Die Berlinkrise von 1948-1949


Hausarbeit, 2000

22 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis :

Einleitung

1. Die Zukunft Europas
a. Pläne der USA
b. Pläne Großbritanniens
c. Pläne Frankreichs
d. Pläne der Sowjetunion

2. Hintergründe

3. Konfliktursachen

4. „Kleine“ Berlin- Blockade

5. Die Großblockade

6. Handlung der Westmächte

7. Das Einlenken

8. Teilung Berlins

Bibliographie

Einleitung

Der Zweite Weltkrieg endete mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands durch Generalfeldmarschall Keitel, Generaloberst Stumpff und Generaladmiral Friedeburg in Berlin- Karlshorst.

Als Sieger stand eine Allianz zwischen der USA, Großbritannien und der Sowjetunion fest. Wobei zwei nichteuropäischen Mächte über die Zukunft Deutschland mitzuentscheiden hatten. Sowohl die USA unter der Führung Roosevelts wie Stalins diktatorisch regierte Sowjetunion wußte, daß die Niederlage Deutschland zwar ein Kampf-, jedoch kein Kriegsziel darstellte.

Die Frage nach der Zukunft Europas, unter Vertretung der eigenen Interessen, mußte noch geklärt werden. Die Entwicklung des Kontinents Europas, der noch wenige Jahre zuvor die Leitfäden der Welt bestimmt hatte, lag in den Händen dieser gegensätzlichen Weltmächte.

In Berlin stehen sich die Westmächte und die Sowjetunion so unmittelbar gegenüber, wie sonst nirgendwo auf der Welt und schon Lenin sagte, daß jener Europa und die Welt hält, der Berlin hält. Dies sollte der primäre weltpolitische Hintergrund der permanenten Berliner Krise sein.

Die erste Berlinkrise, im Jahre 1948/ 49 wird als das erste Machtmessen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetischen Republik angesehen und somit als erste massive Konfrontation dieser beiden Ideologien, die erste Schlacht des Kalten Krieges[1].

1. Die Zukunft Europas

a. Pläne der USA

Der amerikanische Finanzminister Morgenthau entwickelte 1944 ein Programm, das vorsah, daß Deutschland, durch großen Gebietsabtrennungen und Beseitigung der Industriekapazitäten,

gehindert werden sollte, weitere Kriege zu beginnen[2]. Die Fläche welche nach der Gebietsabtrennung von Deutschland übrig blieb sollte wiederum in zwei unabhängige Agrarstaaten aufgeteilt werden. Die Amerikanische Nachkriegspolitik hingegen, vertreten von dem damaligen Präsidenten Roosevelt und seinem Staatssekretärs Cordell Hull, war der Ansicht, daß die Aufteilung Europas in regionale Bündnisse nur zu einer abermaligen Aufteilung der Welt in Einflußsphären führen würde. Diese Aufteilung würde wieder als „Sprengsatz“ für neue Kriege dienen[3]. Die von Präsident Harry Truman[4] gebilligte Direktive JCS 1067[5] vom 26. April 1945, die Deutschland als „besiegten Feindstaat“ ansah[6], der nach den Prinzipien des Morgenthau- Plans zerstört werden müsse, wurde durch die Direktive JCS 1779 ausgetauscht. Mit dieser Direktive wechselte die amerikanische Deutschlandpolitik den Kurs. Statt der Aufschiebungspolitik[7] von 1941 stellte der Diplomat George Kennan eine Politik der weltweiten Eindämmung[8] des kommunistischen Einflusses vor. Als die USA sah, wie rasch sich der Kommunismus ausbreitete und sogar Griechenland und Türkei von einem politischen Umsturz bedroht waren, verkündete Präsident Truman am 12. 3. 1947, daß diese gefährdeten Länder von Amerika unterstützt werden müssen. Später wurde dieser Wendepunkt der amerikanischen Deutschlandpolitik als „Truman- Doktrin“ bezeichnet[9]. Zuvor schon, im September 1946, sprach der amerikanische Außenminister James F. Byrnes erstmalig von einer amerikanischen Verantwortung für Deutschland[10]. Demnach sollte die deutsche Selbstverantwortlichkeit auf der Länderebene gefördert und die Demontage auf die Kriegsindustrie beschränkt werden. Weiterhin sollte der Lebensstandard erhöht und die Unabhängigkeit von finanziellen Subventionen erstrebt werden[11]. Der amerikanische Präsident Roosevelt befürwortete zuvor schon an die Errichtung einer universellen Organisation, die der dauerhafte Sicherung des Friedens in Deutschland überwachte. Das Weiße Haus bereit, der Sowjetunion eine Einflußsphäre in Osteuropa zuzugestehen, um deren Sicherheitsbedürfnis entgegenzukommen. Vor allem Deutschland sollte kein Mitspracherecht haben, sondern dem Wunschbild der „one world“ zur Verfügung stehen. Deutschland sollte total niedergeworfen und in einer gesamteuropäischen Ordnung eingegliedert werden. Washington sah allerdings die Gefahr nicht, daß die Sowjetunion beabsichtigte Europa zu erobern. Ebenfalls erkannt die amerikanische Führung nicht, welche Auswirkungen der kommunistische Einbruch in Europa hatte[12]. Die amerikanische Bevölkerung verlangte von Truman den Rückzug amerikanischer Soldaten aus der europäischen Front. Diesem Druck zufolge wurden die Soldaten an der Front auf 400.000 Mann verringert. Damit besaß die Sowjetunion, mit über 4 Mill. in Europa stationierten Soldaten, die absolute militärische Überlegenheit. Der vollständige Abzug amerikanischer Truppen aus Europa kam nicht in Frage, da das vom Krieg geschwächte Europa der sowjetischen Übermacht sonst ausgeliefert wäre.

b. Pläne Großbritanniens

Großbritannien wollte hingegen einen europäischen Staatenbund unter britischer Führung und ohne Einfluß der Sowjetunion erreichen. Dies wurde besonders in der Rede des britischen Premierministers Winston S. Churchills vom 21. März 1943 deutlich. Bereits in der Konferenz von Teheran verwies Churchill auf die Gefahr, daß die Sowjetunion die einzige bedeutende militärische und politische Kraft in Europa bleibt, wenn die USA ihre Ideen durchsetzt[13]. Aus Sicht des Königreiches sollte Deutschland in einem Staatenverbund aufgeteilt werden. Großbritannien lehnte eine Zersplitterung Deutschlands in nichtlebensfähigen Staaten aus politischen und wirtschaftlichen Gründen ab. Eine Teilung Deutschland in Staatenverbund wurde aber als Schutz vor der sowjetischen Gefahr befürwortet.

c. Pläne Frankreichs

Die 1945 formulierte Pariser Deutschlandpolitik sah, aus Furcht einer erneuten Gefahr aus Deutschland, die Sicherung des eigenen Friedens in der Zersplitterung Deutschlands und Verfall unter fremder Herrschung. Darüber hinaus sollte Deutschland einer permanente Waffenlosigkeit unterstellt werden[14].

