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Von der Entmündigung zur persönlichen Betreuung

Politische Geschichte - Sachstand - Perspektiven

Title: Von der Entmündigung zur persönlichen Betreuung

Diploma Thesis , 1997 , 64 Pages , Grade: 2

Autor:in: Klaus Fenn (Author)

Social Work
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Das früher geltende Entmündigungs-, Vormundschafts- und Pflegschaftsrecht brachte für die betroffenen Menschen weitreichende Folgen der Entrechtung und Bevormundung mit sich. Durch Amtsvormünder/-pfleger und Berufsvormünder/-pfleger wurden die Betroffenen zudem in den meisten Fällen nur anonym verwaltet. Mit einem Sachverständigenbericht über die "Lage der Psychiatrie in Deutschland" wurde Anfang der 70er Jahre erstmals eine breite Öffentlichkeit auf diese Missstände aufmerksam. Dennoch dauerte es fast zwanzig Jahre, bis schließlich eine Reform der alten Rechtslage durchgesetzt werden konnte.

Das neue Betreuungsgesetz wurde in der Fachwelt mit einer großen Erwartungshaltung aufgenommen. Es stärkt deutlich die Rechte des Betroffenen im Verfahren und zudem wird eine Betreuung nur in den Bereichen eingerichtet, wo eine Hilfe notwendig ist. Der Betreute soll soweit wie möglich sein Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten können. Anders als zu Beginn befürchtet, konnte das Betreuungsgesetz in der Praxis gut umgesetzt werden.

Regeln für den Umgang mit hilflosen Menschen sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Es spricht vielen dafür, dass die zentrale Problematik dieses Rechtsgebietes, nämlich das Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Entrechtung, genauso alt ist. Religiöse, kulturelle und soziale Wertvorstellungen, die einem ständigen Wandel unterliegen, bestimmen maßgeblich politische Entscheidungen, welche letztlich das mitmenschliche Verhalten vorschreiben. Die politische Gesellschaftsordnung bestimmt aber nicht nur die Regeln im Umgang mit kranken und hilfsbedürftigen Menschen, sondern sie definiert in entscheidendem Ausmaß auch, wer oder was als krank oder normal zu gelten hat. So gibt es noch heute viele Länder auf der Erde, in denen zahllose politisch andersdenkende Menschen in Gefängnisse oder psychiatrische Kliniken gesperrt werden. Erinnert sei auch an das finstere Kapitel des Nationalsozialismus, in dem der Gedanke des Sozialdarwinismus und der Vernichtung "lebensunwerten Lebens" zu Zwangssterilisationen und massenhafter Tötung von kranken und behinderten Menschen führte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Politische Geschichte

