„Work & Travel“ in Australien

Welche Motivation bewegt junge Deutsche zu einem „Work & Travel“ Aufenthalt in Australien?


Examensarbeit, 2010
126 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Work & Travel- die etwas andere Art zu reisen
2.1 Was bedeutet überhaupt Work & Travel?
2.1.1 Das Working Holiday Maker (WHM) Programm
2.1.2 Von den Anfängen des WHM Programms bis ins Jahr 2008
2.1.3 Ein Blick auf das Jahr 2009
2.2 Die Jobsuche
2.2.1 „Traumjob“ zu vergeben
2.2.2 Die Auswirkungen auf den australischen Arbeitsmarkt
2.2.3 Was verdient man als WHM?
2.2.4 Work & Travel- ein teurer Spaß?
2.3 WWOOFing– arbeiten für Kost und Logis
2.4 Unterwegs in Down Under
2.4.1 Lonely Planet- die Bibel der Backpacker und WHM
2.4.2 Greyhound oder lift?
2.4.3 Youth Hostel oder Camper- Van? Das ist hier die Frage
2.5 Studieren in Australien

3 Australien- das Land der Backpacker
3.1 Das Backpacking und der Backpacker
3.2 Die australischen Hotspots für Backpacker und WHM
3.3 Backpacker Trend am Beispiel South Australia
3.4 Backpacking– ein Gegenunternehmen zum Vulgärtourismus?

4 Reisemotivation
4.1 Die Motivation zu reisen
4.2 Die Reisemotivation der Backpacker
4.2.1 Statistik 2008 zur Reisemotivation der internationalen WHM
4.3 Der Auslandsaufenthalt- ein Muss in jedem Lebenslauf?
4.4 Der reisende Forscher

5 Einleitung

6 Aufbau und Ziele der Untersuchung
6.1 Forschungsdesign
6.2 Methodik und Aufbau der Fragebögen
6.3 Grenzen der Untersuchung
6.4 Ziele der Untersuchung

7 Ergebnisse und Schlussfolgerungen
7.1 Datenlage
7.2 Die Altershypothese (Hypothese 1)
7.2.1 Ergebnisse
7.2.2 Fazit
7.3 Die Geschlechterhypothese (Hypothese 2)
7.3.1 Ergebnisse
7.3.2 Fazit
7.4 Die Reise- und Feierhypothese (Hypothese 3)
7.4.1 Ergebnisse
7.4.2 Fazit
7.5 Die Sozialhypothese (Hypothese 4)
7.5.1 Ergebnisse
7.5.2 Fazit
7.5 Die Einmaligkeitshypothese (Hypothese 5)
7.5.1 Ergebnisse
7.5.2 Fazit

8 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Anzahl der WHM Ankömmlinge in Australien nach Nationalität (TAN et al. 2009:4; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 2: Durchschnittlicher Aufenthalt (Tage) der WHM nach Nationen von 2000-01 bis 2007-08 (TAN et al. 2009:5; Hervorhebung durch Ver-fasser)

Tab. 3: Verteilung der Visa Ausstellungen für WHM 2008 (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:6)

Tab. 4: Anzahl der europäischen Working Holiday Maker (Visum 417) nach Geburtsland (31. Dezember 2009) (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:45; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 5: Angewandte Methoden der WHM um einen Job zu finden (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:17; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 6: Jobs nach Anzahl der ausübenden WHM 2008 (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:16f.; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 7: Verteilung des Einkommens der WHM in Australien nach Geschlecht, Altersgruppe und Nation 2008 (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:33; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 8: Verteilung des Einkommens der WHM in Australien nach dem Bundesstaat, indem gearbeitet wurde (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:34)

Tab. 9: Gesamtausgaben der WHM in Australien (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:34; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 10: Gesamtausgaben (A$ pro WHM) für Unterkunft, Studiengebühren, Tourismus und Transport (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:36; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 11: Ausgewählte WWOOF Landesverbände nach Alter und Größe (Februar 2010) (ORD 2010:5; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 12: Verteilung der von WHM benutzten Transportmöglichkeiten (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:70)

Tab. 13: Gewählte Fachrichtungen der WHM an australischen Hochschulen (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:78)

Tab. 14: Erreichte Abschlüsse der WHM nach einem Studium in Australien (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:80)

Tab. 15: Anzahl der Working Holiday Makers (Visa 417) im jeweiligen Bundesstaat nach Herkunftsland (31. Dezember 2009) (National COMMUNICATIONS BRANCH 2010:46; Hervorhebung durch Verfasser)

Tab. 16: Gründe warum WHM 2008 nach Australien kamen (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:13)

Tab. 17: Aufbau des Fragebogens (Verfasser 2010:1a)

Tab. 18: Durchschnittsalter der Teilnehmer (Verfasser 2010:2a)

Tab. 19: Dokumentation der Teilnehmer (Verfasser 2010:3a)

Tab. 20: Anzahl der Work & Travel Teilnahmen (Verfasser 2010:4a)

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Orte an denen WHM 2008 nach Arbeit gesucht haben (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:75)

Abb. 2: ALDI in Australien steht bei deutschen WHM hoch im Kurs (Verfasser 2010:1)

Abb. 3: Ein einsamer Briefkasten auf weiter Flur (Verfasser 2010:2)

Abb. 4: Die fünf Lonely Planet Reiseführer über die Regionen Australiens (BERKMOES 2008:536)

Abb. 5: Haltestellen der Greyhound Reisebusse in Australien (GREYHOUND AUSTRALIA 2007:o.S.)

Abb. 6: Ein stolzer WHM mit seinem Camper Van (Verfasser 2010:3)

Abb. 7: Der Botanische Garten in Sydney ist bei den WHM und Backpackern sehr beliebt (Verfasser 2010:4)

Abb. 8: Orte in Australien nach Anzahl der Besuche von WHM (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:62 unter nachträglicher Bearbeitung des Verfassers)

Abb. 9: Der Blick auf den Whitehaven Beach, den viele Backpacker als einen Höhepunkt ihrer Australienreise bezeichnen (Verfasser 2010:5)

Abb. 10: Entwicklung der Besucherzahlen internationaler Backpacker in

South Australia von Dezember 1993 bis September 2007 (TRA 2008:1)

Abb. 11: Verteilung der Backpacker in South Australia nach Herkunftsland (TRA 2008:2)

Abb. 12: Internationale Besucher in South Australia nach Herkunftsland

2006/07 (TRA 2008:2)

Abb. 13: Geschlechtsspezifische Verteilung der Altersgruppen (Verfasser 2010:1b)

Abb. 14: Familienstand (Verfasser 2010:2b)

Abb. 15: Die Berufe der WHM (Verfasser 2010:3b)

Abb. 16: Das altersspezifische Australienmotiv (Verfasser 2010:4b)

Abb. 17: Das altersspezifische Naturmotiv (Verfasser 2010:5b)

Abb. 18: Das altersspezifische Persönlichkeitsmotiv (Verfasser 2010:6b)

Abb. 19: Das altersspezifische Auswanderungsmotiv (Verfasser 2010:7b)

Abb. 20: Das altersspezifische Feier- und Lernmotiv (Verfasser 2010:8b)

Abb. 21: Das altersspezifische Stadt- und Landmotiv (Verfasser 2010:9b)

Abb. 22: Das altersspezifische Selbstfindungsmotiv (Verfasser 2010:10b)

Abb. 23: Das altersspezifische Fluchtmotiv (Verfasser 2010:11b)

Abb. 24: Die Größe der Reisegruppe nach Geschlecht (Verfasser 2010:12b)

Abb. 25: Organisation und Planung der Reise nach Geschlecht (Verfasser 2010:13b)

Abb. 26: Das geschlechtsspezifische Abenteuermotiv (Verfasser 2010:14b)

Abb. 27: Das geschlechtsspezifische Extremsportmotiv (Verfasser 2010:15b)

Abb. 28: Verhältnis von Reise und Arbeit (Verfasser 2010:16b)

Abb. 29: Das Sprachmotiv (Verfasser 2010:17b)

Abb. 30: Das Verdienstmotiv (Verfasser 2010:18b)

Abb. 31: Das Motiv der Berufserfahrung (Verfasser 2010:19b)

Abb. 32: Akademische Aktivitäten (Verfasser 2010:20b)

Abb. 33: Gewichtung Party und Arbeit (Verfasser 2010:21b)

Abb. 34: Die Dokumentation (Verfasser 2010:22b)

Abb. 35: Das Motiv des Kennenlernens von Einheimischen (Verfasser 2010:23b)

Abb. 36: Das Motiv des Kennenlernens von Gleichgesinnten (Verfasser 2010:24b)

Abb. 37: Das Australienmotiv (Verfasser 2010:25b)

Abb. 38: Das Sozial- und Kulturmotiv (Verfasser 2010:26b)

Abb. 39: Reisedauer (Verfasser 2010:27b)

Abb. 40: Reisezeitpunkt (Verfasser 2010:28b)

Abb. 41: Ideengeber (Verfasser 2010:29b)

Abb. 42: Anerkennung (Verfasser 2010:30b)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf Stimmenfang in Down Under

Aussagen junger Deutscher zum Thema Work & Travel in Australien (Befragung 2010):

„Für mich bedeutet Australien neue Schritte zu wagen, selbstständiger zu sein und viel von dem Land zu sehen. Für mich ist Australien die grenzenlose Freiheit.“

„Eine völlig neue Erfahrung. Man hat die Möglichkeit eine andere Kultur, neue Menschen und neue Weltansichten kennen zu lernen. Des Weiteren kann man auch einmal mal abschalten und in den Tag hinein leben.“

„Work & Travel in Australien ist für mich die Chance, endlich zu entdecken was wirklich in mir steckt. Menschen kennen zu lernen, die auch auf der Suche nach Abenteuer sind.“

„In ein Land zu gehen, welches ich noch nicht kenne und gerne erleben möchte. Außerdem möchte ich gerne viel reisen und sehe mit dem Visa die Möglichkeit einer Finanzierung.“

„Work & Travel in Australien bedeutet für mich eine womöglich einmalige Erfahrung, von der ich noch mein gesamtes Leben träumen und erzählen werde und von der ich mir vielleicht auch ‚Energie’ holen kann.“

„Die einmalige Chance zu nutzen, etwas zu tun, zu dem ich später nicht mehr die Möglichkeit haben werde. Dinge sehen, die man nirgendwo anderes sehen kann, mit völlig fremden Menschen zusammen seine Arbeits- und Freizeit zu verbringen.“

„Ich nehme an einem Work & Travel Programm teil, um neue berufliche und sprachliche Erfahrungen zu sammeln und mein Lebensziel zu verwirklichen. Der Wunsch von meinem Freund und mir ist es, in Australien gute Arbeit zu finden, einen Freundeskreis aufzubauen, um eventuell komplett auszuwandern.“

Theorieteil

1 Einleitung

Wenn man auf der Internetseite www.mapcrow.info die Strecke von der deutschen Hauptstadt Berlin zur Australischen Canberra berechnen lässt, kommt man auf ca. 16061,17km Luftlinie. Betrachtet man diese weite Entfernung, wird einem schnell klar, warum die Europäer häufig vom „Ende der Welt“ (NASARSKI 1983:439) sprechen, wenn es sich um den Kontinent Australien dreht. Als deutscher Staatsbürger kann man nicht mehr viel weiter weg von seinem Heimatland reisen, als nach Down Under, wie Australien auch häufig tituliert wird. Welche Motivation bewegt also Backpackerinnen und Backpacker[1] (Rucksackreisende[2] ) den „kleinsten Kontinent der Erde“ (ELDER 1997:11) zu besuchen, der nach der Sahara die zweitgrößte Wüstenregion vorzuweisen hat (ebd.:13) und dessen Fauna die giftigste der Welt ist (FREY 2005:20)?

Etwa 58% der Deutschen möchten im Urlaub einfach mal abschalten, ausspannen und keine Sekunde mit Arbeit verschwenden (FREYER 2006:75). Im Gegensatz dazu reisten Ende 2009 13.435 junge Deutsche mit einem Working Holiday Visum im Gepäck nach Australien, um zu arbeiten (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:45). Bei bis zu 45 Grad Celsius im Schatten (LAMPING 1999:21) kämpfen sich angehende Akademiker durch die zahlreichen Spinnennetze der Bananenplantage, um die zentnerschweren Bananenstauden von ihren Schultern in den Wagen zu hieven. In stickigen Lagerhallen sitzen reihenweise Studenten, die damit beschäftigt sind, Mangos nach der Größe zu sortieren. Welche Motivation treibt diese deutschen Frauen und Männer an, um auf „dem trockensten bewohnten Kontinent der Erde“ (ebd.:24), bei widrigen Bedingungen, als „fruitpicker“ (Früchtepflücker) zu arbeiten? Genau mit dieser Frage befasst sich meine Examensarbeit: Welche Motivation bewegt junge Deutsche zu einem Work & Travel Aufenthalt in Australien und weisen die Motive alters- bzw. geschlechtsspezifische Unterschiede auf?

Erst in den vergangenen zehn Jahren wurde die Tourismusbranche darauf aufmerksam, dass Studenten und junge Touristen den am schnellsten wachsenden Reisemarkt darstellen. Etwa ein Fünftel der internationalen Touristen sind heutzutage diesem Segment zuzuordnen (RICHARDS & WILSON 2003:6). Australien zeichnet schon seit vielen Jahren die Besuche von Backpackern in ihrem Land auf (REILLY 2006:1005) und verfügt daher auch über ein hohes Maß an statistischem Zahlenmaterial zu Work & Travel. Allerdings sagen die vorhandenen Daten nicht viel über die genaue Motivation der jungen Menschen aus. Ich hoffe, dass ich mit meiner Examensarbeit dahingehend eine kleine Lücke schließen kann.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Abschnitte. In den Kapiteln 2 bis 4 wird der theoretische Bezugsrahmen erörtert. Im empirischen Teil wird die Methodik der Untersuchung beschrieben, sowie die Ergebnisse der Studie dargestellt (Kap. 5 bis 8).

Einführend gibt Kapitel 2 einen Überblick zum Thema Work & Travel. Es werden zwei unterschiedliche Programme zum Thema Work & Travel in Australien vorgestellt und auf deren Entwicklung eingegangen. Des Weiteren behandelt das Kapitel die beiden Komponenten Work (Arbeit) und Travel (Reise) getrennt voneinander, legt dabei die aktuelle Arbeitsmarktsituation für Working Holiday Maker (WHM) dar und beschreibt, welche Entscheidungen ein WHM während der Reise treffen muss. Außerdem wird die Philosophie der Organisation WWOOF näher beleuchtet und ein Blick auf das Studium in Australien geworfen.

Kapitel 3 thematisiert Australien als das Land der Backpacker. Hier wird zuerst erklärt, was Backpacking und Backpacker überhaupt bedeutet. Außerdem stellt das Kapitel die australischen Hotspots für Backpacker und Working Holiday Maker vor und beschreibt, was Australien für diese so einzigartig erscheinen lässt. Der aktuelle Trend hin zum Backpacking in Australien wird am Beispiel des Bundesstaates South Australia erläutert und abgeschlossen wird das Kapitel durch eine spezielle Ansicht des Backpackings, nämlich als Gegenunternehmen zum Vulgärtourismus.

Den Übergang zum empirischen Teil liefert Kapitel 4 mit dem Thema Reisemotivation. Dabei werden zuerst die Motive aller Reisenden betrachtet, um daraufhin konkret die Reisemotive der Backpacker zu erörtern. Im Anschluss daran wird eine Statistik der Australian Research Group aus dem Jahr 2008 erläutert. Es folgt die Auseinandersetzung mit der Frage, ob ein Auslandsaufenthalt ein Muss in einem Lebenslauf ist und es wird ein kurzer Einblick in das Arbeitsleben eines reisenden Forschers vermittelt.

