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Pfadabhängigkeit

Zur Transformation eines Theorems auf dem Weg durch unterschiedliche Anwendungsfelder

Title: Pfadabhängigkeit

Diploma Thesis , 2009 , 87 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Kim-Bastian Sommer (Author)

Social Studies (General)
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Summary Excerpt Details

Seitdem die Geschichte in der neoklassischen Ökonomie durch W. Brian Arthur und Paul A. David Bedeutung erlangt hat und damit der Grundstein des Pfadabhängigkeitsansatzes gelegt war, verbreitete sich der Pfadabhängigkeitsansatz stetig in neue Anwendungsbereiche. Pfadabhängigkeit soll dabei Aufschluss über eine Vielzahl unterschiedlichster Fragestellungen geben: Warum schreiben wir heute beispielsweise noch auf QWERTY-Tastaturen? Warum tanken unsere Fahrzeuge Benzin? Warum sind die gleichen Institutionen im Norden Italiens effektiver als im Süden?
Aufgrund der Bandbreite der Fallbeispiele, die sich innerhalb des Forschungsgebietes über mehrere disziplinäre Grenzen hinweg finden lassen, drängt sich die Frage auf, ob ein einzelnes Theorem wirklich in der Lage ist, derart unterschiedliche Problemstellungen verschiedener Forschungsparadigmen hinreichend zu klären. Ausgehend von dieser Skepsis, ob die Pfadabhängigkeitstheorie auf so großflächige Weise plausibel Anwendung finden kann, wird hier die Hypothese einer Transformation des Theorems im Laufe seiner Verbreitung aufgestellt. Zu deren Überprüfung bietet diese Arbeit einen Einblick in die Anwendung des Pfadabhängigkeitstheorems und analysiert die zugrundegelegten Annahmen und theoretischen Verknüpfungen der Anwendungsbereiche.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wurzeln der Pfadabhängigkeitsdiskussion

2.1. Die Pfadabhängigkeit des Brian Arthur

2.1.1. Pfadabhängigkeit im Modell

2.1.2. Positive Rückkopplungen bei Allokationsprozessen

2.2. Die Pfadabhängigkeit des Paul A. David

2.2.1. Ein Modell lokaler Rückkopplungen

2.2.2. QWERTY und die Bedeutung technologischer Systeme

2.2.3. QWERTY: eine Geschichte oder Geschichte

2.2.4. Erntemaschinen und die Bedeutung der Sequenz

2.3. Ursachen positiver Rückkopplungen

2.4. Phasen pfadabhängiger Prozesse

2.5. Das Historizitäts-Argument

2.6. Zusammenfassung

3. Technikentwicklungen in der Soziologie

3.1. Technikdeterminismus

3.2. Überwindung des Technikdeterminismus

3.3. Technische Entwicklungen im Sozialkonstruktivismus

3.3.1. SCOT

3.3.2. Fahrräder und die Bedeutung sozialer Gruppen

3.4. Technologische Leitbilder

3.5. Technik in der Akteur-Netzwerk-Theorie

3.6. Zusammenfassung

4. Pfadabhängigkeit in der Entwicklung von Institutionen

4.1. Institutionen

4.2. Institutionsentwicklungen in den Sozialwissenschaften

4.2.1. Rational-Choice Institutionalismus

4.2.2. Soziologischer Institutionalismus

4.2.3. Historischer Institutionalismus

4.3. Übertragbarkeit auf Institutionsentwicklungen

4.3.1. Theorie des institutionellen Wandels

4.3.2. Institutionsspezifische Pfadabhängigkeit

4.3.3. Ursachen positiver Rückkopplungen

4.4. Zusammenfassung

5. Abgrenzung pfadabhängiger Prozesse

5.1. Pfadabhängigkeit und andere Sequenzen

5.2. Kontingenz der Pfadabhängigkeit

5.2.1. Die Klassifikation von Reproduktionsmechanismen

5.2.2. Die soziologische Erweiterung

5.3. Trampelpfade und Kreuzungen

5.4. Drei Grade der Pfadabhängigkeit

5.5. Zusammenfassung

6. Ausblick auf ein Konzept der Pfadkonstitution

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit und Transformation des Pfadabhängigkeitstheorems über verschiedene disziplinäre Grenzen hinweg. Die Forschungsfrage hinterfragt, ob ein einzelnes Theorem in der Lage ist, derart vielfältige Problemstellungen aus unterschiedlichen Forschungsparadigmen zu erklären, und analysiert hierfür die theoretischen Annahmen in der Technik- und Institutionsentwicklung.

