Interpretation zu Boccaccios "Griseldanovelle"


Hausarbeit, 2001

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Einordnung und Inhaltsgabe der Novelle
2.1. Kurze Biographie Giovanni Boccaccios
2.2. Einordnung der Novelle im Gesamtkontext des Decamerone
2.3. Kurze Inhaltsangabe der 10. Novelle des 10. Tages

3. Gattungsfrage

4. Die Hauptfiguren
4.1 Charakter Griseldas
4.2 Charakter Gualtieris
4.3 Beziehungen zwischen Griseldas und Gualtieri
4.4 Funktion des Volkes

5. Die einzige Aktion Griseldas

6. Wer ist die eigentliche Hauptfigur

7. Ergebnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Decamerone ist unbestreitbar Boccaccios Hauptwerk in italienischer Sprache und beeinflusst die „Questione della lingua“ maßgeblich, da es als eines der „tre corone fiorentine“ ca. 1335-53 n. Chr. in toskanischem Dialekt verfasst wurde. Da kein anderer Dialekt der „Commedia“, dem „Canzoniere“ und dem „Decamerone“ ebenbürtige Werke gegenüberstellen kann, wird schon früh eine Vorentscheidung für das Toskanische getroffen[1].

Im Decamerone sind nur wenige Novellen so bekannt geworden, wie die Griseldanovelle, mit welcher das Buch endet. Dazu beigetragen hat die sehr freie Übersetzung Francesco Petrarcas, aus der vulgärtoskanischen Version Boccaccios, ins Lateinische. Diese lateinische Version Petrarcas liegt derzeit den meisten Übersetzungen zugrunde.

Die vorliegenden Arbeit untersucht diese zehnte Novelle des zehnten Tages. Bei der Interpretation der Griseldanovelle gibt es verschiedene Forschungsansätze. In Einem, der unter anderem von Griffith[2] vertreten wird, wird der Ursprung dieser Novelle untersucht.

Da das Decamerone eine Sammlung von sowohl schriftlichen als auch mündlich überlieferten Geschichten ist, gehen die Erzählungen auf sehr unterschiedliche Quellen zurück, wie beispielsweise auf arabisch-orientalische Geschichten (Buch der sieben Weisen), oder auf antike Geschichten oder hauptsächlich auf religiöse, mittelalterliche Erzählungen zurück. Griffiths Interesse liegt in der Findung weiterer Schriftzeugnisse mit gleichem oder ähnlichen Inhalt, die zeitlich vor die Herausgabe des Decamerones zu datieren sind, also in einer Identifikation einzelner Novellen mit möglichen Vorlagen.

In einem zweiten Forschungsansatz werden die Unterschiede zwischen der Übersetzung ins Lateinische Petrarcas und der Originalversion Boccaccios erörtert[3].

Nach Martellotti liegen diese in der Gewichtung der Rolle Griseldas, die von Petrarca in den Handlungsmittelpunkt hervorgehoben wurde.

In dieser Arbeit wird ausschließlich der überlieferte Text untersucht.

Das größtes Augenmerk liegt dabei auf den Hauptfiguren dieser Novelle, Griselda und den Markgrafen von Saluzzo Gualtieri und ihrer Rolle in dieser Novelle.

2. Einordnung und Inhaltsangabe der Novelle

2.1 Kurze Biographie Giovanni Boccaccios

Boccaccio wurde 1313 in Paris geboren. Er entstammt einer Liaison eines florentinischen Kaufmanns mit einer französischen Adligen. Boccaccio wuchs in Florenz auf und begann dort eine kaufmännische Lehre, die ihn 1330 nach Neapel führte. 1332 gab er den Kaufmannsberuf auf, um sich dem Studium der Rechte zu widmen. Er verbrachte einige Jahre am Königshof in Neapel und begann dort seine dichterische Laufbahn. 1340 kehrte er nach Florenz zurück, wo er das Amt eines Richters und Notars antrat. Diplomatische Missionen führten ihm 1365 zu Papst Urban V. und 1367 nach Rom. 1373 hielt er noch Vorlesungen über Dantes "Göttliche Komödie", dann zog er sich auf sein Landgut bei Florenz zurück, wo er am 21.12.1375 starb. Unter anderem zahlt man zu seinen Werken die „Fiametta“ aus dem Jahre 1343 (gedruckt: 1472, deutsch: 1806) und das „Decamerone“ aus dem Jahre 1348-1353 (gedruckt: 1470, deutsch: 1472).

2.2 Einordnung der Novelle im Gesamtkontext des Decamerone

Während der Pestepidemie treffen sich in der Kirche Santa Maria Novella in Florenz, vom Zufall gelenkt, sieben junge Frauen und drei junge Männer zusammen. Sie entstammen durchweg einem gutsituierten Bürgertum, aber ihre Namen ( Pampinea, Fiammetta, Filomena, Emilia, Lauretta. Neifile, Elissa, Panfilo, Filostrato, Dioneo), die Boccaccio größtenteils aus seinen vorangehenden Werken übernimmt, weisen sie von vornherein als literarische Figuren aus. Man beschließt, sich mit einer kleinen Dienerschaft auf einen nahegelegenen Landsitz zurückzuziehen. Zum Zeitvertreib erzählen sie sich Geschichten. Jeden Tag wird ein neuer König bzw. eine neue Königin gewählt, der bzw. die das Thema der Geschichten vorgibt. Jeder von ihnen erzählt täglich eine Geschichte, sodass nach zehn Tagen 100 Geschichten zusammengetragen sind. Der zehnte und letzte Tag des Dekamerons steht unter der Herrschaft Panfilos, König und somit auch Redeführer dieses Tages. Das Thema des zehnten Tages ist die Großmütigkeit und hochsinniges Handeln in Liebesangelegenheiten und anderen Dingen. Ebenfalls spielen Tugenden hier eine große Rolle. Am zehnten Tag nehmen die Erzähler untereinander eine wettbewerbsähnliche Beziehung ein. Jeder einzelne versucht, die von ihm erzählte Novelle mit immer größeren Tugenden auszustatten, wobei die Novelle Griseldas, die letzte aller Erzählungen, auf der höchsten Stufe steht.

