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Die Decius-Exempla in Niccolò Machiavellis "Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio"

Title: Die Decius-Exempla in Niccolò Machiavellis "Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio"

Presentation (Elaboration) , 2011 , 7 Pages

Autor:in: Jennifer Ellermann (Author)

Latin philology - Literature
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Summary Excerpt Details

Niccolò Machiavelli, eigentlich Niccolò di Bernardo dei Machiavelli, wurde am 3. Mai 1449 in Florenz geboren und starb dort am 21. Juni 1527. Er lebte somit zum einen während einer Zeit, in der die „Grundfesten der mittelalterlichen Welt […] erschüttert (waren)“, und man „nach neuen Formen“ suchte, die man nach der Abkehr von der heiligen Scheu und der Jenseitsorientierung in der Hinwendung zum Diesseits und der Entdeckung des Individuums fand: der Renaissance; zum anderen lebte er in einem Land, in dem „in den besten Köpfen die Sehnsucht nach […] einem einheitlichen Nationalstaat“ brannte, für dessen Gestaltung jedoch im Italien der Renaissance aufgrund komplizierter Machtkonstellationen kein Raum war. Machiavellis Vater ermöglichte seinem Sohn trotz seines geringen Verdienstes als Anwalt und der hohen Kosten eine „ausgezeichnete Einführung in die ,studia humanitatis’“ , also der damals aufkommenden Geisteshaltung des Humanismus, zu deren führenden Vertretern M. heute gezählt wird. Im Rahmen dieser Ausbildung erwarb er umfassende Kenntnisse über antike Autoren sowie deren Schriften und lernte „Grammatik und Latein […] in einem Alter, in dem man nach dem Aufbau modernen Schulunterrichts noch in der Muttersprache weder lesen noch schreiben kann“ . Somit ist es nicht verwunderlich, dass M. in seinen Discorsi, also seiner Auseinandersetzung mit den „Problemen der inneren und äußeren Politik, der Staatsführung, der Verfassung und Verwaltung, der Volkswirtschaft, Kolonialpolitik und Kriegsführung“ einen antiken Geschichtsschreiber zu Rate zog. Dass er sich letztlich für Titus Livius entschied, statt z.B. für Tacitus, liegt nach Zorn zum einen am Stoff, da sich nur Livius mit der Gründung des römischen Staates befasst habe, zum anderen an der Tatsache, dass beide überzeugte Republikaner gewesen seien.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Leben(szeit) und Werk Machiavellis

2. Prämissen, Fragestellung und Zielsetzung der Discorsi

3. (Anti-)Machiavellismus

4. Die Decius-exempla bei Machiavelli

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht Niccolò Machiavellis „Discorsi sopra la prima deca di Livio“, um die theoretischen Grundlagen seines Politikverständnisses zu beleuchten, die Fehlinterpretationen des Begriffs „Machiavellismus“ zu korrigieren und die spezifische Funktion historischer Fallbeispiele (exempla) – insbesondere am Beispiel des römischen Konsuls Publius Decius Mus – für Machiavellis staatstheoretische Argumentation zu analysieren.

  • Historischer Kontext von Machiavellis Leben und Werk
  • Prämissen des Geschichtsverständnisses und Staatsverfalls
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Rezeption des Machiavellismus
  • Die Bedeutung der antiken „Decius-exempla“ für Machiavellis Lehre
  • Analyse der Rolle von „virtù“ und Religion zur Stabilisierung von Gemeinwesen

Auszug aus dem Buch

Die Decius-exempla bei Machiavelli

M. nimmt in drei Kapiteln seiner Discorsi Bezug auf die exempla der Decii, zuerst in II,16: „Wie weit sich die Soldaten unserer Zeit von der Taktik der Alten entfernt haben“ (D 208). In diesem Kapitel befasst sich M. mit der Notwendigkeit eines „außerordentlichen Vorfalls“ im Fall eines Krieges, bei dem beide Parteien „hinsichtlich ihrer Organistaion, ihrer Tapferkeit, ihrer Hartnäckigkeit und ihrer Zahl“ (D 209) sowie sogar in Sprache und Schlachtordnung gleich sind, wie im Fall des Latinerkrieges unter dem Konsulat des T. Manlius Torquatus und des Publius Decius, die M. als „(d)ie wichtigste Schlacht“ bezeichnet, „die die Römer jemals in einem Krieg gegen ein Volk geschlagen hatten“ (D 208). Dieser Vorfall, der den Mut der Soldaten stärken, sie entschlossener machen sowie ihren Gehorsam festigen sollte, ereignete sich zum einen in Form von Torquatus’ Ermordung des eigenen Sohnes und zum anderen durch die Selbstopferung des Decius’. Der einzige Unterschied bestand somit darin, „daß die römischen Heerführer heldenhafter waren als die latinischen“ (D 209).

Danach erwähnt M. die Decii gleich im Anfangskapitel des dritten Diskurses: „Sollen eine Religionsgemeinschaft oder ein Staat lange bestehen, so muß man sie häufig zu ihren Anfängen zurückführen“ (274). Gemäß seiner in 2 dargestellten Prämissen geht M. davon aus, dass jede „Kollektivgemeinschaft“ über kurz oder lang durch die ambizione der in ihr versammelten Menschen in einem stufenweisen Degenerationsprozess erst der Sittenverderbnis, dann dem Verfall der Institutionen und schließlich der Anarchie anheim fällt. Um diesem Schicksal zu entgehen, sei es nach M. notwendig, dass sich alle Staaten, wollen sie von Dauer sein, in regelmäßigen Abständen wieder auf ihre Anfänge besinnen, da in ihrer Entstehungszeit „alle Religionen, Freistaaten und Königreiche notwendig etwas Gutes gehabt haben (müssen), dem sie ihr ursprüngliches Ansehen und ihre ursprüngliche Durchschlagskraft zu danken hatten“ (D 274).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Leben(szeit) und Werk Machiavellis: Dieser Abschnitt bietet einen biografischen Abriss sowie eine Einordnung von Machiavellis Werk in den historischen Kontext der Renaissance und des Humanismus.

2. Prämissen, Fragestellung und Zielsetzung der Discorsi: Das Kapitel erläutert die philosophischen Grundannahmen Machiavellis über den zyklischen Wandel der Geschichte und die menschliche Natur als Basis für seine staatstheoretischen Überlegungen.

3. (Anti-)Machiavellismus: Hier wird die verzerrte Rezeption des Autors als Inbegriff amoralischer Machtpolitik kritisch hinterfragt und in Bezug zum ursprünglichen Zweck seiner Schriften gesetzt.

4. Die Decius-exempla bei Machiavelli: Der Autor analysiert konkret, wie Machiavelli das historische Beispiel des Publius Decius Mus verwendet, um militärische Tugend und die notwendige Rückbesinnung auf staatliche Ursprünge zu illustrieren.

Schlüsselwörter

Niccolò Machiavelli, Discorsi, Titus Livius, Renaissance, Humanismus, Machiavellismus, Politische Theorie, Staatsführung, Historische exempla, Virtù, Publius Decius Mus, Geschichtsverständnis, Gemeinwohl, Staatsverfall, Ambizione.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert Niccolò Machiavellis „Discorsi“ unter besonderer Berücksichtigung seiner Verwendung antiker historischer Beispiele, um sein politisches Denken korrekt einzuordnen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Felder sind die Renaissance-Staatstheorie, die Kritik an der modernen Rezeption des „Machiavellismus“ sowie die Rolle der Religion und der „virtù“ für die Stabilität von Staaten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Discorsi als pragmatische politische Untersuchung zu begreifen, die den Zerfall von Staaten durch den Rückgriff auf antike Vorbilder und „virtù“ verhindern will.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dem Text angewandt?

Die Autorin verwendet eine quellenkritische Textanalyse, indem sie Passagen aus Machiavellis Werk direkt mit seinen antiken Vorbildern (Livius) und der modernen Sekundärliteratur vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Machiavellis Prämissen, eine Richtigstellung des Machiavellismus-Begriffs und eine detaillierte Fallstudie zu den Decius-Beispielen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Machiavelli, Discorsi, virtù, antike exempla, Staatsverfall und die kritische Auseinandersetzung mit moralischen Vorurteilen gegenüber der politischen Theorie.

Warum zieht Machiavelli gerade Titus Livius für seine Analyse heran?

Machiavelli wählte Livius, weil dieser sich umfassend mit der Gründung Roms befasste und Machiavelli in ihm einen überzeugten Republikaner sah, dessen Werk als ideale Grundlage für politische Schlussfolgerungen diente.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der „virtù“ in Machiavellis Denken?

Die Autorin verdeutlicht, dass „virtù“ zwar als notwendiger Garant für Sittenstreue und Erfolg gilt, ihre Wirksamkeit jedoch durch die Unvorhersehbarkeit der „fortuna“ stark begrenzt ist.

Inwiefern unterscheiden sich die Discorsi vom Werk „Il Principe“?

Die Arbeit weist darauf hin, dass die Discorsi den Fokus auf die Vorteile einer republikanischen Verfassung legen, während der Principe stärker machtpolitische Aspekte einer Alleinherrschaft fokussiert, wobei beide Werke jedoch als Einheit zu betrachten sind.

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Details

Title
Die Decius-Exempla in Niccolò Machiavellis "Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio"
College
University of Münster  (Klassische Philologie)
Course
Livius und die Logik des Erzählens
Author
Jennifer Ellermann (Author)
Publication Year
2011
Pages
7
Catalog Number
V165969
ISBN (eBook)
9783640817382
Language
German
Tags
decius-exempla niccolò machiavellis discorsi tito livio
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jennifer Ellermann (Author), 2011, Die Decius-Exempla in Niccolò Machiavellis "Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165969
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