Was macht die Faszination des Romans „Das Parfum“ von Patrick Süskind aus?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorstellung des Romans

Inhaltsskizze

Verkaufserfolg

Die Roller des Erzählers

Struktur und Sprache

Genie versus Wahnsinn

Scheitern und Selbstzerstörung

Das Parfum – Ein Roman der Postmoderne

Fazit

Literaturverzeichnis

Was macht die Faszination des Romans „Das Parfum“ von Patrick Süskind aus?

Vorstellung des Romans

Auf dem Umschlag der Erstausgabe von Süskinds Roman "Das Parfum" aus dem Jahre 1985 befindet sich eine nackte, junge Frau. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus Antoine Watteaus (1684-1721) Gemälde "Nymphe et Satyre ou Jupiter et Antiope" aus dem Jahre 1715. Watteau ist ein französischer Maler flämischer Herkunft, der zu den bedeutendsten Malern des Rokoko gehört. In vielen seinen Bildern kann man Anzeichen der kommenden Epoche - der Aufklärung - erkennen, weil sie eine klassenlose Gesellschaft darstellen. Das ganze Gemälde zeigt ein Ereignis aus der griechischen Mythologie.[1]

Angezogen durch ihre Schönheit, verführt Jupiter (Zeus), in Gestalt eines Satyrs, die Königstochter Antiope. Satyre sind die griechischen Fruchtbarkeitsdämonen und gelten als sinnenfrohe, lüsterne Wesen die Frauen und Nymphen verführen. Geschwängert durch Jupiter flieht Antiope von ihrer Familie zu König Epopeus der sie zur Frau nimmt. Ihr Bruder Lykos verschleppt sie und setzt ihre geborenen Zwillinge, Amphion und Zetheus aus. Zurück in der Heimat wird Antiope von ihrer Schwägerin, Dirke, wie eine Sklavin behandelt. Die beiden Söhne überlebten und rächen die Mutter, indem sie Dirke an die Hörner eines Stiers binden, die so zu tote geschleift wird.[2]

Die Frau auf dem Buchumschlag ist sehr blass und es ist nicht zu erkennen, ob sie nur schläft oder sogar tot ist. Die Blässe der Frau und der Untertitel des Romans – "Die Geschichte eines Mörders" – verweisen auf dramatische Ereignisse. Wahrscheinlich wählte der Diogenes-Verlag dieses Motiv gerade wegen der Unsicherheit aus. Es könnte damit signalisiert sein, dass es sich um einen Kriminalroman mit erotischen Elementen handelt. Und das könnte dem Verkaufserfolg nur beitragen. Weitere Parallelen zum Roman sind die Aspekte der Aufklärung in Watteaus Gemälden, denn auch in Süskinds Roman spielt die Aufklärung eine große Rolle. Und das Gemälde zeigt eine Frau, die dem damaligen Schönheitsideal entsprach. Antiope soll sagenhaft schön gewesen sein, weshalb sie für Jupiter so unwiderstehlich gewesen sei, dass er sie verführen musste. Das Selbe gilt für Laure Richis im Roman (hauptsächlich aus olfaktorischer Sicht). Jean-Baptiste Grenouille konnte ihr ebenfalls nicht widerstehen auch wenn es Grenouille nicht um ihren Körper sondern um ihren Duft ging[3].

Aber solche Erwartungen an Erotik werden schließlich nicht erfüllt. Der Hauptprotagonist Grenouille ist kein sexueller Mörder, er tötet zwar 26 Jungfrauen, ist jedoch lediglich an ihrem Duft interessiert. So "spielen schöne Frauen, wie der Buchumschlag erwarten lässt, im Roman nur eine untergeordnete Rolle“[4].

