Die Wirtschaftskrise 2009 hat den deutschen Sozialstaat auf eine harte Probe gestellt. Aber auch der demographische Wandel stellt das deutsche Rentensystem vor große Probleme. Deswegen ist der Wohlfahrtsstaat und sein Ausbau oder auch Abbau immer noch ein wichtiges Thema in der deutschen Innenpolitik. Aussagen wie: „Hartz IV darf nicht stärker steigen als die Rente“ sind immer in der tagesaktuellen Diskussion zu finden.
Aus diesem Grund ist es interessant, sich mit der Entwicklung des deutschen Wohlfahrtsstaates zu beschäftigen. In dieser Arbeit werde ich mein Hauptaugenmerk auf die Situation auf diesem Gebiet in den 1950er Jahren richten. In dieser Zeit wurden viele Vorrausetzungen für den Wohlfahrtsstaat geschaffen, den wir heute in Deutschland vorfinden.
Die Fragen, die gestellt werden müssen, sind: Wie hat sich der deutsche Wohlfahrtstaat entwickelt und welche Mechanismen haben diese Entwicklung beeinflusst? Viele unterschiedliche Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten geben Antwort.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Gründe zu verstehen, wieso sich der westdeutsche Wohlfahrtsstaat in dieser Zeit in bestimmter Weise entwickelt hat. Darüber hinaus soll deutlich werden, welche Theorien gute Erklärungsansätze für die Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten liefern und welche eher ungeeignet sind.
Zunächst werde ich die Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten erläutern. Danach folgt eine Übersicht über die westdeutsche Geschichte in den 1950er Jahren, um dann mit Hilfe der erläuterten Theorien die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates zu analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten
2.1 Funktionalistische Schule
2.2 Interessen- und konflitkttheoretische Schule
2.3 Institutionalistische Schule
2.4 Ideenpolitische wohlfahrtskulturelle Schule
3. Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates in den 1950er Jahren
4. Anwendung der Theorien auf die Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates in den 1950er Jahren vor dem Hintergrund verschiedener wissenschaftlicher Erklärungsansätze. Ziel ist es, zu analysieren, welche theoretischen Modelle sich eignen, um die sozialpolitischen Entscheidungen und den Wiederaufbau der sozialen Sicherungssysteme in dieser spezifischen Dekade zu erklären.
- Theoretische Grundlagen der Wohlfahrtsstaatsanalyse
- Die Ära des Wiederaufbaus in den 1950er Jahren
- Sozialpolitische Reformen und Rentenpolitik der Adenauer-Ära
- Anwendung funktionalistischer, interessentheoretischer, institutionalistischer und ideenpolitischer Ansätze
- Wechselwirkung zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Sozialausgaben
Auszug aus dem Buch
2.1 Funktionalistische Schule
Im Betrachtungsmittelpunkt der funktionalistischen Theorie stehen die Betrachtung der Wirtschaft und ihr Einfluss auf den Wohlfahrtsstaat. Ein spezieller Ansatz dieser Theorie ist der, der die „Logik des Industrialismus“ für die Entstehung und Entwicklung des Wohlfahrtsstaates verantwortlich macht.
Durch die Industrielle Revolution wandelte sich die Gesellschaft von agrarisch zu industriell geprägt. Dieser Wandel führte laut dieses Ansatzes zum Verfall der traditionellen Sicherungssysteme, also zum Beispiel der Familie. Des Weiteren traten durch das starke Wachstum der Gesellschaft, Landflucht und die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung neue Probleme auf. Diese Probleme konnten laut dieser Theorie nicht mehr zum Beispiel durch die Familie abgefangen werden. Ein neues Sicherungssystem musste an diese Stelle treten. Also lässt sich nach diesem funktionalistischen Ansatz sagen: „Der Sozialstaat kam in die Welt, weil es seiner bedurfte.“
Dieser Ansatz folgt außerdem in Bezug auf die Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten der Annahme, dass die Ausbildung des Sozialstaates in Abhängigkeit zur wirtschaftlichen Entwicklung steht. Das bedeutet, dass die Sozialausgaben mit dem Brutto-Inlands-Produkt (BIP) steigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Wohlfahrtsstaatsforschung vor dem Hintergrund zeitgenössischer Probleme dar und formuliert das Erkenntnisinteresse an der westdeutschen Sozialpolitik der 1950er Jahre.
2. Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten: Dieses Kapitel systematisiert vier zentrale theoretische Schulen der Wohlfahrtsstaatsanalyse, darunter die funktionalistische, interessentheoretische, institutionalistische und ideenpolitische Perspektive.
3. Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates in den 1950er Jahren: Hier erfolgt eine historische Übersicht über den institutionellen Wiederaufbau des Sozialstaates in der jungen Bundesrepublik sowie die Herausforderungen der Nachkriegszeit und die Rentenreform von 1957.
4. Anwendung der Theorien auf die Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates: Das Kapitel verknüpft die zuvor erläuterten Theorien mit den historischen Ereignissen der 1950er Jahre, um Erklärungen für die Ausgestaltung des Sozialstaates zu liefern.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Kombination verschiedener Theorien notwendig ist, um die Komplexität der sozialpolitischen Entwicklung in der Bundesrepublik angemessen zu erfassen.
Schlüsselwörter
Wohlfahrtsstaat, Bundesrepublik Deutschland, 1950er Jahre, Sozialpolitik, Rentenreform, Funktionalismus, Institutionalismus, Sozialausgaben, Wirtschaftsgeschichte, Demokratisierung, Kapitalismus, Sozialstaatliche Institutionen, Interessenpolitik, Politische Reformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung und Formung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates in den 1950er Jahren unter Anwendung verschiedener politikwissenschaftlicher und soziologischer Theorien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die historischen Rahmenbedingungen der jungen Bundesrepublik, die theoretischen Erklärungsmodelle zur Entstehung von Sozialstaaten sowie die spezifischen sozialpolitischen Reformen der Adenauer-Ära.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für die spezifische Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates in den 50er Jahren zu verstehen und die Erklärungskraft etablierter Theorien kritisch zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein theoriegeleiteter historischer Analyseansatz gewählt, bei dem die Entwicklung des Sozialstaates mit Hilfe von vier etablierten sozialwissenschaftlichen Schulen reflektiert wird.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Darstellung der vier Erklärungsansätze und deren konkrete Anwendung auf die westdeutsche Geschichte, insbesondere auf den Wiederaufbau der Institutionen und die Rentenreform von 1957.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialstaat, 1950er Jahre, Funktionalismus, Rentenreform und institutionelle Kontinuität.
Warum war die Rentenreform von 1957 so bedeutend?
Die Reform ersetzte das Kapitaldeckungsverfahren durch das Umlageverfahren und koppelte die Renten an die Bruttolohnentwicklung, um Altersarmut zu bekämpfen und die Rentner am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben zu lassen.
Wie erklärt die Autorin den Wiederaufbau der alten Institutionen?
Der Wiederaufbau wird unter anderem durch den institutionalistischen Ansatz erklärt, da bestehende Strukturen, an die die Gesellschaft gewöhnt ist, nur schwer durch völlig neue Systeme ersetzt werden können.
Welche Rolle spielte die SPD laut den Theorien?
Die SPD forderte ein steuerfinanziertes System für die gesamte Bevölkerung; ihre bloße Präsenz in der Opposition könnte laut dem Parteienstärke-Ansatz die Regierung zu sozialpolitischen Reformen gedrängt haben.
- Quote paper
- Franziska Rempe (Author), 2010, Theorien zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166294