2.1 Historische Vorbemerkungen

2.1.1 Altertum und Mittelalter

2.1.2 Zeit der Aufklärung

2.1.3 Rechtslage nach dem BGB ab dem 1. 1. 1900

2.1.3.1 Vormundschaft und Entmündigung

2.1.3.2 Gebrechlichkeitspflegschaft

2.1.3.3 Daten zur Vormundschafts- und Pflegschaftspraxis

2.1.3.4 Der Vormund / Pfleger

2.2 Werdegang der Reform

2.2.1 Die Psychiatrie - Enquete

2.2.2 Kritik der alten Rechtslage

2.2.3 Reformziele

2.2.4 Vorbild Österreich

2.2.5 Das Gesetzgebungsverfahren

2.2.6 Übergangsvorschriften

3 Sachstand

3.1 Kernpunkte des Betreuungsrechts

3.2 Das Verfahren zur Betreuerbestellung, dargestellt anhand eines Beispielfalles

3.2.1 Vorgeschichte

3.2.2 Der Antrag zur Betreuerbestellung

3.2.3 Der Erforderlichkeitsgrundsatz

3.2.4 Anhörung des Betroffenen

3.2.5 Das Sachverständigengutachten

3.2.6 Der Verfahrenspfleger

3.2.7 Die Betreuungsbehörde

3.2.7.1 Der Sozialbericht der Betreuungsstelle

3.2.7.2 Auswahl des Betreuers

3.3 Die Betreuerarten

3.3.1 Einzelbetreuer

3.3.1.1 Ehrenamtlicher Betreuer

3.3.1.2 Berufsbetreuer

3.3.1.3 Vereinsbetreuer

3.3.1.4 Behördenbetreuer

3.3.2 Institutionen als Betreuer

3.3.2.1 Betreuungsverein

3.3.2.2 Betreuungsbehörde (Betreuungsstelle)

3.4 Gesetzliche Vertretung durch den Betreuer

3.4.1 Personensorge

3.4.1.1 Aufenthaltsbestimmung

3.4.1.2 Ärztliche Maßnahmen

3.4.1.3 Sterilisation

3.4.1.4 Unterbringung

3.4.1.5 Wohnungsauflösung

3.4.2 Vermögenssorge

3.4.3 Der Einwilligungsvorbehalt

3.5 Aufsicht durch das Gericht

3.6 Ende der Betreuung

3.6.1 Betreuerwechsel

3.6.2 Wegfall der Voraussetzungen

3.6.3 Tod des Betreuten

4 Perspektiven

4.1 Zunahme der Betreuerbestellungen

4.2 Finanzieller Aspekt

4.3 Probleme in der Betreuungspraxis

4.3.1 Bürokratisierung

4.3.2 Vergütung für Berufsbetreuer

4.3.2.1 Abrechnungsbestimmungen

4.3.2.2 Mittellosigkeit

4.3.3 Mangelhafte Unterstützung der Betreuungsvereine

4.3.4 Zwangsmaßnahmen gegen den Betreuten

4.4 Ausblick und Schlußbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Übergang vom alten Entmündigungs- und Vormundschaftsrecht hin zum modernen Betreuungsrecht. Das Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung der Betreuungstätigkeit vor dem Hintergrund ihrer politischen Reformgeschichte kritisch zu analysieren und Problemfelder für die Zukunft aufzuzeigen.

  • Historische Entwicklung der Vormundschaft und Entmündigung
  • Struktur und Ablauf des Betreuungsverfahrens in der Praxis
  • Differenzierung der Betreuerarten (ehrenamtlich, beruflich, behördlich)
  • Gesetzliche Aufgabenbereiche wie Personen- und Vermögenssorge
  • Finanzielle Aspekte und Probleme der bürokratischen Umsetzung

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Vorgeschichte

Herr Schmitt wurde 1938 als siebtes und letztes Kind einer Arbeiterfamilie in einer mittelgroßen Stadt in der Umgebung von Nürnberg geboren. Nach der Volksschule schloß er eine Metzgerlehre erfolgreich mit dem Gesellenbrief ab. Er arbeitete ca. ein Jahr in seinem Beruf und später in verschiedenen berufsfremden Arbeitsstellen (u. a. in einer Steinfabrik und als Pflasterer). Herr Schmitt ist geschieden und Vater von zwei erwachsenen Söhnen.

Herr Schmitt hat zeit seines Lebens große Mengen Alkohol konsumiert. Im Alter von 55 Jahren hatte er in einer psychiatrischen Fachklinik eine sechsmonatige Langzeittherapie absolviert. Jedoch dauerte der Erfolg nur wenige Monate. Danach begann Herr Schmitt wieder in starkem Maße zu trinken. Im Frühjahr 1994 wurde Herr Schmitt in stark alkoholisiertem Zustand in eine Schlägerei verwickelt, in deren Verlauf er unglücklich mit dem Kopf gegen einen Betonpfeiler schlug. Er mußte daraufhin in bewußtlosem Zustand in das zuständige städtische Klinikum eingeliefert werden. Herr Schmitt lag einige Tage im Koma, dessen Ursache eine Schädel-Hirn-Verletzung mit subduralem Hämatom war. Nach wenigen Wochen wurde Herr Schmitt in das zuständige Bezirkskrankenhaus verlegt. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten ein hirnorganisches Psychosyndrom vom Ausmaß einer Demenz (Alkoholdemenz).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die demografische Relevanz des Themas und die Zielsetzung der Arbeit zur Analyse des Betreuungsrechts.

