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Jean-Jacques Rousseau - Widerspruch oder Stringenz?

Eine Diskussion zum Verständnis Jean-Jacques Rousseaus

Title: Jean-Jacques Rousseau - Widerspruch oder Stringenz?

Term Paper , 2010 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: David Jugel (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Jean-Jacques Rousseaus werden viele Patenschaften zugeschrieben. Er soll ideologischer Vater für den Sozialismus gewesen sein oder ihm wird die theoretische Verwandtschaft mit dem Nationalsozialismus zugeschrieben. Gleichwohl ist Rousseau jedoch auch Exponent der Idee der Aufklärung und der Vernunft. Dieser Zwiespalt in der Interpretation Rousseaus soll Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein. Sie verfolgt dabei die Frage, inwiefern Rousseau als Gedankengeber totalitärer Ausprägungen oder als Vordenker des liberalen Verfassungsstaates gewertet werden kann.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Spannung zwischen Sein und Ursprung – Rousseaus Menschen‐ und Weltbild

3. Die Überwindung der Gegenwart – der contrat social

3.1. Der Zweck des Vertrages und die Erweiterung des kontraktualistischen Ansatzes

3.2. Die volonté générale – Wille oder Norm?

4. Rousseaus Philosophie als Wegbereiter für den Totalitarismus?

4.1. Rousseau als Antagonist des Pluralismus – Ernst Fraenkels Kritik

4.2. Eine Gegenrede zu Fraenkel – die Rousseausche Gerechtigkeitskonzeption

5. Die Ambivalenz im Werk Rousseaus ‐ eine Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den interpretatorischen Zwiespalt in der politischen Philosophie Jean-Jacques Rousseaus. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, inwieweit Rousseau als Gedankengeber für totalitäre Strömungen oder als Vordenker eines liberalen Verfassungsstaates einzuordnen ist, indem die Spannungsfelder zwischen kontraktualistischer Theorie und utopischen Momenten analysiert werden.

  • Analyse des Rousseauschen Menschenbildes und der Gesellschaftskritik.
  • Untersuchung des "contrat social" und der zentralen Bedeutung der "volonté générale".
  • Gegenüberstellung der gegensätzlichen Interpretationen von Ernst Fraenkel und Andreas Edmüller.
  • Kritische Bewertung der totalitarismustheoretischen Deutung gegenüber einem kontraktualistischen Verständnis.

Auszug aus dem Buch

3.2. Die volonté générale – Wille oder Norm?

„Ich wäre gern in einem Land geboren, in dem der Herrscher und das Volk ein und dasselbe Interesse haben könnten, damit alle Bewegungen der Staatsmaschinerie nur einzig und allein nach dem Allgemeinwohl streben“ (Rousseau 1993: 49). Rousseau entwickelt mit dem contrat social die Vorstellung eines Zusammenschlusses, der alle Mitglieder zu einer sittlichen Gesamtkörperschaft vereint (le corps moral et le collectiv).

Gleichwohl spricht er davon, dass dieses Volk ein und dasselbe Interesse hätte. Den Konflikt, der bei einem Zusammenschluss zu einer Körperschaft durch Interessensgegensetze entstehen würde, überwindet Rousseau mit der Unterscheidung von volonté générale, dem allgemeinen Willen, volonté particulière, dem Willen einzelner und der volonté de tous, dem Willen aller einzelnen. Dabei bezieht sich im logischen Sinne die volonté générale auf das Ziel, während die volonté particulière auf die Mittel zur Erreichung des Ziels abhebt. Gleichsam lässt sich das eine vom anderen darin unterscheiden, dass die volonté générale das allgemeine Wohl intendiert und die volonté particulière nur Teilinteressen beinhalten kann (Vgl. Fetscher 1960: 111f).

Ableitend aus dem Einzelwillen spricht Rousseau auch von der volonté de tous, dem Willen aller einzelnen. Sie ist unauflöslich mit der volonté générale verbunden, aber nicht identisch: „Zwar kann die volonté générale nur durch die volonté de tous realisiert werden, da eben nur demokratische Selbstherrschaft legitime Herrschaft ist. Jedoch ist die volonté de tous kein Garant der volonté générale. Was alle wollen ist nicht notwendigerweise identisch mit dem, was die Allgemeinheit will“ (Kersting 2002: 122). Hierin klingt das utopische Moment der Theorie an: Die volonté générale schwebt als Gemeinwohl über den Menschen und ist nicht zwangsläufig die Addition der Einzelwillen: „The genaral will is the will of the whole communitiy when applied to the comuinity as a whole.”(Melzer 1990: 154). Man kann die volonté générale als Kollektivum der volonté de tous als Distributivum gegenüberstellen, wobei der Gemeinwille die „Resultante der Einzelwillen“ (Forschner 1977: 118) darstellt; soll heißen, nicht das Interesse der Mehrheit ist, sondern eine allgemeine Verbindlichkeit zum Erhalt des Wohls aller.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Diese Einleitung stellt die interpretatorische Ambivalenz Rousseaus zwischen totalitärer Deutung und liberalem Vordenkertum dar und erläutert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.

2. Die Spannung zwischen Sein und Ursprung – Rousseaus Menschen‐ und Weltbild: Dieses Kapitel analysiert das Menschenbild Rousseaus, insbesondere den Übergang vom natürlichen zum künstlichen Menschen und die daraus resultierende Entfremdung.

3. Die Überwindung der Gegenwart – der contrat social: Hier wird der Gesellschaftsvertrag als Versuch dargestellt, Freiheit innerhalb einer bürgerlichen Ordnung durch eine sittliche Gesamtkörperschaft zu sichern.

3.1. Der Zweck des Vertrages und die Erweiterung des kontraktualistischen Ansatzes: Der Fokus liegt auf der Differenzierung des Rousseauschen Vertragsbegriffs gegenüber Hobbes und Locke als zukunftsorientiertes Maß für eine legitime Gesellschaft.

3.2. Die volonté générale – Wille oder Norm?: Das Kapitel erörtert die komplexe Definition des Gemeinwillens und seine Unterscheidung von Einzelwillen und dem Willen aller.

4. Rousseaus Philosophie als Wegbereiter für den Totalitarismus?: Dieses Kapitel beleuchtet die kritische Auseinandersetzung mit Rousseau als vermeintlichem geistigen Urheber totalitärer Systeme.

4.1. Rousseau als Antagonist des Pluralismus – Ernst Fraenkels Kritik: Es wird dargelegt, wie Ernst Fraenkel Rousseau aufgrund seines Antipluralismus als Paten totalitärer Demokratievorstellungen identifiziert.

4.2. Eine Gegenrede zu Fraenkel – die Rousseausche Gerechtigkeitskonzeption: Andreas Edmüllers Verteidigung Rousseaus wird diskutiert, wobei insbesondere der kontraktualistische Ansatz gegen den Totalitarismusvorwurf verteidigt wird.

5. Die Ambivalenz im Werk Rousseaus ‐ eine Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Gegensätze in Rousseaus Werk als historisch bedingtes Ganzes zu begreifen sind, das sich nicht auf eine einseitige Interpretation reduzieren lässt.

Schlüsselwörter

Jean-Jacques Rousseau, Contrat Social, volonté générale, Gemeinwohl, politische Philosophie, Totalitarismus, Ernst Fraenkel, Andreas Edmüller, Gesellschaftsvertrag, Pluralismus, Naturzustand, Staatslehre, Freiheit, Gleichheit, politische Theorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die zwiespältige Rezeption von Jean-Jacques Rousseau, der sowohl als Wegbereiter für den Totalitarismus als auch als Vordenker liberaler Verfassungsstaaten interpretiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen Rousseaus Menschenbild, die Konstruktion des Gesellschaftsvertrages (contrat social), das Konzept der volonté générale sowie die Debatte über Pluralismus und Totalitarismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu klären, ob Rousseaus politisches Denken notwendigerweise in totalitäre Strukturen führt oder ob eine kontraktualistische, freiheitliche Lesart ebenso begründbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit basiert auf einer kritischen Literaturanalyse und einer vergleichenden Gegenüberstellung bedeutender politischer Theoretiker wie Ernst Fraenkel und Andreas Edmüller.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Menschenbildes, die Erläuterung des contrat social und die intensive Diskussion der Argumente für und gegen eine totalitarismustheoretische Deutung Rousseaus.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?

Wesentliche Begriffe sind: Rousseaus politische Philosophie, volonté générale, Gesellschaftsvertrag, Antipluralismus, Gemeinwohl und die Ambivalenz des Werkes.

Wie unterscheidet Rousseau laut Text zwischen der volonté générale und der volonté de tous?

Rousseau sieht die volonté générale als Ausdruck des Allgemeinwohls und allgemeiner Verbindlichkeit, während die volonté de tous lediglich die bloße Addition individueller Einzelwillen darstellt.

Wie bewertet der Autor die Kritik von Ernst Fraenkel?

Der Autor erkennt die Stringenz von Fraenkels Kritik am Antipluralismus Rousseaus an, bemängelt aber zugleich die einseitige, rekursive Betrachtung, die den Texten Rousseaus nicht in ihrer gesamten Tiefe gerecht wird.

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Details

Title
Jean-Jacques Rousseau - Widerspruch oder Stringenz?
Subtitle
Eine Diskussion zum Verständnis Jean-Jacques Rousseaus
College
Dresden Technical University  (Politikwissenschaft)
Course
Einführung in das Studium der politischen Theorie
Grade
1,7
Author
David Jugel (Author)
Publication Year
2010
Pages
18
Catalog Number
V166111
ISBN (eBook)
9783640823529
ISBN (Book)
9783640824151
Language
German
Tags
jean-jacques rousseau widerspruch stringenz eine diskussion verständnis jean-jacques rousseaus Thema Rousseau
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Jugel (Author), 2010, Jean-Jacques Rousseau - Widerspruch oder Stringenz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166111
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