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Die Entstehung des NATO-Doppelbeschlusses

Schwierige Entscheidungsfindung mit Folgen

Title: Die Entstehung des NATO-Doppelbeschlusses

Term Paper , 2010 , 15 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: David Jugel (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Kaum ein anderes Ereignis der internationalen Politik hatte gleichzeitig vor, während und nach Inkrafttreten ein so hohes Konfliktpotential auf internationaler wie gesellschaftlicher Ebene, wie der NATO-Doppelbeschluss. Manch einer schreibt ihm den Anstoß für das Ende des Ost-West-Konfliktes zu, wieder andere wähnten sich durch ihn näher am Nuklearkrieg, als während der Kubakrise und postulieren mit ihm das provozierende Moment der Friedensbewegung und die politische Legitimation der Grünen.
Die vorliegende Arbeit wird sich jedoch lediglich indirekt mit diesen Folgen befassen. Vielmehr soll gezeigt werden, wie der NATO-Doppelbeschluss zu Stande kam und dass seine Folgen nicht ausschließlich auf den konkreten Beschluss zurückzuführen sind, sondern auch aus dem Entstehungsprozess resultierten. Zentral wird dabei Augenmerk auf den Willensbildungsprozess in Europa und den USA gelegt und auf den Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der militärstrategische Kontext vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts

3. Die lange Entstehungsphase des NATO-Doppelbeschlusses

3.1. Vielfalt der Motive, der militärisch-industrielle Komplex und eine offene Frage

3.2. Die Thematisierung der Grauzonenproblematik

3.3. Der Perspektivenwechsel in Washington und die Weichenstellung für den NATO-Doppelbeschluss

3.4. Der NATO-Doppelbeschluss als Kompromiss?

4. Ursachen für das Führungsvakuum und die Verantwortungsfrage im Bündnis

5. (K)eine Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Entstehungsprozess des NATO-Doppelbeschlusses unter besonderer Berücksichtigung der militärstrategischen Rahmenbedingungen und der innerbündnischen Interessenkonflikte zwischen den USA und Europa in den Jahren 1977 bis 1979.

  • Militärstrategischer Kontext des Ost-West-Konflikts
  • Die sogenannte „Grauzonenproblematik“ und ihre Auswirkungen auf das Bündnis
  • Willensbildungsprozesse innerhalb der NATO und die Rolle des militärisch-industriellen Komplexes
  • Der Einfluss politischer Führungsstrukturen und Entscheidungsfindungen in den USA und der Bundesrepublik Deutschland
  • Die Analyse des NATO-Doppelbeschlusses als sicherheitspolitischer Kompromiss

Auszug aus dem Buch

3.2. Die Thematisierung der Grauzonenproblematik

Bis Mitte 1977 herrschte im Umfeld der Regierung Carter die Auffassung, dass die Disparitäten, die sich mit der ab 1976 einsetzenden Modernisierung der sowjetischen SS 4 und SS 5 Mittelstreckensysteme ergaben, durch das amerikanische Nuklearpotential der Interkontinentalsysteme abgedeckt werden könnten (vgl. Cortier: 118). Die präziseren SS-20 Raketen eigneten sich zwar eher als strategische Waffen als ihre Vorgängermodelle, jedoch ging von ihnen eine vergleichsweise geringe militärische Gefahr aus, da die USA auf ihre eigenen strategischen Systeme zurückgreifen konnte. Die eigentliche Gefahr dieser Modernisierung ging von dem politischen Potential aus, die die Dislozierung der SS 20 Raketen mit sich brachte. Schon in den SALT II versuchte die Sowjetunion mit der Nichtumgehungs-Klausel eine Zusammenarbeit zwischen Europäern und USA zu behindern, indem der USA keine Unterstützung der europäischen Staaten durch Marschflugkörper zugestanden wurde (vgl. Layritz 1992: 38f). Mit der Stationierung der SS-20 Systeme, sah die Bundesregierung diesen Prozess, der darauf abzielte Europa und USA von einander zu trennen, fortschreiten. Es wurde befürchtet, dass es zu einer „Abkopplung“ der westeuropäischen Staaten von den USA kommt. (vgl. Haftendorn 1986: 94).

Folglich sahen die europäischen Regierungen die Verhandlungspolitik in den SALT II der ab Januar 1977 agierenden Regierung Carter problematisch, welche zunehmend europäische Interessen zugunsten ihrer „deep cut“ -Ziele opferten. Beispielhaft ist hierfür die selektive Beschränkung der Marschflugkörper und Vernachlässigung der SS-20 Stellungen in den Verhandlungen, wobei deren Berücksichtigung in den Gesprächen den Europäern zuvor von Ford zugesichert worden war. Letztlich sah Helmut Schmidt darin eine „Unberechenbarkeit“ der Regierung Carter, nicht nur für die westlichen Verbündeten, sondern auch für die Sowjet-Administration. (vgl. Schmidt 1999: 226ff)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung erläutert die geschichtliche Bedeutung des NATO-Doppelbeschlusses und steckt den methodischen Rahmen der Arbeit unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur und Zeitzeugendokumente ab.

2. Der militärstrategische Kontext vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts: Dieses Kapitel ordnet den Beschluss in die nuklearstrategische Entwicklung zwischen den USA und der UdSSR ein, von der Ära der „Massive Retaliation“ bis hin zur Phase der Entspannung und der Abschreckungsstabilität.

3. Die lange Entstehungsphase des NATO-Doppelbeschlusses: Das Kapitel analysiert die komplexen politischen Prozesse, die zur Entstehung des Beschlusses führten, von der Grauzonenproblematik bis hin zu den entscheidenden Gipfelgesprächen auf Guadeloupe.

3.1. Vielfalt der Motive, der militärisch-industrielle Komplex und eine offene Frage: Hier werden die Triebfedern der Akteure untersucht und kritisch geprüft, inwieweit der militärisch-industrielle Komplex die amerikanische Haltung zur Nachrüstung beeinflusste.

3.2. Die Thematisierung der Grauzonenproblematik: Das Kapitel befasst sich mit der durch die SS-20-Raketen entstandenen Bedrohungslage und der Angst der Europäer vor einer sicherheitspolitischen Abkopplung von den USA.

3.3. Der Perspektivenwechsel in Washington und die Weichenstellung für den NATO-Doppelbeschluss: Die Analyse zeigt auf, wie die öffentliche Thematisierung der Problematik durch Helmut Schmidt den Kurs der Carter-Administration veränderte und zur Bildung der High Level Group (HLG) führte.

3.4. Der NATO-Doppelbeschluss als Kompromiss?: Dieses Kapitel bewertet den Beschluss als strategischen Ausgleich zwischen dem Bedürfnis nach militärischer Abschreckung und der Notwendigkeit von Rüstungskontrollverhandlungen.

4. Ursachen für das Führungsvakuum und die Verantwortungsfrage im Bündnis: Die Untersuchung beleuchtet das Fehlen einer einheitlichen Strategie in der NATO und die wechselseitigen konzeptuellen Schwächen zwischen der Regierung in Washington und den europäischen Hauptstädten.

5. (K)eine Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert die Entwicklung, bewertet die langfristigen Folgen für den Ost-West-Konflikt und ordnet den NATO-Doppelbeschluss als letztlich erfolgreich ein.

Schlüsselwörter

NATO-Doppelbeschluss, Ost-West-Konflikt, Grauzonenproblematik, Rüstungskontrolle, Abschreckungsstrategie, Nuklearwaffen, SS-20, Helmut Schmidt, Jimmy Carter, Militärisch-industrieller Komplex, Entspannungspolitik, Kalter Krieg, SALT-Verhandlungen, Bündnispolitik, INF-Vertrag.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 und untersucht die komplexen innen- und außenpolitischen Prozesse, die zu dieser Entscheidung führten.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die militärstrategische Entwicklung des Kalten Krieges, die Rolle der SS-20-Mittelstreckenraketen, die Schwierigkeiten der innerbündnischen Konsensfindung und das Spannungsfeld zwischen Rüstung und Abrüstung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie der NATO-Doppelbeschluss als Kompromiss entstand und warum die Entscheidungsfindung innerhalb des Bündnisses so langwierig und von einem Führungsvakuum geprägt war.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse auf Basis von Fachliteratur, Memoiren, zeitgenössischen Reden und Fachzeitschriften, um den Entstehungsprozess argumentativ und thesenartig nachzuzeichnen.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des militärstrategischen Kontexts, den Einfluss nationaler Interessengruppen und die spezifische "Grauzonenproblematik", die eine neue westliche Strategie erforderlich machte.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Grauzonenproblematik, Abschreckungsstabilität, Bündnisinteressen und den Kompromisscharakter sicherheitspolitischer Entscheidungen definiert.

Welche Rolle spielte Helmut Schmidt bei der Entstehung des Doppelbeschlusses?

Schmidt fungierte als wichtiger Impulsgeber, indem er durch seine Londoner Rede die "Grauzonenproblematik" öffentlich thematisierte und so den Druck auf die USA erhöhte, eine kohärente Bündnisstrategie zu entwickeln.

Wie bewertet der Autor den Erfolg des NATO-Doppelbeschlusses?

Der Autor stuft den Beschluss aus heutiger Perspektive als erfolgreich ein, da er langfristig zur Abrüstung im Rahmen des INF-Vertrages führte und zur Beendigung des Ost-West-Konflikts beigetragen hat.

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Details

Title
Die Entstehung des NATO-Doppelbeschlusses
Subtitle
Schwierige Entscheidungsfindung mit Folgen
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Course
Die Geschichte der BRD
Grade
1,3
Author
David Jugel (Author)
Publication Year
2010
Pages
15
Catalog Number
V166106
ISBN (eBook)
9783640823512
ISBN (Book)
9783640823420
Language
German
Tags
entstehung nato-doppelbeschlusses schwierige entscheidungsfindung folgen Helmut Schmidt Carter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Jugel (Author), 2010, Die Entstehung des NATO-Doppelbeschlusses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166106
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