Individualismus in der Neuzeit veranschaulicht an den Bespielen von Elisabeth von Österreich-Ungarn und Paul Wittgenstein


Hausarbeit, 2010

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Elisabeth von Österreich-Ungarn
I. Ein Leben mit stetiger Todessehnsucht
II. Unglück einer Kaiserin

Paul Wittgenstein
I. Leben in einer eher ungewöhnlichen Familie
II. Einarmiger Pianist und Jude

Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

In dem folgenden Abriss soll dargelegt werden, dass es einen absoluten Normallebenslauf in den oberen Schichten der Wiener Gesellchaft bereits in den Anfängen der Individualisierung nicht gegeben hat und individuelle Lebensläufe bereits im 19. Jahrhundert vorhanden waren. Gerade in der Neuzeit1 gab es feste Werte und Normen, die allgemeine Gültigkeit erlangten. So kommt es zu einer eindeutigen Ausprägung von Geschlechterrollen - die Frau ist für die Kinder da. Auch wenn bereits mit der Französischen Revolution Frauen für ihre Rechte und Gleichstellung eintraten2, blieb dies meistens jedoch gerade im Alltag meist nicht umgesetzt.

Frauen brachen jedoch immer mehr aus der typischen Rollenverteilung aus und die im 19. Jahrhundert aufkommenden Frauenbewegung trug gewiss eine Teil dazu bei. Die politischen Veränderungen wie die Industrielle Revolution halfen, jedoch blieb die Debatte um diese Themen meist auf Randbereiche beschränkt.3 Auch in der Frauenbewegung zeigt sich, dass es sich vor allem um ein Phänomen der Oberschichten handelt, in denen solche Themen diskutiert wurden. Gerade in den Salons Europas und somit auch in der Wiener Oberschicht kamen die Fragen zu Gleichheit von Mann und Frau auf.4

Aber auch die jungen Männer hatten es in der Wiener Gesellschaft nicht leicht. Wien war gegenüber Neuerungen eine eher schwierige Stadt. Stefan Zweig beschrieb die Stadt als konservativ und sehr im alten Kaiserreich verwurzelt.5 Im Normalfall gingen die Söhne dem Beruf des Vaters nach und waren somit auch für die Zukunft abgesichert.

Viele brachen aber aus diesem Bild aus und gingen ihren eigenen Weg. Zwei Beispiele werden in dieser Arbeit aufgegriffen. So ist Elisabeth von Österreich ihren eigenen Weg gegangen und Paul Wittgenstein entschied sich für ein Leben als Konzertpianist, entgegen dem Willen seiner Familie.

Elisabeth von Österreich-Ungarn

Die Kaiserin von Österreich sorgt bis in unsere Zeit für Schwärmereien und Träume. Obwohl sie kaum einen größeren nennenswerten Einfluss auf das österreichische Kaiserreich genommen hat, ist sie heute eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Hauses Habsburg. Sie strahlt eine unglaubliche Faszination aus und Wer kennt sie nicht, die Sissi - Trilogie6 aus den 50er Jahren mit Romy Schneider in der Hauptrolle, die bei vielen für eine Verklärung der eigentlichen Persönlichkeit gesorgt hat.

Elisabeth wurde aber schon kurz nach ihrem Tod zu einer Person, deren Leben immer mehr zu einer Verzerrung wurde. Bereits zwei Jahrzehnte nach ihrer Ermordung kam es zu einigen Filme, in denen sie zuerst nur als Nebenfigur auftauchte, als Frau an der Seite des Kaisers Franz Joseph I. oder als Cousine Ludwig II. von Bayern.7

Das erste Mal wurde die Kaiserin von Österreich 1932 mit der Operette 'Sissi' von Ernst Marischka in das Zentrum einer Darstellung gerückt.8 Später kam es dann zu mehreren Filmen und zu unzähligen Büchern über Sisi. Seit dem Jahr 1992 gibt es auch ein Musical über die Kaiserin. Es wurde im Theater an der Wien in Wien uraufgeführt und wir heute in noch weltweit aufgeführt.9

Außerdem gibt es mehrere Sisi - Museen, unter anderem eines in Possenhofen, dem Ort, an dem Elisabeth aufgewachsen ist, dann wurde auch in der Villa in Bad Ischl die Wohnräume des Kaiserpaares zugänglich gemacht und das wahrscheinlich berühmteste ist in Wien in der Hofburg. In dem Wiener Museum wird auch einer der berühmten Diamantensterne ausgestellt und die Pfeile, mit der die Kaiserin umgebracht wurde.