Inhaltskizze

Jean-Baptiste Grenouille wurde als uneheliches Kind an einer Fischbude auf dem Pariser Marktplatz, nahe dem Friedhof, geboren, am „allerstinkendsten Ort des gesamten Königsreichs“ (Parfum, 7)[5]. Die Mutter war im Begriff, ihn wie alle ihre bisherigen Geburten kurzerhand loszuwerden. Doch das Kind begann zu schreien, wurde entdeckt, die Mutter wurde festgenommen, abgeurteilt und geköpft. Keine Amme wollte das Kind länger behalten, weil es zu gefräßig war. Außerdem schöpfte man Verdacht, das Kind sei vom Teufel besessen, weil es kein Geruch besitze. Dann kam Jean-Batiste Grenouille zu einer Ziehmutter. Diese Frau, die nach einem Schlag in die Stirn ihr Geruchsinn verlor und gefühllos wurde und deshalb seine Geruchlosigkeit nicht entdeckte, pflegte den Knaben, solange das Kloster dafür bezahlte. Die psychomotorische und emotionale Entwicklung des Kindes war verzögert, andererseits wies es verblüffende Sinnesbegabung auf. Selbst geruchlos, besaß es einen phänomenalen Geruchsinn, sowohl die Nase, als auch das Geruchgedächtnis. Zu sprechen lernte es spät, dies geschah bezeichnender Weise über den Geruchsinn. „Er war zäh wie ein resistentes Bakterium und genügsam wie ein Zeck“ (Parfum, 27). Er überlebte mehrere Krankheiten und Unfälle, hinkte, war hässlich, konnte kaum lesen und schreiben, sprach stotternd und ungern, war Eigenbrötler und bei seiner Umgebung unbeliebt, ja befürchtet. Mit acht wurde er gegen Provision an einen Gerber übergeben, wo er als Sklave die schwersten und gefährlichsten Arbeiten verrichtete, gehorsam und genügsam, um zu überleben. Er überstand sogar den Milzbrand, wodurch sein Leben für den Gerber an Wert gewann. Dafür wurde er mit freien Abenden belohnt. Diese Freizeit nutzte er, um seine Umwelt olfaktorisch zu erschließen. In seiner Phantasie kombinierte er allerlei Geruche, jedoch „ohne erkennbares schöpferisches Prinzip“ (Parfum, 49). Dieses Prinzip, „das Schlüssel zur Ordnung aller anderen Düfte“ entdeckte er in dem Duft eines Mädchens, das er erwürgte, um es seines Duftes vollständig berauben zu können. Einmal in Besitz dieser Duftformel, hielt er sich für ein Genie, dessen Leben einen höheren Sinn hat - „der größte Parfumeur aller Zeiten“ zu werden (Parfum, 58). Als Lehrling bei einem der angesehensten Parfumeure von Paris, Baldini, lernte er die Techniken der Duftgewinnung. Dafür revanchierte er sich mit hunderten von neuen Duften - er besaß „die beste Nase der Welt, sowohl analytisch als auch visionär“ (Parfum, 122). Er selbst erhoffte sich den Gesellenbrief, der ihm als „Mantel bürgerlichen Existenz“ dienen würde und „in dessen Schutz er... seine eigentliche Ziele ungestört verfolgen konnte“ (Parfum, 121). Um der größte Parfumeur zu werden, müsste er Wege finden, die Düfte von „jenen exquisiten Pflanzen“ zu gewinnen, „die er selbst in seinem Innern gezogen hatte, die dort blühten, ungerochen außer von ihm selbst“ (Parfum, 127). Manche Düfte ließen sich freilich lediglich mit Hilfe von Verfahren gewinnen, die man nur in der Stadt Grasse zu erlernen konnte. Dorthin führte sein Weg, als ihn Baldini endlich entließ. Unterwegs entdeckte er jedoch, dass „es dieser geballte Menschenbrodem war, der ihn... bedrückt hatte“ (Parfum, 148), und diese Feststellung treibt ihn von den Menschen weg, dem „Magnetpol der größtmöglichen Einsamkeit entgegen“, auf den Gipfel eines Vulkans, wo er in einem Schacht Unterschlupf fand. Darin verbrachte er, sich nur von Moos und Ungeziefer ernährend, sieben Jahre, dort lebte er in seiner Phantasie, als Schöpfer einer vollkommenen Welt, in der es keine Menschen, sondern nur erlesene Düfte gab. „Er badete in seiner eigenen, durch nichts mehr abgelenkten Existenz und fand das herrlich“ (Parfum, 158). Als er dann entdeckte, dass er keinen Eigengeruch besitzt, stürzte diese Traumwelt ein und die innere Krise trieb ihn wieder zurück, in die wirkliche Welt. Er komponierte für sich einen künstlichen Eigenduft, der