Filmanalyse im Deutschunterricht. Medienkompetenz und Literalität


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Prolog

3 Medienkompetenz
3.1 Definition
3.2 Ver Ortung im Unterricht

4 Filmanalyse
4.1 Inhalt
4.2 Narration und Dramaturgie
4.3 Figuren
4.4 Ästhetik und Gestaltung
4.5 Kontext

5 Filmdidaktik
5.1 Schlüsselqualifikationen
5.2 Filmische Analysekompetenzen
5.3 Film im Unterricht
5.4 Literaturadaption
5.5 Unterrichtsgestaltung

6 Analytischer Kommentar

7 Literaturverzeichnis
7.1 Sekundärliteratur
7.2 Internetquellen
7.3 Bildquellen

Prolog

Bildgeprägte Medien - und im Besonderen Filme - nehmen in unserem Rezipientenalltag immer mehr überhand. Ein prägnanter Part unseres medialen Lebens wird somit von uns alltäglich konsumiert, ohne die Befähigung der genauen Entschlüsselung von intermedialen und suborientierten Botschaften.

Daher wird es zukünftig immer mehr Aufgabe der Institutionen für Wissens- und Kompetenzvermittlungen - sprich Schulen - sein, die Schüler für die Informationsgesellschaft, in welcher wir heute leben, vorzubereiten.

Was dies bezüglich des Mediums Film heißt, und welchen Platz die Basiskenntnisse der Filmwissenschaft bei ihrem Einzug in den Lehrplan erhalten sollen, wird diese wissenschaftliche Auseinandersetzung aufzeigen. Warum überhaupt sollte man sich also im Unterricht mit der Filmanalyse auseinandersetzen?

Dazu gehört auch zu hinterfragen, ob die allgemeine Medienkompetenz und die Filmanalyse im Speziellen gemäß des länderübergreifenden Stundenplans im Deutschunterricht korrekt verankert ist. Gibt es spezielle Voraussetzungen oder Qualifikationen, die man vor der Vermittlung von Medienkompetenz erfüllen muss?

Doch voranschreitend muss zunächst ergründet werden, welche Kernelemente das zweitliebste Modewort des aktuellen Didaktikdiskurses1 überhaupt transportiert und in sich trägt - oder schlicht gefragt: Was ist Medienkompetenz?

Medienkompetenz

״Die Vermittlung von Medienkompetenz wird als Aufgabe des Deutschunterrichts betrachtet, da sich ihre Herausbildung im Zusammenhang mit den sprachlichen Grundtätigkeiten des Lesens, Schreibens, Sprechens und Hörens vollzieht2 “ - diese Forderung kann man vielen Diskussion zur Lehrplangestaltung entnehmen. Doch was versteht man eigentlich unter Medienkompetenz?

Das Schlagwort Kompetenz prägt aktuell den Schulalltag von Schülern wie von Lehrern. Grob gesagt sollen diesen den Kindern ermöglichen mit Wissen umzugehen.

An der Spitze der zu aktivierenden Kompetenzen, die beim Medienkonsuln entscheidend sind, steht ein Dreigestirn:

- ״Die Sachkompetenz bezieht sich auf die Fähigkeit des Individuums zur technischen Handhabung von Kommunikationstechnologie,
- die Selbstkompetenz auf die persönlichkeitsbezogenen Gmndfähigkeiten wie reflexive Medienrezeption, Differenzierbarkeit von Realität und Fiktion etc. und
- die Sozialkompetenz schließlich auf Fähigkeiten wie die sozial angemessene Nutzungsfähigkeit von Medien.“3

Diese Uberbegriffe müssen in dieser detaillierten Auseinandersetzung mit dem Feld Medien natürlich noch genauer aufgegliedert und erläutert werden.

