Das Ziel dieser Arbeit ist im ersten Schritt die nähere Bestimmung des jeweiligen Standpunkts zur Leben-Jesu-Forschung und den christologischen Begriffen des "historischen Jesus" und "geschichtlichen Christus", welche essentiell für das jeweilige Verständnis für die Entstehung, den Grund und den Inhalt des Glaubens von Kähler und Herrmann sind. Grundlage hierfür sollen die beiden bereits genannten Arbeiten von Kähler und Herrmann sein. Im zweiten Schritt werde ich dann die Standpunkte beider Theologen miteinander vergleichen, um ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen. Letztlich erfolgt in einem dritten Schritt die Rezeption dieser Standpunkte der beiden Theologen in der evangelischen Theologie und einer Eingliederung in die neuere Zeit. Beginnen möchte ich mit dem Vortrag Kählers, da Herrmann in seinem Aufsatz auf ihn Bezug nimmt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Martin Kähler - "Der sogenannte historische Jesus und der geschichtliche, biblische Christus"
- Vorwort
- Das Bekenntnis Kählers
- Stellung zur Leben-Jesu-Forschung und dem Begriff "historischer Jesus"
- Vorstellung von den Begriffen "geschichtlicher Christus" und "Bild Jesu"
- Wilhelm Herrmann: "Der geschichtliche Christus der Grund unseres Glaubens"
- Vorwort
- Stellung zur Leben-Jesu-Forschung und dem Begriff "historischer Jesus"
- Vorstellung von den Begriffen "geschichtlicher Christus" und "Bild des inneren Lebens Jesu"
- Vergleich der theologischen Aussagen von Kähler und Herrmann
- Argumentationsebenen - Kählers Vermischung und Herrmanns Kritikansatz
- Stellung zur Leben-Jesu-Forschung
- Christologische Unterschiede
- Rezeption in den Phasen der Leben-Jesu-Forschung
- Eingliederung in der neueren Zeit
- Abbildungsverzeichnis
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die theologischen Positionen von Martin Kähler und Wilhelm Herrmann im Hinblick auf die Leben-Jesu-Forschung sowie die Begriffe "historischer Jesus" und "geschichtlicher Christus". Ziel ist es, deren Verständnisse für die Entstehung, den Grund und den Inhalt des Glaubens zu analysieren, zu vergleichen und ihre Rezeption in der evangelischen Theologie sowie ihre Eingliederung in die Neuzeit darzustellen.
- Die theologische Relevanz des historischen Jesus.
- Die Entwicklung und Definition der Begriffe "geschichtlicher Christus" und "Bild Jesu".
- Kählers und Herrmanns kritische Auseinandersetzung mit der liberalen Leben-Jesu-Forschung.
- Der Einfluss von dogmatischen und geschichtstheologischen Perspektiven auf den Glaubensgrund.
- Die Rezeption und Weiterentwicklung christologischer Konzepte nach Kähler und Herrmann.
- Die Bedeutung von Autorität und persönlicher Überzeugung im evangelischen Glauben.
Auszug aus dem Buch
2.3. Stellung zur Leben-Jesu-Forschung und dem Begriff "historischer Jesus"
Kähler sieht die damalige Leben-Jesu-Forschung als einen Holzweg an. Er hat dabei den "...historischen Jesus der modernen Schriftsteller..." vor Augen, wobei hiermit die liberal-theologischen Jesus-Darstellungen von Holtzmann 1863 bis Beyschlag 1886 gemeint sind. Ebenso damit verbunden sind die künstlerischen Darstellungen des Lebens Jesu in Form von Romanen und den "...Messiaden und Christusdramen..."
Zunächst macht er deutlich, dass die Leben-Jesu-Forschung kein Recht hat, "...an der Bibel herum zu schneiden und zu reißen, ohne sich über die besondere Sachlage an diesem Punkte und über die eigentümliche Bedeutung der Schrift für diese Erkenntnis völlig klar geworden zu sein". Unter dieser Bedeutung versteht Kähler, dass es sich hier nicht um ein geschichtliches Problem handelt, sondern um das Verstehen des übergeschichtlichen Heilands, der unter der Prämisse der Dogmatik ja mehr als ein Mensch ist und so der geschichtliche Jesus erst seine wahre Bedeutung erhält.
Kähler stimmt der Leben-Jesu-Forschung in einigen Punkten zu. Man besitzt keine zuverlässigen Quellen in wissenschaftlicher Hinsicht, um das Leben Jesu nachzeichnen zu können. Die Evangelien sind die einzigen Zeugnisse, die überhaupt über ihn vorhanden sind und als Phantasiebild der Gemeinde um das Jahr 100 gelten könnten. Außerdem sind diese Berichte nicht mit Sicherheit auf Augenzeugen zurückzuführen, behandeln nur einen kurzen Ausschnitt des Lebens Jesu und zeigen untereinander große Unterschiede, die an einer tatsachengerechten Erinnerung des Geschehen zweifeln lassen. Kähler zeigt nun auf, dass der Kritiker bei dem Versuch, eine Biographie basierend auf diesen Erkenntnissen zu entwerfen, über Wahrscheinlichkeiten nicht hinauskommt und lehnt deshalb daraus resultierende psychologische Befunde zur Person Jesu ab. Kähler bringt mehrere Punkte gegen die oben genannten künstlerischen Darstellungen vor, besonders gegenüber dem biographischen Jesus-Roman.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die theologische Problemstellung um den Grund des Glaubens im Kontext der Leben-Jesu-Forschung ein und skizziert die Untersuchung der Standpunkte von Martin Kähler und Wilhelm Herrmann.
