Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Romance Studies - Spanish Studies

Die Reise zur anderen Geschichte. Der transversalhistorische Roman am Beispiel von Abel Posses "El largo atardecer del caminante"

Title: Die Reise zur anderen Geschichte. Der transversalhistorische Roman am Beispiel von Abel Posses  "El largo atardecer del caminante"

Bachelor Thesis , 2010 , 38 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Simone Rost (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

‟Konstruktion der Gegenwart” ist, im Anschluss an Walter Benjamin, ‟die eigentliche Aufgabe eines Historikers”, der nicht mehr der Illusion verfallen sein sollte, darzustellen, wie es denn wirklich gewesen sei. Wobei das ‟wirklich” nach aktuellem Verstehen mehrere Fragen auslöst, deren Beantwortung sich diverse Autoren zur Aufgabe ihres literarischen Schaffens gemacht haben. Zum einen stellt sich die Frage nach einer mimetisch abbildbaren Wirklichkeit, wenn es, innerhalb einer postmodernen Perspektive, kein großes einheitliches Ganzes mit absolutem Wahrheitsgehalt mehr gibt, das abgebildet bzw. erzählt werden kann. Aus philosophischer Sicht spricht Lyotard, zum Beispiel, vom Ende der großen Erzählung, die eine allumfassende Wahrheit wiedergibt, und die nun von vielen kleinen Erzählungen abgelöst wurde. Zum anderen stellt sich die Frage nach Fiktionalität und Realität und wo sich, im Bezug auf den historischen Roman, zwischen beiden die Grenze befindet. Dieses Problem ist nach Meinung des Historikers Hayden White obsolet, da ‟Geschichte in der gleichen Weise sinnvoll gemacht wird, wie der Dichter oder der Romanautor dies versuchen”. Es spielt demnach kaum eine Rolle, inwiefern die Welt als ‟real oder lediglich vorgestellt verstanden wird; die Art der Sinnstiftung ist die gleiche”. In Verbindung mit dieser Entgrenzung des Geschichtsbegriffs und den Theorien des Postkolonialismus, die z.B. das Schreiben als einen Prozess, um des Schreibens Willen betrachten oder auch die Problematik der Andersheit untersuchen, kann die ‟historiographische Ereignisdarstellung” geschichtlicher Texte als Konstruktion entlarvt werden. So stellt sich hier nicht die Frage nach dem ob, sondern wie Texte narrative Mittel und Verfahren benutzen, um Geschichte zu schreiben bzw. zu erzeugen. Für eines dieser Vertextungsverfahren, das eng mit Fragen der neueren Geschichtsphilosophie und Geschichtsschreibung verbunden ist, haben René Ceballos und Alfonso de Toro den Begriff transversalhistorisch geprägt. Im Folgenden soll dieses Verfahren aufgrund seiner Charakteristik untersucht und auf den Roman El largo atardecer del caminante, des argentinischen Autoren Abel Posse angewandt werden. Dazu wird ein einleitender Exkurs das diachron wandelbare Verständnis von Historiographie sowie das Verhältnis zwischen narrativ fiktionalen und historischen Texten beleuchten, bevor einige Theorien der neuen Geschichtsschreibung mit den Ideen der Postmoderne und Postkolonialität verbunden werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Exkurs in das historische Denken: Was ist Geschichte?

