Produktive Erarbeitung dramatischer Formen: Umformung von Erzähltexten in dramatische Szenen

Entwurf für den ersten besonderen Unterrichtsbesuch im Fach Deutsch


Unterrichtsentwurf, 2009
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

2 Bedingungen

2.1 Unterrichtszusammenhang

Die Schülerinnen und Schüler[1] haben bereits in den vorangegangen Jahrgangstufen, insbesondere in Klasse 8, im Rahmen der Analyse eines Dramas (Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“) einige Strukturmerkmale dramatischer Texte kennen gelernt.

Sie kennen auch die Methode des Mind-Mapping und haben diese schon mehrfach zur Erarbeitung und zur Darstellung von Zusammenhängen eingesetzt. In der vorangegangen Unterrichtsstunde haben sie - als Vorbereitung für die heutige Stunde - die zu bearbeitenden Erzähltexte gelesen und im Hinblick auf die Charakterisierung der Figuren, die innere Situation der Hauptperson und die Konflikte zwischen den Personen untersucht.

In der geplanten Doppelstunde sollen die SuS schon vorhandenes Wissen über die Textsorte Drama auffrischen und durch produktive Anwendung festigen sowie vertiefen. Sie sollen die Funktionen dramatischer Strukturmerkmale (besonders Dialog, Monolog und Regieanweisung) erkennen, indem sie sie produktiv einsetzen.

In den folgenden Unterrichtsstunden werden weitere Passagen aus Erzählungen von Weiss umgeformt und zu einem Kurzdrama zusammengesetzt. Hieran werden weitere Merkmale der Textsorte erarbeitet: epische Elemente im Drama, Botenbericht, Mauerschau, Aufbau des Dramas und Gestaltung des Bühnenbildes.

2.2 Lerngruppe

Die Lerngruppe setzt sich aus 22 SuS im Alter zwischen 14 und 15 Jahren zusammen. Dabei ist anzumerken, dass der Großteil der Klasse Mädchen sind (15 Mädchen und 7 Jungen). Im Großen und Ganzen handelt es sich um eine sehr aktive, engagierte, aber auch laute Klasse. Die SuS sind meist sehr am Unterricht interessiert und tragen im Unterrichtsgespräch ihre Ideen zum Thema bei. Sie bereiten sich auf die Stunden vor und geben sich auch bei der Bearbeitung der Hausarbeiten Mühe. Im Hinblick auf die Leistung der SuS lässt sich sagen, dass es sich um eine leistungsstarke Klasse handelt, die zügig und produktiv arbeitet.

Allerdings wird das Arbeitsklima häufig durch unangebrachte Kommentare einiger SuS gestört. In diesem Zusammenhang fällt eine Gruppe SuS besonders ins Auge, die durch ihr Verhalten den Unterricht negativ beeinflusst. Jedoch tritt dieses Verhalten nur in der Gruppe auf. Arbeiten die SuS getrennt voneinander bzw. mit anderen Mitschülern zusammen, kommt es weniger häufig zu Unruhe während des Unterrichts. Auf Grund des eben geschilderten Problems soll die Erarbeitungsphase der Doppelstunde in Zufallsgruppen erfolgen. Die SuS sind mit dieser Methode des kooperativen Lernens vertraut, da auch schon vorherige Unterrichtseinheiten mittels Gruppen- und Partnerarbeit durchgeführt wurden. Hier zeigten sie ein hohes Interesse am eigenständigen Erarbeiten von Sachverhalten und überzeugten durch mehr Konzentration sowie Motivation.

2.3 Entwicklungsaufgabe

Die Stunde dient dazu:

- den Aufbau und die Strukturierung von Unterrichtsstunden zu verbessern und die zeitliche Planung zu optimieren.
- Formen produktiven Arbeitens sowie Formen kooperativen Lernens zu erproben.
- den Einsatz der Lernmethode des Mind-Mapping zu erproben.
- das Lehrerverhalten im Hinblick auf Unterrichtsstörungen im Rahmen von Unterrichtsgesprächen zu verbessern.

3 Entscheidungen

3.1 Didaktische Analyse

3.1.1 Legitimation

In der Jahrgangstufe 9 sollen die SuS laut Lehrplan die Merkmale von dramatischen Texten kennen lernen: „Sie verstehen und erschließen dramatische Texte unter Berücksichtigung struktureller, sprachlicher und inhaltlicher Merkmale.“[2] Insbesondere sind die Figurenzeichnung und Konfliktbehandlung im Drama zu erarbeiten.