ihn als einen ganz normalen Mensch erscheinen ließ. Als er feststellte, dass die Menschen einander nach dem äußeren Schein beurteilen, nach der Maske, die man trägt, und sei es eine Duftmaske, beschloss er, mit Hilfe von Düften Macht über Menschen auszuüben, denn „wer die Gerüche beherrschte, der beherrscht die Herzen von Menschen“ (Parfum, 199). Die Menschen wissen nicht einmal, dass die Gefühle von dem Geruchsinn geregelt werden und gehen irrtümlich davon aus, dass diese Gefühle von den optischen Wahrnehmungen bestimmt werden. In Grasse, wo er seine gewerbliche Handfertigkeit perfektionieren wollte, entdeckte er einen Geruch, der „so exquisit“ war, „wie er ihn in seinem Leben noch nicht... in die Nase bekommen hatte“ (Parfum, 214), und bald fand er, das die Quelle dieses Duftes, der dem Duft des ermordeten Mädchens sehr ähnlich war, auch ein Mädchen war, ein Kind noch, das jedoch bald heranreifen würde. Er beschloss, sich diesen Duft anzueignen, ihn also wirklich physisch zu behalten. Dafür legte er sich die Frist von zwei Jahren fest. Er trat eine Gesellenstelle an, wo er schnell die letzten Feinheiten der Parfümerie erlernte und Möglichkeit fand, zu experimentieren, um eigenes Verfahren zur Gewinnung der Düfte lebendiger Wesen zu erarbeiten. Die Methode setzte voraus, dass das Objekt „ruhiggestellt“ wird (Parfum, 236). Um den Duft des ausgewählten Mädchens zu binden und ihn möglichst lange zu bewahren, musste er ihn in ein „Duftdiadem schmieden“ (Parfum, 246). Dafür waren persönliche Düfte von 24 Jungfrauen benötigt, die er zu diesem Zweck umbrachte. Die Herznote des Parfums sollte der ausnehmende Duft der Laure Richis sein. Ihr Vater Antoine erriet zwar, dass der unbekannte Mörder im Grunde auf seine Tochter abgesehen hatte und beschloss Vorkehrungen, um das Mord zu vereiteln, wurde jedoch überlistet, weil er den wahren Zweck der Morde nicht wusste. Grenouille konnte sein Parfum herstellen. Als er festgenommen und überführt wurde, war er geständig, verriet aber das Motiv seiner Taten nicht. Seine Hinrichtung, ein Fest für die Bevölkerung, artete jedoch „zum größten Bacchanal, das die Welt seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert gesehen hatte“ aus (Parfum, 303), nachdem Grenouille sein Parfum auf die Menge einwirken ließ. Betört von dem Duft, hielten ihn alle für einen Engel, er hatte sie „im erotischen Zentrum getroffen“ (Parfum, 303). So entkam Grenouille der Strafe. Im Augenblick seines höchsten Triumphs, wo er sich als Gott fühlen konnte, empfand er jedoch keine Genugtuung. Er erkannte, dass er „nie in der Liebe, sondern immer nur im Hass Befriedigung fände, im Hassen und Gehaßtwerden“ (Parfum, 305, 306). Er wollte „ein Mal im Leben sein wie andere Menschen auch und sich seines Innern entäußern... Doch daraus wurde nichts... Denn er war ja maskiert mit dem besten Parfum der Welt“ (Parfum, 306). Eine Identitätskrise tobte in ihm, die ihn schließlich aus der Stadt jagte. Statt Grenouille wurde ein Unschuldiger hingerichtet und schnell vergessen, das Leben normalisierte sich, „man lebte wie in Watte“ (Parfum, 313). Grenouille, im Besitz des Parfums, das ihm die Macht über den Menschen sichern könnte, wollte nicht mehr, er wusste - als einziger - das es ihn nicht bezaubern kann. „Wenn er sich selbst nicht riechen konnte und deshalb niemals wüste, wer er sei, so pfiff er drauf, auf die Welt, auf sich selbst, auf sein Parfum“ (Parfum, 316). In Paris gesellte er sich auf dem Friedhof, nahe seinem Geburtsplatz, dem dort versammelten Gesindel und provozierte die Verbrecher mittels seines Parfums. Von dem Duft betört, fühlten sie sich zu ihm angezogen, sehnten sich nach ihm so stark, das sie ihn in Stücke zerrissen und aufgefressen hatten. „Eine halbe Stunde später war Jean-Baptiste Grenouille in jeder Faser vom Erdboden verschwunden“ (Parfum, 320). Die Kannibalen waren „außerordentlich stolz. Sie hatten zum ersten Mal etwas aus Liebe getan“ (ebd.).

