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Skateboarding. Untersuchungen zu einer sportiven Jugendkultur

Title: Skateboarding. Untersuchungen zu einer sportiven Jugendkultur

Examination Thesis , 2001 , 81 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Ralph Kietzke (Author)

Sport - Sport Sociology
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Als ich das erste Mal in Kontakt mit der Jugendkultur Skateboarding kam, wirkte sie auf mich zunächst wild, anarchistisch, bunt, kreativ und vor allem elitär. Ihre Sprache war mir unverständlich und die Inhalte ihrer Aktivitäten erschlossen sich mir nur in einem geringen Maße. Sie stellte eine, durch einen hohen Grad innerer Verbundenheit gekennzeichnete, überschaubare Gruppe dar, die sich von der restlichen Gesellschaft durch ihren Habitus distanzierte. Gerade deswegen übte diese Jugendkultur eine große Faszination auf mich aus. Beeindruckend ist es für mich nach wie vor, wie sich Jugendliche um das Thema Skateboarding eine eigene Lebenswelt erschaffen, in der jenseits eines systematischen Vereinstrainings oder pädagogischen Einwirkens, enorme sportliche Leistungen vollbracht werden. Die Bewegungen der Skater sind ebenso spektakulär wie technisch und motorisch hoch anspruchsvoll.

Durch die spektakuläre Art der Bewegungen und dem, auf Distinktion abzielenden elitären Habitus seiner Akteure, übt Skateboarding eine große Anziehungskraft auch auf Jugendliche aus. Skateboarder gelten als exotische Trendsetter und modische Avantgarde. Dementsprechend werden sie als Imageträger von Werbe- und Bekleidungsfirmen umworben. Dass diese Jugendkultur aber nicht, wie vergleichbare andere, nach einem kurzen Moment des Skandalons, durch gesellschaftliche Vereinnahmung und Vermarktung entschärft wurde um sich daraufhin aufzulösen, verdient besondere Aufmerksamkeit. Es scheint daher nicht möglich, Skateboarding in einen Kontext mit modischen, plötzlich auftauchenden, sich verbreitenden und danach wieder verschwindenden Trendsportarten zu stellen. Skateboarding muss durch seine Verbindung von Sport und jugendkulturellem Ausdruck vielmehr als eine ernst zu nehmende Alternative zum traditionellen Vereinssport gesehen werden, die im Rahmen der Enttraditionalisierung moderner Gesellschaften immer populärer wird.

Insbesondere Sportwissenschaftler und Pädagogen müssen jugendliche Lebenswelten, außerhalb von Schule und Verein, verstehen können, wenn sie adäquat auf die Bedürfnisse ihrer ′Klienten′ reagieren wollen. Die Grundlage jedes Verstehens ist die nähere Beschäftigung mit dem Gegenstand. Dazu soll diese Arbeit einen Beitrag leisten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Einführung in das Thema

1.2 Fragestellung

1.3 Forschungsstand

1.4 Der theoretische Rahmen des Lebensstilkonzepts

1.5 Aufbau der Arbeit

2. Exkurs: Der historische Kontext

2.1 Vorgeschichte

2.2 Die erste kommerzielle Welle (USA: 1959-1963)

2.3 Die zweite Welle (USA: 1973-1980)

2.4 Die erste Skateboardwelle in Deutschland

2.5 Skateboarding in den achtziger Jahren

2.6 Die derzeitige Situation

2.7 Zusammenfassung

3. Methodologie

3.1 Diskussion der Methodenwahl

3.2 Die Praxis der qualitativen Forschung

3.2.1 Die beobachtende Teilnahme

3.2.2 Die qualitative Befragung

3.2.3 Das Skateboard-Magazin als Datenquelle

3.2.4 Der Alltagsdialog als Datenquelle

3.3 Durchführung der eigenen Forschung

4. Die Forschungsergebnisse

5. Auswertung der Forschungsergebnisse

5.1 Aktivitäten und Werthaltungen im Skateboarding

5.1.1 Allgemeine Aktivitäten

5.1.2 Informelle Aktivitäten

5.1.3 Die globale Gemeinschaft

5.2 Die Fotografie

5.3 Der Drogenkonsum

5.4 Affinitäten und Abgrenzungen zu anderen Jugendkulturen

5.5 Die Verteilung der Geschlechtsrollen

5.6 Die sportlichen Aktivitäten

5.6.1 Das Training

5.6.2 Über Konkurrenz und Kooperation

5.6.3 Die Ästhetik

5.6.4 Kreativität, Motivation und Flow

5.6.5 Der Wettkampf

5.7 Die Tricks

5.7.1 Basics

5.7.2 Technische Tricks

5.7.3 Grinds und Slides

5.7.4 Klassifizierung der Tricks

5.8 Die räumliche Dimension der Aktivitäten

5.8.1 Kritik des öffentliche Raums

5.8.2 Die Skatehalle

5.8.3 Jugendkulturelle Konflikte in der Skatehalle

5.9 Sozialstruktur und Hierarchisierung

5.9.1 Kapitalformen im Feld der Skateszene

5.9.2 Die Kernszene

5.9.2.1 Der gesponserte Fahrer

5.9.2.2 Der Fotografierte

5.9.3 Die Randszene

5.9.4 Die Freizeitszene

5.9.5 Die Sympathisanten

5.9.6 Zusammenfassung

6. Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht Skateboarding als eigenständige, sportive Jugendkultur. Das Hauptziel besteht darin, die Lebenswelt der Skateboarder zu erschließen, ihre distinktiven Aktivitäten und Werthaltungen im Rahmen des Lebensstilkonzepts zu verstehen sowie die Bedeutung ihrer subkulturellen Abgrenzung zu analysieren.

  • Die konstruktive Rolle von Aktivitäten und täglichen Routinen innerhalb der Skateszene.
  • Die Bedeutung von Skateboarding als Alternative zum organisierten Vereinssport.
  • Soziale Hierarchien und die Rolle von symbolischem Kapital innerhalb der Szene.
  • Konflikte und Aushandlungsprozesse im öffentlichen urbanen Raum.

Auszug aus dem Buch

5.1.3. Die globale Gemeinschaft

Ein kohärentes Gruppengefühl konstruieren Skater dadurch, dass sie sich als große homogene Familie oder auch als Nation sehen, die über nationalstaatliche Grenzen hinausgeht:

„ Der Trip „nach Neuseeland“ hat außerdem gezeigt, wie geil Skateboarding eigentlich ist. Du fliegst ans andere Ende der Welt und triffst dort Menschen, die auch Skateboard fahren, die dich umsonst wohnen lassen und genauso drauf sind wie du. Halt dieses Family-Ding.“

„Wo auch immer du auf der Welt hinfährst, du lernst immer Skater kennen, kannst bei denen schlafen. Wir sind so eine Art Nation, ...ja „Nation of Skaters“, ...wie Zigeuner oder Juden, die haben ja auch so ein Netzwerk.“

Es konnte eine generelle Offenheit gegenüber anderen Skatern beobachtet werden, die sich nicht an Nationalität, Sprachkenntnissen, ethnischen oder sozialen Unterscheidungsmerkmalen orientiert. Andere Skateboarder werden aufgrund der angenommenen ähnlichen Werthaltung zunächst als Mitglieder der eigenen Lebensstilgruppe wahrgenommen und anhand ihrer Skatefertigkeiten akzeptiert. Skateboarding kann folglich als eine anti-rassistische und anti-nationalistische Jugendkultur beschrieben werden. Rassistisches Verhalten wird in der Szene negativ sanktioniert.

Treffen fremde Skateboarder aufeinander, so kommen sie schnell ins Gespräch, tauschen sich untereinander aus oder fahren gemeinsam eine Session. Da die gemeinsamen Aktivitäten nicht auf Sprache, sondern auf international verständlichen Bewegungen beruhen, stellen unterschiedliche Muttersprachen keine Barrieren dar. Das Gemeinschaftsgefühl wird durch den auf Distinktion beruhenden, elitären Habitus verstärkt. Durch ihr äußeres Erscheinungsbild, beispielsweise durch ihre Kleidung oder das Tragen eines Skateboards, zeigen sich Skateboarder gegenseitig an, dass sie einer Gruppe angehören.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert das Thema, stellt die Forschungsfragen und ordnet das Skateboarding theoretisch in das Lebensstilkonzept ein.

2. Exkurs: Der historische Kontext: Zeichnet die Entwicklung des Skateboards vom Spielzeug zum Sportgerät und die Wellen der Popularität nach.

3. Methodologie: Begründet den Einsatz qualitativer, ethnographischer Methoden zur Erforschung der Binnenstrukturen der Szene.

4. Die Forschungsergebnisse: Listet die Grundlage der empirischen Daten, wie Protokolle und Beobachtungsdokumentationen, auf.

5. Auswertung der Forschungsergebnisse: Analysiert detailliert die Aktivitäten, Werthaltungen, räumliche Dimensionen und die Sozialstruktur innerhalb der Skateboardszene.

6. Ausblick: Reflektiert die Zukunft der Szene im Spannungsfeld zwischen Institutionalisierung und dem Erhalt subkultureller Eigenständigkeit.

Schlüsselwörter

Skateboarding, Jugendkultur, Lebensstil, Sport, Distinktion, Habitus, Bourdieu, urbane Räume, Subkultur, Ethnographie, Soziale Hierarchie, symbolisches Kapital, Streetskaten, Jugendforschung, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Skateboarding als komplexe, sportiv geprägte Jugendkultur und deren soziologische Binnenstruktur.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die täglichen Praktiken der Skater, ihre Abgrenzung gegenüber dem Mainstream und die Bedeutung von Distinktion innerhalb der Szene.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Skateboarding als ernst zu nehmende Lebenswelt zu verstehen, die sich jenseits von Vereinen und traditionellen Sportkonzepten konstruiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden qualitative Methoden der Sozialforschung angewandt, insbesondere die beobachtende Teilnahme, qualitative Interviews und die Analyse von Szenemedien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Aktivitäten (Training, Tricks, Drogenkonsum), die Bedeutung der urbanen Raumaneignung und die hierarchische Struktur (Kern-, Rand-, Freizeitszene).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind unter anderem Distinktion, Habitus, symbolisches Kapital, Jugendkultur, urbane Raumnutzung und soziale Anerkennung.

Wie stehen Skateboarder zur Konkurrenz und zum Wettkampf?

Skateboarder lehnen den klassischen, leistungsorientierten Wettkampfgedanken meist ab und bevorzugen ein „vernetztes Nebeneinander“, bei dem Anerkennung durch persönlichen Stil und nicht durch offiziellen Sieg erzielt wird.

Warum gibt es Konflikte zwischen Skatern und anderen Personen im öffentlichen Raum?

Konflikte entstehen, weil Skater urbane Orte für ihren Sport „umdeuten“ und transformieren, was von der übrigen Öffentlichkeit oft als zweckentfremdend oder als Störung der Ordnung wahrgenommen wird.

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Details

Title
Skateboarding. Untersuchungen zu einer sportiven Jugendkultur
College
University of Hamburg  (Fachbereich Sportwissenschaft)
Grade
1,2
Author
Ralph Kietzke (Author)
Publication Year
2001
Pages
81
Catalog Number
V1656
ISBN (eBook)
9783638110259
Language
German
Tags
Skateboarding Untersuchungen Jugendkultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ralph Kietzke (Author), 2001, Skateboarding. Untersuchungen zu einer sportiven Jugendkultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1656
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