2 Politische Geschichte: Historischer Rückblick auf die Entwicklung vom Entmündigungsrecht zur Reformdiskussion und dem Inkrafttreten des Betreuungsgesetzes.

3 Sachstand: Detaillierte Darstellung der Kernpunkte, Verfahrensregeln und Betreuerarten im geltenden Betreuungsrecht.

4 Perspektiven: Kritische Auseinandersetzung mit der Zunahme von Betreuungen, Finanzierungsfragen und Herausforderungen in der täglichen Betreuungspraxis.

Schlüsselwörter

Betreuungsrecht, Vormundschaft, Entmündigung, Betreuungsgesetz, Betreuerbestellung, Berufsbetreuer, ehrenamtliche Betreuung, Personensorge, Vermögenssorge, Betreuungsbehörde, Psychiatrie-Enquete, Einwilligungsvorbehalt, Unterbringung, Erforderlichkeitsgrundsatz, Sozialbericht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Betreuungsrecht, welches das alte Vormundschafts- und Entmündigungsrecht ablöste, um die Rechte von hilfsbedürftigen Menschen zu stärken.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Rechtslage, die rechtlichen Verfahren zur Bestellung eines Betreuers sowie die verschiedenen Betreuerarten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine kritische Beleuchtung, ob das Betreuungsgesetz in der Praxis die beabsichtigte Stärkung der Selbstbestimmung der Betroffenen tatsächlich erreicht hat.

Welche methodische Vorgehensweise liegt vor?

Die Arbeit kombiniert eine juristische Aufarbeitung der Gesetzeshistorie mit einer praxisorientierten Analyse anhand eines konkreten Fallbeispiels.

Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Vormundschaft, die Darstellung des aktuellen Betreuungsverfahrens inklusive der verschiedenen Aufgabenbereiche und eine Diskussion zukünftiger Herausforderungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Betreuungsrecht, Selbstbestimmung, Rechtsreform, Verfahrenspflege und Praxiserfahrung beschreiben.

Wie unterscheidet sich der Berufsbetreuer vom ehrenamtlichen Betreuer in der Praxis?

Während der ehrenamtliche Betreuer meist familiär gebunden ist und unentgeltlich arbeitet, übernimmt der Berufsbetreuer professionell komplexe Fälle und erhält hierfür eine gesetzliche Vergütung.

Warum wird im Dokument das Beispiel des Herrn Schmitt angeführt?

Das Fallbeispiel dient dazu, den abstrakten juristischen Ablauf der Betreuerbestellung, von der Vorgeschichte bis zur tatsächlichen gerichtlichen Entscheidung, anschaulich und praxisnah zu verdeutlichen.

Welche Bedeutung hat der Erforderlichkeitsgrundsatz?

Er stellt sicher, dass eine Betreuung nur dann eingerichtet wird, wenn sie wirklich nötig ist und keine anderen Hilfen zur Verfügung stehen, um die Rechte der Betroffenen so wenig wie möglich einzuschränken.

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Details

Title
Von der Entmündigung zur persönlichen Betreuung
Subtitle
Politische Geschichte - Sachstand - Perspektiven
College
University of Applied Sciences Nuremberg  (Fachbereich Sozialwesen)
Grade
2
Author
Klaus Fenn (Author)
Publication Year
1997
Pages
64
Catalog Number
V166298
ISBN (eBook)
9783640819997
ISBN (Book)
9783640822829
Language
German
Tags
Betreuungsrecht Entmündigung Betreuer gesetzliche Vertretung Betreuungsbehörde Verfahrenspfleger Berufsbetreuer Vereinsbetreuer Behördenbetreuer ehrenamtlicher Betreuer Betreuungsstelle
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Klaus Fenn (Author), 1997, Von der Entmündigung zur persönlichen Betreuung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166298
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