3.1 Definition

Rein empirisch ist der Terminus der Medienkompetenz zurückzuführen auf ״Dieter Baackes Adaption der Habermas’schen Konzeptes der kommunikativen Kompetenz4 (...). Dieseswiederum fußt auf dem von Noam Chomsky entwickelten Konzept der Sprachkompetenz Kommunikative Kompetenz ist nach Chomsky ״die Fähigkeit des Menschen, potenziell situations- oder aussagenadäquate Kommunikationen auszugeben und zu empfangen, ohne an Reize und von ihnen gesteuerte Lernprozesse gebunden zu sein5 6 7 8 “. Nach Baake7 richtet sich in Deutschland danach eine gängig gewordene Vierteilung, die den Terminus Medienkompetenz mit Inhalt füllt:

I. ) Medienkunde
II. ) Medienanalyse bzw. Medienkritik
III. ) Medienreflexion bzw. Medienreflexion
IV. ) Mediengestaltung

Medienkunde wird hier als ״die Vermittlung von Wissen und Kenntnissen über die Strukturen der Medien, ihre Inhalte und Programme, ihre ästhetischen und ideologischen Dimensionen, mitunter auch ihrer Geschichte und gesellschaftlichen Funktionen8 “ bezeichnet. Medienanalyse und -kritik sind die Fähigkeiten ״Medien in ihren Aussagen, Formen, Gattungen, ästhetischen Formationen und symbolischen Präsentationen untersuchen, interpretieren, durchschauen und erklären zu können9 “. Demgegenüber wird die Medienreflexion als die Eigenschaft bezeichnet, ״die eigenen alltäglichen Gewohnheiten, die subjektive Mediennutzung, die Bedürfnisse und Wünsche, die Gefühle und Projektionen beobachten, reflektieren und einschätzen zu können, um dadurch zum vielbemühten kritischen (...) Rezipienten zu werden10 “. Diese Definitionen abschließend setzt die Eignung zur Mediengestaltung voraus, ״Medien für eigene Erfahrungen, Interessen und kommunikative Anliegen effektiv, d.h. angemessen, originell, adressatenspezifisch und wirksam11 “ nutzen und gestalten zu können.

Kurzum: es geht um ״den sinnvollen, sachgerechten sozial verantwortungsvollen Umgang mit Medien12 “ - dabei ist ״Medienkompetenz vor allem die Fähigkeit, [sich] persönlichkeitsbezogene Grundfähigkeiten (Selbstkompetenz) und sozial ausgerichtete Fähigkeiten (Sozialkompetenz) im Umgang mit interaktionsorientierten (Foto, Video, Computer, Internet) und rezeptionsorientierten Medien (Print-Medien, Fernsehen und Film) reflektiert und handlungsorientiert aneignen zu können13 “.

Das Hauptaugenmerk soll dabei auf der Vermittlung des Wissens liegen, welches erkennt, dass Medien lediglich Realität konstruieren, nie aber sie 1:1 abbilden - der Schlüssel zu dieser Erkenntnis der Transformation liegt in der frühzeitigen Ausbildung von Medienkompetenz14, sowie des Bewusstseins einer Einbettung in die herrschende Kommunikationskultur15 16. Medienereignisse sind immer detailgenau bearbeitete Produktionen, sie zeigen niemals die Wirklichkeit, sondern lediglich einen Ausschnitt, bestimmte ausgewählte Situationen, die in ihrer Wiedergabeform immer auch vom Produzenten interpretierte, gewertete und mitunter auch verfälschte Ausschnitte von Realität und Wirklichkeit zeigen.

Dieser neu kreierte und geformte Kulturraum kennzeichnet den ״Medienalltag15 “ unserer Kinder ganz prägnant durch die Merkmale der Vielfalt, der Verfügbarkeit, Vernetzung und Digitalisierung17.

3.2 Verortung im Unterricht

Schon vor fünfzehn Jahren, also 1995, wurde der explorativ steigenden Mediennutzung im Alltag, und hier im Besonderen bei den heranwachsenden, also noch zu beschulenden, Generationen, zum Anlass genommen, Medienerziehung in den bundesweiten Lehrplan aufzunehmen - mit dem Schwerpunkt der Notwendigkeit des Erwerbs folgender Kompetenzen:

- ״Medieneinflüsse erkennen und aufarbeiten
- Medienbotschaften verstehen und bewerten
- Medienangebote auswählen und nutzen
- Medien selbst gestalten und verbreiten
- Medien hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Bedeutung analysieren und beeinflussen.18

“ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat aktuell die politischen Vorgaben für den Lehrplan aktualisiert und die Medienbildung in vier Themengebiete unterteilt, welche sich wiederum über untergeordnete Kompetenzbereiche19 gliedern:

1״.) Information und Wissen
2. ) Kommunikation Kooperation
3. ) Identitätssuche und Orientiemng
4. ) Digitale Wirklichkeiten und produktives Handeln.“20

Die Umsetzung dieser Leitlinien soll somit die Schüler zum einen dazu befähigen, differenzierte Quellen zu nutzen und diese auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen. Ferner sollen die Nutzungskontexte und Anwendungsbedingungen der verschiedenen Kommunikationsarten gelehrt werden, sowie deren ästhetische, technische und inhaltliche Umsetzung und die Kompetenz, Medienprodukte auf ihre Aussagekraft und Botschaft hin zu untersuchen und zu analysieren. Des Weiteren sollen sie lernen, unterschiedlichste Medien selbst verantwortungsvoll zu gebrauchen. Abschließend soll noch die soziologische Tragweite der Medien erschlossen werden, ihr Einfluss auf den gesellschaftlichen Wandel, ihre wirtschaftliche und politische Kraft. Die Bedeutsamkeit von Wirklichkeit und ihrer Konstruktion im und durch den Medienraum wurde bereits im vorangehenden Kapitel besprochen, soll aber hier abrundend erwähnt werden.

Um die spezifische Verwirklichung der staatlich eingeforderten Punkte greifbarer zu machen,hat die Länderkonferenz ein Schaubild entwickelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie diese Realisierung im Unterricht konkret aussehen kann wird im Kapitel 5.5 näher erläutert werden.

Medienkompetenz als Unterrichtsthema oder -methode soll demnach also keine Wissenslücken bei den Schülern schließen, sondern ihnen vielmehr Orientierung im Kommunikationsraum bieten”.21

Filmanalyse

Immer mit Blick auf die jeweilige Klasse und deren Jahrgangsstufe sollte man - in seiner Differenzierung angepasst - die Filmanalyse22 23 übersichtsartig in folgende Arbeitsschritte gliedern24:

4.1 Inhalt

Der Inhalt eines Filmes gliedert sich zum einen in den Plot, also alle visuellen und auditiven Elemente, welche auf dem Bildschirm bzw. der Leinwand zu sehen sind, und der Storyline zum anderen. Die Story basiert auf dem Zusammenfügen der Handlung zu einem sinnhaften Ganzen aufgrund des Füllens der Leerstellen durch den Rezipienten; dieser stellt also aktive Zusammenhänge her.

Weiterführend werden hier die handlungstragenden Räume identifiziert, sowie die zeitliche Verorüing der Gesamthandlung und die Szenenabfolge zueinander. Außerdem spielen die Interaktionsverhältnisse der Figuren untereinander, eventuell zum Rezipienten und mit bestimmten Objekten eine Rolle.

Abschließend sollte der Blick auf die situative Rahmung gerichtet werden.

4.2 Narration und Dramaturgie

Hier geht es allen voran darum Kohärenz zu bilden, wobei man davon ausgehen muss, dass diese immer vom Rezipienten individuell konstruiert wird. Dabei verknüpft die narrative Struktur Plot und Story miteinander. Die dramaturgische Struktur dient zum inhaltlichen Aufbau von Spannung - der behandelte Konflikt soll dazu führen zu fragen, wie der Verlauf und wie das Ende sein werden.

[...]


1 Nach den Kompetenzen.

2 Möbius, Thomas: Wahrnehmen - Vorstellen - Versprachlichen. Aspekte einer Filmdidaktik für die Grundschule. In: Medien im Deutschunterricht 2005. Jahrbuch. Themen-Schwerpunkt Filmdidaktik und Filmästhetik. Hrsg, von Volker Frederking. München: kopaed 2006. s. 96.

3 Winterhoff-Spurk, Peter: Medienpsychologie. Eine Einführung. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: w. Kohlhammer 2004. s. 158.

