Die Geschichte des Krafttrainings. Von antiken Ursprüngen zum modernen Kraftsport


Essay, 2009
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Ursprünge des Krafttrainings

3. Krafttraining als Bildung und Wehrertüchtigung

4. Krafttraining nach dem 2. Weltkrieg

5. Der Aufstieg des professionellen Kraftsports

6. Der Aufstieg des Bodybuildings

7. Die Leistungsexplosion im Kraftsport

8. Die Bedeutung des Krafttrainings für andere Sportarten

9. Krafttraining im „Jedermann-Bereich“

Bibliographie:

1. Einleitung

Das Krafttraining hat eine 4.000 Jahre alte Tradition, auch wenn sich die unterschiedlichen Formen und Arten des Trainings erheblich voneinander unterscheiden und im Laufe der Jahrhunderte enorm verändert haben. Das trainingswissenschaftlich begründete und damit wissenschaftlich erforschte Krafttraining ist jedoch erst zirka 50 Jahre alt. Davor praktiziertes Krafttraining war also im Prinzip nur ein Vorläufer der heute bekannten Ausprägung des Krafttrainings.

Die Gründe für die Veränderungen des Krafttrainings sowie auch des Sportverhaltens im Allgemeinen sind gesellschaftlicher, politischer, wirtschaftlicher und politischer Natur. Beispielsweise hat die zunehmende Technisierung des Alltags, die dem Menschen immer mehr eigenständige Tätigkeiten abnimmt, zu immer mehr Bewegungsarmut und daraus entstandenen Haltungsschäden geführt. Krafttraining wurde somit also nicht nur zu einem Fitnesstrend, der sich in den steigenden Neugründungen und steigenden Umsätzen bei Fitnessstudios widerspiegelt, sondern in der verstärkten Nachfrage nach Krafttraining als Rehamaßnahme. Auch im Leistungssport spielte das Krafttraining in den letzten Jahrzehnten eine immer größere Rolle. Dies bezieht sich nicht etwa nur auf erhebliche Leistungssteigerungen in Kraftsportarten und im Bodybuilding, sondern auch der Tatsache, dass der Einsatz von Krafttraining auch immer mehr nicht kraftfokussierte Sportarten puschte. Auch die Arten von Krafttraining sind in den letzten Jahrzehnten nicht nur spezieller, sondern auch weitreichender geworden, sodass immer mehr alternative Krafttrainingsarten entstanden sind. Doch Krafttraining bezieht sich nicht nur auf willentlich durchgeführte Übungen, die auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten, sondern können natürlich auch unbewusst und ziellos im Alltag vollzogen werden. Das tägliche Tragen von Einkaufstaschen oder die Arbeit eines Möbelpackers sind Beispiele hierfür. Diese Hausarbeit zeigt die Geschichte sämtlicher Formen des Krafttrainings auf. Sie beschreibt die Entwicklung der Bedeutung des Krafttrainings und thematisiert die unterschiedlichen Krafttrainings-Ausprägungen des vergangenen Jahrhunderts, die sich sowohl auf den Leistungssport, als auch auf den „Jedermann-Bereich“ beziehen.

Die Kraft wird im Allgemeinen mit Energie, Vermögen, Macht sowie der Fähigkeit, zu wirken definiert. In der physikalischen Definition gilt die Kraft F als das Ergebnis aus der Multiplikation von der Masse m und der Beschleunigung a, was als „Newtonsches Gesetzt“ bezeichnet wird. In den Sportwissenschaften gilt die Kraft als die Fähigkeit des neuromuskulären Systems, Widerstände zu überwinden, ihnen entgegen zu wirken oder sie zu halten. Das Training wird in den Sportwissenschaften als systematisch geplanter, pädagogisch fundierter und methodisch zielgerichteter Handlungsverlauf zur Steigerung und Optimierung sportlicher Leistungen definiert. Unter Krafttraining versteht man ein Training, welches den Schwerpunkt auf die Erhöhung der Körperkraft und die Zunahme an Muskelmasse legt.

2. Die Ursprünge des Krafttrainings

Die Vorläufer des heutigen Krafttrainings stammen aus dem antiken Griechenland. Die Griechen praktizierten bereits in der Antike Arten des Krafttrainings sowie auch Bodybuilding, was der Überlieferung nach sogar schon im Jahr 2.000 vor Christus getätigt wurde. Diese Krafttrainingsformen waren natürlich nicht trainingswissenschaftlich und medizinisch begründet, doch hob man auch damals bereits Steine hoch oder kämpfte gegen große Tiere, um stärker zu werden. Der Hauptgrund des damaligen Trainings war die Verbesserung der Kampffähigkeit im Kriegsfall. Das Wissen der Trainierbarkeit der Muskeln ist also bereits vor rund 4.000 Jahren vorhanden gewesen.

