Die Ottonen - Herrscher in Bildern


Seminararbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inaltsverzeichnis

Einleitung

1. Majestas Domini mit Otto I. als Stifter
1.1 Bildbeschreibung
1.2 Die Herrscherfigur
1.3 Die Krone des Herrschers
1.4 Die Begleitfiguren
1.4.1 Mauritius und Petrus
1.4.2 Andere

2. Majestas Domini mit huldigender Herrscherfamilie
2.1 Bildbeschreibung
2.2 Die ottonische Familie

3. Widmungsbild des Aachener Liuthar-Evangeliars
3.1 Bildbeschreibung
3.2 Religiöse Symbolik
3.3 Politische Symbolik

Schluß

Einleitung

Die Zeit der ottonischen Herrscher im ostfränkischen Reich geht nicht nur untrennbar mit der Errichtung neuer politischer Strukturen und Merkmale, im besonderen des Reichskirchensystems und der Verzahnung geistlicher und weltlicher Macht, sondern auch mit kulturellen Veränderungen im Bereich des künstlerischen Schaffens einher.

Obwohl karolingischen und byzantinischen Einflüssen unterworfen und folgend, ist die Zunahme sowohl der Produktion als auch der Bedeutung von Kunstwerken für die Repräsentation königlicher Herrschaft seit der zweiten Hälfte des 10. Jh. in einem Maße bemerkenswert, als daß im Bereich der ottonischen Kunst nicht das Schlagwort Renaissance, sondern vielmehr die Bezeichnung renovatio zutreffend ist.[1] Als wohl einschneidendes Ereignis für den Bedeutungswandel von Herrscherdarstellungen zur Repräsentation und als Ausdruck herrscherlichen Machtanspruchs kann die Erhebung Ottos I. zum ersten deutschen Kaiser im Jahr 962 gelten, da seitdem eine deutliche Veränderung zunächst im Bereich der Herrschersiegel sichtbar wird. Die Thematik der ottonischen Herrschaftspräsentation in der Sphragistik wurde unter anderem eingehend von Percy Ernst Schramm und Hagen Keller behandelt und zusammengefaßt.[2] Über diesen anfänglichen Bruch hinaus bemerkenswert ist die Vielfalt an Gattungen ottonischen Kunstschaffens, das sich von Wandmalerei über Widmungs- und Devotionsbildern in der Buchmalerei und Elfenbeinplastiken verschiedener Kunstschulen bis hin zur Ikonographie und Architektur erstreckt. Im Folgenden wird sich das Augenmerk jedoch auf die Herrscherdarstellung in der Buchmalerei und in der Elfenbeinplastik beschränken. Da unglücklicherweise die Menge an Darstellungen Ottos I. sehr gering ist, soll der Versuch unternommen werden, besonders drei Kunstwerke zunächst in Teilaspekten hinsichtlich religiöser Symbolik und politischen Ausdrucks zu untersuchen und schließlich in den Verlauf ottonischer Herrschaft von Otto I. bis Otto III. in ihrer jeweiligen Schwerpunktlegung einzuordnen und vergleichend zu bewerten.

Bei dem ersten zu untersuchenden Objekt handelt es sich um die Elfenbeinplastik der Majestas Domini (Abb.1) aus dem Magdeburger Antependium. Das zweite Objekt ist die Elfenbeinplastik mit der Darstellung der ottonischen Familie in Proskynese (Abb.2) und schließlich das Widmungsbild des Aachener Evangeliars (Abb.3). Besonders letzteres Objekt bietet bis heute, weit mehr noch als erstgenannte, Anlaß für verschiedene Deutungsmöglichkeiten und entzieht sich in seinen verschiedenen Aspekten und Symbolebenen einer von der historischen Fachwelt allgemein anerkannten Interpretation. Auch den Quellen, z.B. der Stifterdarstellung auf der dem Bild vorangehenden Seite oder den Aufzeichnungen mittelalterlicher Historiographen wie etwa eines Thietmars von Merseburg oder des Gallus Anonymus, mangelt es an Eindeutigkeit und nicht zuletzt auch an Einheitlichkeit in der Auskunft über Details, Bedeutung und Umstände der dargestellten Szene.

1.1 Bildbeschreibung

Das erste Objekt ist ein 12,9 cm hohe und 11,3 cm breite Elfenbeintafel. In ihrer Mitte ist der auf einer Sphaira thronende Christus mit Kreuznimbus frontal dargestellt, seine Füße ruhen auf einem durch die Sphaira verlaufenden Bogen. Auf der linken Seite der Tafel, zu der sich der Bogen leicht neigt, ist eine durch eine Krone als Herrscher gekennzeichnete bärtige Herrscherfigur dargestellt, die im Hintergrund von zwei Personen begleitet wird. Die hinterste Person ist durch Flügel und Nimbus als Engel gekennzeichnet; alle drei sind im Profil, den Blick nach rechts gewandt abgebildet. Die Herrscherfigur, dessen Arme und Hände durch seinen Mantel verhüllt sind, streckt Christus das Modell eines Gebäudes entgegen, das Christus mit den Fingern seiner rechten Hand berührt, während seine linke Hand auf einem Buch ruht, das auf sein linkes Bein gestellt ist. Christus blickt auf die Herrscherfigur herab. Auf der rechten Seite der Tafel sind ebenfalls drei Personen im Profil dargestellt, ihre Blicke nach links gewandt. Die beiden hinteren sind durch einen Nimbus als Heilige zu erkennen, während die vordere einen Schlüssel in der linken Hand hält und durch dieses Attribut als der Heilige Petrus erkannt werden kann. Der Hintergrund ist schachbrettartig durchbrochen und die Löcher in den vier Ecken lassen auf eine ursprüngliche Befestigung auf einem anderen Gegenstand schließen.

1.2 Die Herrscherfigur

Bei der Elfenbeinplastik der Majestas Domini aus dem Magdeburger Antependium handelt es sich, in der Forschung unbestritten, um eine Devotionsszene Ottos I., genauer um den Stiftungsakt eines kirchlichen Gebäudes an Christus. Ob es sich bei der Christus dargebrachten Gebäudeminiatur um das Kloster Mauritius oder den Magdeburger Dom handelt ist, da es sich eben nur um eine Architekturabbreviatur handelt, nicht definitiv feststellbar. In der Forschung wird jedoch allgemein von der Darstellung der Stiftung des Magdeburger Domes ausgegangen, laut Hermann Filitz „zu Recht“[3]. Demzufolge ist die Plastik frühestens auf das Jahr 962 zu datieren. Durch die kirchliche Stiftung erklärt sich der immense Größenunterschied zwischen der Herrscherfigur und sowohl den Heiligen als auch Christus. Der Herrscher wird hier, als Stifter „in den sakralen Bildkontext eingefügt“[4], Christus oder der geistlichen Sphäre angenähert, was nicht zuletzt in der Präsentation Ottos durch einen Heiligen zum Ausdruck kommt. Durch die Kombination des Herrschers mit Christus ist die Szene nicht nur eine Devotionsgeste, sondern trotz der auffälligen Größenunterschiede gleichzeitig auch als die geistige Erhöhung des Herrschers in eine heiligenähnlichen Status aufzufassen.[5] Aufgrund der Untrennbarkeit von weltlicher Macht und deren sakraler Legitimation, stellt die Annäherung an Christus sowohl Fürbitte als auch Bestätigung des kaiserlichen Machtanspruchs dar.

1.3 Die Krone des Herrschers

Besondere Beachtung sollte in dieser Darstellung der Krone Ottos I. zukommen, da die Datierung der Herstellung der Reichskrone in der Forschung seit Anfang des 20. Jh. besonders kontrovers diskutiert wird. P. E. Schramm bemerkt bereits, daß die Krone des Herrschers eindeutig einen Bogen aufweist, geht jedoch auf eine nähere Betrachtung nicht ein.[6] Wenn nun tatsächlich Otto I. in dieser Darstellung „offensichtlich auf eine möglichst genaue Darstellung seiner selbst Wert gelegt, sowohl was seine Physiognomie als auch die Krone als höchstes Zeichen seiner Würde betrifft“[7], hätte und unter Berücksichtigung der Behauptung, es sei „now almost universally accepted that it was made for his imperial coronation of 962“[8], muß die Bewandtnis der auf Konrad II. bezogene Inschrift des Bogens eine andere sein, als die Annahme, der Bogen wäre für oder nach Konrads II. Thronbesteigung hinzugefügt worden. Die Datierung der Krone, zumindest aber der des Bogens, wird dadurch erschwert und es könnte sogar spekuliert werden, daß es sich bei der dargestellten um eine andere Krone als die Reichskrone handelt, denn auf anderen ottonischen Herrscherdarstellungen ist diese Kronenform nicht zu sehen. Eine Stilisiererung der tatsächlichen Krone Ottos I. zur Hervorhebung der religiösen Bedeutung des Stiftungsaktes oder die religiöse Erhöhung des Herrschers, im Sinne der Diadem- und Bogensymbolik für den Erdkreis und den Ozean[9], wäre hier angesichts der uneinheitlichen Kronendarstellungen zumindest denkbar. Einer definitiven Identifizierung der Krone steht allerdings der Zweifel an der Detailtreue mittelalterlicher Darstellungen: „Es ist sicherlich nicht richtig, hier die Frage nach einer Abbildung der Reichskrone selbst zu stellen. Die konkrete Wiedergabe bestimmter Objekte gibt es im Mittelalter nicht.“[10]

Der These der Stilisierung stehtd jedoch eine andere mögliche Datierung der Krone auf das Jahr „967 anläßlich der Krönung Ottos II. zum Mitkaiser“[11] entgegen. Würde dies zutreffen, wäre dadurch bei der Schwerpunktlegung dieser Darstellung ein deutlicheres Interesse an der religiösen Bedeutung des Stifters eine begründete Feststellung. Die Beantwortung der Fragen nach Herkunft und Einflüssen des Künstlers würden weiter erhellend wirken, können hier aber nicht in aller Kürze diskutiert werden.

[...]


[1] Vgl. P. E. Schramm, Die deutschen Kaiser und Könige in Bildern ihrer Zeit 751-1190, München 1983, S. 72

[2] Vgl. Schramm, Kaiser, 1983; H. Keller, Das neue Bild des Herrschers. Zum Wandel der „Herrschaftspräsentation“ unter Otto dem Grossen, in: Ottonische Neuanfänge: Symposium zur Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa", hrsg. v. B. Schneidmüller und S. Weinfurter, Mainz 2001, S. 189-211

[3] Vgl. H. Fillitz, Die europäischen Wurzeln der ottonischen Kunst in Sachsen, in: Ottonische Neuanfänge: Symposium zur Ausstellung "Otto der Große, Magdeburg und Europa", hrsg. v. B. Schneidmüller und S. Weinfurter, Mainz 2001, S. 321-343, S. 333

[4] K. G. Beuckers, Das ottonische Stifterbild. Bildtypen, Handlungsmotive und Stifterstatus in ottonischen und frühsalischen Darstellungn, in: Die Ottonen. Kunst - Architektur – Geschichte, hrsg v. K. G. Beuckers, Petersberg 2002, S. 63-102, S. 64

[5] Vgl. ebd., S. 64

[6] Vgl. Schramm, Kaiser, S. 74

[7] Otto der Große, Magdeburg und Europa: eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg vom 27. August – 2. Dezember 2001; Katalog der 27. Ausstellung des Europarates und Landesausstellung Sachsen-Anhalt, hrsg. v. M. Puhle, Mainz 2001, S. 53

[8] P. Lasko, Ars Sacra: 800-1200, Harmondsworth/Middlesex 1972, S. 83

[9] Vgl. J. Ott, Krone und Krönung. Die Verheißung und Verleihung von Kronen in der Kunst von der Spätantike bis um 1200 und die geistige Auslegung der Krone, Mainz a. R. 1998, S. 193

[10] Otto der Große, Magdeburg und Europa, S.373

[11] Ebd., S. 373

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Ottonen - Herrscher in Bildern
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Einführung in die mittelalterliche Geschichte - Die Konsolidierung des ostfränkischen Reiches
Note
1,2
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V166284
ISBN (eBook)
9783640819959
ISBN (Buch)
9783640823017
Dateigröße
4208 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Otto I., Otto II, Otto III., Ostfranken, Heiliges Römisches Reich, Buchmalerei, Elfenbeintafel, Religion, Politik, Magdeburg, Aachen, deutscher Kaiser, Theophanu
Arbeit zitieren
Marcel Nagel (Autor), 2009, Die Ottonen - Herrscher in Bildern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166284

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