  • Ursprung und theoretische Grundlagen des Pfadabhängigkeitskonzepts bei Brian Arthur und Paul A. David.
  • Analyse technischer Entwicklungen innerhalb der Soziologie (Technikdeterminismus, Sozialkonstruktivismus, Akteur-Netzwerk-Theorie).
  • Übertragung der Pfadabhängigkeitstheorie auf die Entwicklung von Institutionen und den Neuen Institutionalismus.
  • Kritische Abgrenzung und Differenzierung pfadabhängiger Prozesse sowie deren Mechanismen.
  • Ausblick auf ein integriertes Konzept der Pfadkonstitution.

Auszug aus dem Buch

2.2.2. QWERTY und die Bedeutung technologischer Systeme

Bei folgendem Fallbeispiel P. A. Davids aus dem Jahre 1985 handelt es sich wohl um das bekannteste der Pfadabhängigkeitsforschung. Anhand der Durchsetzung der QWERTY- Tastatur als Standardtastenanordnung für Schreibmaschinen demonstriert David die Existenz von pfadabhängigen Prozessen und behält scheinbar, wie deren Beibehaltung bei heutigen Computertastaturen zeigt, bis heute recht. David macht als Wirtschaftshistoriker deutlich, dass sich in seinem Fallbeispiel nicht die überlegenere Technik durchgesetzt hat, wie unter den Annahmen der neoklassischen Ökonomie zu erwarten wäre, sondern dass es zu einem Lock-in einer inferioren Technik gekommen ist. David bringt damit den Punkt der Ineffizienz in die Diskussion ein und erregt damit erhebliches Aufsehen.

David geht in seinen Ausführungen der Frage nach, warum die QWERTY-Anordnung nicht, obwohl seiner Meinung nach die Möglichkeit bestand, durch eine bessere, wie beispielsweise die des Dvorac Simplified Keyboards (DSK), ersetzt wurde. Seiner Meinung nach ist dieser Umstand nur zu verstehen, wenn man sich den dazugehörigen Entwicklungsverlauf ansieht.

Die QWERTY-Anordnung entstand zwischen 1867 und 1873 aus der Notwendigkeit heraus, die Tasten der Schreibmaschine so anzuordnen, dass die entsprechenden Typenhebel des Anschlagmechanismus sich nicht verkanteten. Ziel war es folglich, Buchstaben, die oft direkt hinter einander angeschlagen wurden, möglichst weit voneinander entfernt zu platzieren. Entworfen wurden die Tastatur und die dazugehörige Schreibmaschine von C. L. Sholes und seinem Partner C. Gidden. Sholes war zwar nicht der Erfinder der Schreibmaschine an sich, jedoch gelang es seinem Investor J. Densmore, den bekannten Waffenfabrikanten Remington and Sons für die Produktion seiner Maschine zu gewinnen. Damit wurde die Sholes & Glidden Type Writer die erste industriell gefertigte Schreibmaschine in den USA (David 1986: 35 f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Verbreitung des Pfadabhängigkeitsansatzes und stellt die Hypothese einer Transformation des Theorems im Zuge seiner interdisziplinären Anwendung auf.

2. Die Wurzeln der Pfadabhängigkeitsdiskussion: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen Ursprünge bei Arthur und David, insbesondere die Bedeutung positiver Rückkopplungen und historischer Zufallsereignisse für die Entstehung von Lock-in-Effekten.

3. Technikentwicklungen in der Soziologie: Hier wird untersucht, wie soziologische Ansätze wie Technikdeterminismus, Sozialkonstruktivismus und Akteur-Netzwerk-Theorie die Rolle von Technik und deren Entstehung im sozialen Kontext analysieren.

4. Pfadabhängigkeit in der Entwicklung von Institutionen: Dieses Kapitel transferiert das Pfadabhängigkeitskonzept auf den institutionellen Wandel und diskutiert die unterschiedlichen Perspektiven des Neuen Institutionalismus.