In China hat das Krafttraining in Form des traditionellen „Qigong“ große Tradition. Bereits im Jahr 500 vor Christus entwickelte man diese antike Form des Krafttrainings, um das Volk geistig und körperlich gleichermaßen zu stärken. Diese Krafttrainingsart hat sich in Asien bis heute gehalten und wird auch heute noch von Millionen von Menschen praktiziert. Die „Qigong-Energie“ stellt laut Definition die Basis der Kraft dar, die den Körper agieren lässt und sagt, dass nur diejenigen, die ihre Kraft und Energie im Körper in Einklang bringen kann, imstande sein könnten, das „Qigong“ zu beherrschen. Beispielsweise existiert die Sage, dass der Grieche Milon von Kroton bereits als Kind ein junges Kalb hochgehoben hat und durch ständiges Wiederholen dieser Tätigkeit auch noch im Erwachsenenalter in der Lage war, ein ausgewachsenes Kalb hochzuheben. Milon wurde später Ringkämpfer und galt damals als der stärkste Mensch der Welt. Der erste anerkannte Sportarzt der Welt, der auch die Wirkung von Krafttraining erstmals grob untersuchte, war der Grieche Galenos von Pergamon, der von 129 bis 216 nach Christus gelebt hat.

In den darauf folgenden Jahrhunderten ging die von den Griechen entdeckte Form der Kraftsteigerung wie so viele Kulturgüter jedoch verloren. Erst in Bezug auf die ritterlichen Turniere des Mittelalters ab dem Jahr 1200, bei denen es um großen Ruhm, Ehre, sozialen Aufstieg und wertvolle Preise ging, spielte das Krafttraining wieder eine Rolle, indem man sich durch das Hochheben von Gegenständen für den Kampf stärkte. Auch im Hinblick auf die Stärkung der Militärkraft nutzte man ab dem Jahr 1400 das Krafttraining. Dieses Training fand allerdings immer nur sporadisch und vereinzelt statt und wurde nicht dauerhaft und intensiv praktiziert. Der flämische Anatom Andreas Vesalius, der von 1514 bis 1564 lebte, machte erstmals wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung von Krafttraining, indem er Muskeln sezierte und mikroskopierte. Er gilt daher als der Begründer der neuzeitlichen Anatomie und war Leibarzt von Karl V. sowie von Phillip II. von Spanien.

3. Krafttraining als Bildung und Wehrertüchtigung

Für das Krafttraining als Bildung und Wehrertüchtigung waren die Deutschen Johann Gutsmuths und Friedrich Ludwig Jahn Ende des 18. Jahrhunderts Vorreiter. In dieser Zeit wurde das Krafttraining in Deutschland zu einem erzieherischen Gut. Das Training fand in Form von Ringen und Gewichtheben statt. Ein entscheidender Punkt der Kraftstärkung war die Stärkung der deutschen Soldaten. Ziel war somit die Verbesserung der Wehrertüchtigung, was vor allem im Hinblick auf den deutsch-französischen Krieg zu Beginn des 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung war. Man wollte die jungen Menschen somit kriegstauglicher und kampffähiger machen, um auf einen möglichen Krieg mit Frankreich vorbereitet zu sein. Diese Überlegungen spielten auch in den kommenden Jahrzehnten bis hin zum Imperialismus sowie den beiden Weltkriegen eine große Rolle. Somit wurde das Krafttraining ab 1933 auch von den Nationalsozialisten zur Stärkung der Soldaten aufgegriffen und intensiv zur Verbesserung der Kampffähigkeit eingesetzt.

Hingegen war das Krafttraining in den USA bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Bestandteil eines Fitnessgedanken. Es wurde mit dem Hintergrund der Gesundheits- und Fitnesszielsetzung praktiziert. Allerdings hatte das Krafttraining damals gegenüber heutigen Verhältnissen eher ein Schattendasein, sodass die Krafttrainierenden Ausnahmen waren und damals als Exoten bezeichnet wurden.

