Die fortschreitende Digitalisierung transformiert traditionelle Geschäftsmodelle und Branchen weltweit in einem nie dagewesenen Tempo. Insbesondere für die mittelständische Steuer- und Unternehmensberatung eröffnet dieser Wandel sowohl Herausforderungen als auch Chancen. In diesem Zusammenhang zielt die vorliegende Hausarbeit darauf ab, den aktuellen Entwicklungsstand der Digitalisierung in diesen Bereichen zu beleuchten und Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen.
Um das zuvor beschriebene Ziel der Arbeit zu erreichen, wird zunächst im ersten Teil der theoretische Bezugsrahmen abgesteckt, der die Grundlage für das Verständnis der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), speziell in Steuerkanzleien und Unternehmensberatungen, bildet. Dabei werden die spezifischen Merkmale des mittelständischen Sektors, die Berufsfelder der Steuer- und Unternehmensberater sowie die Rolle der Digitalisierung innerhalb dieser Kontexte detailliert dargestellt.
Der Hauptteil der Arbeit widmet sich dem aktuellen Entwicklungsstand der Digitalisierung in der Steuer- und Unternehmensberatung. Dabei wird untersucht, wie digitale Technologien bereits heute in den Bereichen wie beispielsweise in der Unternehmensberatung und -analyse, Rechnungswesen, Betriebsprüfung, Steuererklärung und Kanzleimanagement Anwendung finden und wie die Geschäftsmodelle der beiden Branchen zunehmend digitalisiert werden. Zudem werden Praxisbeispiele herangezogen, um die theoretischen Ausführungen zu veranschaulichen.
Im darauffolgenden Abschnitt werden die Perspektiven und zukünftigen Entwicklungen der Digitalisierung in beiden Bereichen erörtert. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf innovativen Technologien und Dienstleistungen, die Potenzial für eine weitere Transformation des Beratungsmarktes bieten. Es wird diskutiert, wie Automatisierung, Globalisierung und virtuelle Zusammenarbeit die Branche prägen und welche neuen Geschäftsfelder und Beratungsansätze sich daraus ergeben könnten.
Abschließend bietet die Arbeit eine kritische Reflexion über die gewonnenen Erkenntnisse und wirft einen Blick in die Zukunft der mittelständischen Steuer- und Unternehmensberatung in der digitalen Ära. Durch die Szenario-Analyse werden mögliche Entwicklungswege aufgezeigt und bewertet, um ein umfassendes Verständnis für die Dynamik und die treibenden Kräfte der Digitalisierung in diesem Sektor zu entwickeln.
Inhaltsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Theoretischer Bezugsrahmen
- 2.1 Kleine und mittlere Unternehmen
- 2.1.1 Mittelständische Steuerkanzlei
- 2.1.2 Mittelständische Unternehmensberatung
- 2.2 Berufsfeld Steuerberater
- 2.2.1 Geschäftsmodell des Steuerberaters
- 2.2.2 Umsatzstruktur
- 2.2.3 Steuerberatung 4.0
- 2.3 Berufsfeld Unternehmensberater
- 2.3.1 Geschäftsmodell des Unternehmensberaters
- 2.3.2 Consulting 4.0
- 2.4 Digitalisierung
- 2.4.1 Big Data Analytics
- 2.4.2 Künstliche Intelligenz
- 2.4.3 Cloud-Computing
- 2.4.4 Machine Learning
- 2.4.5 Process Mining
- 2.1 Kleine und mittlere Unternehmen
- 3 Entwicklungsstand der Digitalisierung in der Steuerberatung
