Die Sprache in Rechtstexten ist zwar Allgemeinsprache, weist aber Besonderheiten auf, die für den Laien zum erschwerten Verstehen beim Lesen - von beispielsweise Gesetzen - führen. Diese Hausarbeit soll sich mit der französischen juristischen Sprache auseinandersetzen und in einem Versuch illustrieren, in wieweit es sich bei der Rechtssprache um Gemeinsprache Fachsprache handelt und wie diese interagieren.
Begonnen wird mit einem knappen geschichtlichen Streifzug, beginnend mit der Entwicklung bis zum 12.Jahrhundert, sich dann weiter erstreckend vom 13.Jahrhundert bis zu der Revolution und der Entwicklung eines französischen Rechts ab dem 18.Jahrhundert bis zum heute aktuellen Code Civil.
Eine Betrachtung von Gemeinsprache, Fachsprache, Rechtssprache und ihre Interaktion dient dazu, der Arbeit einen weiteren Rahmen zu geben, wobei zunächst die drei Sprachtypen an sich und anschließend das Verhältnis zwischen Sprache und Recht beleuchtet werden, bevor die Rechtssprache in ihrem Verhältnis zur Fachsprache dargestellt wird.
In einem weiteren Teil wird die juristische Terminologie in ihrer Klassifikation nach Cornu und Lampe dargelegt, Charakteristika der juristischen Terminologie thematisiert, das Phänomen Polysemie in seiner Differenzierung in externe und interne Faktoren bearbeitet und der Eindeutigkeit von Rechtsbegriffen gegenübergestellt.
Aspekte der stetigen Entwicklung der juristischen Terminologie, wie etwa sprachliche und inhaltliche Änderungen, Streichungen oder Neuentstehungen von Rechtsbegriffen, sowie ein Blick auf aktualitätsbedingte Veränderungen nationaler sowie europäischer Natur führen im Anschluss zu einem Fazit mit einem Ausblick auf mögliche Tendenzen sowie noch zu vertiefender Forschungsthemen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtlicher Überblick über die Entwicklung der französischen Rechtssprache
2.1 Entwicklung bis zum 12. Jahrhundert
2.2 Entwicklung 13. Jahrhundert bis zu der Revolution
2.3 Entwicklung eines französischen Rechts ab dem 18. Jahrhundert
3 Gemeinsprache, Fachsprache, Rechtssprache und ihre Interaktion
3.1 Gemeinsprache
3.2 Fachsprache
3.3 Rechtssprache
3.4 Verhältnis zwischen Sprache und Recht
3.5 Rechtssprache als Fachsprache
4 Juristische Terminologie
4.1 Klassifikationen nach Cornu und Lampe
4.2 Charakteristika der juristischen Terminologie
4.2.1 Polysemie
4.3 Juristische Terminologie im stetigen Wandel
4.3.1 Rein sprachliche Änderung eines Rechtsbegriffs
4.3.2 Sprachliche und inhaltliche Änderung eines Rechtsbegriffs
4.3.3 Wegfall von Rechtstermini
4.3.4 Bildung von Rechtsbegriffen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die französische juristische Sprache im Spannungsfeld zwischen Fach- und Gemeinsprache, um deren Eigenständigkeit und Interaktion zu analysieren. Ziel ist es, die Charakteristika juristischer Termini und deren Dynamik im gesellschaftlichen Wandel sowie die Problematik der Polysemie innerhalb der Rechtssprache aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der französischen Rechtssprache
- Interaktion zwischen Gemeinsprache, Fachsprache und Rechtssprache
- Klassifikationen juristischer Terminologie
- Phänomen der Polysemie (extern und intern)
- Dynamik und Wandel von Rechtsbegriffen
Auszug aus dem Buch
4.2.1.2 Interne Polysemie
Die große Mehrheit der französischen juristischen Termini weisen eine Mehrdeutigkeit auf von der selbst zentrale Begriffe wie loi, jugement, contrat und société betroffen sind. Primär sind Wörter tangiert, die auch schon extern polysemen Charakter aufweisen. Hier bietet sich Schmidt-König (vgl. 2005, 42) folgend zum besseren Verständnis das Beispiel ordonnance an.
In der Allgemeinsprache kann es einerseits die Bedeutung ‚anordnen, verordnen’ tragen, andererseits kann ordonnance auch einen besonderen militärischen Reiter betiteln (milit. Ausdruck). Auch in der Rechtssprache ist der Begriff ordonnance von Polysemie betroffen. Einmal kann dies als übergeordnete Bezeichnung für jegliche Tätigkeit der Verwaltung verstanden werden (Verwaltungsakten), im spezifischeren Sinne differenziert es zwischen verschiedenen institutionellen Tätigkeiten und ihren Urhebern (richterlicher Beschluss, behördliche Anordnung). Als weiteres Beispiel für die interne Polysemie nennt Thumm-Kraus (1995, 19) den Begriff acte, der in der jurirstischen Sprache einerseits die Bedeutung ‚écrit’ als auch ‚manifestation de volonté destinée à produire des effets de droit’ hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die französische juristische Sprache als fachsprachliche Ausprägung der Allgemeinsprache vor und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Geschichtlicher Überblick über die Entwicklung der französischen Rechtssprache: Das Kapitel zeichnet den Weg der französischen Rechtssprache von ihren lateinisch geprägten Ursprüngen bis zur Kodifizierung im Code Civil nach.
3 Gemeinsprache, Fachsprache, Rechtssprache und ihre Interaktion: Hier werden die sprachtheoretischen Grundlagen sowie das komplexe Verhältnis zwischen Alltagssprache und juristischer Fachterminologie beleuchtet.
4 Juristische Terminologie: Dieses Kapitel analysiert die Klassifizierung und den stetigen Wandel juristischer Begriffe unter besonderer Berücksichtigung der Polysemie.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt den Status der Rechtssprache als besondere Fachsprache, die trotz ihres Präzisionsanspruchs durch Polysemie limitiert wird.
Schlüsselwörter
Rechtssprache, Französisch, Fachsprache, Gemeinsprache, Juristische Terminologie, Polysemie, Code Civil, Sprachwandel, Rechtsbegriffe, Sprachsoziologie, Linguistik, Faux amis, Rechtswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Besonderheiten der französischen Rechtssprache und untersucht, inwieweit diese eine eigenständige Fachsprache im Verhältnis zur Gemeinsprache darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung des französischen Rechtsvokabulars, die theoretische Abgrenzung der Sprachtypen sowie die Dynamik juristischer Fachterminologie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Interaktion zwischen Fach- und Gemeinsprache in der juristischen Kommunikation zu illustrieren und aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Faktoren den Wandel der Rechtssprache beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Untersuchung fachsprachlicher Merkmale sowie der Analyse terminologischer Veränderungen anhand konkreter Fallbeispiele.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Klassifikation von Rechtsbegriffen und der Problematik der Polysemie, unterteilt in externe und interne Faktoren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Rechtssprache, Terminologie, Polysemie, Sprachwandel und Code Civil.
Wie unterscheidet sich die externe von der internen Polysemie?
Die externe Polysemie beschreibt die Mehrdeutigkeit von Begriffen durch die Verwendung in Gemeinsprache und Rechtssprache gleichzeitig, während die interne Polysemie Mehrdeutigkeiten innerhalb des juristischen Systems selbst bezeichnet.
Warum spielt der "Code Civil" eine zentrale Rolle?
Der Code Civil wird als historischer Wendepunkt betrachtet, der zur Standardisierung und Vereinheitlichung der französischen Rechtssprache beitrug.
- Arbeit zitieren
- Moritz Jan Schütze (Autor:in), 2010, Die französische Rechtssprache im Spannungsfeld zwischen Fachsprache und Gemeinsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165416