1.1. Geschichte im 18./19. Jahrhundert

1.2. Geschichte(n) im 20./21. Jahrhundert

1.2.1. Die Schule der Annales

1.2.2. Hayden White

1.2.3. Geschicht(en)schreibung im postmodernen Kontext

2. Der transversalhistorische Roman

2.1. nueva novela histórica oder transversalhistorisch

2.2. Charateristik

3. El largo atardecer del caminante von Abel Posse

3.1. Biographische Daten

3.2. Die (Sub)Versionen des Cabeza de Vaca

3.3. Romananalyse

3.3.1. Die Macht der Sprache: Worüber man nicht reden kann

3.3.2. Der implizite Leser im Zeitlabyrinth

3.3.3. Nacktheit, Körper, Adler als Leitmotive auf dem Weg des transversalen Wanderers

3.4. Zusammenfassung

4. Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff des „transversalhistorischen Romans“ anhand des Werkes El largo atardecer del caminante des argentinischen Autors Abel Posse. Dabei steht die theoretische Reflexion über Geschichte als Konstrukt sowie die Analyse narrativer Strategien im Vordergrund, um aufzuzeigen, wie Literatur das Verhältnis von Fiktion, Wahrheit und historischer Realität dekonstruiert.

  • Theoretische Grundlagen zur Geschichtsschreibung (u.a. Hayden White, Schule der Annales).
  • Definition und Charakteristika des transversalhistorischen Romans.
  • Biographische und motivische Einordnung von Abel Posse und seiner Cabeza de Vaca-Trilogie.
  • Analyse der Schreibprozesse und Identitätskonstruktionen im Roman.
  • Reflexion über die Rolle der Sprache, Erinnerung und das Konzept des „Dritten Raums“.

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Die Macht der Sprache: Worüber man nicht reden kann…

….darüber muss man SCHREIBEN. Das würde in Anlehnung an die Sprechakttheorie wohl der fiktive Ich-Erzähler dieses Romans sagen. Er repräsentiert die historische Figur Cabeza de Vaca, der in seinen Mitsechzigern in Sevilla lebt und an den Nachmittagen (atardecer) seine Erinnerungen, seine Memoiren, zu Papier bringt.

Der Text ist ein mosaikartiges Suchspiel der Erinnerung, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei entwickeln sich erzählte Gegenwart und die erzählte Vergangenheit zwischen historischen Personen und Ereignissen im Inneren des Protagonisten und entstehen erst im Schreibakt, um auf dem Papier Strukturen zu erhalten, d.h. “real” zu werden. Dabei bezieht er sich immer wieder auf seine bereits veröffentlichten Werke Naufragios (1542) und Comentarios, mit Sätzen, wie z.B. “según conté” (Posse 1992: 71), wenn die Neuversion mit den “alten” Ereignissen übereinstimmen und er vorgibt sich nicht wiederholen zu wollen.

Posse lässt Cabeza de Vaca nun die eigenen (Erzähl-) Lücken füllen. Die bereits verfassten Medien entwickelt sich so auf rhizomatische Art weiter. Die in Naufragios geschriebenen Seiten, über die Jahre bei den Indianern, werden ironisierend vom Erzähler aufgenommen und dem Leser suggeriert, dass er dabei ist, ein sich entwickelndes Geheimnis zu lesen (sozusagen einem Werden beizuwohnen), dass Cabeza de Vaca nie gewagt hat auszusprechen oder auch nur zu denken.

“Escribir hace que la palabra sea real”, besagt Roa Bastos Buch Yo, el Supremo, im Eingangszitat. Schreiben realisiert Cabeza de Vacas Innenwelt, seine Geheimnisse, seine (tot)geschwiegenen Familienmitglieder. So entstehen und (er)stehen seine Kinder und seine Frau, auf´s Neue. Durch das Formulieren und Aufschreiben werden sie und ihre Geschichte wieder in die Welt eingeschrieben und Cabeza de Vaca gibt ihnen durch Sprache (wieder) eine Identität.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung führt in die postmoderne Perspektive auf die Geschichte als Konstruktion ein und stellt das transversale Vertextungsverfahren als analytischen Rahmen für Abel Posses Roman vor.

1. Exkurs in das historische Denken: Was ist Geschichte?: Dieses Kapitel beleuchtet diachron das Verständnis von Historiographie und zeigt den Wandel vom positivistischen Geschichtsverständnis hin zu postmodernen und postkolonialen Theorien auf.

