Gerechter Tod? Die Todesstrafe

Analyse der Todesstrafe anhand ihrer Durchführung, ihres biblischen Hintergrunds und Versuchen der Rechtfertigung


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: 12


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Trend hin zur Abschaffung der Todesstrafe

2 Analyse der Todesstrafe anhand ihrer Durchführung, ihrem biblischen Hintergrund und Versuchen der Rechtfertigung
2.1 Fallbeispiel Stanley Williams
2.1.1 Williams Kindheit und Jugend
2.1.2 Die Tat
2.1.3 Die Verurteilung und Haft
2.2 Die Todesstrafe aus christlicher Sicht
2.2.1 Das Alte Testament
2.2.2 Das Neue Testament
2.3 Untersuchung verschiedener Versuche der Rechtfertigung
2.3.1 Die Abschreckungswirkung der Todesstrafe
2.3.1.1 Aussetzung der Todesstrafe in den USA (1967-1976)
2.3.1.2 Abschaffung der Todesstrafe in Kanada (1967)
2.3.2 Die Todesstrafe als billigere Alternative zu einer lebenslangen Haftstrafe

3 Resozialisierung als Aufgabe des Staates

4 Literaturverzeichnis
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur
4.3 Internetseiten

1 Trend hin zur Abschaffung der Todesstrafe

„Hat er aber gemordet, so muß er sterben“[1]. Kann man dieser Aussage von Immanuel Kant in der heutigen Zeit noch zustimmen? Kein deutscher Politiker würde wagen eine solche These laut auszusprechen. Ist Kants Folgerung also veraltet und früheren Zeitumständen zuzuschreiben, oder sollte die Todesstrafe Teil eines modernen Rechtsstaats sein? Egal wie die Antwort auf diese Frage lautet, die Todesstrafe stirbt aus. Gab es 1978 nur neunzehn Staaten ohne Todesstrafe sind es heute bereits 153. Der Trend hin zur Abschaffung geht soweit, dass durchschnittlich 3 Staaten pro Jahr die Todesstrafe aus dem Gesetz streichen[2]. Momentan halten noch 53 Staaten an der Todesstrafe fest. Diese Arbeit soll daher die Frage klären, ob die Todesstrafe in der heutigen Zeit noch vertretbar und in ihrer Anwendung sinnvoll ist. Dazu wird zunächst der Fall von Stanley Williams, eines wegen Mordes zum Tode Verurteilten untersucht. Informationen zu diesem Fall findet man allerdings fast nur in englischer Sprache. Als nächstes wird die Todesstrafe aus christlicher Sicht bewertet. Betrachtet werden dafür Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament, um verschiedene Positionen zur Todesstrafe zu erkennen. Den Abschluss des Hauptteils bildet eine Analyse von Argumenten, die zur Rechtfertigung der Todesstrafe verwendet werden. Leider ergaben sich bei der Literatursuche Schwierigkeiten, weil bei einem aktuellen und modernen Thema wie der Todesstrafe das Internet als wichtigste Quelle oft nur unzuverlässige und unglaubwürdige Literatur liefert. Es wurde aber auf eine Auswahl zuverlässiger Quellen geachtet.

2 Analyse der Todesstrafe anhand ihrer Durchführung, ihrem biblischen Hintergrund und Versuchen der Rechtfertigung

Um zu klären, ob die Todesstrafe in einem modernen Rechtsstaat zu vertreten ist, soll sie hier auf verschiedene Aspekte hin untersucht werden. Als erstes wird das Fallbeispiel des Stanley Williams erläutert. Dazu werden Williams Leben, die Tat und die Verurteilung bis zu Hinrichtung betrachtet. Dabei wird versucht eine knappe Zusammenfassung seines Lebens zu geben, da bisher nur vereinzelte Werke in englischer Sprache vorliegen. Dies soll den Leser dem Thema näher bringen. Danach folgt eine Analyse von Bibelstellen, jeweils getrennt nach dem Alten und Neuen Testament. Bis heute verwenden Befürworter und Gegner der Todesstrafe gleichermaßen Bibelzitate, um ihre Position zu belegen. Diese Arbeit versucht dazu Stellung zu nehmen. Zum Schluss werden die bekanntesten Argumente gegen die Todesstrafe auf ihre Richtigkeit hin untersucht. So soll versucht werden eine sachliche Diskussion für oder gegen die Todesstrafe anzuregen, die sich nicht auf Vermutungen, sondern auf Fakten stützt.

2.1 Fallbeispiel Stanley Williams

52 Menschen wurden in den USA 2009 hingerichtet[3]. Daher sind Todesurteile dort im Gegensatz zu Deutschland fast ständig in den Medien präsent. Einer der bekanntesten Fälle ist wohl der von Stanley Williams. Obwohl dieser standhaft seine Unschuld beteuert, wird er wegen vierfachen Mordes zum Tode verurteilt. Williams, der zunächst durch sein negatives Verhalten aufällt und daher in einer Isolationszelle auf seine Hinrichtung wartet, beginnt sich plötzlich zu ändern. Er fängt an Kinderbücher zu schreiben, die Jugendliche davon abhalten sollen, kriminell zu werden. Dabei werden seine Werke so positiv aufgenommen, dass sich viele Menschen für ein Gnadengesuch einsetzen. Dieses wird jedoch vom Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger abgelehnt und Williams wird am 13. Dezember 2005 durch die Giftspritze getötet[4].

2.1.1 Williams Kindheit und Jugend

Stanley Williams wird am 29. Dezember 1953 in New Orleans geboren. Seine zum Zeitpunkt der Geburt erst 17 Jahre alte Mutter wird wenig später von seinem Vater verlassen und muss sich alleine um ihren Sohn kümmern. Von seinem Vater behält er nur den zweiten Vornamen „Tookie“. Der Familie fehlt es ständig an Geld und sie lebt in einem von Gewalt und Verbrechen umgebenen Viertel. Trotzdem versucht seine Mutter ihm ein normales Leben zu bieten. Sie nimmt ihn auch zu ihren regelmäßigen Kirchenbesuchen mit und gibt sich Mühe ihn vor der Kriminalität zu bewahren. In einem Interview mit Barbara Becnel und Maria Mascaro, auf das auch Kai Renz für Williams Biographie[5] zurückgreift, beschreibt dieser seine Kindheit folgendermaßen: „Ich war ein normales Kind in einer abnormalen Umgebung“. Weiterhin erzählt er, wie er bereits früh Ladendiebstahl beging, um der finanziellen Not seiner Familie zu entfliehen. Seine Mutter zwang ihn jedoch jedes Mal die gestohlenen Dinge wieder zurückzubringen. Doch auch die Erziehung seiner Mutter konnte ihn letztlich nicht vor dem Einstieg in die Kriminalität bewahren. Mit seinem Freund Raymond Lee Washington gründete er schließlich einen Clan, vorerst nur, um sich vor den vielen Gangs in ihrem Viertel zu schützen. Aber Williams Bande, später unter dem Namen „Crips“ in ganz Los Angeles bekannt, entwickelt sich immer mehr zu einer gewalttätigen und kriminellen Organisation[6]. „Wir sind zu jenen Monstern geworden, die wir eigentlich bekämpfen wollten.“, stellt er in dem Interview[7] an Maria Mascaro bedauernd fest.

2.1.2 Die Tat

Der Tatvorwurf und der Stand der Ermittlungen bis kurz vor Williams Hinrichtung, lassen sich aus einem Erklärungsschreiben[8] Arnold Schwarzeneggers über das von ihm gestellte Gnadengesuch entnehmen. Stanley William wird vorgeworfen, insgesamt vier Menschen während zweier Raubüberfälle brutal ermordet zu haben. Der erste Mord geschah demnach am frühen Morgen des 28. Februars 1979. Zusammen mit drei Komplizen und bewaffnet mit einer Schrottflinte begab Williams sich in einen kleinen Supermarkt. Dort zwang er den einzigen Mitarbeiter Albert Owens mit in ein Hinterzimmer zu kommen und sich auf den Bauch zu legen. Daraufhin schoss Williams ihm zweimal in den Rücken. Laut Aussagen der anderen soll er zu ihnen gesagt haben, er wolle keine Zeugen zurücklassen. Die Gruppe flüchtet danach mit 120 Dollar Beute. Am 11. März, nur knapp zwei Wochen später, überfällt Williams dann ein familiengeführtes Motel. Dabei erschießt er drei Familienmitglieder: Vater, Yen-I Yang; die Mutter, Tsai-Shai Lin und die Tochter Yee-Chen Lin. Die Beute wird auf 100 Dollar geschätzt.

[...]


[1] Pieper, H.: „Hat er aber gemordet, so muß er sterben“, in: H. Jacobs (Hg.), Gegen Folter und Todesstrafe, Frankfurt 2007, S. 171.

[2] Zahlen und Fakten über die Todesstrafe, in: http://www.amnesty-todesstrafe.de/?id=41&PHPSESSID=b1da1554ad00dfc0fb1e1216d184cd22, DL (=Download) vom 22.9.2010.

[3] Zahlen und Fakten.

[4] Stanley Tookie Williams, in: http://www.infoplease.com/biography/var/stanleytookiewilliams.html#axzz0znHNYrPW, DL vom 17.9.2010.

[5] Renz, K.: Kinderbücher aus der Todeszelle, in: http://www.motivationlesen.de/biographien/williams/index.htm, DL vom 17.09.2010, S. 3f.

[6] Ebd., a. a. O. S. 1-12.

[7] Mascaro, M.: Der gute Ganster, in: Die Welt Woche 31 (2001), S. 2.

[8] Schwarzenegger, A.: Statemnet of Decision, in: http://graphics8.nytimes.com/packages/pdf/national/Williams_Clemency_Decision.pdf, DL vom 09.10.2010, S. 1.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Gerechter Tod? Die Todesstrafe
Untertitel
Analyse der Todesstrafe anhand ihrer Durchführung, ihres biblischen Hintergrunds und Versuchen der Rechtfertigung
Hochschule
Adalbert-Stifter-Gymnasium, Passau
Note
12
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V166090
ISBN (eBook)
9783640819829
ISBN (Buch)
9783640822836
Dateigröße
1429 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kritik bei der Benotung: "Eigenes Fazit fehlt!"
Schlagworte
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Arbeit zitieren
Andreas Rohrmoser (Autor), 2010, Gerechter Tod? Die Todesstrafe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166090

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