Der Utilitarismus hat es sich zum Prinzip gemacht, alles was für den Menschen nützlich (pleasure) ist zu maximieren, und alles Leid (pain) zu minimieren. Folglich ist das was nützlich ist auch moralisch gut und das was Leid produziert moralisch schlecht. Auf den ersten Blick wirkt dieses Prinzip pragmatisch und ist in der Anwendung einfach. Jedoch können sich Probleme mit solch einem Prinzip ergeben. Ein oft hervorgebrachtes Problem bezieht sich auf fehlende Gerechtigkeitsaspekte im Utilitarismus. So kann beispielsweise ein individuelles Interesse der Mehrheit geopfert werden. Auch kann der Utilitarismus "ungerechte" Verteilungen fördern. Wie der Utilitarismus solche "ungerechten" Verteilungen ermöglicht, wird innerhalb des zweiten Abschnittes dieser Arbeit dargelegt. Darauf aufbauend sollen drei Ideen vorgestellt werden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, jene Problematik zu lösen. Den Anfang macht B. Gesang mit seiner Idee eines humanen Utilitarismus. Darauf wird die Idee von N. Rescher dargestellt. Den Schluss bildet die mathematiklastige Idee von Trapps Gerechtigkeitsutilitarismus. Diese drei Ideen sollen nach ihrer Präsentation dahin- gehend einzeln diskutiert werden, ob letztendlich eine Berücksichtigung von Gerechtigkeitsaspekten erfolgt ist2. Zudem stellt sich die Frage, sofern Gerechtigkeitsaspekte erfolgreich implementiert wurden, ob es sich bei diesen Ideen wirklich noch um eine Form des Utilitarismus handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klassischer Utilitarismus
3. Gesangs humaner Utilitarismus
4. Reschers Effective Average-Konzept
5. Der Trappsche Gerechtigkeitsutilitarismus
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik fehlender Gerechtigkeitsaspekte innerhalb des klassischen Utilitarismus. Ziel ist es, verschiedene theoretische Weiterentwicklungen – den humanen Utilitarismus von B. Gesang, das Effective Average-Konzept von N. Rescher und den Gerechtigkeitsutilitarismus von Trapp – auf ihre Fähigkeit hin zu analysieren, Gerechtigkeit in das utilitaristische Modell zu integrieren und zu prüfen, ob diese Ansätze ihren Charakter als Utilitarismus bewahren.
- Kritische Analyse des klassischen Utilitarismus und seiner Grundpfeiler
- Untersuchung externer Gerechtigkeitspräferenzen bei B. Gesang
- Bewertung des Effective Average-Konzepts von N. Rescher
- Einführung des Drei-Parameter-Modells nach Trapp
- Diskussion über die Vereinbarkeit von Gerechtigkeit und utilitaristischer Logik
Auszug aus dem Buch
3. Gesangs humaner Utilitarismus
Gesang sieht seinen humanen Utilitarismus als eine Variation und somit als eine Unterposition des Utilitarismus an, da er an den drei Grundpfeilern des klassischen Utilitarismus weiterhin festhält. Sein humaner Utilitarismus soll jedoch die schwächen des klassischen Utilitarismus beseitigen. Gesang nennt gleich zwei Argumente gegen die Behauptung, der Utilitarismus beherberge keine Gerechtigkeit und sei nur eine kalte Nutzenrechnung. Einerseits würde das Prinzip des stetig abnehmenden Grenznutzens gegen eine zu einseitige Verteilung der Nutzen, in Form einer Ressourcenverteilung, wirken. So würde genau dieses Prinzip zu einem gewissen Grad bereits „von oben nach unten“ umverteilen und eine beliebige Verteilung ausschließen. Der Grenznutzen gibt den zusätzlichen Nutzengewinn an, der sich durch eine zusätzliche Einheit generiert. So ist der Nutzen beim Essen eines Tellers Sauerkrautes, sofern man starken Hunger leidet, höher als es ein zweiter Teller Sauerkraut. Spätestens ab dem dritten Teller, sobald ein endgültiges Sättigungsgefühl bzw. ein Brechreiz eintritt, ist Schluss mit dem Nutzengewinn. Und genau dieses Prinzip findet sich in einem stetigen, jedoch abnehmenden Grenznutzens wieder. Eine Umverteilung von „oben nach unten“ findet durch Gesang genau dadurch Anwendung, dass jene „oben“ einen geringeren Grenznutzen generieren, als es jene „unten“ tun können. Mit einfachen Worten gesagt, jene „oben“ haben erstens keinen Hunger mehr und zweitens können sie speziell kein Sauerkraut mehr sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass der klassische Utilitarismus aufgrund fehlender Gerechtigkeitsaspekte dazu neigt, individuelle Interessen der Mehrheit zu opfern.
2. Klassischer Utilitarismus: Dieses Kapitel erläutert die Grundpfeiler des klassischen Utilitarismus: Wertmonismus, universelle Glücksmaximierung und Konsequentialismus.
3. Gesangs humaner Utilitarismus: Es wird analysiert, wie Gesang durch externe Präferenzen und ein System von Rationalitätsfiltern Gerechtigkeit in den Utilitarismus integrieren möchte.
4. Reschers Effective Average-Konzept: Reschers mathematischer Ansatz wird vorgestellt, der dem Nutzenmaximierungsprinzip ein Distributionsprinzip zur Berücksichtigung gerechterer Verteilungen beifügt.
5. Der Trappsche Gerechtigkeitsutilitarismus: Das Modell von Trapp wird als Drei-Parameter-Konzept analysiert, das neben dem Nutzen auch Verdienst und Verteilung mathematisch gewichtet.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass während alle Ansätze Gerechtigkeit integrieren, sie dabei den Grundpfeiler des Wertmonismus gefährden und somit ihren Status als reiner Utilitarismus in Frage stellen.
Schlüsselwörter
Utilitarismus, Gerechtigkeit, Nutzenmaximierung, Wertmonismus, Konsequentialismus, externe Präferenzen, Grenznutzen, Effective Average-Konzept, Gerechtigkeitsutilitarismus, Verdienstparameter, Verteilungsparameter, Glücksbilanz, Rationalität, Präferenzutilitarismus, Trapp
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Spannungsfeld zwischen klassischer utilitaristischer Nutzenmaximierung und der Anforderung nach einer gerechten Verteilung gesellschaftlicher Güter.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Zentral sind die kritische Prüfung der klassischen Utilitarismus-Theorie und die Vorstellung moderner Erweiterungen, die versuchen, Gerechtigkeitsaspekte mathematisch oder über Präferenzmodelle einzubauen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Gerechtigkeit in den Utilitarismus integriert werden kann, ohne dass das System seinen spezifisch utilitaristischen Charakter verliert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine systematische Analyse philosophischer Konzepte sowie eine mathematische Herleitung anhand der vorgestellten Formelmodelle (Effective Average und Drei-Parameter-Modell).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Ansätze von Gesang, Rescher und Trapp detailliert dargelegt und deren jeweilige mathematische oder präferenztheoretische Instrumente zur Gerechtigkeitssicherung diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Utilitarismus, Gerechtigkeit, Nutzenmaximierung, Wertmonismus und Präferenztheorie geprägt.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Trapp von dem von Rescher?
Während Rescher ein Zwei-Parameter-Modell nutzt, führt Trapp einen zusätzlichen Verdienstparameter ein, um die gerechte Nutzenverteilung differenzierter zu gewichten.
Was ist das sogenannte „Zähler-Nenner-Problem“?
Es beschreibt eine Schwäche im Rescher-Konzept, bei der eine Minderheit durch das arithmetische Mittel zugunsten der Mehrheit benachteiligt werden kann, was der Autor als "Zähler-Nenner-Problem" klassifiziert.
Ist der Versuch einer Integration von Gerechtigkeit letztlich erfolgreich?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Ansätze Gerechtigkeit zwar implementieren, dabei aber oft den Wertmonismus verletzen, was zu einer Identitätskrise des utilitaristischen Modells führt.
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- Sebastian Schneider (Author), 2010, Die Gerechtigkeit und der Utilitarismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165678