Der Mythos der Elisabeths lebt aber nicht nur durch Filme, Theateraufführungen und Museen weiter. Elisabeths Leben ist gekennzeichnet von Schicksalsschlägen, Tragödien und dem unbeirrten Willen, sich dem strengen Leben zu entziehen. Sie war eine unnahbare Kaiserin, die um jeden Preis frei sein wollte und die von psychischen Problemen mehr als nur geplagt wurde.10

Kaiserin Elisabeth war ihrer Zeit auf tragische Weise voraus.

Ein Leben in stetiger Todessehnsucht

Elisabeth Amalie Eugenie wurde am 24. Dezember 1837 in München als Tochter des Herzog Maximilian Joseph in Bayern und dessen Frau Ludovika in Bayern in Possenhofen geboren.11 Sie stammt aus der Nebenlinie Birkenfeld des Hauses Wittelsbach. Sisi verbrachte eine unbeschwerte Kindheit im Herzog-Max-Palais in der Münchener Ludwigstrasse und im Schloss Possenhofen am Starnberger See.12 Aber bereits in Elisabeths Jugendjahren kommt es zu den ersten Schicksalsschlägen, die ihr schwer zusetzen. So stirbt ihr erster Schwarm Richard, ein Mann den sie am Hof kennengelernt hat, und Sisi verfällt in schwere Depressionen.13 Die Depressionen werden sie ihr ganzes Leben lang begleiten.

Der Kaiser Franz Josef I. sollte eigentlich Elisabeths Schwester Helene heiraten und so in die Familie einheiraten. Aber er sag selber, dass Elisabeth ihm besser gefiel und er sich so für sie entschied. Für Sisi muss es ein Schock gewesen sein, dass der Kaiser sich mit ihr am 18. August 1853 in Ischl mit ihr verlobt.14 Die Hochzeit fand in der Wiener Augustiner Kirche abends statt.

Elisabeth machte das spanische Hofzeremoniell und das Leben am Hof sehr zu schaffen. Sie war frei und unbeschwert in Bayern aufgewachsen und musste sich nun radikal umorientieren.15

Sie lebte einige Zeit in Wien, aber nachdem sie sich immer mehr vom Hof löste und Ungarn zu ihrem „Sehnsuchtsland“16 geworden war und sie zusammen mit Franz Josef 1867 zur Königen von Ungarn gekrönt wurde, hielt sie sich immer mehr in diesem Land auf. Es war ein indirekter Bruch mit Österreich und auch ihr viertes Kind Marie Valerie, in der Forschung auch als das „ungarische Kind“ bezeichnet17,kam auch in Ungarn zur Welt.

Der Tod ihres Cousins Ludwig II. in Bayern brachte ihr Leben wieder aus dem Gleichgewicht, ebenso fühlte sie sich ihr Leben lang Heinrich Heine verbunden. Sie sah beide als ihre Seelenverwandten und sagte, dass sie auch mit beiden nach deren Tod in Verbindung stände.18

[...]


1 In dieser Arbeit wird die Neuzeit von 1800 bis etwa 1930 eingegrenzt. Sie umfasst somit etwas mehr als das 19. Jahrhundert.

2 Askani, Bernhard : Anno 3, S. 18

3 Hacker, Hanna : Zeremonien der Verdrängung, S. 107 in : Die Frauen der Wiener Moderne

4 Tichy, Marina : Feminismus und Sozialismus um 1900, S. 94 in : Die Frauen der Wiener Moderne

5 Zweig, Stefan : Die Welt von gestern, S. 52

6 Sissi-Trilogie, Kinowelt Home Entertainment GmbH, Leipzig

7 Schäfer, Martin : Sissi, S. 242

8 Ebd., S. 243

9 Rommel, Birgit : Aus der „Schwarzen Möwe“ wird „Elisabeth“

10 Schäfer, Martin : Sissi, S. 246

11 Corti, Conte : Elisabeth von Österreich, S. 11

12 Ebd., S. 15

13 Ebd., S. 26
Sisi schreibt nach seinem Tod an ihn ein Gedicht mit dem Titel „An Ihn“. Im Laufe der Jahre füllen ihre Gedichte ganze Bände.

14 Schäfer, Martin : Sisi, S. 29

15 Ebd., S. 51

16 Ebd., S. 123

17 Corti, Conte : Elisabeth von Österreich, S. 167

18 Ebd., S. 335-337

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Individualismus in der Neuzeit veranschaulicht an den Bespielen von Elisabeth von Österreich-Ungarn und Paul Wittgenstein
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V166394
ISBN (eBook)
9783640824717
ISBN (Buch)
9783640824533
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
individualismus, neuzeit, bespielen, elisabeth, paul, wittgenstein
Arbeit zitieren
Juliane Cuno (Autor:in), 2010, Individualismus in der Neuzeit veranschaulicht an den Bespielen von Elisabeth von Österreich-Ungarn und Paul Wittgenstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166394

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