Im anschließenden empirischen Teil wird die Reisemotivation junger Deutscher zu einem Work & Travel Aufenthalt in Australien thematisiert. Die

in den Kapiteln 2 bis 4 ausgearbeiteten Themen dienen als Ansatzpunkte der fünf formulierten Hypothesen. In Kapitel 6 werden zunächst Aufbau und Ziele und in Kapitel 7 dann Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Untersuchung vorgestellt. Das abschließende Kapitel 8 fasst zentrale theoretische Überlegungen sowie signifikante Ergebnisse der Studie zusammen.

2 Work & Travel- die etwas andere Art zu reisen

Eine junger Mann möchte vor dem Start ins Berufsleben unbedingt noch einen Sprachkurs in Madrid machen, ein Pärchen erfüllt sich den lang ersehnten Wunsch und geht nach Ende des Studiums zusammen auf Weltreise, während des Anglistikstudiums verschlägt es eine Studentin für drei Monate nach England und zwei Freundinnen entscheiden sich nach dem bestandenen Abitur zu einem Work & Travel Aufenthalt in Australien. „Ob Au-Pair, Freiwilligendienste, Homestay, Jobs, Jugendbegegnungen & Workcamps, Praktika, Schüleraustausch, Sprachreisen, Studium [und] Work & Travel“ (HIRSCHFELD et al. 2009:11), heutzutage gibt es jede Menge Möglichkeiten die Welt zu entdecken. Was dieses Work & Travel eigentlich ist, welcher Sinn dahinter steckt, in welchen Ländern diese Art von Reisen möglich ist, welche Vorraussetzungen man persönlich erfüllen muss und weitere Fragen und Aspekte werden im folgenden Kapitel behandelt.

2.1 Was bedeutet überhaupt Work & Travel?

Wie die Übersetzung ins Deutsche unschwer erkennen lässt, handelt es sich hierbei um eine Verbindung von Arbeit und Reise. Eine bestimmte Verteilung ist jedem selbst überlassen, wobei der Verdienst vor Ort das kostspielige Herumreisen ermöglichen soll (HIRSCHFELD et al. 2009:201). Auf den Aspekt der Verteilung von Arbeit und Reise wird im empirischen Teil in Kapitel 7.4 näher eingegangen.

„Der Ursprung dieser Reiseart liegt der Idee des interkulturellen Austausches zu Grunde“ (ALBERT 2007:11). Dies ist auch ein Aspekt warum Work & Travel insbesondere für junge Erwachsene gedacht ist. Den jungen Menschen soll dabei die Möglichkeit gegeben werden für einen längeren Zeitraum ein Land zu bereisen, um dadurch die Kultur und die Einheimischen intensiver kennen zu lernen und um die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu erweitern. Da man in jungen Jahren nicht immer über umfangreiche finanzielle Mittel verfügt, um sich so eine Reise leisten zu können, beinhaltet das Visum eine Arbeitserlaubnis (ebd.). Der Hauptgrund eines jeden Work & Travel Aufenthalts sollte aber immer der Urlaub oder die Reise sein und nicht die Arbeit. Diese ist eher als Mittel zum Zweck anzusehen und zur Finanzierung der Reise gedacht. „Any work they undertake should be to support themselves while on holiday” (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:49a).

Australien und Neuseeland sind seit einigen Jahren die typischen Ziele für Work & Travel Abenteurer aus aller Welt. Eine weitere beliebte Destination ist Kanada. Für dieses Land sollte man sich allerdings frühzeitig um die Einreise bewerben, da die Nordamerikaner, im Gegensatz zu Australien und Neuseeland, nur ein gewisses Kontingent an Visa verteilen. Keine klassische Work & Travel Nation sind die Vereinigten Staaten von Amerika, da die strengen Visumsrichtlinien nur einen maximal dreimonatigen Aufenthalt zulassen. Außerdem muss den Behörden schon mit der Bewerbung um ein Visum der spätere Arbeitgeber gemeldet werden. Dadurch ist es nicht möglich, wie z.B. in Australien, von einem Jobangebot zum nächsten zu reisen, sondern man muss sich auf einen Arbeitgeber beschränken. In Europa ist Work & Travel noch nicht so sehr verbreitet, allerdings in einigen Ländern durchaus problemlos möglich, wenn man aus einem Land der Europäischen Union kommt, Schweizer Staatsbürger ist oder bestimmte Visa Abkommen hat, wie z.B. Australien, Neuseeland oder Kanada. Afrika, Südamerika und Asien sind eher klassische Länder für Freiwilligenarbeit (ALBERT 2007:11, HIRSCHFELD et al. 2009:201f.).

2.1.1 Das Working Holiday Maker (WHM) Programm

Das Working Holiday Maker (WHM) Programm in Australien unterscheidet zwei Kategorien von Visa. Das Working Holiday Visum (subclass 417), auch WHS abgekürzt, und das Work and Holiday Visum (subclass 462). „The subclass 417 stream allows people […] under arrangements to experience Australian culture and lifestyle through an extended holiday and incidental employement” (TAN et al. 2009:1; eigene Hervorhebung). Das Programm versucht dabei speziell den Bedürfnissen der regionalen Arbeitgeber gerecht zu werden, um deren Bedarf an saisonalen Arbeitskräften zu decken (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:49). Junge Menschen aus den folgenden 19 Nationen können dieses Working Holiday Visum (WHS) beantragen: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Hong Kong, die Republik Irland, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Norwegen, Malta, Schweden, die Republik Korea, Taiwan, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland und die Republik Zypern (TAN et al. 2009:1).

Im Gegensatz zum WHS können qualifizierte Arbeitnehmer mit dem Work and Holiday Visum auch befristete Jobs im Tertiärsektor (Dienstleistungssektor) annehmen. „The subclass 462 stream allows tertiary educated persons […] to holiday in Australia and supplement their travel funds through short-term employement” (TAN et al. 2009:1; eigene Hervorhebung). Allerdings können sich nur Menschen aus den Ländern Chile, Indonesien, Malaysia, Thailand, Türkei und USA für ein solches Visum bewerben.

Der Grundgedanke des „interkulturellen Austausches“ (ALBERT 2007:11) ist in beiden Visa der zentrale Punkt, allerdings gibt es diverse Einreisebestimmungen und Vereinbarungen mit den jeweiligen Ländern, so dass zwei unterschiedliche Visa für Working Holiday Maker installiert werden mussten. Außer der Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen Australien und den genannten Nationen, hat das Working Holiday Maker Programm auch erheblichen Einfluss auf die Tourismusindustrie (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:49). Die Grundvoraussetzung für beide Visa ist die Volljährigkeit. Wie in Australien kann man sich auch in Neuseeland im Alter von 18 bis 30 Jahren um ein WHS bemühen, in Kanada geht die Spanne sogar bis 35 Jahre. In anderen Ländern wird das klassische WHS nicht angeboten (HIRSCHFELD et al. 2009:202.). Das Working Holiday Visum und das Work and Holiday Visum berechtigen beide, vom Tag der Einreise an, zwölf Monate in Australien zu bleiben. Während dieses Jahres ist es erlaubt, so häufig wie man möchte, aus und wieder einzureisen. Arbeitet man in dieser Zeit mindestens 88 Tage in einer so genannten „specified work“ (TAN et al. 2009:3), so kann man ein zweites Visum beantragen, das wiederum für ein Jahr Gültigkeit besitzt. Diese bestimmten Arbeitsfelder sind der Obst- und Gemüseanbau (inklusive WWOOFing, siehe Kap. 2.3), die Viehzucht, die Fischerei, die Perlenfischerei, die Forstwirtschaft, der Bergbau und das Baugewerbe (ebd.). Die Visa beschränken die Dauer des Arbeitsverhältnisses bei ein und demselben Arbeitgeber auf höchstens 6 Monate. Außerdem erlaubt das WHM Programm ein Studium an einer Australischen Universität von maximal vier Monaten (ALBERT 2007:13, HIRSCHFELD et al. 2009:202, NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:49). Mehr Erläuterungen zum Thema studieren in Australien erfolgt in Kapitel 2.5. Vorraussetzungen für beide Visa sind Reisepässe, die zum Zeitpunkt der Antragstellung noch mindestens zwei Jahre gültig sind. Ist man vorbestraft oder leidet man unter Tuberkulose, wird einem der Antrag abgelehnt. Bei der Einreise in Australien sollte man beachten, dass man einen Nachweis über genügend finanzielle Rücklagen und ein Rückflug- bzw. Weiterflugticket vorweisen kann (ALBERT 2007:14). Nach ALBERT (2007:14) und HIRSCHFELD et al. (2009:202) sollte die Rücklage mindestens 5.000 Australische Dollar (ca. 3.000 Euro) betragen. Ebenfalls könnte man aufgefordert werden, den Nachweis einer Auslandskrankenversicherung vorzulegen. Verboten ist es, unterhaltspflichtige Kinder mit ins Land zu nehmen (HIRSCHFELD et al. 2009:202). Bei einem Work and Holiday Visum muss man zusätzlich seinen Bildungsweg nachweisen können und über eine Mindestanforderung an Englischkenntnissen verfügen. Außerdem benötigt man eine Genehmigung des Heimatlandes und muss sich verpflichten, mindestens drei Monate des Aufenthalts in Australien mit dem Reisen zu verbringen (TAN et al. 2009:3).

Droht das Visum abzulaufen, der Aufenthalt in Australien allerdings noch nicht enden soll, gibt es die Möglichkeit nach einem kurzen Aufenthalt in einem Nachbarland z.B. Neuseeland, wieder in Australien einreisen und erhält daraufhin ein Touristenvisum über drei Monate (ALBERT 2007:20).

2.1.2 Von den Anfängen des WHM Programms bis ins Jahr 2008

Das WHM Programm wurde im Jahr 1975 ins Leben gerufen. Die ersten Nationen, die mit Australien dieses Visa Programm starteten, waren das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland, Kanada und Irland. In den Jahren darauf wurde mit folgenden Ländern Vereinbarungen geschlossen: Japan (1980), Niederlande (1981), die Republik Korea (1995) und Malta (1996) (TAN et al. 2009:1).

Seit dem Jahr 2000 ist es auch für junge Deutsche möglich mit einem Working Holiday Visum (WHS) nach Down Under zu fliegen, um dort herumzureisen und zu arbeiten (ALBERT 2007:11, HIRSCHFELD et al. 2009:201, TAN et al. 2009:1). Mit diesem Abkommen zwischen beiden Nationen konnten nicht nur Deutsche zum Work & Travel nach Australien reisen, sondern gleichzeitig hatten auch junge Australier die Möglichkeit mit einem WHS durch Deutschland zu reisen und nach Jobs Ausschau zu halten (ALBERT 2007:11). Im Jahr 2001 kamen Schweden, Norwegen, Dänemark und Hong Kong hinzu, gefolgt von einigen weiteren Ländern in den darauf folgenden Jahren (TAN et al. 2009:1). Ein Abkommen über ein Work and Holiday Visum mit Bangladesch ist zurzeit in Bearbeitung (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:49a). Die Abmachung mit dem Iran wurde am 30. Juni 2007 offiziell aufgehoben (TAN et al. 2009:1).

Die Anzahl an Working Holiday Maker in Australien ist in den letzten Jahren stetig angewachsen (siehe Tab. 1). 134.388 WHM kamen 2007-08 nach Down Under. 2000-01 lag der Wert noch bei 78.642. Die Zahl der WHM ist in den letzten acht Jahren somit um 70,9 % angestiegen. Das heißt, dass sich die Einreisen jährlich um durchschnittlich 8 % erhöht haben (TAN et al. 2009:3). Wenn man allerdings diese Werte mit denen von 1983-1999 vergleicht, erkennt man, dass der damalige durchschnittliche Zuwachs an WHM noch bei 17,2 % pro Jahr lag (HARDING & WEBSTER 2002:15). Die überwältigende Mehrheit von 99,8 % der WHM kommt aus den 24 Ländern, die ein Abkommen über ein Working Holiday Visum mit Australien haben. Dabei stechen das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland (UK) mit 28.960 WHM, Südkorea (26.758), Deutschland (15.380) und Irland (14.617) heraus. Somit kommen 63,8 % aller WHM in 2007-08 aus den genannten vier Nationen. Die Tabelle macht auch deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der Ankömmlinge, die ein WHM Visum besitzen, aus europäischen Staaten stammen (TAN et al. 2009:3). In einer früheren Studie von HARDING & WEBSTER (2002) zeigt sich, dass von 1983 bis 2000 noch die Hälfte der WHM aus UK kamen, gefolgt von Japan und Irland. Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland haben zwar immer noch die größte Anzahl an WHM, aber die absolute Zahl der WHM ist von 39.963 (2000) auf 28.960 (2008) gesunken. Demgegenüber steht die Entwicklung von Südkorea und Deutschland. Sie lagen zu Beginn des Jahrtausends noch bei 1.654 (Südkorea) bzw. 2.549 (Deutschland) WHM und haben sich acht Jahre später mit 26.758 (Südkorea) und 15.380 (Deutschland) auf Platz zwei und drei der Rangliste nach vorne geschoben (TAN et al. 2009:3).

Tab. 1: Anzahl der WHM Ankömmlinge in Australien nach Nationalität (TAN et al. 2009:4; Hervorhebung durch Verfasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines WHM weist seit Anfang des 21. Jahrhunderts bei den meisten Nationen einen negativen Trend auf (siehe Tab. 2). Südkoreaner und Esten hielten sich 2000-01 mit durchschnittlich 302 bzw. 353 Tagen noch am längsten in Australien auf. Mit 243 (Südkorea) bzw. 232 Tagen (Estland) in 2007-08 sind sie allerdings nur noch im Mittelfeld der Rangliste. Während weitere Länder wie u. a. UK, Irland oder Finnland denselben Trend vorweisen, stieg die Dauer des Aufenthalts bei WHM aus Deutschland an. Deutschland ist mittlerweile mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 359 Tagen (2007-08) an die Spitze der Rangliste geklettert (TAN et al. 2009:4).

Tab. 2: Durchschnittlicher Aufenthalt (Tage) der WHM nach Nationen von 2000-01 bis 2007-08 (TAN et al. 2009:5; Hervorhebung durch Ver-fasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Jahr 2008 wurde die AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP vom Amt für Einwanderung und Staatsbürgerschaft beauftragt, eine umfassende Befragung unter dem Titel „Working Holiday Maker Survey 2008“ in Australien durchzuführen. Im ersten Teil der Umfrage wurden von Ende August bis Mitte Oktober 2008 19.888 WHM befragt. Die Anzahl entspricht 14,8 % aller WHM Ankömmlinge im Jahr 2008 (siehe Tab. 3). In der Studie wurde deutlich, dass 98,2 % der Befragten in Besitz eines Working Holiday (subclass 417) Visum und nur 1,8 % ein Work and Holiday (subclass 462) Visum sind. Von den 17.632 Working Holiday Visa sind 1.893 WHM mit einem zweiten Visum ausgestattet. Im zweiten Teil der Umfrage wurden stichprobenartig Arbeitgerber zum Thema WHM befragt. Auf diese Befragung wird in Kapitel 2.2 ausführlicher eingegangen (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:6).

Tab. 3: Verteilung der Visa Ausstellungen für WHM 2008 (AUSTRALIAN SURVEY

RESEARCH GROUP 2008:6)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.3 Ein Blick auf das Jahr 2009

Die aktuellste Erhebung zur Anzahl von Working Holiday Maker (Visum 417) in Australien wurde vom NATIONAL COMMUNICATION BRANCH, im so genannten „Immigration update“ (2010), veröffentlicht (siehe Tab.4). Nimmt man die Zahlen von 2007-08 (TAN et al. 2009:4) heran, in denen noch von 134.388 Einreisenden die Rede war und vergleichen diese mit der aktuellen Erhebung, muss man feststellen, dass 2008-09 17.572 WHM (NATIONAL COMMUNICATION BRANCH 2010:45) weniger nach Australien eingereist sind. Dieser Rücklauf an WHM ist eng verknüpft mit der Weltwirtschaftskrise und hat nicht nur den Tourismus in Australien getroffen. Laut POCHADT (2009:9) gab es ab der zweiten Jahreshälfte 2008 weltweit Einbußen im Tourismussektor. Er ist allerdings der Meinung, dass dieser Rückgang nicht zu einer „Trendwende“ der eigentlich global ansteigenden Tourismusbranche führen wird, da es in der Vergangenheit schon des Öfteren einen „vorübergehenden Rückgang der Wachstumsraten im internationalen Reiseverkehr“ (ebd.) durch Ereignisse gab. Als Beispiel nennt POCHADT (2009:9) die Flutkatastrophe 2004 in Asien, die auch keine andauernde Auswirkung auf die Reisebranche hatte. Auch die Zahl der deutschen WHM sank von 15.380 Anfang des Jahres 2008 auf 12.481 im Dezember des gleichen Jahres. Ein Indiz dafür, dass die Talsohle bereits durchschritten ist, sind die 13.450 Einreisen deutscher WHM im Dezember 2009 (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:45). Der Trend zeigt also wieder nach oben.

Aus Tabelle 2 wird außerdem ersichtlich, dass die WHM vermehrt im europäischen Winter nach Down Under reisen. Im australischen Winter, Juni bis August (DUSIK 2009:96), wenn es in Europa warm ist, ist der Zustrom an europäischen WHM mit nur 57.542 Einreisen nämlich am geringsten. Jedoch im australischen Sommer, Dezember bis Februar (DUSIK 2009:96), wenn in Europa die kalte Jahreszeit bereits angebrochen ist, steigen die Einreisen der europäischen WHM 2009 auf 70.726 Neuankömmlinge (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:45).

Tab. 4: Anzahl der europäischen Working Holiday Maker (Visum 417) nach Geburtsland (31. Dezember 2009) (NATIONAL COMMUNICATIONS BRANCH 2010:45; Hervorhebung durch Verfasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Die Jobsuche

Wer sich in Australien auf die Suche nach einem Job begibt, muss einige Dinge beachten. Die Grundvoraussetzung in Australien, um einen bezahlten Job zu erlangen, ist die Beantragung einer Steuernummer. Allerdings werden in Down Under, wie auch in Deutschland, „geringfügig Beschäftigte […] von der Einkommenssteuer befreit bzw. erhalten einen Großteil der Steuern zurück“ (ALBERT 2007:51).

Doch wie kommt man nun am besten an einen Job heran? Die AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP hat 2008 in ihrem zweiten Teil der Befragung „Working Holiday Maker Survey 2008“ schätzungsweise 1.000 Arbeitgeber angeschrieben, um diese nach gewissen Informationen über WHM zu befragen. 501 Unternehmen, die mindestens einen WHM bei sich angestellt haben, beantworteten die Fragen. Eine Frage zielte darauf ab, wie denn die WHM an den Arbeitsplatz im jeweiligen Betrieb gelangten (siehe Tab 5). Daraus ging hervor, dass die meisten Jobs (5.802) an WHM vergeben wurde, die direkt auf den Arbeitgeber zugegangen sind. Mit 4.859 von insgesamt 28.708 Arbeitsstellen folgt die Suche über eine Leiharbeitsfirma auf dem zweiten Platz. Wer Familie oder Freunde in Australien hat, die einem bei der Arbeitssuche unterstützen können, sollte dies auf jeden Fall ausnutzen. Vor allem Freunde und Bekannte, die gerade eine Arbeitsstelle haben, können Kontakte zum Arbeitgeber herstellen und somit die Chance auf einen Job erhöhen. 4.317 Jobs wurden durch diese Methode vergeben.

Tab. 5: Angewandte Methoden der WHM um einen Job zu finden (AUSTRALIAN

SURVEY RESEARCH GROUP 2008:17; Hervorhebung durch Verfasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch eine weit verbreitete Methode einen Job zu bekommen ist die über ein Backpacker Hostel (3.995 Jobs) (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:17). Viele Hostelbesitzer haben Vereinbarungen mit Farmern und können somit arbeitswilligen WHM zu Jobs in der Landwirtschaft verhelfen. Die Problematik besteht darin, dass man sich erst eine gewisse Zeit in dem Hostel einquartieren muss, um an einen der begehrten Arbeitsplätze zu gelangen. Bei einer Internetrecherche stößt man auf zahlreiche nützliche Seiten, die einem bei der Suche nach einem Job behilflich sein können. 3.639 Jobs wurden durch diese Methode vergeben (ebd.).

2.2.1 „Traumjob“ zu vergeben

Landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter, Reinigungskraft, Kellner oder Küchenhilfe sind nicht unbedingt die Traumjobs eines jeden jungen Menschen. Trotzdem bleibt den meisten WHM nichts anderes übrig, als einen der Jobs aus Tabelle 6 anzunehmen, um ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern. Über ein Viertel (27 %) der WHM übt einen Job als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter aus. Von den 7.806 WHM in der Landwirtschaft arbeiten 5.685 als Pflücker (picker) von Obst, Gemüse oder Nüssen. Ein ebenfalls gefragter Nebenerwerb ist das Kellnern. 2008 waren 3.660 (11 %) von 29.956 Arbeitsplätzen für WHM in Australien Jobs für Kellner. An dritter Stelle folgt die Reinigungskraft mit 8,3 %. Das klischeehafte Bild einer älteren Putzfrau mit Schürze und Kopftuch wird dabei über den Haufen geworfen, denn die 2.409 WHM sind nicht älter als maximal 30 Jahre. Auf dem vierten Platz folgt die Küchenhilfe mit 5,3 % (1.536 WHM). Nimmt man diese vier Berufsgruppen zusammen, kommt man auf einen Anteil von 53,2 % aller vergebenen Jobs an WHM 2008 (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:16).

Sollte man von einer Firma eine festen oder mehrjährigen Arbeitsplatz angeboten bekommen, besteht die Möglichkeit vor Ort sein Working Holiday Visum in ein Work Visum umwandeln lassen (ALBERT 2007:19).

Tab. 6: Jobs nach Anzahl der ausübenden WHM 2008 (AUSTRALIAN SURVEY

RESEARCH GROUP 2008:16f.; Hervorhebung durch Verfasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Arbeiten und reisen sind die beiden Hauptgründe der WHM, wenn sie nach Australien kommen. Dabei kristallisieren sich bestimmte Regionen heraus, die hauptsächlich aufgesucht werden, weil dort die Jobchancen für WHM relativ hoch sind (siehe Abb. 1). Regionen, die in erster Linie wegen der Aussicht auf Arbeit bereist werden, befinden sich entlang der Ostküste, im Südosten zwischen Adelaide und Sydney, im Westen südlich und östlich von Perth und im Norden südwestlich von Darwin (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:75).

Abb. 1: Orte an denen WHM 2008 nach Arbeit gesucht haben (AUSTRALIAN

SURVEY RESEARCH GROUP 2008:75)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2 Die Auswirkungen auf den australischen Arbeitsmarkt

Seit November 2005 können WHM, die zuvor schon einmal als Erntehelfer mindestens drei Monate lang in einer australischen Region gearbeitet haben, ein zweites Working Holiday Visum beantragen. Diese Neuerung im WHM Programm wurde deshalb eingeführt, damit der Arbeitskräftemangel während der Erntezeit nicht durch Zeitarbeiter gedeckt werden musste. Für die hätte die Regierung Australiens erst einmal eine Arbeitserlaubnis einführen müssen (OECD 2006:78f.). An diesem Aspekt erkennt man, dass die WHM aus aller Welt eine wichtige Rolle auf dem australischen Arbeitsmarkt spielen und dass ein Fernbleiben der jungen arbeitswilligen Rucksackreisenden verheerende Folgen mit sich ziehen würde.

