Ein Aspekt, unter dem man sich George Lucas´ Filmerfolg American
Graffiti nähern kann, ist die Frage, inwiefern für die Jugendkultur der frühen 60er Jahre die Idee des „American Dream“ realisierbar erscheint, den auch Peter Freese in seiner Untersuchung „The American Dream and the American Nightmare: A Survey“ hinterfragt. So spiegelt Lucas in seinem semi-autobiografischen Film über vier Jugendliche an einem Spätsommerabend in Kalifornien des Jahres 1962 deren Träume, Hoffnungen und Albträume im Einklang mit Freeses „constitutive elements of the American Dream“ wider.
Die Automobilkultur spiegelt die Materialisierung des jugendlichen
Streben nach persönlicher Freiheit, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch nur als scheinbare Freiheit oder gar Freiheitsersatz. Da Erfolg nicht nur von individuellen Fähigkeiten, sondern auch den finanziellen Voraussetzungen der Jugendlichen abhängt, bleibt Erfolg als zentrales Kernelement nur eine Zielvorstellung. Darüber hinaus spielen scheinbar dezentrale Elemente wie die Bereitschaft nach ständigen Neuanfängen und beruflicher Mobilität eine wichtige Rolle.
Letztlich zeigt American Graffiti die amerikanische Gesellschaft aus Sicht von Jugendlichen unmittelbar vor dem Vietnamkrieg und verdeutlicht den Spalt, der sich zwischen den Wünschen und Hoffnungen eines neuen Amerikas und der „gnadenlos ehrlichen“ Realität offenbart, welche nicht überwunden werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Amerikanische in American Graffiti
3 Der zeitliche Rahmen
4 Der Glaube an „progress“, „general attainability of success“ und die Bedeutung von „frontiers“ für die Jugendlichen
5 Freiheit und Gleichheit
6 Neuanfänge und die Bereitschaft zur Mobilität
7 Verschwiegene Elemente: „manifest destiny, multi ethnicity“
8 Abschlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, wie der Film American Graffiti von George Lucas die Ideale des „American Dream“ – insbesondere Fortschritt, Erfolg, Freiheit und Gleichheit – in der Lebenswelt amerikanischer Jugendlicher zu Beginn der 1960er Jahre darstellt und kritisch hinterfragt.
- Analyse der konstituierenden Elemente des amerikanischen Traums in der Jugendkultur.
- Untersuchung der Bedeutung von Automobilkultur und Mobilität für amerikanische Teenager.
- Gegenüberstellung von theoretischem Fortschrittsglauben und der sozialen Realität im Film.
- Kritische Beleuchtung von sozialer Freiheit und den Grenzen des „American Dream“.
- Reflektion über die gesellschaftlichen Umbrüche und den historischen Kontext der frühen 60er Jahre.
Auszug aus dem Buch
4 Der Glaube an „progress“, „general attainability of success“ und die Bedeutung von „frontiers“ für die Jugendlichen
Während zwei der Highschool-Graduenten, nämlich Steve Bolander und Curt Henderson aufbrechen, um im Osten der USA aufs College zu gehen, bleiben die beiden anderen, John Milner und Terry Fields, im Kleinstadtalltag gefangen. Peter Freeses „general attainability of success“ ist in American Graffiti auf den gemeinsamen Highschool-Abschluss zu übertragen. Der Glaube an Fortschritt ist allerdings abhängig von Stipendien.
Hier spaltet sich die Zieltheorie mit der Wirklichkeit: ohne finanzielle Unterstützung ist es den High-School-Graduenten trotz Abschluss kaum möglich, ihre Karriere voranzutreiben. Am Vorabend des Aufbruchs blicken Steve und Curt auf ihre Vergangenheit zurück und verabschieden sich auf einem Abschlussball von ihren Lehrern und Freunden, währenddessen die „Verlierer“ langweilt durch die Straßen der Stadt fahren („cruising“).
Die Musik aus den Lautsprechern der Autoradios erzeugt mit ihren typischen Themen des Amerikanischen Traums von Freiheit, Erfüllung und Liebe einen fast komischen Effekt im Kontrast zu den desillusionierten Jugendlichen. Ihre Realität beschränkt sich auf monotone, täglich wiederkehrende Erlebnisse, die parallel zum kreisförmigen Herumfahren in den Straßen der Stadt steht. So reagiert John Milner auf das Beach Boys Lied „Surfin Safari“ im Radio abrupt, indem er wütend die Lautstärke zurücksetzt. Er sieht scheinbar keine Zukunft für sich, und hat auch kein Interesse an den Liedern von Freiheit und Erfüllung. Tatsächlich ist er mit dem Wagen noch immer unterwegs, auf der Suche nach seinem Glück.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den theoretischen Rahmen, wie George Lucas den American Dream in seinem Film reflektiert.
2 Das Amerikanische in American Graffiti: Untersuchung der Bedeutung der Automobilkultur und der spezifischen amerikanischen Lebensweise der Jugendlichen im Film.
3 Der zeitliche Rahmen: Einordnung des Films in den historischen Kontext der späten 50er und frühen 60er Jahre als eine Ära des gesellschaftlichen Umbruchs.
4 Der Glaube an „progress“, „general attainability of success“ und die Bedeutung von „frontiers“ für die Jugendlichen: Analyse der Diskrepanz zwischen der Utopie des beruflichen Aufstiegs und der tatsächlichen Lebensrealität der Protagonisten.
5 Freiheit und Gleichheit: Diskussion über die Rolle des Autos als Symbol für individuelle Freiheit und die soziale Ungleichheit der Jugendlichen.
6 Neuanfänge und die Bereitschaft zur Mobilität: Betrachtung des Abschieds vom Kleinstadtleben und der ambivalenten Haltung der jungen Generation gegenüber ihrer Zukunft.
7 Verschwiegene Elemente: „manifest destiny, multi ethnicity“: Kritische Analyse der Aspekte, die im Film ausgeblendet werden, insbesondere die soziale Verantwortung und Rassenproblematik.
8 Abschlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über das Scheitern des American Dream im Film und die Gradwanderung zwischen Mythos und Gesellschaftskritik.
Schlüsselwörter
American Graffiti, George Lucas, American Dream, Jugendkultur, 1960er Jahre, Automobilkultur, Fortschritt, soziale Mobilität, Freiheit, Gleichheit, USA, Modesto, Peter Freese, Identität, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die filmische Darstellung des sogenannten „American Dream“ in George Lucas' Werk American Graffiti und hinterfragt, inwiefern diese Ideale in der Lebenswelt der 1960er Jahre für Jugendliche erreichbar waren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Erfolg, Fortschritt, Freiheit, Gleichheit und der Bedeutung von Mobilität sowie der Rolle der Automobilkultur in den USA dieser Ära.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lucas den amerikanischen Mythos einerseits aufgreift und andererseits durch die desillusionierte Realität seiner Figuren kritisch dekonstruiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Es wird eine kulturanalythische Herangehensweise gewählt, die den Film auf Basis der kulturwissenschaftlichen Theorien von Peter Freese interpretiert und in den historischen Kontext setzt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Zeitgeistes, der automobilen Lebensweise, der sozialen Schichtung und der Ambivalenz zwischen Aufbruchswillen und der Bindung an den heimatlichen Kleinstadtalltag.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem American Dream, Jugendkultur, Mobilität, Automobilkultur und gesellschaftlicher Umbruch.
Warum spielt das Auto in der Analyse eine so zentrale Rolle?
Das Auto wird im Film als primäres Instrument zur Verwirklichung individueller Freiheit und als Ort der sozialen Interaktion identifiziert, dient jedoch gleichzeitig als Begrenzung der jugendlichen Existenz.
Wie bewertet der Autor das Ende des Films im Hinblick auf den American Dream?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der American Dream im Film als weitgehend unerfüllbar dargestellt wird und für viele Charaktere eher ein Stolperstein als ein Weg zur Erfüllung ist.
Welche „verschwiegenen Elemente“ werden in der Analyse erwähnt?
Es wird darauf hingewiesen, dass der Film soziale Realitäten wie die Rassenproblematik der frühen 60er Jahre weitestgehend ausklammert und eine idealisierte, homogene Welt der weißen Mittelschicht zeigt.
- Arbeit zitieren
- Bert Bobock (Autor:in), 2000, Jugendkultur in George Lucas' "American Graffiti" und Peter Freeses Kernelemente in „The American Dream: Dream or Nightmare?“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165473