d. Pläne der Sowjetunion

In der Sowjetunion hatten die im Sommer 1941 tief ins eigene Land einmarschierten deutschen Truppen, die nur durch einen sehr verlustreichen Befreiungskampf der Roten Armee gestoppt werden konnten ihre Spuren hinterlassen. Schon vor dem zweiten Weltkrieg galt es J.W. Stalin den eigenen Machtbereich durch eine „Pufferzone“ im Westen vor Europa zu sichern. Diese Überlegung führte auch sicherlich zum Molotow- Ribbentrop- Vertrag vom 23. August 1939, der aber die deutsche Invasion nicht aufhalten konnte. Nach dem Deutschlandtrauma galt es Stalin zwei Ziele zu erreichen: Erstens einen Sicherheitsstreifen gegen Westeuropa aufzubauen und zweitens die Kontrolle über das besiegte Deutschland bewahren, damit es niemals wieder eine ernsthafte Bedrohung für die Sowjetunion darstellen könne. Das durch diese Expansionspolitik gewonnene Wirtschaftspotential Zentraleuropas sollte für den eigenen Wiederaufbau ausgenutzt werden. Diese Idee bedurfte einen umfassenden Kontrollmechanismus durch Moskau, der die mittel- und osteuropäischen Länder vom Einfluß der kapitalistisch- westlichen Welt abschirmte. Aus Bedenken vor einem möglichen Verlust des sowjetischen Einflusses auf die Satellitenstaaten konnte die Sowjetunion deren Beteiligung am Marshallplan[15] nicht befürworten. J.W. Stalin stimmte der „weltverbindende Friedensmission“ Roosevelt zu, da er so die Möglichkeit sah alle seine Ziele zu erreichen. Dabei hatte Stalin nicht die Absicht eine Union unter gleichberechtigten Staaten zu errichten. In Teheran, auf der Konferenz der Großen Drei, 1943, erklärte Stalin, daß das Ziel einer solchen Weltorganisation in der Kontrolle des herschaftstrebenden Deutschlands liegen müsse. Er bot an, daß er diese Aufgabe übernehmen könne. Damit hätte Stalin alle angestrebten Ziele erreicht. Gesichert wurde seine Vision durch die Rote Armee, die nach dem Sieg in Stalingrad, im Winter 1942/43 in Richtung Europa vorrückte. Bilaterale Beistandsverträge, wie das Potsdamer Abkommen, sollten darüber hinaus die Sowjetisierung Deutschlands ermöglichen. Die amerikanische Idee eines aufgeteilten Deutschlands in mehrere Besatzungszonen sollte der Sowjetunion eine direkte Einflußnahme auf das politische und wirtschaftliche Leben Deutschlands ermöglichen.

[...]


[1]. Der Begriff „Kalter Krieg“ wurde von dem amerikanischen Publizisten Walter Lippmann in einem Artikel von 1947 geprägt.

[2] Reichelt, Deutsche Chronik 1945- 1970, S.16.

[3] Gasteyger, Europa von der Spaltung zur Einigung, S.32,

[4] Truman wird nach dem Tod von Präsident Roosevelt am 12. April 1945 ins Amt gerufen: in Herzfeld, Berlin in der Weltpolitik 1945- 1970, S.4.

[5] auch oftmals JC 1067.

[6] Reichelt, Deutsche Chronik 1945- 1970, S.18.

[7] Nach der Verweigerung Stalins besetzte gebiete abzugeben zog Roosevelt es vor die Klärung von Einzelfragen bis nach dem Sieg über Deutschland zu verschieben. Aus diesem Zusammenhang spricht man von einer Aufschiebungspolitik (policy of Postponement).

[8] „Eindämmungs-“ (containment-) Politik.

[9] Badstübner/ Thoma, Die Spaltung Deutschlands- 1945- 49, S. 9.

Informationen zur politischen Bildung, Die Teilung Deutschlands 1945- 1955, S. 7-14.

[10] Prowe, Weltstadt in Krisen, Berlin 1945- 1958, S.11; Reichelt, Deutsche Chronik 1945- 1970, S.50.

[11] Lehmann, Deutschland- Chronik 1945 bis 1995,S. 24.

[12] Gasteyger, Europa von der Spaltung zur Einigung, S.32.

[13] Informationen zur politischen Bildung: Die Teilung Deutschlands 1945- 1955, Konferenz von Teheran 1943, S.7.

[14] Graml, Die Alliierten und die Teilung Deutschlands, S, 197.

[15] Nach dem amerikanischen Außenminister George Marshall benannt.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Berlinkrise von 1948-1949
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Politisches Seminar)
Veranstaltung
Deutschlandpolitik 1945- 1990
Note
3,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
22
Katalognummer
V16552
ISBN (eBook)
9783638213752
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Komplete Beschriebung der problematik rund um die Berlinkrise von 1948/ 49. Zahlreiche Literaturhinweise vollenden die Arbeit.
Schlagworte
Berlinkrise, Deutschlandpolitik
Arbeit zitieren
Luca Bonsignore (Autor), 2000, Die Berlinkrise von 1948-1949, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16552

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