2. Der transversalhistorische Roman: Hier werden die theoretischen Merkmale dieses spezifischen Roman-Typs entwickelt, der sich durch Hybridität, Metadiskursivität und eine Abkehr von linearer Monokausalität auszeichnet.

3. El largo atardecer del caminante von Abel Posse: Das Hauptkapitel wendet die theoretischen Konzepte auf Posses Roman an und untersucht biographische Bezüge, die Versionen des Protagonisten Cabeza de Vaca sowie zentrale Leitmotive wie Körperlichkeit und Sprache.

4. Schlussfolgerungen: Die Schlussfolgerungen fassen die Erkenntnisse zusammen und unterstreichen die Kraft des Romans, durch die rhizomatische Struktur eine „andere“ Geschichte als Reflexionsraum für das Identitätsverständnis zu öffnen.

Schlüsselwörter

Transversalhistorisch, Abel Posse, Cabeza de Vaca, Historiographie, Postmoderne, Postkolonialität, Romananalyse, Hybridität, Identität, Geschichtskonstruktion, Metafiktion, Narrativität, Rhizom, Gedächtnis, Spurensuche.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den „transversalhistorischen Roman“ als literarisches Verfahren, um die Konstrukthaftigkeit von Geschichte zu hinterfragen und neue Formen der kulturellen Identitätsdarstellung aufzuzeigen.

Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?

Zentrale Themen sind die postmoderne Geschichtsphilosophie, das Verhältnis von Fiktion und Realität, die Rolle des Autors als „rhizomatischer Produzent“ sowie die Identitätssuche des historischen Protagonisten Cabeza de Vaca.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Abel Posse durch hybride Erzählstrategien das traditionelle, lineare Geschichtsverständnis dekonstruiert und eine „andere“ Geschichte ermöglicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der poststrukturalistische und postkoloniale Literatur- und Kulturtheorien (z.B. von Deleuze, White, Bhabha) mit einer detaillierten Textanalyse des Romans verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich intensiv der Romananalyse von El largo atardecer del caminante, wobei unter anderem die Rolle der Sprache, die (Sub)Versionen der historischen Figur Cabeza de Vaca und zentrale Leitmotive wie Nacktheit und Adler-Symbolik untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie „Transversalität“, „Hybridität“, „Geschichtskonstruktion“ und „Metafiktion“ stehen im Zentrum der wissenschaftlichen Argumentation.

Wie wird das Konzept des „Dritten Raums“ im Roman umgesetzt?

Der „Dritte Raum“ fungiert als Ort, an dem sich koloniale und indigene Diskurse überschneiden und gegenseitig relativieren, was dem Protagonisten eine hybride Existenz zwischen den Kulturen ermöglicht.

Warum spielt der Buchdruck und das Schreiben eine so wichtige Rolle für Cabeza de Vaca?

Das Schreiben ist für ihn nicht nur ein Akt der Dokumentation, sondern ein „Dazwischen“, das ihm ermöglicht, seine eigene Identität jenseits der offiziellen Chroniken neu zu erfinden und Unaussprechliches greifbar zu machen.

Excerpt out of 38 pages  - scroll top

Details

Title
Die Reise zur anderen Geschichte. Der transversalhistorische Roman am Beispiel von Abel Posses "El largo atardecer del caminante"
College
University of Leipzig  (Institut für Romanistik)
Course
La novela (transversal)histórica
Grade
1,0
Author
Simone Rost (Author)
Publication Year
2010
Pages
38
Catalog Number
V166159
ISBN (eBook)
9783668681491
ISBN (Book)
9783668681507
Language
German
Tags
Roman Geschichte Metafiktionalität Posse Argentinien Eroberung transversalhistorisch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Rost (Author), 2010, Die Reise zur anderen Geschichte. Der transversalhistorische Roman am Beispiel von Abel Posses "El largo atardecer del caminante", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166159
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  38  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint