (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlingen und Integration 2005). Zu beachten ist jedoch laut Zeman (2005), dass solche Progno­sen mit Unsicherheit behaftet sind und die Vorhersagen durch Zu- und Abwande­rungen, sowie Einbürgerungen beeinflusst werden (vgl. Zeman 2005, S.6, S.70). Da in diesen Modellrechnungen nur Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit einbezogen werden, ist die Zahl älterer Menschen mit Migrationshintergrund noch deutlich höher anzusetzen. Zu dieser Gruppe älterer Migranten gehören ältere Men­schen, welche im Verlauf ihres Lebens nach Deutschland zugewandert sind. Den größten Teil bilden hier die Arbeitsmigranten und (Spät-)Aussiedler, sowie in einem vergleichsweise geringerem Ausmaß die Gruppe der Flüchtlinge und Asylberechtig­ten. (Spät-)Aussiedler und eingebürgerte Migranten sind in den obengenannten Zahlen nicht enthalten, daher bleibt es darauf aufmerksam zu machen, dass die Anzahl älterer Migranten über den Werten der Ausländerstatistiken liegt.

In diesem Zusammenhang ist die Gestaltung des Alterns von Migranten in Deutsch­land von Interesse. Verschiedene Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Gruppe älterer Menschen mit Migrationshintergrund sehr heterogen ist und eine Vielfalt von Lebenslagen und Lebensformen umfasst (vgl. u.a. Matthäi 2005, S.214; Schröer/Schweppe 2010, S. 374; Zeman 2005, S. 8). Es gibt grundsätzlich ähnliche Erfahrungen und Lebensereignisse mit denen Menschen aufgrund des Alters kon­frontiert werden und daher mit denen der älteren einheimischen Bevölkerung ver­gleichbar sind. Dennoch gibt es gewisse Erfahrungen, welche aufgrund der Migrati­on oder der jeweiligen kulturellen Orientierung gemacht wurden und daher wiede­rum innerhalb dieser Gruppe sehr ähnlich sind und die Lebenslagen der Migranten im Alter in spezifischer Weise beeinflusst haben bzw. weiterhin beeinflussen. Dem­nach soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, wel­che Rolle diese unterschiedlichen Lebenserfahrungen und somit die unterschiedli­chen Lebenslagen, d.h. die Spezifik älterer Migranten für die Soziale Arbeit spielt und wie die soziale Altenhilfe darauf reagiert.

Zur Annäherung an die forschungsleitende Fragestellung soll daher zunächst ein Blick auf die Lebenslagen älterer Migranten geworfen werden um daraufhin etwaige Zugangsbarrieren zu den öffentlichen Diensten zu behandeln. Anschließend soll die Entwicklung einer kultursensiblen Altenhilfe betrachtet werden, was unter den As­pekten einer interkulturellen Öffnung, der Darstellung von einigen Maßnahmen und Projekten, sowie dem Beitrag der Sozialen Arbeit zu einer kultursensiblen Altenhilfe bewerkstelligt werden soll. Abschließend wird im Fazit eine knappe Zusammenfas­sung, wie auch ein thematischer Ausblick gegeben.