5. Abgrenzung pfadabhängiger Prozesse: Der Abschnitt konzentriert sich auf die theoretische Präzisierung und Abgrenzung des Konzepts, indem er verschiedene Arten von Sequenzen und deren theoretische Einordnung diskutiert.

6. Ausblick auf ein Konzept der Pfadkonstitution: Ein Ausblick auf neuere Konzepte, die versuchen, das Spannungsfeld zwischen emergenten Pfadprozessen und bewusster Pfadkreation zu integrieren.

7. Fazit: Das Fazit resümiert die theoretische Ausweitung und Modifikation des Pfadabhängigkeitskonzepts sowie die Notwendigkeit für präzisere Definitionen in der interdisziplinären Forschung.

Schlüsselwörter

Pfadabhängigkeit, Positive Rückkopplungen, Lock-in, Techniksoziologie, Sozialkonstruktivismus, Institutionen, Neuer Institutionalismus, Pfadkonstitution, Path Dependence, History Matters, Ineffizienz, Akteur-Netzwerk-Theorie, Technikgenese, Pfadkreation, Increasing Returns.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Konzept der Pfadabhängigkeit, wie es aus der Ökonomie stammt und in die Soziologie sowie die Institutionenlehre übertragen wurde. Dabei wird analysiert, wie sich dieses Theorem durch die Anwendung in neuen Disziplinen transformiert hat.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die ökonomischen Ursprünge der Theorie (Arthur/David), die soziologische Perspektive auf Technikentwicklungen (Technikdeterminismus, SCOT, ANT) sowie die pfadabhängige Entwicklung von Institutionen im Neuen Institutionalismus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist die Überprüfung der Hypothese, dass das Pfadabhängigkeitstheorem im Zuge seiner Verbreitung in verschiedene Wissenschaftsbereiche eine Transformation erfahren hat, und die Bewertung seiner Plausibilität für diese unterschiedlichen Anwendungsbereiche.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie grundlegende ökonomische Modellbildungen mit soziologischen Ansätzen vergleicht und kritisch gegenüberstellt, um die theoretische Konsistenz des Begriffs zu prüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Ursprünge (Ökonomie), die Analyse der soziologischen Technikforschung, die Diskussion der Pfadabhängigkeit bei Institutionen und eine kritische Auseinandersetzung mit der Abgrenzung von Prozesssequenzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Neben dem zentralen Begriff der Pfadabhängigkeit sind dies positive Rückkopplungen (Increasing Returns), Lock-in, Technologische Leitbilder, Sozialkonstruktivismus, Pfadkonstitution und institutioneller Wandel.

Was bedeutet das "Historizitäts-Argument" in dieser Arbeit?

Es besagt, dass vergangene Ereignisse und getroffene Entscheidungen eine bleibende Wirkung auf zukünftige Möglichkeiten haben. In der Ökonomie forderte es ein Umdenken weg von rein deterministischen Marktmodellen hin zur Berücksichtigung von Geschichte.

Welchen Beitrag leisten Kiwit und Voigt zur Diskussion?

Kiwit und Voigt kritisieren die unreflektierte Übertragung ökonomischer Pfadabhängigkeitskriterien auf Institutionen. Sie fordern eine Differenzierung nach Institutionstypen und Mechanismen, da eine analoge Anwendung nicht möglich sei.

Was ist das Konzept der "Pfadkonstitution"?

Die Pfadkonstitution ist ein modernerer Ansatz, der versucht, die Dichotomie zwischen unbewusster Pfadabhängigkeit und bewusster Pfadkreation aufzuheben, indem er diese als Extreme eines Kontinuums betrachtet.

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Details

Title
Pfadabhängigkeit
Subtitle
Zur Transformation eines Theorems auf dem Weg durch unterschiedliche Anwendungsfelder
College
University of Göttingen
Grade
1,7
Author
Kim-Bastian Sommer (Author)
Publication Year
2009
Pages
87
Catalog Number
V165514
ISBN (eBook)
9783640816682
ISBN (Book)
9783640820245
Language
German
Tags
pfadabhängigkeit transformation theorems anwendungsfelder
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kim-Bastian Sommer (Author), 2009, Pfadabhängigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165514
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