- 3.1 Digitales Rechnungswesen
- 3.1.1 Digitale Rechnungen (PDF, EDI, X-Rechnung)
- 3.1.2 Elektronische Bilanz (Jahresabschluss)
- 3.1.3 Cloud-Dienste
- 3.2 Digitale Betriebsprüfung (GDPdU)
- 3.3 Digitale Steuerklärung
- 3.4 Digitales Kanzleimanagement
- 3.4.1 Informationsaustausch und Kommunikationsformen
- 3.4.2 Marketing
- 3.4.3 Dokumentenmanagementsystem
- 3.4.4 IT-System
- 3.5 Praxisbeispiel
- 3.1 Digitales Rechnungswesen
- 4 Entwicklungsstand der Digitalisierung in der Unternehmensberatung
- 4.1 Digitalisierung von Beratungsprozessen
- 4.2 Digitalisierung von Beratungwissen
- 4.3 Digitale Geschäftsmodelle
- 4.3.1 Peer2Peer-Beratung
- 4.3.2 Freelancer-Beratung
- 4.3.3 Crowd-Beratung
- 4.4 Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen
- 4.4.1 Self-Service Consulting
- 4.4.2 Algorithmic Consulting
- 4.4.3 eConsulting Stores
- 4.5 Digitale Beratungsleistungen
- 4.5.1 IT- und Technologieberatung
- 4.5.2 Digitale Tools
- 4.6 Praxisbeispiel
- 5 Perspektiven der Digitalisierung in der Steuerberatung
- 5.1 Finanzbuchhaltung
- 5.1.1 Mobile Buchhaltung
- 5.1.2 Autonome Buchhaltung
- 5.1.3 Real-Time-Reporting
- 5.2 Neue Geschäftsfelder
- 5.2.1 DS-GVO-Beratung
- 5.2.2 Digitalisierungsberatung
- 5.3 Chatbots
- 5.4 Neue Personalstruktur
- 5.1 Finanzbuchhaltung
- 6 Perspektiven der Digitalisierung in der Unternehmensberatung
- 6.1 Automatisierung in der Datenanalyse
- 6.2 Globalisierung und virtuelle Zusammenarbeit
- 6.3 Erweiterte Dienstleistungsangebote
- 6.4 Innovationen und Differenzierung
- 6.5 Nachhaltigkeit und Remotearbeit
- 6.6 Cybersecurity und Risikomanagement
- 7 Blick in die Zukunft (Szenario-Analyse)
- 7.1 Problemstellung
- 7.2 Treiber
- 7.2.1 Technologisch
- 7.2.2 Wirtschaftlich
- 7.2.3 Regulatorisch
- 7.2.4 Sozial und gesellschaftlich
- 7.3 Einfluss
- 7.3.1 Technologisch
- 7.3.2 Wirtschaftlich
- 7.3.3 Regulatorisch
- 7.3.4 Sozial und gesellschaftlich
- 7.4 Mögliche Szenarien
- 7.4.1 Die digitale Integration
- 7.4.2 Spezialisierung und Segmentierung
- 7.4.3 Der ethisch-nachhaltige Berater
- 7.4.4 Der hyper-vernetzte Berater
- 7.5 Bewertung der möglichen Szenarien
- 8 Kritische Reflektion
- 9 Schlussteil
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den aktuellen Entwicklungsstand der Digitalisierung in der mittelständischen Steuer- und Unternehmensberatung zu beleuchten und zukünftige Perspektiven aufzuzeigen. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie die fortschreitende Digitalisierung diese Branchen transformiert und welche Chancen und Herausforderungen sich daraus ergeben.
- Analyse des theoretischen Bezugsrahmens für Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Bereich Steuer- und Unternehmensberatung.
- Erfassung des aktuellen Stands digitaler Technologien und deren Anwendung in Bereichen wie Rechnungswesen, Betriebsprüfung und Kanzleimanagement.
- Erörterung zukünftiger Entwicklungen, innovativer Technologien und Dienstleistungen im Beratungsmarkt, einschließlich Automatisierung und virtueller Zusammenarbeit.
- Kritische Reflexion der gewonnenen Erkenntnisse und Entwicklung von Zukunftsszenarien für die Branche in der digitalen Ära.