4. Krafttraining nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg spielte das Krafttraining eine zunehmende Rolle. Der Aufstieg des Krafttrainings begann, sodass es erstmals gesellschafts- und salonfähig wurde. Diese Entwicklung ging mit dem Aufstieg des gesamten Sports einher. Die Weltkriege waren vorbei und den Menschen ging es zunehmend besser. Mit dem Wegfallen sozialer Probleme und dem Anstieg der Lebensqualität gewann der Sport und damit auch das Krafttraining immer mehr an Bedeutung. Auch der Leistungssport spielte eine immer größere Rolle, was vor allem ab den 70er Jahren festzustellen war. Des Weiteren wurde auch die Rekordlust in der Gesellschaft immer ausgeprägter, sodass sich der Wettsport immer größerer Bedeutung erfreute. Die Menschen trieben nicht nur selber immer mehr Sport, sondern konsumierten auch zunehmend mehr Sport in der Rolle des mitfiebernden Zuschauers. Darüber hinaus spielte der Fitnessgedanke eine immer größer werdende Rolle, weil das Körperbewusstsein bei den Menschen immer größere Bedeutung einnahm. Das Fitnessbewusstsein fand zunehmenden Einzug in die Gesellschaft, sodass Fitness immer mehr zur Mode wurde. Die Zahl der Krafttrainierenden stieg ab dem Jahr 1950 enorm an, wobei die Meisten von ihnen ambitionierte Sportler waren, die im Kraftsport oder Bodybuilding aktiv waren. Das Krafttraining im „Jedermann-Bereich“, also das nicht leistungsorientierte Training, setzte sich hingegen erst ab den 80er Jahren durch.

5. Der Aufstieg des professionellen Kraftsports

Im Zuge des zunehmenden Krafttrainings entwickelte sich ebenso der Kraftsport. Das Gewichtheben war die erste anerkannte und mit Regeln festgelegte Kraftsportart und entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Italiener Alfred Pallavicini hob 1880 als erster Mensch 100 kg und sorgte damit weltweit für großes Aufsehen. Im Jahr 1891 fand schließlich die erste Gewichtheber-Weltmeisterschaft statt und auch bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 gab es zwei Gewichtheber-Wettbewerbe. Damals wurden die Besten beim einarmigen sowie beim beidarmigen Heben ermittelt, wobei die Sieger 71 beziehungsweise 111,5 Kilogramm hoch hoben. Damals gab es entgegen der heutigen Meisterschaften nur eine einzige Gewichtsklasse.

Im Jahr 1920 wurde die „International Weightlifting Federation“ (IWF) gegründet. Im gleichen Jahr unterschied man beim Gewichtheben erstmals zwischen Reißen und Stoßen und unterteilte die Athleten darüber hinaus in acht unterschiedliche Gewichtsklassen. Der Aufstieg des Kraftsports fand in den 60er und 70er Jahren seinen Höhepunkt, als weltweit und deutschlandweit eine riesige Anzahl an Kraftsport-Verbänden und -Vereinen gegründet wurde. Bessere Trainingsmethoden, bessere Geräte sowie die Entwicklung von legalen Kraftpräparaten wie zum Beispiel Kreatin, machten den Kraftsport immer professioneller. In den 60er Jahren entstand zudem der Kraft-Dreikampf, der international auch als „Powerlifting“ bezeichnet wird. Darüber hinaus wurden zahlreiche neue Kraftwettbewerbe ins Leben gerufen. Die bekannteste Kraftsport-Serie wurden die „Strongman-Wettbewerbe“, die Ende der 80er Jahre entstanden.

Im Zuge dieser Entwicklung konnte der Kraftsport seit den 80er Jahren von immer mehr Sponsoring profitieren, wodurch der Sport immer mehr gepuscht wurde und die Preisgelder der Athleten erheblich anstiegen. Augrund der höheren Verdienstmöglichkeiten stieg das Leistungsniveau in den darauf folgenden Jahren zunehmend an. Im Jahr 1988 hob der Türke Naim Süleymanoglu als erster Mensch sein dreifaches Körpergewicht hoch. Im Zuge der Professionalisierung sowie des medizinischen Fortschritts wuchs ab den 80er Jahren jedoch auch die Dopingproblematik erheblich. Da immer mehr und immer wirkungsvollere Kraftpräparate, wie beispielsweise Anabolika oder Wachstumshormone, entwickelt wurden, stieg die Zahl der Dopingvergehen drastisch an. Auch der Kraftsport für Frauen wurde seit den 90er Jahren zunehmend salonfähig, sodass auch für Frauen immer mehr Wettbewerbe ins Leben gerufen wurden. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney fand das Gewichtheben erstmals für Frauen statt.

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte des Krafttrainings. Von antiken Ursprüngen zum modernen Kraftsport
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V165855
ISBN (eBook)
9783668384941
ISBN (Buch)
9783668384958
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichte, krafttrainings, ursprüngen, kraftsport
Arbeit zitieren
Master of Arts Christian Werth (Autor), 2009, Die Geschichte des Krafttrainings. Von antiken Ursprüngen zum modernen Kraftsport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165855

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