WHMs have three major positive effects on the Australian economy. First, this program is an important part of the tourism industry. Second, WHMs, contribute towards macroeconomic demand for labour and the current account surplus to the extent that they spend more money domestically than they earn in Australia. Third, the WHM program efficiently supports the microeconomic labour market by providing supplementary labour for industries needing short-term flexible or casual workers (TAN et al. 2009:1).

Vor allem in der letzten Dekade kam es zu einem starken Wachstum in der australischen Wirtschaft. Dieser Aufschwung zog allerdings einen Mangel an Arbeitskräften mit sich, der nun mit WHM behoben werden soll. Auf Grund ihrer hohen Flexibilität und Mobilität sind die WHM heute ein wichtiger Baustein der australischen Erwerbsbevölkerung. Auch dank der Integration in das soziale und kulturelle Leben eröffnen sie Australien eine positives Entwicklungspotential für die Zukunft und steigern die Nachfrage nach weiteren WHM (TAN et al. 2009:2).

Welche Auswirkungen hat allerdings das WHM Programm auf die Arbeitsmarktsituation der einheimischen Bevölkerung? Ein nicht zu geringer Anteil an WHM hat die Absicht einmal auszuwandern (siehe Kap. 7.2). Daher versuchen viele WHM während ihres Aufenthalts eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, dem so genannten Permanent Visa (PENRITH & SEAL 2008:51), für Australien zu erlangen, um sich dadurch langfristig auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren. Dabei treten sie in Konkurrenz mit australischen Arbeitnehmern. Diese befürchten, dass durch die ansteigenden Zahlen an WHM in den letzten Jahren und der derzeitigen Weltwirtschaftskrise, es auch in Australien zu einem härteren Kampf um die vorhandenen Arbeitsplätze kommen könnte. Dadurch bestünde auch die Gefahr, dass die Löhne in bestimmten Branchen sinken könnten. Inwiefern sich das WHM Programm auf die zukünftige Arbeitsplatzsuche vor allem junger Australier auswirkt wird aktuell kritisch von der Bevölkerung beäugt und von der Wissenschaft eingehend untersucht (TAN et al. 2009:2).

2.2.3 Was verdient man als WHM?

Unterschiedliche Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um den Verdienst und die Vergabe der Jobs an WHM geht. Ist man jung oder alt, weiblich oder männlich und wie gut kann sich der Bewerber in englischer Sprache verständigen (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:33)?

Ein WHM hat während seines Aufenthalts durchschnittlich 2,3 Jobs (ebd.:32) und der Mittelwert der Jahresverdienste aller WHM in Down Under beträgt 4.638 A$ (ebd.:33).

Tab. 7: Verteilung des Einkommens der WHM in Australien nach Geschlecht,

Altersgruppe und Nation 2008 (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP

2008:33; Hervorhebung durch Verfasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zwischen den Geschlechtern gibt es erhebliche Unterschiede in der Bezahlung (siehe Tab. 7). Das durchschnittliche Jahresgehalt einer weiblichen WHM liegt bei 4.183 A$ und das eines Mannes bei 5.119 A$. Ebenfalls große Differenzen weist die Bezahlung bei den Altersgruppen auf. Die 18 bis 19 jährigen verdienen im Jahr 3.121 A$ weniger als die 25 bis 30 jährigen, die häufig über eine größere Berufserfahrung verfügen. Wenn man die Nationalität und das Einkommen in Zusammenhang bringt, fällt auf, dass WHM aus Kanada und dem Vereinigten Königreich Großbritanniens und Nordirland (UK) mehr Geld verdienen, als ihre Kollegen aus den anderen Ländern. Der Grund hierfür liegt in der englischen Muttersprache beider Nationen, die die kanadischen und britischen WHM zu begehrten Arbeitnehmern macht (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:33). Ein deutscher WHM verdient vergleichsweise mit 3.244 A$ mehr als die Hälfte weniger, als ein WHM aus UK (ebd.).

Tab. 8: Verteilung des Einkommens der WHM in Australien nach dem Bundesstaat,

indem gearbeitet wurde (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:34)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn man auf die Anzahl der Jobs in den jeweiligen Bundesstaaten schaut und dazu das Jahreseinkommen der WHM in Verbindung setzt, wir deutlich, dass nicht dort wo das größte Kontingent an Jobs vorherrscht auch das meiste Geld bezahlt wird, siehe Queensland (QLD) in Tabelle 8 (ebd.:34).

2.2.4 Work & Travel- ein teurer Spaß?

Wer seinen Aufenthalt in Down Under angeht, ohne den berühmten Notfallgroschen in der Hinterhand zu haben, geht ein hohes Risiko ein und könnte sich schon bald im Flieger zurück Richtung Heimat wieder finden. Nicht umsonst verlangen die australischen Behörden bei der Einreise einen Nachweiß, Kontoauszug oder dergleichen, über mindestens 5.000 A$ (ALBERT 2007:14, HIRSCHFELD et al. 2009:202), um sicherzugehen, dass die WHM finanziell abgesichert sind. Nicht selten kommt es vor, dass man sich erst einmal einige Wochen auf die Suche nach einer Arbeitsstelle begeben muss, bevor die ersten Dollar auf dem australischen Konto eingehen. Die Preise der Lebensmittel sind etwa auf demselben Niveau wie in Deutschland, u. a. dank dem Discounter ALDI (siehe Abb. 2), der seit Januar 2001 (BRANDES 2003:8) auf dem australischen Markt vertreten ist und vor allem bei deutschen WHM hoch im Kurs steht. Ein teures Vergnügen, welches bei vielen jungen WHM ein tiefes Loch in der Haushaltskasse verursacht, ist der Alkohol. Er wird in Down Under mit 14,5 % versteuert. Alkohol wird in Australien stark reglementiert und ist daher nur in lizenzierten Bars oder in speziellen Spirituosengeschäften, den so genannten Bottle Shops, käuflich zu erwerben (BAEDEKER ALLIANZ REISEFÜHRER 2006:105).

Abb. 2: ALDI in Australien steht bei deutschen WHM hoch im Kurs (Verfasser 2010:1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Verteilung der Gesamtausgaben der WHM in Tabelle 9 sind die logische Folge auf die Tabelle 7 (Verteilung des Einkommens der WHM in Australien nach Geschlecht, Altersgruppe und Nation 2008) in Kapitel 2.2.3. Durch das Defizit, dass beim Einkommen gegenüber den männlichen WHM entstanden ist, sind die Frauen bei den Ausgaben etwas sparsamer und geben 1.858 A$ weniger aus als die Männer. Nimmt man den Mittelwert der Gesamtausgaben beider Geschlechter, erhält man für das Jahr 2007- 08 eine Summe von 13.218 A$. Auch bei den Altersgruppen fällt auf, dass die älteren WHM (25 bis 30 jährigen), die wie in Kapitel 2.2.3 beschrieben durchschnittlich besser verdienen, 1,7 mal mehr Geld ausgeben, als die 18- 19 jährigen. Im Ländervergleich sind die Deutschen nach den Italienern die Zweitsparsamsten (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:34).

Tab. 9: Gesamtausgaben der WHM in Australien (AUSTRALIAN SURVEY

RESEARCH GROUP 2008:34; Hervorhebung durch Verfasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Von den 13.218 A$ die ein WHM durchschnittlich im Jahr in Australien ausgibt, fließt der Großteil des Geldes in die Finanzierung der Unterkunft (33,3 %), den Tourismus (24,5 %), den Transport (18,2 %) und den Studiengebühren (5,5 %) (siehe Tab. 10). Die deutschen WHM rangieren im Ländervergleich bei den Ausgaben für die Kategorien Unterkunft, Studiengebühren und Tourismus im hinteren Bereich, das heißt sie geben weniger Geld aus, als die Mehrheit der anderen Nationen. In der Kategorie Transport sind die WHM aus Deutschland allerdings nicht so sparsam und liegen mit 2.499 A$ oberhalb des Mittelwertes (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:36).