2. Martin Kähler - "Der sogenannte historische Jesus und der geschichtliche, biblische Christus": Hier wird Kählers theologische Position detailliert beleuchtet, insbesondere seine Ablehnung der Leben-Jesu-Forschung und seine Definition des "geschichtlichen Christus" als Grundlage des Glaubens.
3. Wilhelm Herrmann: "Der geschichtliche Christus der Grund unseres Glaubens": Dieses Kapitel widmet sich Herrmanns theologischer Perspektive, seiner differenzierten Einstellung zur Leben-Jesu-Forschung und seinem Verständnis des "geschichtlichen Christus" als Begründung des Glaubens durch die individuelle Erfahrung.
4. Vergleich der theologischen Aussagen von Kähler und Herrmann: Es werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Argumentationen, der Haltung zur Leben-Jesu-Forschung und den christologischen Begriffsdefinitionen beider Theologen analysiert.
5. Rezeption in den Phasen der Leben-Jesu-Forschung: Dieses Kapitel verfolgt die Aufnahme und Weiterentwicklung der Gedanken Kählers und Herrmanns in den verschiedenen Phasen der Leben-Jesu-Forschung, insbesondere im Kontext von Theologen wie Bultmann und Käsemann.
6. Eingliederung in der neueren Zeit: Die anhaltende Relevanz der christologischen Gedanken von Kähler und Herrmann für die moderne Theologie wird diskutiert, wobei Aspekte wie "Christologie von oben/unten" und "implizite/explizite Christologie" im Vordergrund stehen.
Schlüsselwörter
Martin Kähler, Wilhelm Herrmann, Leben-Jesu-Forschung, Historischer Jesus, Geschichtlicher Christus, Biblischer Christus, Geglaubter Christus, Christologie, Dogmatik, Glaube, Theologie, Offenbarung, Neues Testament, Kerygma, Rudolf Bultmann
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach dem Grund des Glaubens in der Theologie von Martin Kähler und Wilhelm Herrmann, insbesondere im Spannungsfeld zwischen dem "historischen Jesus" und dem "geschichtlichen Christus".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Leben-Jesu-Forschung, christologische Konzepte wie der "historische Jesus" und der "geschichtliche Christus", die Grundlagen des evangelischen Glaubens sowie die Rezeption und Einordnung dieser theologischen Ansätze in die Geschichte und Gegenwart der Theologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Standpunkte von Kähler und Herrmann zur Leben-Jesu-Forschung und den christologischen Begriffen zu bestimmen, zu vergleichen und ihre Rezeption sowie ihre Eingliederung in die neuere evangelische Theologie aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende theologische Analyse der Standpunkte von Martin Kähler und Wilhelm Herrmann, gestützt auf ihre jeweiligen Schlüsselwerke und deren Rezeption in der Theologiegeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die individuellen Positionen von Kähler und Herrmann zur Leben-Jesu-Forschung und ihren christologischen Begriffen vorgestellt, anschließend ein detaillierter Vergleich beider Positionen vorgenommen und ihre Rezeption in verschiedenen Phasen der Leben-Jesu-Forschung diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Martin Kähler, Wilhelm Herrmann, Leben-Jesu-Forschung, Historischer Jesus, Geschichtlicher Christus, Christologie, Glaube, Dogmatik und Kerygma.
Wie unterscheiden sich Kählers und Herrmanns Verständnis des "geschichtlichen Christus"?
Für Kähler ist der "geschichtliche Christus" identisch mit dem "biblischen Christus" und der Urheber des Glaubensbildes, das den Glauben selbst abgewinnt. Herrmann hingegen versteht den "geschichtlichen Christus" als die durch die Überlieferung zugängliche Person Jesu, deren sittliche Macht als Grundlage für den Glauben dient und als Ergebnis der über die Zeit gewirkten Kraft des "Bildes des inneren Lebens Jesu" sichtbar wird.
Was ist Kählers Kritik an der psychologischen Analyse der Person Jesu?
Kähler lehnt psychologische Befunde zur Person Jesu ab, die aus biographischen Jesus-Romanen entstehen. Er kritisiert die Interpretation der "Formen unserer inneren Bewegungen" in Jesus, da dies zu Analogieschlüssen führt, die inhaltliche Aussagen über Jesu sittliches und religiöses Bewusstsein machen, die nicht von der besonderen Sachlage der Schrift gedeckt sind und Gewalt an der exegetisch-historischen Forschung ausüben.
Welche Bedeutung hat Rudolf Bultmann für die Rezeption von Kähler und Herrmann?
Rudolf Bultmann, ein Schüler Herrmanns, verstärkte Kählers Aussage, dass der "historische Jesus" theologisch unbedeutend sei, und prägte mit seiner Kerygma-Christologie die theologische Diskussion nach der ersten Phase der Leben-Jesu-Forschung maßgeblich, indem er die vorösterliche und nachösterliche Verkündigung trennte.
Was bedeutet die Unterscheidung zwischen "Christologie von oben" und "von unten" in Bezug auf Kähler und Herrmann?
Kähler und Herrmann werden als Vertreter einer Christologie "von unten" verstanden: Bei Herrmann durch die geschichtliche Wirksamkeit des "inneren Bildes Jesu", bei Kähler durch die Identifikation des "wirklichen Christus" mit dem "biblischen Christus" durch das Bild Jesu. Im Gegensatz dazu geht die Christologie "von oben" von der Gottheit Jesu aus und stellt den Inkarnationsgedanken in den Mittelpunkt.
- Arbeit zitieren
- Alexander Herkner (Autor:in), 2015, Historischer Jesus oder geschichtlicher Christus. Die Suche nach dem Grund des Glaubens bei Martin Kähler und Wilhelm Herrmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1659395