4 Siehe: Baacke 1972 und Habermas 1971.

5 Moser, Heinz: Einführung in die Medienpädagogik. Aufwachsen im Medienzeitalter. 3. Auflage. Opladen: Leske + Budrich 2000. s. 213.

6 Ebd. s. 214.

7 Baake, Dieter: Medienpädagogik. Tübingen: Niemeyer 1997.

8 Kübler, Hans-Dieter: Modalitäten von Medienkompetenz. Von der Medienerziehung zum Wissensmanagement? In: forum medienethik (Jahrgang 2002, Heft 1). Medienkompetenz - Kritik einer populären Universalkonzeption. München: kopaed 2002. s. 20.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Pöttinger, Ida: Medienkompetenz - heiter bis wolkig. In: forum medienethik (Jahrgang 2002, Heft 1). Medienkompetenz - Kritik einer populären Universalkonzeption. München: kopaed 2002. s. 54.

13 Röll, Franz Josef: Medienkompetenz ist machbar. Thesen aus konstruktivistischer Sicht. In: forum medienethik (Jahrgang 2002, Heft 1). Medienkompetenz - Kritik einer populären Universalkonzeption. München: kopaed 2002. s. 73.

14 Bauer, Thomas A.: Die Kompetenz ethischen und ästhetischen Handelns: Medienethik aus medienpädagogischer Perspektive. In: Medien und Ethik. Hrsg, von Matthias Karmasin. Stuttgart: Reclam 2002. s. 195.

15 Vgl. Bauer, Thomas A.: Die Kompetenz ethischen und ästhetischen Handelns: Medienethik aus medienpädagogischer Perspektive, s. 214.

16 Theunert, Helga: Der Einfluß der Medien auf den Kinderalltag. In: Familienmitglied Fernseher? Uber den Einfluß und die Wirkungen der neuen Medien auf unsere Kinder. Hrsg, von Michael Miedaner. 2. Auflage. Neuried: Care-Line 1995. s. 24.

17 Vgl. Spanhel, Dieter: Die pädagogische Problematik der Medien (Konsequenzen für die schulische Medienerziehung. In: Familienmitglied Fernseher? Uber den Einfluß und die Wirkungen der neuen Medien auf unsere Kinder. Hrsg, von Michael Miedaner. 2. Auflage. Neuried: Care-Line 1995. s. 134.

18 Kurzrock, Tanja: Neue Medien im Deutschunterricht. In: Grundlagen der Deutschdidaktik. Sprachdidaktik - Mediendidaktik - Literaturdidaktik. 3. Auflage. Hrsg, von Günter Lange und Swantje Weinhold. Baltmannsweiler: Schneider 2007. s. 187.

19 Diese entnehmen sie bitte der besagten Quelle, da hier aus Gründen des Umfangs und des Schwerpunkts keine weitere Differenzierung erfolgt.

20 Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur.

21 Graphik: Kompetenzorientiertes Konzept für die schulische Medienbildung.

22 Bolz, Norbert: Medienkompetenz statt Weltwissen. Fortsetzbarkeit der Kommunikation statt Realitätsgarantie. In: Texte zur Medientheorie. Hrsg, von Günter Helmes und Werner Köster. Stuttgart: Reclam 2002. s. 330.

23 Die folgende Gliederungsstruktur basiert federführend auf Lothar Mikos’ Film- und Femsehanalyse.

24 Immer im Hinterkopf habend, dass man es im Kurs nicht mit Filmwissenschaftlern, sondern mit Schülern zu tun hat - daher lediglich eine grobe Einteilung.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Filmanalyse im Deutschunterricht. Medienkompetenz und Literalität
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Film und Literatur in der Weimarer Republik
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V166139
ISBN (eBook)
9783668749184
Dateigröße
3884 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Dozent bewertete die Arbeit mit "ganz ausgezeichnet".
Schlagworte
filmanalyse, deutschunterricht, medienkompetenz, literalität
Arbeit zitieren
Magister Sascha Rudat (Autor), 2010, Filmanalyse im Deutschunterricht. Medienkompetenz und Literalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166139

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