2.3 Kurze Inhaltsangabe der zehnten Novelle des zehnten Tages

Die zehnte Novelle des zehnten Tages aus Boccaccios Decamerone handelt von vielen Proben die ein Ehemann seiner Frau stellt, um ihre Geduld und Gehorsamkeit zu erkunden. Gualtieri, der Markgraf von Saluzzo, wird durch die Bitten seiner Vasallen aufgefordert, sich eine Gemahlin zu suchen und für einen Erben zu sorgen. Gualtieri wählt eine arme Schafhirten niedrigen Standes namens Griselda, aufgrund ihres guten Benehmens. Die eigentliche Wahl, ob sie wirklich die geeignete Gattin sei, findet jedoch erst nach der Trauung statt. Zuerst kränkt Gualtieri sie nur mit Worten bezüglich ihrer niedrigen Herkunft, als sie ihm dann eine Tochter gebärt, lässt er diese von der Mutter trennen und gibt vor, dass die Tochter getötet wird, um die Reaktion der Mutter abzuwarten. Sie erweist ihm jedoch in allen Situationen große Ehre, denn sie lehnt sich nicht gegen den Mord der Tochter auf sondern unterwirft sich den Wunsch ihres Mannes. Dann gebärt sie ihm einige Jahre später einen Sohn, doch auch diesen gibt der Markgraf vor zu töten. Darauf lässt er scheinbar das Bündnis der Ehe mit seiner Frau Griselda lösen und lässt sie im bloßem Hemd zu ihrem Elternhaus zurückkehren. Auch diese Wahl des Markgrafen akzeptiert Griselda wortlos und fügt sich seinen Willen. Gualtieri gibt daraufhin bekannt, dass er eine passende Braut gefunden habe, dass Griselda diese fürstlich empfangen und das Haus für die Vermählung vorbereiten solle. Griselda bereitet alles wie gewünscht vor und am Abend der angeblichen Trauung nimmt sie die scheinbar zukünftige Frau Gualtieris in Empfang. Daraufhin gibt der Markgraf bekannt, dass seine angebliche Gemahlin in Wahrheit seine und Griseldas Tochter ist und ihr Bruder ihr eigener Sohn. Gualtieri erklärt Griselda, er habe sie und das Volk belehren wollen, wie eine Frau zu sein habe und wie eine Frau zu behandeln sei. Außerdem wollte er sich eine beständige Ruhe garantieren. Sein Handeln wird von seinen Vasallen als äußerst klug empfunden und begrüßt.

3. Gattungsfrage

Das Decamerone stellt eine zyklisch-strukturierte Novellensammlung aus 100 Novellen dar. Um genauer auf die „Griseldanovelle“ eingehen zu können, muss zunächst einmal die Novelle näher definiert werden. Eine Novelle ist eine kürzere, meist straffer strukturierte, oft auf fast dramatische Zuspitzung auf das Wesentliche reduzierte Form der Prosa. Nach Hugo Aust[4] ist der Ursprung einer Novelle immer ein Gespräch. Dabei ist es nicht zwingend, dass dieses Gespräch als Rahmenhandlung um das eigentliche Geschehen aufgebaut ist, viel mehr ist das Erzählte die eigentlichen Grundlage. Eine Novelle stellt daher Erzählungen mit zeitgenössischen Bezug dar[5]. Zusätzlich ist noch der Rahmen als entscheidendes Element für die Novelle zu nennen. Dadurch wird der Erzähler in das Geschehen integriert dessen Intention zu berücksichtigen ist.

[...]


[1] „Italienische Literaturgeschichte“, hg. v. Volker Kapp, 2., verbesserte Auflage, Stuttgart; Weimar: Metzler Verlag 1994

[2] Vertreter: D.D. Griffith: The Origin of the Griselda Story, Seattle, University of Washington Press, 193; sowie: W.A. Cate: The problem of the Origin of the Griselda Story, in: Studies in Philology, Band 29, 1932; sowie: H.J. Neuschäfer: Boccaccio und der Beginn der Novelle – Strukturen und Kurzerzählungen auf der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit, München, 1969.

[3] Vertreter: G. Martellotti: Momenti narrativi di Petrarca, in: Studi petrarcheschi, 1951. Sowie: R. morabito: La diffusione della storia di Griselda dal XIV al XX secolo.

[4] In: Aust, Hugo: Novelle. Hrsg. Metzler Verlag, Stuttgart- Berlin, 1999.

[5] das beinhaltet schon der Name Novelle vom lateinischem: Novus = neu; Doppelter Deminuitiv (Verkleinerung)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Interpretation zu Boccaccios "Griseldanovelle"
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Boccaccios Decamerone
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V16556
ISBN (eBook)
9783638213790
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Decamerone ist unbestreitbar Boccaccios Hauptwerk in italienischer Sprache und beeinflusst die 'Questione della lingua' maßgeblich.Die vorliegenden Arbeit untersucht die zehnte Novelle des zehnten Tages, Griseldanovelle, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Forschungsansätze.
Schlagworte
Interpretation, Boccaccios, Griseldanovelle, Boccaccios, Decamerone
Arbeit zitieren
Luca Bonsignore (Autor), 2001, Interpretation zu Boccaccios "Griseldanovelle", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16556

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Titel: Interpretation zu Boccaccios "Griseldanovelle"



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