Verkauferfolg

Nun möchte ich zu meiner eigentlicher Frage zurückkehren: Was macht die Faszination dieses Romans aus?

Er hatte einen großen Erfolg nicht nur bei dem Lesepublikum, sondern auch die Presse war von ihm begeistert. Süskinds Verlag startet die erste Auflage mit über 100 000 Exemplare, die bereits nach wenigen Monaten vergriffen ist. Das 1985 erschienene Werk führte internationale Bestsellerlisten an, unter anderem neun Jahre die des Spiegels. 1986 wurde es von der New York Times zum Buch des Jahres gewählt. Der Roman zählt mit 12 Millionen, in 42 Sprachen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten, deutschsprachigen Romanen aller Zeiten. Die gesamte deutsche Auflage beträgt 3 Millionen Stück. Schnell bekundete die internationale Filmindustrie, unter anderem Hollywood, das Interesse an einer Verfilmung. Doch der Autor Süskind lehnte aus Angst vor Verfälschung, wie bei allen seinen Werken, alle Angebote ab, bis er schließlich, 2001, einer Verfilmung zustimmte und an Bernd Eichinger, der mit seiner Produktionsfirma Constantin Film zu den bedeutendsten Filmproduzenten Deutschlands gehört, die Rechte verkaufte. Im Herbst 2006, 21 Jahre nach der Veröffentlichung des Romans, konnten sich auch Filmfreunde in Grenouilles Welt der Gerüche entführen lassen. Dann startete der von Tom Tykwer inszenierte Film in den Kinos.

[...]


[1] http://www.parfum-fan.de/umschlag.html

[2] ebd.

[3] Förster, Nikolaus: Die Wiederkehr des Erzählens. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1999. S. 11

[4] ebd.

[5] Süskind, Patrick: Das Parfum. Zürich 1985

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Was macht die Faszination des Romans „Das Parfum“ von Patrick Süskind aus?
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V166316
ISBN (eBook)
9783640823666
ISBN (Buch)
9783640823246
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Süskind, Parfum, 1980-er, Literaturrezeption, Duft
Arbeit zitieren
Kristine Langenstein (Autor), 2008, Was macht die Faszination des Romans „Das Parfum“ von Patrick Süskind aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166316

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Was macht die Faszination des Romans „Das Parfum“ von Patrick Süskind aus?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden