Über die Beziehungen zwischen der Römischen Republik und Ptolemaios II.

Freundschaftliche Beziehungen im Westen, um die Hegemonialstellung im östlichen Mittelmeer zu behaupten?


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Strategische Interessen Ptolemaios’ II
II.1 Ökonomische Interessen
II.2 Militärische Interessen

Über das politische Engagement Ptolemaios’ im Mittelmeerraum
III.1 Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer
III.2 Initiativen im westlichen Mittelmeer mit römischer Beteiligung

Über das ägyptisch-römische Verhältnis

Bilanz

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Römische Republik und das Ägypten unter der Herrschaft der Dynastie der Ptolemaier teilten eine wechselvolle Geschichte zwischen Annäherung und Konflikt. Beide Reiche verband eine vielfältige Beziehungen zwischen wirtschaftlichem Austausch, gegenseitigen ökonomischen und politischen Abhängigkeiten und wechselhaften Bündnissen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Alexandria zu einem Hauptumschlagsplatz für ägyptisches Getreide mit einem Einzugsgebiet, das beinahe das gesamt Mittelmeer umfasst hat und letztlich die Nahrungsmittelversorgung der Stadt Rom garantierte. Es gilt daher, die Grundlage dieser römisch-ägyptischen Beziehung darzustellen, die seit 273 v. Chr. nachzuweisen ist (auf den Zusatz ,v. Chr.’ bei Jahresangaben wird im Folgenden verzichtet). Dazu ist es notwendig, die ägyptischen Interessen unter Ptolemaios II. näher darzustellen.

Im Zusammenhang mit dem Seminarthema „Die Expansion Roms im Zeitalter der Bürgerkriege“ steht die Frage im Raum, was beide Seiten – Römer und Ägypter – bewogen hat, gegenseitige diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Die These dieser Darstellung lautet, Ptolemaios II. (Pharao 282-246) habe eine rom-freundliche Außenpolitik betrieben, um die ägyptische Hegemonie im östlichen Mittelmeer durch friedliche Beziehungen im westlichen Mittelmeer zur Römischen Republik abzusichern. Der Schwerpunkt liegt in dieser Arbeit auf den Impulsen, die den ägyptischen Pharao dazu bewogen haben könnten, den friedlichen Kontakt mit der römischen Republik zu suchen. Der erste Teil beschäftigt sich daher im Überblick mit den strategischen Interessen Ägyptens im Mittelmeerraum in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht. Damit soll die diplomatische Atmosphäre dargestellt werden, in der sich das Ptolemäerreich unmittelbar vor und unmittelbar nach dem ersten Gesandtschaftsaustausch zwischen Alexandria und Rom befunden hat.

Der zweite Teil beschäftigt sich überblicksartig mit den militärischen Entscheidungen, die Ptolemaios II. traf, um die Position seines Reiches im östlichen Mittelmeer zu festigen oder auszubauen. Danach widmet sich die Arbeit kurzgefasst den Aktivitäten des Pharao im westlichen Mittelmeer, um diese strategischen Operationen abzusichern. Der dritte Teil befasst sich danach eingehender mit der Natur der ägyptisch-römischen Beziehungen während der Regierungszeit Ptolemaios II.

Die vorliegenden Primärquellen zum Thema sind zu einem großen Teil aus der Sicht römischer Geschichtsschreiber verfasst. Zu nennen ist hier besonders das Hauptwerk des Titus Livius ,Ab Urbe Condita’. Wesentliche Werke der modernen Altertumswissenschaften sind Günther Hölbls „Geschichte des Ptolemäerreiches“, sowie Anssi Lampelas Arbeit „Rome and the Ptolemies of Egypt“. Des Weiteren ist Werner Huß’ ein umfassendes Werk zur Chronik der Pharaonen im „Ägypten in hellenistischer Zeit“ zu nennen.

Strategische Interessen Ptolemaios’ II.

II.1. Ökonomische Interessen

Das ptolemaiische Reich befand sich zwar am östlichen Rand des Mittelmeeres, verfügte aber über weitreichende Handelsrouten von der Meerenge von Gibraltar im Westen, Korsika im Norden, bis an die nubische Grenze im Süden1 und nach Osten bis nach Indien2. Die Hauptstadt Alexandria war einer der Hauptumschlagsplätze für Nahrungsmittel aller Art, Textilien, Glas und vielen weiteren wertvollen Waren3. Der Außenhandel mit den damit verbundenen Zolleinnahmen zugunsten der ägyptischen Staatskasse war von vitaler Bedeutung für die Existenz des Reiches. Der Großteil der Handelsbeziehungen zwischen Ägypten und den anderen Mittelmeeranrainern wurde per Schiff abgewickelt.

Beeindruckendes Zeugnis für die Bedeutung dieser Transporttechnik ist der unter Ptolemaios II. fertiggestellte Leuchtturm von Alexandria auf Pharos4. Damit sollte die Sicherheit der stark frequentierten Schifffahrtsroute an diesem Ort erhöht werden.

Die Existenz dieser Lichtquelle unter den Sieben Weltwundern legt den Schluss nahe, dass es auch nachts ein hohes Aufkommen an Transporten gegeben haben muss. Der Pharao gab aber auch den Bau eines Kanals zwischen Mittelmeer und Roten Meer über den Nil in Auftrag5. Das spricht für einen umfassenden ptolemaiischen Seehandel in dieser Region, zumal der Kanal die ägyptische Präsens und den Nachrichtenverkehr sicherstellen beziehungsweise erleichtern sollte6.

