Die Friedensverträge von Barcelona und Cambrai 1529

Kaiser Karl V. in Krieg und Frieden


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Friedensvertrag von Madrid 14. Januar 1526

3. Friedensvertrag von Barcelona 29. Juni 1529

4. Friedensvertrag von Cambrai 5. August 1529
4.1 Vertragsinhalt
4.2 Vertragstechnik
4.3 Vertragsergebnisse

5. Zusammenfassung

6. Anhang
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Quellenverzeichnis

Die Friedensverträge von Barcelona und Cambrai 1529

1. Einleitung

Im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten zur Thronbesteigung Franz I. im Jahre 1515 wandten sich die Vertreter des entschuldigten burgundischen Herzogs Karl an den französischen Thronfolger mit den Worten: „Majestät, sie sind jung wie unser Fürst. Sie sind beide unbeschriebene Blätter und könnten zusammen einen segensreichen Anfang machen für die gesamte Christenheit.“[1] Doch zwischen den beiden Herrschern der Dynastien Habsburg und Valois entwickelte sich die Beziehung „zu einem militärischen und ideologischen Dauerkonflikt, der erst 1559, nach fünf Kriegen, ein Ende fand.“[2]

Zeigte der Beginn noch „wechselnde, nicht definitive Ansätze von Ausgleich und Konfrontation“[3], radikalisierte sich das Verhältnis nach der für den französischen König verlorenen Wahl 1519, in der stattdessen der Herzog von Burgund und König von Spanien als Karl V. zum römisch-deutschen König des Heiligen Römischen Reiches erwählt wurde. Der Großkanzler Karls, Mercurino Gattinara, sah die Kaiserwürde dabei neben der Beherrschung Italiens als Vorrausetzung zur Durchsetzung seiner Politikleitanschauung von „Monarchia universalis“ und „Dominium mundi“, Universalherrschaft und Weltmonarchie.[4] So überrascht es nicht, dass in den Folgejahren bald ein Jahrzehnt lang bis zum Frieden von Cambrai 1529 vor allem in und um die Apenninhalbinsel kriegerisch gerungen wurde.

Im Rahmen dieser Seminararbeit soll der Kampf um Hegemonie beider Monarchen näher betrachtet werden, im Zeitraum von der Kaiserwahl bis zum Rückzug Frankreichs aus Italien ein Jahrzehnt später. Als maßgebliche Untersuchungsgegenstände werden dabei der Friedensvertrag von Madrid aus dem Jahre 1526, sowie darauf aufbauend Barcelona und Cambrai von 1529 herangezogen. Ebenso wie auch an diesen Beispielen die sich zunehmende Verrechtlichung des Übergangs von Krieg zu Frieden durch einen Friedensschluss bzw. genauer einer vertraglichen Form der Konfliktbeendigung, untersucht werden soll.

2. Friedensvertrag von Madrid 14. Januar 1526

„Und militärisch entscheidet sich der ganze Konflikt mit einem Blitzschlag am 24. Februar 1525 auf dem Schlachtfeld von Pavia in weniger als einer Stunde. Mailand ist verloren, der König von Frankreich gefangen.“[5] Nach diesem Paukenschlag umriss Kanzler Gattinara in einer seiner großen Denkschriften eine Politik der Demütigung Frankreichs, konkret solle man „dem König von Frankreich einen ehrenvollen Frieden bewilligen, indem der Kaiser nur das zurückfordert, was ihm von Rechts wegen gehört und widerrechtlich vorenthalten worden ist“[6].

Die Vertragspartner Kaiser Karl V. und König Franz I. verhandelten dabei nicht direkt, sondern wurden vertreten durch Unterhändler. Darüber hinaus mied Karl den persönlichen Kontakt mit Franz, obgleich dieser sich nach der Überführung des Gefangenen aus Italien vor Ort, erst in Barcelona und dann in Madrid, aufhielt.[7] Der Vertrag selbst enthielt etliche Regelungen territorialer Art. „Zur größeren Beständigkeit und Sicherheit des Friedens und der Freundschaft“[8] sollte der französische König dabei für sich und seine Nachfolger u.a. auf sämtliche italienischen Ansprüche verzichten. Konkret Mailand, Genua und Neapel. Als weitaus schwieriger gestaltete sich der von Karl geforderte Verzicht auf die Lehenshoheit Franz I. über das Herzogtum Burgund[9], meldete der Kaiser doch als Nachfolger seines Großvaters Erzherzog Maximilians von Österreich Ansprüche auf das französische Lehen an. Franz verpflichtet sich weiter, „die Schwester des Kaisers, Eleonore, verwitwete Königin von Portugal zu ehelichen, um dem Friedensbund Dauer zu verleihen“[10]. Ebenso findet sich auch eine religiöse Vertragsbegründung im gemeinsamen Kampf „gegen die Türken, gegen sonstige Ungläubige und die Häretiker“[11], womit augenscheinlich der Kampf gegen Lutheraner gemeint ist. War der Abschluss eines Friedensvertrags im Mittelalter mit Bezug auf das Heilige Land und später den Osmanen üblich, wird hier nun auch zunehmend die Religionsspaltung und der aufgenommene Kampf der katholischen Glaubensanhänger dagegen offensichtlich.[12] Ebenso offenbarten sich Karls Pläne für einen allgemeinen Kreuzzug gegen die Ungläubigen unter seiner Führung „als Haupt der weltlichen Fürsten der Christenheit“[13]. Und gerade dieser Anspruch nach „Subordination der christlichen Fürsten unter die Herrschaft Karls V.“[14] hatte auch bereits im Vorfeld des Krieges zu Konfliktpotenzial mit dem französischen „Selbstbild von der [christlichen] Suprematie des Roi Très Chrétien“[15] geführt.

„Da der Allerchristlichste König geltend macht, daß er zur Erfüllung und Sicherstellung der [Rückgabe Burgunds] in Person in seinem Königreich anwesend sein müsse“[16], wurde ihm gestattet, gegen Stellung seiner beiden ältesten Söhne als Geiseln nach Frankreich reisen zu dürfen. De facto sollte er also v.a. gegen sein ritterliches Ehrenwort freikommen. Kanzler Gattinara, bereits von Beginn an durch seinen Plan der „Vernichtung der französischen Monarchie“[17] gegen jeglichen Kompromissfrieden eingestellt, „weigerte sich, an einer solchen Entscheidung mitzuwirken oder sie zu besiegeln“[18]. Womöglich hatte der Großkanzler auch bereits Kenntnis von der Tatsache, dass Franz vor Unterzeichnung des Vertrags die geplante Nichteinhaltung desselben im kleinen Kreis schriftlich fixierte.[19] „Der in Freiheit gesetzte Franz I. bricht sein Versprechen, löst die Klauseln des Vertrages nicht ein, tritt Burgund nicht ab, nimmt den Kampf wieder auf“[20] und gründet im Mai 1526 mit dem Kirchenstaat unter Papst Clemens VII., Venedig, Florenz und Mailand die Heilige Liga von Cognac. Ein betont antihabsburgisches Bündnis mit dem englischen König Heinrich VIII. in der Rolle des „Protektor[s]“[21].

Die realpolitischen Folgen des Vertrags waren somit gering und es überrascht wenig, dass Karl Brandi zu dem Schluss kam, „der „Friede von Madrid, der schon tot war als er so feierlich beschworen und von den burgundischen Rittern so gutgläubig hingenommen wurde“[22]. Karl sollte das Verhalten des Allerchristlichsten Königs sehr persönlich nehmen und äußerte: „Er hat mich betrogen, er hat nicht ritterlich, nicht wie ein Edelmann gehandelt, sondern niederträchtig. Ich fordere, daß [er] sein Wort hält und wieder mein Gefangener wird, wenn er seinen Vertrag nicht erfüllen kann“[23]. Hatte es doch im Vertrag geheißen, bei Nichtvollzug solle „der Herr Allerchristlichste König wieder in die Gewalt des Herrn Kaiser zurückkehren“.[24] Ein Schlaglicht der mit den Protagonisten einhergehenden „Personalisierung der außenpolitischen Rivalität“[25]. Somit warf auch der zweite habsburgisch-französische Krieg bereits seine Schatten voraus.

3. Friedensvertrag von Barcelona 29. Juni 1529

Trotz des Ansinnens des französischen Königs, die Fesseln des Madrider Friedens schleunigst wieder abzuschütteln, bedeutete das Bangen um die Sicherheit der beiden, sich auch weiterhin in spanischer Gefangenschaft befindlichen Prinzen, für ihn doch ein verständliches Dilemma. So ist auch die „Halbherzigkeit des Königs“[26] im konkreten militärischen Engagement gegenüber Karl nach Gründung der Liga zu erklären. Das Fanal der Plünderung Roms im Sacco di Roma im Mai 1527 verwandelte dagegen alle Zögerlichkeiten in eine offensive Stoßrichtung, auch getrieben durch das Ansinnen, den Papst aus nun kaiserlicher Gefangenschaft zu befreien[27].

Sah es lange Zeit schlecht für die kaiserlichen Truppen aus, wandelte sich das Kriegsglück mit dem Parteiwechsel des genuesischen Admirals Andrea Doria im Sommer 1528 auf die Seite der Kaisertreuen. Die infolgedessen geglückte Befreiung v.a. Neapels und Genuas von französischer Besatzung kommentierte Karl mit den Worten: „Gott hat es gefügt, daß bisher noch jeder Krieg mir den Sieg gebracht hat.“[28]

[...]


[1] Brandi, Karl V., S.47.

[2] Kohler, Das Reich im Kampf um die Hegemonie in Europa, S.8.

[3] Lutz, Das römisch-deutsche Reich im politischen System Karls V., S.281.

[4] Kohler, Das Reich im Kampf um die Hegemonie in Europa, S.5.

[5] Braudel, Karl V., S.24.

[6] Dickmann, Geschichte in Quellen, Quelle Nr. 95 „Denkschrift des Kanzlers Mercurino Gattinara über die kaiserliche Politik nach Pavia, März 1525“, S.214-215, hier S.214.

[7] Babel, Frankreich und Karl V., S.585.

[8] Dickmann, Geschichte in Quellen, Quelle Nr. 101 „Friede von Madrid zwischen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich, 14. Januar 1526“, S.221-223, hier Artikel VII auf S.222.

[9] Ebd., hier Artikel III auf S.221.

[10] Rönnefarth, Konferenzen und Verträge, S.17.

[11] Dickmann, Geschichte in Quellen, Quelle Nr. 101 „Friede von Madrid zwischen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich, 14. Januar 1526“, S.221-223, hier Artikel XXVI auf S.223.

[12] Vgl. Fisch, Krieg und Frieden im Friedensvertrag, S.442.

[13] Dickmann, Geschichte in Quellen, Quelle Nr. 101 „Friede von Madrid zwischen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich, 14. Januar 1526“, S.221-223, hier Artikel XXVI auf S.223.

[14] Kohler, Das Reich im Kampf um die Hegemonie in Europa, S.5.

[15] Babel, Frankreich und Karl V., S.582.

[16] Dickmann, Geschichte in Quellen, Quelle Nr. 101 „Friede von Madrid zwischen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich, 14. Januar 1526“, S.221-223, hier Artikel V auf S.222.

[17] Kohler, Das Reich im Kampf um die Hegemonie in Europa, S.9.

[18] Kohler, Karl V., S.179.

[19] Dickmann, Geschichte in Quellen, Quelle Nr. 100 „Geheime Protestation König Franz‘ I. vor Unterzeichnung des Friedens von Madrid, 13. Januar 1526“, S.220f.

[20] Braudel, Die Notwendigkeit des Zufalls, S.24.

[21] Allerdings damit nicht als Mitglied im vollen Sinne, vgl. Babel, Frankreich und Karl V., S.587.

[22] Brandi, Karl V., S.195.

[23] zitiert nach ebd., S.200.

[24] Dickmann, Geschichte in Quellen, Quelle Nr. 101 „Friede von Madrid zwischen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich, 14. Januar 1526“, S.221-223, hier Artikel VI auf S.222.

[25] Schulin, Kaiser Karl V., S.141.

[26] Babel, Frankreich und Karl V., S.587.

[27] Vgl. Schulin, Kaiser Karl V., S.149.

[28] Kohler, Quellen zur Geschichte Karls V., Quelle Nr. 37 vom 16.September 1528 „Rede Karls V. vor seinen Räten, nach dem Bericht des Chronisten Santa Cruz“ S.136-138, hier S.137.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Friedensverträge von Barcelona und Cambrai 1529
Untertitel
Kaiser Karl V. in Krieg und Frieden
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar Kaiser Karl V. und seine Zeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V166029
ISBN (eBook)
9783640818167
ISBN (Buch)
9783640821563
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Einbeziehung von Quellen und Literatur vorzüglich
Schlagworte
Karl V., Frühe Neuzeit, Frankreich, Hl. Röm. Reich, Krieg, Frieden, Friedensvertrag, Papst, Burgung, Mailand, König, Kaiser, Macht, Vertragstechnik, Franz I., Spanien
Arbeit zitieren
Sebastian Hoffmann (Autor), 2010, Die Friedensverträge von Barcelona und Cambrai 1529, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166029

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