2. Lebenslagen von älteren Migranten

Um die Lebenslagen älterer Migranten zu veranschaulichen werden im Verlauf die­ses Kapitels weitere Unterteilungen vorgenommen. Zunächst soll die sozioökonomi- sche Situation dargestellt werden. Folgt man hier den Betrachtungen von Özcan et al. (2004) sind große Unterschiede zwischen Einheimischen und Migranten (vgl. Özcan et al. 2004, S.14), aufgrund der Differenzen, die sich in allen Altersklassen bezüglich der schulischen und beruflichen Bildung feststellen lassen, anzunehmen (vgl. ebd., S.9ff.). Diese Vermutung wird in der Analyse der Daten des Mikrozensus2 bestätigt, welche u.a. das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf enthält. Hieraus kann interpretiert werden, dass Einheimische gegenüber Migranten ein höheres Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf zur Verfügung haben (vgl. ebd., S.14f.). Auch Zeman (2005) kommt in seiner Expertise zu dem Schluss, dass die sozioökonomische Lage ältere Migranten schlechter ausfällt, jedoch führt er eine andere, als die obengenannte Begründung an. Er beschreibt, dass das Rentenbe­zugssystem, bei welchem sich die Rentenhöhe nach Beitragsdauer und Beitrags­höhe im Verlauf der Erwerbsbiographie berechnet, durch migrationsbedingte Aspek­te, wie z.B. das Alter zu Beginn der Migration und somit einem vergleichsweise spä­terem Einzahlungsbeginn in die Rentenversicherungen, häufig zu einer niedrigeren Rentenanwartschaft führt (vgl. Zeman 2005, S.30f.). Diese Ausführungen werden durch den Alterssurvey3 bestätigt, welcher darstellt, dass Haushalte von Migranten in der sogenannten zweiten Lebenshälfte häufiger mit niedrigen bzw. sehr niedrigen Einkommen auskommen müssen als deutsche Haushalte (vgl. ebd., S.32). Die Fra­ge nach der Wohnsituation älterer Migranten gewinnt in dieser Arbeit an Interesse, da diese z.B. einen wichtigen Hinweis liefern kann, wo und wie Migranten erreichbar sind, um sie über Angebote der Altenhilfe zu informieren. Es kann festgestellt wer­den, dass Migranten häufig in Wohngebieten leben, in denen eine hohe Konzentra­tion von Migrantenfamilien vorzufinden ist (vgl. ebd., S.42) und sich eine spezielle, ethnisch geprägte Infrastruktur ausgeprägt hat. Dieses Phänomen kann als Res­source für die älteren Migranten betrachtet werden, da es Orientierung, soziale Be­züge und Hilfen im Alltag bietet (vgl. ebd., S.43). Diese ethnischen Enklaven schaf­fen nicht nur die Möglichkeit kulturelle und religiöse Bedürfnisse ausleben zu kön­nen, speziell die vorhandenen Institutionen, wie z.B. religiöse oder ethnokulturelle Vereinigungen sollten als wichtige Schnittstelle zwischen der Gruppe älterer Migran­ten und dem formellen Versorgungssystem angesehen werden (vgl. ebd., S. 44). Daneben sind auch Aspekte, wie die Wohnungsgröße und -ausstattung zu nennen, da diese wiederum auf die häusliche Pflege Einfluss haben können. So wurde von Zeman (2005) festgestellt, dass Ausländer meist weniger Wohnfläche zu Verfügung haben als es in deutschen Haushalten der Fall ist, was mitunter dadurch erklärt werden kann, dass in nicht-deutschen Haushalten durchschnittlich mehr Personen leben und sich daher eine deutlich größere Wohndichte ergibt. Zudem wurde bezüg­lich der Wohnungsausstattung festgestellt, dass es an technischen Hilfsmitteln, wie z.B. einer Waschmaschine häufig mangelt (vgl. ebd., S.41). Des Weiteren stellt die Betrachtung sozialer Netzwerke einen wesentlichen Aspekt dar um zu sehen inwie­weit ältere Migranten soziale Unterstützung erhalten und wie sich diese Netzwerke darstellen. Hierzu liefert Olbermann (2003) eine umfangreiche Untersuchung, wel­che sich in die Betrachtung von vier Teilnetzwerken von älteren Migranten unter­gliedern lässt. Diese Teilnetzwerke differenzieren sich bezüglich der Unterstüt­zungsdimension in instrumentelle Hilfe, welche auf kleinere Gefälligkeiten bezogen ist, instrumentelle Unterstützung, was die praktische Hilfe im Alltag meint, emotiona­le Unterstützung und Geselligkeit (vgl. Olbermann 2003, S.156f., S.161). So stellt sich heraus, dass die meisten Migranten im Alter nicht sozial isoliert sind, sondern über ein verhältnismäßig großes Netzwerk verfügen (vgl. ebd., S.162, S.243). Je­doch wird weiterhin von Olbermann festgestellt, dass das gesamte Netzwerk über­wiegend aus Geselligkeitskontakten besteht und die Anzahl der Personen, welche emotionale und instrumentelle Hilfe leisten wesentlich geringer ausfällt (vgl. ebd., S.243). Wenn man die Personen nach familiärer und außerfamiliärer Unterstützung aufteilt fällt auf, dass gewisse Unterstützungsformen von bestimmten Personen des Netzwerks erbracht werden, so wird vor allem die praktische Hilfe im Alltag, d.h. die instrumentelle Unterstützung und die emotionale Unterstützung von der Familie ge­leistet (vgl. ebd., S.244ff.). Aufgrund dieser Ergebnisse lässt sich vermuten, dass die familiäre Unterstützung bei erhöhter Hilfs- und Pflegebedürftigkeit Gefahr läuft über­fordert zu sein (vgl. ebd., S.243, Zeman 2005, S.62) und sich außerdem zusätzlich innerfamiliäre Konflikte ergeben können aufgrund der Forderung der Älteren von Familienangehörigen gepflegt zu werden (vgl. Zeman 2005, S.69). Dennoch können diese Netzwerke überwiegend als Ressource angesehen werden, da z.B.

[...]


1 Für eine bessere Lesbarkeit wird in dieser Arbeit die männliche Schreibweise verwendet. Selbstverständlich be­ziehen sich alle Ausführungen gleichermaßen auf weibliche Personen.

2 „Der Mikrozensus ist die amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt, an der jähr­lich 1% aller Haushalte in Deutschland beteiligt sind“ (Özcan et al. 2004, S.3)

3 „Der Alterssurvey ist eine bundesweite, repräsentative Befragung von Personen im Alter zwischen 40 und 91 Jahren, die in den Jahren 1996 und 2002 durchgeführt wurde [...]. In der zweiten Welle des Alterssurveys (2002) wurde [...] erstmalig auch eine Ausländerstichprobe erhoben, mit der eine Datenbasis für die Analyse der Lebens­umstände der nicht-deutschen Bevölkerung im Alter von 40 bis 85 Jahren bereitgestellt und Vergleiche mit gleichalt­rigen Deutschen ermöglicht werden sollen“ (Zeman 2005, S. 20)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Welche Rolle spielt die Heterogenität älterer Migranten für die Soziale Arbeit und wie reagiert die soziale Altenhilfe darauf?
Untertitel
Soziale Arbeit mit älteren Migranten - kultursensible Altenhilfe
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Sozialpädagogik der Lebensalter
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V165382
ISBN (eBook)
9783640810314
ISBN (Buch)
9783640810055
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alte Menschen, kultursensible Altenpflege, Soziale Arbeit, Migranten, Alten Hilfe, Ausländer, soziale Altenarbeit, Soziale Arbeit mit Migranten, ältere Migranten, Zuwanderer
Arbeit zitieren
Katja Reinhard (Autor), 2010, Welche Rolle spielt die Heterogenität älterer Migranten für die Soziale Arbeit und wie reagiert die soziale Altenhilfe darauf?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165382

Kommentare

  • Katja Reinhard am 31.1.2011

    Hallo an alle die sich erfreulicherweise für meine Texte interessieren! Keine Angst auf Grund der schrecklichen Vorschau des Textauszuges, der Download/das ebook ist einwandfrei formatiert.
    Grüße,
    K.Reinhard

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