Tab. 10: Gesamtausgaben (A$ pro WHM) für Unterkunft, Studiengebühren, Touris-

mus und Transport (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:36; Hervorhebung durch Verfasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 WWOOFing– arbeiten für Kost und Logis

WWOOF ist ein weltweites Netzwerk von Verbänden, die sich für die ökologische Landwirtschaft einsetzen. WWOOF steht für „World Wide Opportunities on Organic Farms“ (INTOSH 2009:264).

Ins Leben gerufen wurde diese Idee 1972 in England. „It’s original mission was to offer the chance for people working in cities to escape to the countryside for the weekend enjoying their WWOOF experiences“ (ebd.). Bis 1982 hieß die Abkürzung WWOOF noch „Working Weekends on Organic Farms“ (Arbeitswochenenden auf Biobauernhöfe) und fand nur am Wochenende statt. Danach wurde WWOOF in „Willing Workers on Organic Farms“ (Arbeitswillige auf Biobauernhöfe) umbenannt und der ökologische Anbau von Obst und Gemüse war ab sofort die ganze Woche möglich. Im Jahr 2000 hat die internationale WWOOF Organisation den Verband in „World Wide Opportunities on Organic Farms“ (Weltweite Gelegenheiten auf Biobauernhöfe) umbenannt. Grund war die Tatsache, dass die Menschen die auf den Bauerhöfen helfen keine Gastarbeiter sind, sondern Volontäre, die bereitwillig unentgeltlich arbeiten. In der Literatur werden allerdings noch beide Bedeutungen verwendet (ALBERT 2007:83, INTOSH 2009:264). Mittlerweile gibt es WWOOF Verbände in 50 Nationen, darunter auch Australien und Deutschland. Der Verband in Australien wurde 1981 (siehe Tab. 11) gegründet. Im Februar 2010 hatte Australien im internationalen Vergleich mit 1.797 WWOOF Farmen und 14.303 Volontären deutlich die meisten Mitglieder (ORD 2010:5).

Tab. 11: Ausgewählte WWOOF Landesverbände nach Alter und Größe (Februar

2010) (ORD 2010:5; Hervorhebung durch Verfasser)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Verbände sind unabhängig, arbeiten aber in ähnlicher Weise und haben alle stets dieselbe Philosophie. Die WWOOF Gastgeber bieten kostenlose Unterkunft und Verpflegung für Reisende, Studenten und WHM, im Gegenzug muss man zwischen vier und sechs Stunden pro Tag arbeiten. Die Dauer des Aufenthalts ist beliebig. Um bei einem WWOOF Betrieb zu arbeiten ist es nicht nötig in Besitz eines WHS sein (INTOSH 2009:264). Allerdings muss man Mitglied im jeweiligen Landesverband werden. Diese Mitgliedschaft kostet in Australien 50 A$ und läuft ein Jahr. Für den Mitgliedsbeitrag bekommt man ein Buch mit sämtlichen Adressen der WWOOF Betriebe des Landes, in welchem die jeweiligen Arbeitsschwerpunkte detailliert aufgelistet sind. Es liegt dann an einem selbst, sich bei den Farmen zu melden um zu fragen, ob sie noch freie Stellen haben (ALBERT 2007:83f.). WWOOFing ist darum auch bei den Working Holiday Makern so beliebt, weil es eine „specified work“ (TAN et al. 2009:3) ist und man deshalb, nach dreimonatiger Arbeit im selben Betrieb, das Recht auf ein zweites Working Holiday Visum hat.

Auf der Ökologischen Landwirtschaft liegt das Hauptaugenmerk der WWOOF Betriebe. Weitere Institutionen sind Gesundheit- und Heilungszentren, Kunst- und Handwerksbetriebe, Restaurations- und Baugewerbe, Bio- Cafés und Restaurants, Tierheime, umweltfreundliche Gemeinden, Lebensmittelproduktion und Zentren für die Umwelt (INTOSH 2009:264). Alle Bereiche verfolgen den einen Sinn und Zweck: „[…] the substainable ethos of ecological, social and economic responsibility“ (ebd.). Die Volontäre, die auch als WWOOFers bezeichnet werden, erhalten neben freier Kost und Logis auch Wissen. Sie lernen wie ein ökologisch landwirtschaftlicher Betrieb abläuft und sammeln Erfahrungen im Anbau, der Weiterverarbeitung oder im Vertrieb (ebd.).

Work in a way that is environmentally friendly and ethical with regard to animals, including, for example, appropriate land management practices, composting, crop rotation, growing a diverse range of crops to help soil fertility, excluding the use of chemicals, the human treatment of farm animals in a ‘free range’ environment and using natural pest and disease control systems (INTOSH & CAMPBELL 2001:112).

Ein wichtiger Aspekt von WWOOF ist die Möglichkeit sich mit anderen Menschen auszutauschen. WWOOF möchte eine Anlaufstelle für Reisende auf der ganzen Welt sein und unterstützt somit die Zusammenkunft verschiedener Kulturen (INTOSH 2009:264).

2.4 Unterwegs in Down Under

Australien ist das Land der langen Wege. Es kann schon einmal vorkommen, dass man etwas im Nachbarort zu erledigen hat und dafür eine Fahrt von 300 km einfach in Kauf nehmen muss. Die Weite des Landes wird erst deutlich, wenn man einen Blick auf die Gesamtgröße wirft. Zwischen dem nördlichsten Punkt Australiens (Cape York in Queensland) und dem südlichsten (South Cape auf Tasmanien) liegen 3.680 km. Mit etwa 4.000 km ist die Strecke vom westlichsten Zipfel Australiens, dem Steep Point an der Küste Western Australias, bis zum östlichsten, dem Cape Byron in New South Wales, noch größer (ELDER 1996:11).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Ein einsamer Briefkasten auf weiter Flur (Verfasser 2010:2)

Bei solch großen Entfernungen muss eine Reise gut geplant sein, damit einem nicht mitten in der Wüste das Benzin ausgeht oder man in einem Ort aus dem Bus aussteigt, indem es überhaupt kein Hostel gibt. Damit man in Down Under nie die Orientierung verliert und keine der Sehenswürdigkeiten verpasst, sollte daher immer ein Reiseführer griffbereit sein.

2.4.1 Lonely Planet- die Bibel der Backpacker und WHM

Ein Grund, warum die Population der Backpacker und WHM in Australien in den letzten Jahren so rapide angewachsen ist, ist das vermehrte Aufkommen von „alternativen Reiseführern“ (BROER 2005:11), die sich an den Bedürfnissen und Wünschen der Backpacker und WHM orientiert. Sie enthüllen „Geheimtipps“ und verraten dem Leser „unberührte und billige Ziele abseits des Massentourismus“ (ebd.).

Die „Backpacker-Bibel“ (KRÖGER 2009:84, RICHARDS & WILSON 2004:35f.) unter den Reiseführern ist der Lonely Planet. Der erste Teil dieser Reihe wurde 1975 veröffentlicht und handelte von der Region Südostasien (SPREITZHOFER 1995:149). SPREITZHOFER (1998:979) sieht diese Veröffentlichung des ersten Lonely Planet als Geburt des Massenbackpackings und das Reiseziel Südostasien als dessen Geburtsort.

Für Australien gibt es mittlerweile fünf verschiedene Ausgaben des Lonely

Planet (siehe Abb. 4). Jedes Buch behandelt eine bestimmte Region in Australien: Central Australia, East Coast, Perth & Western, Queensland & The Great Barrier Reef und Tasmania (BERKMOES 2008:536).

Abb. 4: Die fünf Lonely Planet Reiseführer über die Regionen Australiens

(BERKMOES 2008:536)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben den Regionalausgaben gibt es auch einen zusammenfassenden Reiseführer über Australien. Dieser befindet sich bereits in der 15. Auflage und ist weltweit der meist verkaufte Reiseführer über Australien (VAISUTIS 2010:1211).

Mittlerweile mehren sich allerdings auch kritische Äußerungen bezüglich der wachsenden Popularität des Lonely Planets und Unverständnis gegenüber den Backpackern und WHM, die sich bedingungslos an diesem Reiseführer orientieren (KRÖGER 2009:83). Die Auswirkungen sieht KRÖGER (2009:83) in der Entwicklung des eigentlichen „alternativen und selbstorganisierten Reisens“ hin zu einem „Fortbewegen innerhalb eines engen infrastrukturellen Netzes, das kaum Möglichkeiten zur Erkundung auf eigene Faust“ zulässt. „Die ursprüngliche Intention der Selbstorganisierten Reise […] und des interkulturellen Austausches mit der Bevölkerung vor Ort“ (ebd.) wird durch den Lonely Planet nicht gefördert. Ganz im Gegenteil, dadurch dass fast jeder Backpacker und WHM in Besitz eines Lonely Planets ist, trifft man sich genau an den Orten mit anderen Rucksackreisenden, die einem der Reiseführer vorschlägt und bekommt somit keinen Eindruck vom „echten Australien“. GEULEN & SEIBERT (2005:11) gehen mit ihrer Behauptung sogar soweit, dass die Mehrheit der heutigen Generation von Backpackern und WHM überhaupt nicht mehr die Absicht hat Kontakt zur lokalen Bevölkerung herzustellen. Sie suchen gezielt nach Gleichgesinnten, um Spaß zu haben und zu feiern. An diesem „’Come together’ der globalen Party-Kultur“ (ebd.) ist der Lonely Planet nicht ganz schuldlos.

2.4.2 Greyhound oder lift?

Neben dem Geldverdienen wollen die WHM auch das Land kennen lernen und sind daher viel auf den australischen Highways (Bundesstraßen) unterwegs (ALBERT 2007:87). Das australische Verkehrsnetz umfasst etwa 900.000 km an Straßen (FALK WELTATLAS 2006:186). Den WHM stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, wie sie diese nutzen, um von einem Ort zum anderen zu kommen (siehe Tab. 12).

Tab. 12: Verteilung der von WHM benutzten Transportmöglichkeiten (AUSTRALIAN

SURVEY RESEARCH GROUP 2008:70)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vor allem das sehr gut ausgebaute Überlandbusnetz ist bei den Working Holiday Makern beliebt und ermöglicht eine bequeme und günstige Fahrt über eine längere Distanz (ALBERT 2007:87). Das Unternehmen Greyhound ist marktführend im Sektor der Reisebusse (long distance coach) und bietet Fahrten zu fast allen wichtigen Destinationen in Australien an (siehe Abb. 5) (ebd.). Ebenfalls hoch frequentiert (siehe Tab. 12) von den WHM sind die kleineren Flughäfen außerhalb der großen Ballungsgebiete, die billige Inlandsflüge anbieten. Die großen Flughäfen in den Metropolen werden hauptsächlich zur An- bzw. Abreise der internationalen WHM benutzt (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:70).

Abb. 5: Haltestellen der Greyhound Reisebusse in Australien

(GREYHOUND AUSTRALIA 2007:o.S.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben dem Reisen mit dem Greyhound Reisebus fahren viele WHM mit dem gekauften oder gemieteten PKW durch Australien (ebd.). Die billigste Variante ist allerdings die per Mitfahrgelegenheit (lift). Viele WHM inserieren in Zeitungen bzw. im Internet oder hängen Zettel an notice- boards (schwarze Bretter) in Hostels oder Einkaufszentren, dass sie eine Mitfahrgelegenheit suchen. Umgekehrt gibt es auch einige Besitzer von Autos, die einen Platz zu vergeben haben und noch jemanden suchen, der sich an den Benzinkosten beteiligt. Wer es vorzieht mit dem Zug zu reisen kauft sich häufig ein Ticket für den berühmten Ghan oder Indian Pacific. Die 2.979 km Gleise des Ghan verlaufen zwischen Adelaide und Alice Springs. Die Strecke des Indian Pac ific ist mit 4.352 km noch länger und verbindet die Städte Sydney und Perth (ALBERT 2007:93f.).

Trotz der vielen günstigen Möglichkeiten durch Australien zu reisen gibt ein WHM durchschnittlich 2.411 A$ (siehe Tab. 10) für den Transport aus (AUSTRALIAN SURVEY RESEARCH GROUP 2008:36).

2.4.3 Youth Hostel oder Camper- Van? Das ist hier die Frage.

Eine wichtige Entscheidung, die jeder WHM zu Beginn seiner Reise treffen muss, ist die Frage: Youth Hostel (Jugendherberge) oder Camper- Van (Wohnmobil)? Die Entscheidung ist abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit und der bevorzugten Art des Reisens. Möchte man lieber in einem Dorm (Schlafsaal) mit bis zu zwanzig weiteren WHM schlafen oder übernachtet man lieber alleine in einem ausgebauten Van irgendwo auf einem Parkplatz bzw. einem Campingplatz? Diese Entscheidung ist auch abhängig vom jeweiligen Budget, das einem zu Verfügung steht. Beide Arten zu reisen gehören zwar zum „low budget travel“ (Billigreisen) (ALBERT 2007:43) und werden auch von den meisten Australiern bevorzugt (ebd.), aber die Kosten können, je nach Anspruch, deutlich variieren. Wie im Hotelwesen gibt es auch bei Youth Hostels unterschiedliche Kategorien. Auf der einen Seite kann man in einem Dorm eines Einsternehostels, irgendwo im Outback (Hinterland), für 12 A$ übernachten. Auf der anderen Seite gibt es das einzige Fünfsternehostel der Welt, das YHA (Youth Hostel Accomodation) Central im Herzen von Sydney, welches einen Pool auf dem Dach vorzuweisen hat und bis zu 132 A$ pro Nacht im Doppelzimmer mit Bad kostet (VAISUTIS 2010:134). Bei einem Camper Van sieht es ähnlich aus. Zuerst stellt sich aber einmal die Frage, ob man einen kaufen oder doch nur mieten soll. Nach ALBERT (2007:101) ist der Kauf eines eigenen Autos nur dann sinnvoll, wenn die Aufenthaltsdauer länger als drei Monate beträgt. Die Qualitätsunterschiede bei den Camper Vans sind, ähnlich wie bei den Youth Hostels, groß. Hier kommt es ebenso, wie bei der Wahl des Campingplatzes, auf den eigenen Anspruch an.

[...]


[1] Wenn in dieser Arbeit von Backpackern, Rucksackreisenden und Working Holiday Makern gesprochen wird, verwende ich überwiegend die maskuline Form, auch wenn weibliche Kollegen in gleichem Maße gedanklich einbezogen werden. Ich wähle die männliche Form, weil ich dadurch das Gefühl habe, meine eigene Person angemessener in die Überlegungen und den Text einbeziehen zu können.

[2] Wörter und Sätze aus englischen Originaltexten wurden von mir eigenhändig ins Deutsche übersetzt und beinhalten daher eine gewisse Interpretationsfreiheit.

Ende der Leseprobe aus 126 Seiten

Details

Titel
„Work & Travel“ in Australien
Untertitel
Welche Motivation bewegt junge Deutsche zu einem „Work & Travel“ Aufenthalt in Australien?
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Geographie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
126
Katalognummer
V166237
ISBN (eBook)
9783640819164
ISBN (Buch)
9783640822126
Dateigröße
3705 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Backpacker, Backpacking, Rucksacktourismus, Rucksacktourist, Drifter, Drifting, Reisemotivation, Work and Travel, Down Under
Arbeit zitieren
Julian Hübner (Autor), 2010, „Work & Travel“ in Australien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166237

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