„Et quis cras Latii voce peritus erit?“
Zwar gilt das Lateinische schon immer als Sprache der Gelehrten, dennoch sehen viele Menschen in ihr eine „tote“ oder zumindest eine „aussterbende Sprache“, wie auch Josef Eberle, die Hauptfigur der folgenden Arbeit, befürchtete. Diese Sorge machte er durch seine selbst erstellte und eingangs schon zitierte Grabinschrift deutlich. Aber waren seine Ängste begründet, wo sich doch heute noch zahlreiche Schüler durch den Lateinunterricht plagen müssen? Außerdem herrscht ja die weit verbreitete Meinung, Latein könne man nur noch im Vatikan verwenden. Kaum einer hat bestimmt gewusst, dass es auch zahlreiche Autoren außerhalb des heiligen Stuhls gibt, die diese alte Sprache noch heute verbreiten. Einer von ihnen war ebendieser Josef Eberle, ein schwäbischer Schriftsteller der bis 1986 gelebt hat. Er hatte die Sorge, dass „schon morgen vielleicht keiner Latein mehr verstehn“ wird. Einige seiner Werke, bei denen er vor allem die Form des Epigramms umzusetzen versuchte, sollen im Folgenden vorgestellt werden.
Als Vorbild könnte ihm hierbei ein anderer Dichter, der diese Art des Epigramms, allerdings schon in der Antike sehr geprägt hat, gewesen sein: M. Valerius Martialis. Deshalb ist der folgenden Arbeit zum Ziele gesetzt, der Frage etwas näher zu kommen, inwiefern Josef Eberle auch als „schwäbischer Martial“ bezeichnet werden kann. Anfangs werden die Biographien der beiden Schriftsteller vorgestellt, um so eventuelle Parallelen schon im „curriculum vitae“ aufzuzeigen.
Schließlich werden Werke dieser beiden Dichter, die über 1850 Jahre auseinander gelebt haben, genauer betrachtet. Natürlich kann nur auf ausgewählte Gedichte eingegangen werden, die gegenübergestellt werden sollen, sodass auch hier Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden können. Zum besseren Verständnis beschäftigt sich diese Arbeit außerdem mit den Grundlagen des römischen Epigramms.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
2. Biographien
2.1. Martials Lebenslauf
2.2. Eberles Lebenslauf
2.3. Gemeinsamkeiten der Lebensläufe
3. Das antike Epigramm
3.1. Entstehung und Entwicklung bis Martial
3.2. Besonderheiten des römischen Epigramms nach Martial
4. Josef Eberle – ein schwäbischer Martial?
4.1. Josef Eberle als lateinischer Dichter
4.2. Eberles Meinung über Martial
4.3. Gemeinsamkeiten der literarischen Werke
5. Vergleiche zwischen Martials und Eberles Epigrammen
5.1. Vergleich Martial I, 10 mit „In acerbam venustam“
5.1.1. Komparative Analyse der Texte
5.1.2. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.2. Vergleich Martial Xlll, 56 mit „Variatio epigrammatis M. Valerii Martialis“
5.2.1. Komparative Analyse der Text
5.2.2. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.3. Vergleich Martial Xlll, 20 mit „Compromissum“
5.3.1. Komparative Analyse der Texte
5.3.2. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
6. Resümee – Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern der deutsche Schriftsteller Josef Eberle als „schwäbischer Martial“ bezeichnet werden kann, indem sie biographische Parallelen sowie literarische Gemeinsamkeiten zwischen ihm und dem antiken Epigrammdichter M. Valerius Martialis analysiert.
- Biographischer Abgleich der Lebenswege beider Dichter
- Analyse der Grundlagen des römischen Epigramms
- Vergleichende Interpretation ausgewählter Epigramme
- Untersuchung von Rollenspiel und Pseudonymen
- Reflektion der literarischen Nachwirkung
Auszug aus dem Buch
3.2 Besonderheiten des römischen Epigramms nach Martial
In seinen Epigrammen liefert Martial dem Leser ein umfassendes kritisches Bild über das antike Großstadtleben und dessen Gesellschaft, welche er als nicht immer tugendhaft darstellt. Martial behandelt die typischen Fehler und Schwächen seiner Mitmenschen und schreckt dabei sogar vor obszönen Gedichten nicht zurück. Außer bei seinen Lobgedichten auf die Kaiser und Gönner nennt Martial indessen niemals konkrete Namen, da er personenbezogenen Spott ablehnt, wie Martial in X, 33, 9/10 eindrücklich betont:
Hunc servare modum nostri novere libelli, parcere personis, dicere de vitiis.
Nach Holzberg sei Martials Werk hauptsächlich darauf angelegt, den Leser zu amüsieren. Martial wird aus heutiger Sicht vor allem deshalb als Klassiker der Gattung Epigramm gesehen, weil er besonderen Wert auf witzige Pointierung seiner Gedichte gelegt hat und dabei virtuos die verschiedensten Techniken der Strukturierung und sprachlichen Gestaltung gehandhabt hat. Dazu wird nun ein Beispiel betrachtet.
Liber I, 47: Nuper erat medicus, nunc est vispillo Diaulus: Quod vispillo facit, fecerat et medicus.
Der erste Vers zeigt zunächst einen gewaltigen Gegensatz. Ein Arzt gibt seinen Beruf auf und wechselt in die Totengräber-Branche. Die Auflösung folgt am Ende des zweiten Verses. Durch das letzte Wort wird klar, welche schonungslose Parallele Martial aufdecken will. Der anfängliche Gegensatz löst sich auf: Zwar ist die Art der Tätigkeiten verschieden, aber beide Berufe führen zum gleichen Ergebnis. Er bringt die Leute unter die Erde – so oder so.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Einleitung in die Relevanz des Lateinischen als lebendige Sprache und Vorstellung des Dichtervergleichs.
2. Biographien: Detaillierte Darstellung der Lebensläufe von Martial und Josef Eberle inklusive aufzeigbarer Parallelen.
3. Das antike Epigramm: Erläuterung der historischen Entwicklung und der wesentlichen Merkmale der Gattung, insbesondere bei Martial.
4. Josef Eberle – ein schwäbischer Martial?: Untersuchung von Eberles Schaffen als lateinischer Dichter und seiner persönlichen Rezeption von Martial.
5. Vergleiche zwischen Martials und Eberles Epigrammen: Direkte komparative Analysen und Interpretationen ausgewählter Werkpaare.
6. Resümee – Zusammenfassung der Ergebnisse: Abschließende Bewertung, ob die Titulierung Eberles als „schwäbischer Martial“ gerechtfertigt ist.
Schlüsselwörter
Epigramm, Martial, Josef Eberle, lateinische Dichtung, Literaturvergleich, Biographie, Pointierung, Klassische Philologie, Mundartdichtung, Rollenspiel, Metrik, Humanoide Dichtung, Distichon, Literaturgeschichte, Rezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem literarischen Vergleich zwischen dem antiken Dichter M. Valerius Martialis und dem modernen Schriftsteller Josef Eberle.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Biographien beider Autoren, die Theorie des antiken Epigramms und die Analyse gemeinsamer Motive in ihren Werken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, inwieweit Josef Eberle aufgrund seiner epigrammatischen Dichtung zu Recht als „schwäbischer Martial“ bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine komparative Literaturanalyse durchgeführt, die biographische Daten und ausgewählte Textbeispiele gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Analyse, eine theoretische Einleitung zur Epigrammatik und direkte Vergleiche spezifischer Gedichte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Epigramm, Pointe, lateinische Sprache, Rollenspiel und Literaturrezeption.
Inwiefern beeinflussten politische Umstände die Arbeit der Autoren?
Beide Autoren lebten in politisch schwierigen Zeiten; Martial unter Domitian und Eberle während der NS-Zeit, was ihre Veröffentlichungsstrategien prägte.
Warum verwendet der Autor Pseudonyme?
Eberle nutzte Pseudonyme wie Sebastian Blau oder Tyll, um verschiedene literarische Genres und Zeitkritik zu trennen, was an Martials Rollenspiel-Technik erinnert.
Wie lautet die Schlussfolgerung des Autors?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Eberle zwar stark von Martial beeinflusst ist, aber eher als „martialischer Schwabe“ denn als direkter Epigone zu bezeichnen ist.
- Quote paper
- Fabian Metz (Author), 2010, Josef Eberle - ein schwäbischer Martial?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165993