Auch im östlichen Mittelmeer war eine Vielzahl von ägyptisch-griechischen Händlern unterwegs. Handel und die daraus erwachsenden Zolleinnahmen stellten das zweite wirtschaftliche Standbein des ägyptischen Staates neben der Getreideproduktion an den Ufern des Nils dar7. Daraus erwuchs für Ptolemaios II. die Notwendigkeit, die weit verzweigten Routen zur See abzusichern. Piraterie oder Beeinträchtigung der Seefahrt durch feindliche Flotten hätten enorme Einnahmeausfälle zur Folge haben können. Die Folge dieser ökonomischen Interessen war eine expansive Politik im östlichen Mittelmeer.

Sie zielte darauf ab, die eigenen Stützpunkte auf Zypern8 und im kleinasiatischen Kilikien9 zu sichern oder auszubauen. Die Ausweitung der ptolemaiischen Kolonien zwischen der Ägäis und der Levante wurde zur entscheidenden Frage des Pharaos.

Eine weitere Finanzquelle Ägyptens bestand im Zugang zu den Goldlagerstätten Nubiens. Während der Regierungszeit Ptolemaios’ II. besetzten ägyptische Truppen das Gebiet um den heutigen Nasser-Stausee10. Auch die Sicherung dieser Geldquelle muss von entscheidender Bedeutung für den Pharao gewesen sein.

Letztendlich lassen sich damit drei wesentliche Regionen für die wirtschaftliche Stabilität des Reiches festlegen. Zum einen die südliche Grenze zu Nubien, die ägyptischen Kolonien im heutigen Palästina und auf Zypern, sowie die Stützpunkte im Südteil Kleinasiens. Die Sicherung der dortigen Handelswege durch eine verhältnismäßig aggressive Außenpolitik (siehe III.1) bestimmte die Regierung des zweiten Ptolemaiers.

II.2 Militärische Interessen

Die strategischen Interessen Ptolemaios’ II. im militärischen Bereich wurden unmittelbar von den ökonomischen Erwägungen beeinflusst. Zum einen schuf die Existenz der Handelswege zur See überhaupt die Notwendigkeit, die Routen zu schützen und die Flottenstützpunkte zu sichern oder auszubauen. Die scheint dem Ptolemaierreich gelungen zu sein11. Zum anderen stellte der stabile Seehandel die finanziellen Mittel bereit, die zwingend für den Unterhalt der ägyptischen Armee und Flotte erforderlich waren. Die Route über Nubien und das Rote Meer eröffnete den Zugang zur stärksten Offensivwaffe der Armee – Kriegselefanten aus Afrika12 und Indien13. Im Reich unter Ptolemaios wurde daher ein aggressiver außenpolitischer Kurs verfolgt. Während 25 seiner etwa 37ig-jährigen Herrschaft befand sich Ägypten im Kriegszustand14. Die Kriege konzentrierten sich dabei auf die nördlichen und nordöstlichen Nachbarn. Hier – zwischen Griechen, Makedonen und Seleukiden – lagen die entscheidenden Brennpunkte in der Außenpolitik des Ptolemaios. Zum einen wurde sein Anspruch auf den Thron in Alexandria zu Beginn seiner Herrschaft (282) von seinem Halbbruder Ptolemaios Keraunos infrage gestellt. Dieser war bereits drei Jahre zuvor nach Thrakien gereist15, sodass das dortige Reich des Lysimachos eine Bedrohung für die Position Ägyptens darstellte. Zum zweiten bestand eine Spannung zwischen dem Seleukidischen Reich und dem Ptolemaierreich um die Kontrolle über das heutige Palästina. Die Levante stellte den Zugang zu den lukrativen Handlesrouten des Mittelmeeres dar und blieb daher ein dauerhafter Konfliktherd. Der Streit eskalierte, als der ägyptische Statthalter von Kyrene - Magas - sich 274 entschloss, gegen den Pharao zu rebellieren. Den darauf folgenden Krieg nutze Antiochos I., der König der Seleukiden, um seinerseits den Krieg gegen Ägypten zu eröffnen.

[...]


1 DNP Supp. Bd. 3. (2007), S.135

2 ebd. S. 134

3 ebd.

4 vgl. Huß: Ägypten (2001), S. 313

5 ebd.

6 DNP Bd. 15,2 (2002), Sp. 535

7 DNP Supp. Bd. 3. (2007), S.134

8 vgl. Bagnall: Ptolemaic Possessions (1976), S. 38

9 ebd. S. 114

10 vgl. Huß (2001), S. 314

11 vgl. ebd. S. 264 sowie Shipley, Graham: Greek World (2000), S. 202

12 DNP Bd. 15,2 (2002), Sp. 534

13 vgl. Huß (2001), S. 286

14 DNP Bd. 15,2 Sp. 534-535

15 vgl. Huß (2001), S. 256

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Über die Beziehungen zwischen der Römischen Republik und Ptolemaios II.
Untertitel
Freundschaftliche Beziehungen im Westen, um die Hegemonialstellung im östlichen Mittelmeer zu behaupten?
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V166393
ISBN (eBook)
9783640824700
ISBN (Buch)
9783640824526
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beziehungen, römischen, republik, ptolemaios, freundschaftliche, westen, hegemonialstellung, mittelmeer
Arbeit zitieren
Juliane Cuno (Autor), 2008, Über die Beziehungen zwischen der Römischen Republik und Ptolemaios II., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166393

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