Die SuS sollen neben analytischen Verfahren auch produktive Formen des Umgangs mit literarischen Texten kennen lernen, beispielsweise Erzähltexte in dramatische Texte umschreiben, eigene dramatische Szenen entwerfen und im eigenen Spiel erproben.[3] Die geplante Doppelstunde umfasst einige dieser Zielsetzungen.

Für die Umformung eines Erzähltextes in einen dramatischen Text eignen sich Auszüge aus „Abschied von den Eltern“ von Peter Weiss in der Jahrgangsstufe 9 besonders gut: Die zu bearbeitenden Texte beschreiben das Leben eines Jungen mit schulischen Problemen und thematisieren die daraus resultierenden Konflikte zwischen ihm und seinen Eltern. Sie greifen demnach ein Problem der Jugendphase auf und bieten den Schülern Möglichkeiten der Identifikation. Darüber hinaus eigenen sich die Erzähltexte auf Grund ihrer dialogischen Struktur und wegen der Thematisierung eines Konfliktes gut zur szenischen Umsetzung.

Neben den fachlichen Kompetenzen sollen auch die sozialen Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Kreativität der SuS sowie die Arbeit im Team gefördert.

3.1.2 Sachanalyse

Auszüge aus den Erzähltexten „Abschied von den Eltern“ von Peter Weiss eignen sich gut für eine Umformung in einen dramatischen Text. Den Schülern müssen aber einige Strukturmerkmale des Dramas klar sein, besonders die verschiedenen Redeformen im Drama, um in der Lage zu sein den Gruppen-Arbeitsauftrag zu bewältigen. Sie können manche Teile des Erzähltextes übernehmen (direkte Rede) müssen aber auch Ergänzungen (u. a. Regieanweisungen) vornehmen. Zum Beispiel müssen unterschiedliche Positionen der Personen nicht nur durch die Reden, sondern auch durch Mimik und Gestik zum Ausdruck gebracht werden.

Schwieriger ist die Umsetzung der Passagen [a] zu Gruppe A und [b] in Gruppe B[4], da hier der Erzählerbericht Leerstellen enthält, vor allem bezüglich der Gedanken der Person. Hier müssen die SuS Texte (unter anderem als Monologe) formulieren und Möglichkeiten der Umsetzung der Monologe auf der Bühne überlegen.

3.1.3 Transformation

Der Schwerpunkt der Stunde liegt auf der produktiven Erarbeitung von Strukturmerkmalen dramatischer Texte (Dialog, Monolog, Regieanweisungen).

Dieser lässt sich lernpsychologisch damit begründen, dass der kreative Umgang mit literarischen Texten die Motivation der SuS anspricht. Außerdem führt diese Form der Auseinandersetzung mit Erzähltexten, verbunden mit dem Arbeiten in Gruppen, zur Förderung der Kreativität und ermöglicht den SuS die Inhalte besser zu verinnerlichen.

Die Schwierigkeit liegt in der Realisierung des Arbeitsauftrags im angegebenen Zeitrahmen. Gegebenenfalls muss dieser ausgeweitet werden, da das Schreiben eines Textes in Gruppenarbeit auf Grund der Fülle von Ideen viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Falls dies der Fall ist, wird darauf verzichtet, alle vier Gruppen ihre Ergebnisse vortragen zu lassen. Es werden dann lediglich zwei Gruppen[5] ihre dramatischen Texte szenisch vortragen, damit anschließend noch genügend Zeit für die Diskussion besteht. Diese ist besonders für die Hausarbeit und die weiteren Lernprozesse relevant und darf somit nicht vernachlässigt werden.

[...]


[1] wird im weiteren Verlauf mit SuS abgekürzt

[2] Kernlernplan für den verkürzten Bildungsgang des Gymnasiums - Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen. Deutsch. Herausgegeben vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Frechen: Ritterbach Verlag GmbH 2007. S.44

[3] vgl. ebd. S.17.

[4] siehe Arbeitsauftrag

[5] eine Gruppe A sowie eine Gruppe B

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Produktive Erarbeitung dramatischer Formen: Umformung von Erzähltexten in dramatische Szenen
Untertitel
Entwurf für den ersten besonderen Unterrichtsbesuch im Fach Deutsch
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V166032
ISBN (eBook)
9783640818808
ISBN (Buch)
9783640822256
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drama, Schule
Arbeit zitieren
Sarah Nadjafi (Autor), 2009, Produktive Erarbeitung dramatischer Formen: Umformung von Erzähltexten in dramatische Szenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166032

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