Auszug aus dem Buch
3.4.3 Dokumentenmanagementsystem
Das digitale Dokumentenmanagementsystem (DMS) hat die herkömmliche papierpasierte Dokumentenablage in einer Steuerkanzlei revolutioniert, indem Dokumente nun ordnungsgemäß digital aufbewahrt werden können. Das Ziel des DMS besteht darin, Dokumente schnell und von überall auslesen zu können. Dieses umfasst sämtliche im Geschäftsbetrieb verwendete Dokumente wie beispielsweise Korrespondenz, Steuerbescheide oder Abschlüsse. Zusätzlich wird jedes Dokument lediglich einmal physisch gespeichert, steht jedoch vielen Nutzern gleichzeitig zur Verfügung.66
Das DMS wird seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt, wodurch die Risiken gut bekannt sind und äußerst effizient kontrolliert werden können. Einige der Risiken beinhalten, dass die Zugriffsmöglichkeit auf die Dokumente von der Technik und der Verfügbarkeit der Anwendung abhängt. Zudem regelt insbesondere § 145 Abs. 1 AO sowie § 238 Handelsgesetzbuch im Rahmen der Grundsätze zur ordnungsmäßigen Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD)67, dass der Prüfer in der Lage sein muss, sich „innerhalb angemessener Zeit“ einen vollständigen Blick in die Buchführung verschaffen zu können. Zudem bedarf es umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen, um die digitalen Dokumente vor Zerstörung oder Diebstahl zu schützen. Digitale Datenbestände, insbesondere wenn sie auf begrenztem Raum untergebracht sind, bergen ein erhöhtes Risiko für Diebstahl oder Missbrauch. Daher sind in diesem Zusammenhang spezielle Schutzmaßnahmen notwendig, wie beispielsweise die Verschlüsselung wichtiger buchhalterischer Dokumente.68
Diese Schutzmaßnahmen sind mit Kosten verbunden und erfordern Zeit für die regelmäßige Entschlüsselung im operativen Tagesgeschäft. Hinzu kommt, dass die Kosten für kleine DMS sind Verhältnis zum Nutzen höher sind im Vergleich zu Systemen, die große Dokumentenmengen verwalten. Die Kosten für kleine DMS in kleinen Buchhaltungen verteilen sich auf weniger Vorteile, insbesondere wenn individuelle Schnittstellen oder die Integration in ein Enterprise Resource Planning System teuer sind und nur wenige Nutzer davon profitieren können. Die Anwendung zur Verwaltung der Dokumente ist k zudem komplex und technisch anspruchsvoll, erfordert laufende technische Betreuung und verursacht Kosten, um Sicherheit und die Einhaltung rechtlicher Vorschriften zu gewährleisten.69
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Forschungsfrage nach dem Entwicklungsstand und den Perspektiven der Digitalisierung in der mittelständischen Steuer- und Unternehmensberatung vor und skizziert den Aufbau der Arbeit.
2 Theoretischer Bezugsrahmen: Dieses Kapitel definiert kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie die Berufsfelder von Steuer- und Unternehmensberatern und erläutert relevante digitale Technologien wie Big Data, KI und Cloud-Computing.
3 Entwicklungsstand der Digitalisierung in der Steuerberatung: Dieses Kapitel beschreibt die aktuelle Anwendung digitaler Technologien im Rechnungswesen, bei Betriebsprüfungen, Steuererklärungen und im Kanzleimanagement, einschließlich Praxisbeispielen.
4 Entwicklungsstand der Digitalisierung in der Unternehmensberatung: Dieses Kapitel zeigt die Auswirkungen der Digitalisierung auf Beratungsprozesse, Beraterwissen, Geschäftsmodelle und -leistungen, unter anderem durch neue Ansätze wie Peer2Peer- und Algorithmic Consulting.
5 Perspektiven der Digitalisierung in der Steuerberatung: Dieses Kapitel beleuchtet zukünftige Entwicklungen wie mobile und autonome Buchhaltung, Real-Time-Reporting, neue Geschäftsfelder wie DS-GVO-Beratung und die Veränderung der Personalstruktur.
6 Perspektiven der Digitalisierung in der Unternehmensberatung: Dieses Kapitel erörtert die Automatisierung der Datenanalyse, Globalisierung, erweiterte Dienstleistungsangebote, Innovations- und Differenzierungsmöglichkeiten sowie Cybersecurity im Kontext der Digitalisierung.
7 Blick in die Zukunft (Szenario-Analyse): Dieses Kapitel untersucht technologische, wirtschaftliche, regulatorische und soziale Treiber der Digitalisierung und entwirft vier Zukunftsszenarien für die Beratungsbranche.
8 Kritische Reflektion: Dieses Kapitel führt eine kritische Auseinandersetzung mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in der mittelständischen Steuer- und Unternehmensberatung durch.
9 Schlussteil: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit kontinuierlicher Anpassung an die digitale Transformation.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Steuerberatung, Unternehmensberatung, KMU, Künstliche Intelligenz (KI), Big Data Analytics, Cloud-Computing, Automatisierung, Geschäftsmodelle, Datenschutz (DS-GVO), Kanzleimanagement, Szenario-Analyse, Remotearbeit, Cybersecurity, Prozessoptimierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den aktuellen Stand und zukünftige Perspektiven der Digitalisierung in der mittelständischen Steuer- und Unternehmensberatung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die theoretischen Grundlagen der Digitalisierung für KMU, den Entwicklungsstand in Steuer- und Unternehmensberatung, zukünftige Digitalisierungsperspektiven und eine Szenario-Analyse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den aktuellen Entwicklungsstand der Digitalisierung in der mittelständischen Steuer- und Unternehmensberatung zu beleuchten und daraus resultierende Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Analyse des theoretischen Bezugsrahmens, der aktuellen Entwicklungsstände und einer Szenario-Analyse zur Erörterung zukünftiger Entwicklungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den aktuellen Entwicklungsstand der Digitalisierung in der Steuer- und Unternehmensberatung, einschließlich der Anwendung digitaler Technologien in Rechnungswesen, Betriebsprüfung, Steuererklärung und Kanzleimanagement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Digitalisierung, Steuerberatung, Unternehmensberatung, KMU, KI, Big Data, Cloud-Computing, Automatisierung, Geschäftsmodelle, Datenschutz, Kanzleimanagement, Szenario-Analyse, Remotearbeit, Cybersecurity und Prozessoptimierung charakterisiert.
Welche spezifischen digitalen Geschäftsmodelle werden für die Unternehmensberatung vorgestellt?
Es werden Modelle wie Peer2Peer-Beratung, Freelancer-Beratung, Crowd-Beratung sowie Self-Service und Algorithmic Consulting als digitale Geschäftsmodelle diskutiert.
Wie beeinflusst die autonome Buchhaltung die Personalstruktur in Steuerkanzleien?
Die autonome Buchhaltung wird voraussichtlich zu einem geringeren Bedarf an Steuerfachangestellten ohne Zusatzqualifikation führen, während Wirtschaftswissenschafter und IT-affine Fachkräfte an Bedeutung gewinnen.
Welche Rolle spielt Process Mining im Beratungsprozess?
Process Mining wird als wertvolles Instrument in der Analyse- und Problemlösungsphase des Beratungsprozesses eingesetzt, um Ist-Prozesse zu modellieren, Engpässe zu identifizieren und Prozessoptimierungen vorzunehmen.
Welche Herausforderungen sind mit der Digitalisierung für Steuerkanzleien verbunden?
Herausforderungen umfassen hohe Investitionen in IT-Strukturen, der Mangel an IT-Know-how beim Personal, die steigende Komplexität von Cybersecurity und Datenschutz sowie die Gefahr einer Entpersonalisierung der Kundenbeziehung.
- Arbeit zitieren
- Alex Czycholl (Autor:in), 2024, Entwicklungsstand und Perspektiven der Digitalisierung in der mittelständischen Steuer- und Unternehmensberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1659339