"La escritura o la vida" von Jorge Semprún - Darstellung der KZ-Thematik in der Literatur


Seminararbeit, 2007
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II La escritura o la vida
II.1 Die Entstehung
II.2 La escritura o la muerte
II.3 Der Blick
II.4 Das Erzählen

III Schlussbetrachtung

IV Literaturverzeichnis

I Einleitung

(...). Mit seinen zumeist autobiografisch motivierten, seine KZ-Erfahrungen ebenso wie seinen Kampf gegen die Francodiktatur thematisierenden Romanen zählt der vorwiegend in französischer Sprache schreibende Autor zu den wichtigsten Repräsentanten der spanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. (...). (MSN Encarta)

Jorge Semprún wurde am 10.Dezember 1923 geboren. Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges 1936 emigrierte die republikanische Familie Semprún zunächst in die Niederlande und anschließend nach Paris. Nach dem Abitur fing Semprún ein Literatur- und Philosophiestudium an der Pariser Sorbonne an; bevor er sich 1941 der Résistance anschloss und kurz darauf in die Kommunistische Partei (KP) Spaniens eintrat. 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert.

1945 kehrte er aus der Gefangenschaft nach Paris zurück, um zunächst als Übersetzer für die UNESCO zu arbeiten. Ab 1953 beteiligte er sich als Mitglied des Zentralkomitees der spanischen Exil-KP an der Organisation des Widerstandes gegen die Francodiktatur und leitete von 1957 bis 1962 die Untergrundarbeit der Kommunistischen Partei in Spanien. Aufgrund seiner Kritik am stalinistischen Führungsstil innerhalb der spanischen KP wurde er 1964 aus der Partei ausgeschlossen und arbeitet seitdem als freier Schriftsteller in Paris.

Sein Romandebüt gab Semprún mit Le grand voyage (1963; El largo viaje), in dem er sich mit der eigenen Deportation ins Konzentrationslager auseinandersetzt. Die Aufarbeitung der KZ-Erlebnisse sowie seine Zeit als KP-Mitglied finden sich auch in seinen weiteren Werken wieder. So beispielsweise seine autobiographischen Erinnerungen in L’Écriture ou la vie (1994; La escritura o la vida), die nach einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Buchenwald im Jahr 1992 entstanden.

Die KZ-Erfahrung blieben traumatisch für sein ganzes Leben und die Erinnerungen an das Konzentrationslager – Erinnerungen, die sein ganzes Leben bestimmten. Sie überfielen ihn bei einem besonderen Essen oder beim Klang eines Namens. Semprún hat über das Schreiben und die Literatur die eigene Erinnerung zugelassen und im Zaum gehalten. Er erkannte nach seiner Befreiung aus dem KZ, dass die unmittelbare literarische Verarbeitung seiner Erlebnisse ihn töten würde. Daher ließ er ein angefangenes Buchprojekt unvollendet und entschied sich für das Leben. So auch der Titel seines Buches La escritura o la vida.

Leben und Schreiben bilden bei Semprún, so wie bei kaum einem anderen Autor, eine untrennbare Einheit. Eigene Erinnerungen, das autobiografische Material, aus dem er seine Texte formt, werden auf unterschiedliche Weise genutzt, ohne dabei allerdings auf Experimente zu verzichten. Semprún geht es dabei um eine tiefere, essenziellere Wahrheit, das Aufdecken von Zusammenhängen und Möglichkeiten, die eine Wahrscheinlichkeit jenseits der faktischen Richtigkeit erkennen lassen. Das gesamte literarische Werk Semprúns scheint wie ein fortschreitender Prozess der Bewusstwerdung über das eigene Leben, wobei er sich sich um die Themen Buchenwald und sowie sein politisches Engagement dreht (z.B. Autobiografía de Federico Sánchez, Veinte años y un día).

Die Erinnerung und das Erinnern[1] stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Dazu werde ich meine Untersuchungen auf La escritura o la vida fokussieren und mich darauf konzentrieren, wie das Unauslöschliche – die Erinnerung an das KZ – in dem Werk literarisch verarbeitet worden ist. Dabei beziehe ich zumeist auf Neuhofer.

II La escritura o la vida

Nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchenwald stand Jorge Semprún vor der Entscheidung zu leben oder zu schreiben: Er entschied sich gegen das Schreiben. Später revidierte er dann seinen Entschluss, und dieses Buch ist der Versuch, mit den immer wieder auftretenden Albträumen und Schreckensbildern fertig zu werden.

II.1 Die Entstehung

Es ist generell anzunehmen, dass für Semprún das Leben (das ja auch im Titel des Buches benannt wird) einen höheren Stellenwert besitzt als der Tod, und wie er selbst sagte, hat er sich nach Buchenwald mit jedem Tag ein Stück weiter vom Tod entfernt. Er wagt sogar von einer Art der Unsterblichkeit zu sprechen. Doch der 11.April 1987 soll erneut einen Wendepunkt in seinem Leben darstellen. Am nächsten Morgen, an einem Sonntag, hört er im Radio, dass Primo Levi am Tag zuvor Selbstmord beging. Primo Levi wählte den Tod, indem er sich ins Treppenhaus seines Hauses in Turin stürzte. Es war die erste Meldung, die Semprún, nach eigener Aussage, an diesem Tag im Radio hörte. In diesem Augenblick überkommt ihn die Furcht vor dem Älter werden. Levi war fünf Jahre älter als er und Semprún begriff, dass der Tod erneut in seiner Zukunft liegen würde. Er begriff seine Sterblichkeit, unabhängig vom Alter Levis:

Desde que había regresado de Buchenwald ... había vivido alejándome de la muerte. Se situaba en mi pasado, más lejana a medida que iban pasado los días: como la infancia, los primeros amores, las primeras lecturas. La muerte era una vivencia cuyo recuerdo se iba desdibujando.

[...]


[1] Einen Überblick zu Begriffen Erinnerung und Gedächtnis bietet Neuhofer 2006: 17-86

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
"La escritura o la vida" von Jorge Semprún - Darstellung der KZ-Thematik in der Literatur
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V166401
ISBN (eBook)
9783640826766
ISBN (Buch)
9783640826605
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sempún, Erinnerung, Konzentrationslager, Schreiben, Leben
Arbeit zitieren
Stefanie Feller (Autor), 2007, "La escritura o la vida" von Jorge Semprún - Darstellung der KZ-Thematik in der Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166401

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