Belastungsgestaltung- und verträglichkeit im Rudersport


Seminararbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Spezifische Belastungen im Rudersport
1.1 allgemeine medizinische Besonderheiten des Ruderns
1.2 Belastung der Atemwege
1.3 Schwielenbildung
1.4 Sehnenscheidenentzündung
1.5 Haltungs- und Bewegungsapparat
1.6 Akute Rückenbeschwerden
1.7 Stressfrakturen von Rippen
1.8 Einklemmungssyndrom der Schulter
1.9 Schmerzsyndrome der Kniescheibe
1.10 Hüftmuskulatur

2. Regeneration
2.1 Zeitlicher Verlauf verschiedener Regenerationsprozesse
2.2 Übertraining
2.3 Training

3. Regenerative Maßnahmen
3.1 Cool Down
3.2 Dehnen
3.3 Regenerations- und Kompensationstraining
3.4 Ernährung
3.5 Ausgleich des Flüssigkeitsdefizites

4. Physikalische und klimatische Maßnahmen
4.1 Massage
4.2 Wärmeanwendungen
4.3 Sauna
4.4 Kälteanwendungen
4.5 Elektrotherapie
4.6 Schlaf
4.7 Autogenes Training / Yoga
4.8 Zusammenfassung der verschiedenen Regenerationsmöglichkeiten

5. Endogene Bedingungen des Kindes- und Jugendalters und Integration in das Rudertraining

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Sportart, die in der folgenden Abhandlung thematisiert wird, ist das Rudern. Um die Frage zur Sicherung der Belastbarkeit im sportlichen Ausbildungspro- zess zu beantworten, wird im ersten Teil dieser Arbeit auf spezifische Belastun- gen des Rudersports eingegangen. Rudern gehört mit Sportarten wie Radfah- ren, Schwimmen, Boxen, Triathlon, um nur einige Beispiele zu nennen, zu den Sportarten mit dem höchsten Trainingsaufwand. Dieser wirdüber die Jahre sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch der Intensität gesteigert.

Um die Belastbarkeit zu sichern, ist einerseits ein sinnvoller, abgestimmter und dem Alter des Athleten angepasster Trainingsplan nötig. Für eine erfolgreiche und langfristige Belastungsgestaltung ist es andererseits auch wichtig, der Regeneration besondere Aufmerksamkeit zu widmen, um ein „Übertraining“ zu vermeiden und eine regelmäßige Trainingsbelastung zu ermöglichen. Daher geht es im zweiten Teil dieser Arbeit um regenerative Aspekte, ohne die ein zielgerichtetes Spitzentraining nicht durchführbar ist.

Im dritten Teil dieser Arbeit wird kurz auf endogene Bedingungen des Kindesund Jugendalters eingegangen werden, die auch für das Rudern gelten. Aufgrund der Komplexität der Thematiken Belastung und Regeneration versteht es sich von selbst, dass diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sonder nur einen Überblick verschaffen kann.

1. Spezifische Belastungen im Rudersport

1.1 Allgemeine medizinische Besonderheiten des Ruderns

„ Rudern ist durch eine Kombination von statischer und dynamischer Muskelarbeit gekennzeichnet. Für einen Ruderschlag braucht man Kraft zum Halten der Körperstabilität und zum Aufbau der Ruderkraft - dies ist eine statische Arbeit - und bewegt im Ruderschlag den gesamten Körper und setzt etwa 80% der Gesamtmuskulatur ein - dies ist eine dynamische Arbeit- . “ 1

Was sind die besonderen Belastungen des Rudersports nach der obigen Charakterisierung?

Die zitierten Autoren des aktuellsten Werkes zum Leistungsrudern geben einige besondere Belastungen des Rudersports an, die im Folgenden skizziert wer- den.

1.2 Belastung der Atemwege

Beim Rudern, insbesondere im Rennrudern, tritt eine erhöhte Atemfrequenz regelmäßig auf, was zunächst kein Problem ist, jedoch schon bei leichten Infekten zur ernsthaften Krankheit werden kann. Vor allem im Winter bei kalter Lufttemperatur ist dies zu beachten. Besonders Asthmatiker müssen dem Umstand der hohen Atemfrequenz Rechnung tragen.2 Ein Einatmen nur durch die Nase zur Erwärmung der Luft vor dem Eintritt in den Hals bzw. in die Lunge ist aufgrund des hohen Minutenatemvolumens nicht realisierbar und deshalb ist Infekten besonders im Winter große Aufmerksamkeit zu widmen. Helfen kann auch eine Maske, wie sie von Rennradfahrern benutzt werden.

1.3 Schwielenbildung

Durch den direkten Kontakt der Hände mit dem Riemen bzw. mit den Skulls entstehen bei jedem Schlag große Zugkräfte, die direktüber die Innenseite der Hand ablaufen. Dabei entstehen bei jedem Ruderer Schwielen und Blasen, die besonders zu Beginn des Wassertraining nach dem Winter beobachtet werden müssen, damit sich hier keine offenen Blasen bilden können, die dann das rohe Fleisch offenlegen.

Daher sollte die Belastung besonders zu Beginn des Wassertrainings langsam gesteigert werden und die Blasen beobachtet werden. Dieüberschüssige Hornhaut sollte mit einem Bimsstein nach jedem Training entfernt werden.3 Sowieso ist die Haut beim Rudern grundsätzlich großen Belastungen ausgesetzt. Die Sonneneinstrahlung geschieht auf dem Wasser völlig ungeschützt und verstärkt sich durch die Spiegelung noch immens. Deshalb ist besonders im Sommer darauf zu achten, nicht zur Mittagszeit auf dem Wasser zu trainieren, immer eine Kopfbedeckung zu tragen, Sonnencremes zu verwenden sowie regelmäßig geeignete Flüssigkeiten zu sich zu nehmen.

1.4 Sehnenscheidentzündung

Durch die Übertragung der abgegebenen Kraft direktüber die Arme und Händeüber die Skulls oder den Riemen ins Wasser kann bei einer falschen Handge- lenkshaltung zu einer Sehenscheidentzündung führen. Dies insbesondere auch, weil die Handgelenke beim Auf- und Abdrehen der Blätter zu 90 Grad angewin- kelt werden. Dieser Belastungsgefahr ist durch eine korrekte Handhaltung am Riemen- oder Skullgriff zu begegnen bzw. durch die adäquate Einstellung des Bootsmaterials.4

1.5 Haltungs- und Bewegungsapparat

Beim Rudern werden bis auf die Brustmuskeln alle Muskeln mehr oder weniger stark an der Bewegung des Ruderschlages beteiligt. Daher müssen alle Ele- mente der Bewegungsschleife trainiert werden, sofern ein Leistungstraining betrieben wird. Daher ist besonders in frühen Trainingsjahren ein allgemeines Athletiktraining mit besonderem Augenmerk auf der Ausbildung der gesamten Rumpfmuskulatur unerlässlich. Wenn jedoch besonders die Rumpfmuskulatur gut ausgeprägt ist, ist Rudern ein sehr gesundheitsfördernder Sport, da es sich um eine Bewegung mit wenig Kraftspitzen handelt wie etwa beim Laufen.

Rudern als typische Kraftausdauersportart fördert Kraft und Kondition gleichermaßen, entwickelt das Koordinations- und Rhythmusempfinden und findetüberwiegend im Freien statt.

Weil der ganze Körper beim Rudern eingesetzt wird, ist auch eine gute Dehnbarkeit aller am Ruderschlag beteiligten Muskeln und Sehnen schon aus prophylaktischen Gründen unerlässlich.

Weiterhin ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor die Bootseinstellung,über die die Härte der Kraftübertragung in weiten Teilen beeinflusst werden kann. Durch die Einführung der sog. „Big Blades“ und steiferen Materialien im Bootsbau seit Beginn der 90iger Jahre haben die biomechanischen Belastungen deutlich zugenommen, was vom Trainer in der Bootseinstellung und bei der Trainingsplanung beachtet werden müssen.5

Was für Probleme können nun bezüglich des Haltungs- und Bewegungsapparats auftreten?

1.6 Akute Rückenbeschwerden

Aus meiner eigenen Erfahrung fallen in diesem Bereich des Haltungs- und Bewegungsapparates die meisten Beschwerden an.

„ Bei passiver Sitzhaltung, bei ungenügender Muskulatur oder bei Ermüdung

können sogenannte Blockierungen in den Zwischenwirbelgelenken der Wirbel- säule ausgelöst werden. (...) Es handelt sich wohl um Verklemmungen in den Gelenken, die dann zu Schmerzen, Verspannungen der Muskulatur und Ver- stärkung des Schmerzes führen. Kleine Stöß e werden vor allem bei Rotation in der Wirbelsäule nicht abgefedert und es kommt zu Blockierungen bzw. dem akuten Schmerzsyndrom. Die leichte Rotation beim „ Eindrehen “ in der Auslage beim Riemenrudern kann solche Blockierungen begünstigen. “ 6

Um Rückenbeschwerden zu begegnen, sollte ein ganzjähriges Gymnastik- und Kräftigungsprogramm der gesamten Bauchmuskulatur im Trainingsplan fest integriert sein. Die Sitzhaltung sollteüberprüft werden sowie die Bootsplatzein- stellung des betroffenen Ruderers. Die Notwendigkeit der adäquaten Hebelein stellung (Länge Riemen / Skulls, Dollenabstand, Innenhebel, Blattgröße) ergibt sich aus dieser Problematik von selbst. Der sog. „Morbus Scheuermann“ tritt bei der Durchschnittsbevölkerung mit einer Häufigkeit von 30% auf. Bei dieser Rückenbeschwerde kommt es zu Einbrüchen von Bandscheibengewebe in die Spongiosa des Wirbelkörpers infolge erhöhter Belastung bei gleichzeitig ver- minderter Widerstandsfähigkeit. Bei einem „Scheuermann“ hilft nur ein Ausset- zen des Rudertrainings und eine krankengymnastische Behandlung durch Fachleute.

1.7 Stressfrakturen von Rippen

„ Diese treten bei ungenügender Stabilität der Thoraxmuskulatur auf, es ist auch möglich, dass direkte wiederholte Traumen durch den Ruderholm solche Frakturen begünstigen. “ 7 Um solche Frakturen zu vermeiden, ist vom Trainer insbesondere auf eine korrekte Rudertechnik als auch Einstellung der Hebel bei Skulls und Riemen zu achten.

1.8 Einklemmungssyndrom der Schulter

„ Excessive movement of the head of the humerus (upper arm bone). This pinches the rotator cuff or ist bursa between the head of the humerus and the overlying bone, the acromion, or the coracoacromial ligament. The looser the shoulder, the weaker the muscles, the farther forward the scapula is carried, and the more likely it is to occur. “ 8

Hierbei handelt es sich um ein Einklemmungssyndrom der Schulter bzw. der schulterführenden Muskulatur. Hier können Gymnastik und Lockerungsübungen helfen und auch bei dieser Problematik ist die Bootseinstellung zuüberprüfen, insbesondere der Dollenabstand.

1.9 Schmerzsyndrome der Kniescheibe: Patellaspitzensyndrom

„Diese Erkrankungen treten auf zum einen im Jugendalter beim Krafttraining, vor allem durch die Belastungssteigerung bei noch nicht stabilem Bindegewebe, zum anderen als chronische Überlastungsschäden im Kniebereich bei ungenügender Stabilität oder mechanischer Überlastung.“9

Durch den spitzen Kniewinkel in der Auslage beim Rudern können solche Reizungen auftreten. Wichtig ist auch hier eine regelmäßige Gymnastik und Dehnung, als sinnvoller Ausgleich und zur Stärkung der das Knie umgebenden Muskulatur bietet sich das Rennradfahren an.

1.10 Hüftmuskulatur

„Pressure on the buttocks, occasionally because the steering foot angle is to great.“10

Hier wird die Verdrehung der Hüfte beim Steuern durch den Fuss angespro chen. Problemen dieser Art kann durch ein Sitzkissen und eine exakte Einstellung des Fusssteuers begegnet werden.

2. Regeneration

In diesem zweiten Teil der Arbeit wird auf allgemeine regenerative Maßnahmen eingegangen, die zur Belastungssicherung je nach Bedarf und individueller Einstellung der Athleten einzusetzen sind.

Unter Regeneration wird die Wiederherstellung eines physiologischen Gleich- gewichts nach körperlicher Belastung verstanden. Regeneration hat somit im- mer auch einen vorsorgenden Charakter. Ein kontinuierliches Training im Lei- stungs- und Hochleistungssport ist jedoch unmöglich, wenn die nächste Trai- ningseinheit ausschließlich mit einem in sämtlichen Strukturen erholten Körper durchführt werden soll.

Entsprechende Bedeutung kommt der Strukturierung des Trainingsplans, der Berücksichtigung von Regenrationszeiten sowie von gezielten Regenerations- maßnahmen zu, da sonst das Schreckgespenst „Übertraining“ droht. Wenn die Regeneration noch nicht vollständig abgeschlossen ist, sollten die folgenden Trainingseinheiten- und Inhalte regenerativen Charakter haben. Fälschlich ist die Annahme, durch eine komplette Pause am besten regenerie- ren zu können.

[...]


1 Altenburg, Mattes, Steinacker: „Handbuch Rudertraining“, Wiebelsheim 2008, S. 147, eine ausführliche Darstellung der spezifischen möglichen Belastungen im Rudersport findet sich auch in Nolte: „Rowing Faster“ im Kapitel 4, „Managing Rower’s Medical Concerns“

2 Altenburg, Mattes, Steinacker, S. 149ff.

3 Altenburg, Mattes, Steinacker, S. 154

4 Altenburg, Mattes, Steinacker, S. 152

5 Altenburg, Mattes, Steinacker, S. 151

6 Altenburg, Mattes, Steinacker, S.153

7 Altenburg, Mattes, Steinacker, S.153

8 Backus, Karlson, in:“Rowing Faster“, Champaign, 2005, S. 37

9 Altenburg, Mattes, Steinacker, S.153, s.a.: Backus, Karlson, S. 41

10 Backus, Karlson, S. 40

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Belastungsgestaltung- und verträglichkeit im Rudersport
Hochschule
SRH Hochschule für Gesundheit Gera  (Hochschule für Gesundheit & Sport Berlin)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V165811
ISBN (eBook)
9783640816439
ISBN (Buch)
9783640816064
Dateigröße
2956 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
belastungsgestaltung-, rudersport, Belastungsverträglichkeit im Rudern
Arbeit zitieren
Johan Kegler (Autor), 2010, Belastungsgestaltung- und verträglichkeit im Rudersport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165811

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