Johannes oder Maria Magdalena? Eine kritische Auseinandersetzung mit den Thesen von Dan Brown


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Wiedergabe der Handlung im Kontext der Seminararbeit

3. Das Abendmahl in der Bibel

4. Die Abendmahlsdarstellungen in der Malerei
4.1. Das Mosaik von Ravenna
4.2. Das Abendmahl von Taddeo Gaddi
4.3. Das Abendmahl von Andrea del Castagno
4.4. Dieric Bouts' Sakramentsaltar
4.5 Leonardo da Vincis Abendmahl

5. Vergleich und Deutung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schaut man sich den Film „The Da Vinci Code – Sakrileg“ an, wird man mit Argumenten konfrontiert, die als geschichtliche Fakten dargeboten werden. In der vorliegenden Seminararbeit möchte ich mich mit einem Teil der Thesen beschäftigen und mit Zuhilfenahme wissenschaftlicher Literatur den Wahrheitsgehalt prüfen. Der Film und die aufgestellten Behauptungen können in all ihren Facetten im Rahmen dieser Seminararbeit nicht behandelt werden. So werde ich mich in auf die von Dan Brown aufgestellten Thesen bezüglich Leonardo da Vincis Darstellung des Abendmahls beschränken. Hierbei soll untersucht werden inwieweit die Behauptungen bezüglich des Bildes den historischen und/oder kunsthistorischen Tatsachen entsprechen.

Zunächst einmal soll die Grundlage für das Verständnis durch eine kurze Handlungswiedergabe des Films und der relevanten Behauptungen, welche die Seminararbeit betreffen, gelegt werden. Anschließend erfolgt eine Zitierung des Abendmahls aus dem Matthäusevangelium.

Daraufhin werden verschiedene Abendmahlsdarstellungen in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung vorgestellt und besprochen, dies endet mit der Besprechung von da Vincis Abendmahl.

Hierbei soll keine detaillierte Bildanalyse im kunstwissenschaftlichen Sinne erfolgen. Vielmehr sollen die kunstwissenschaftlichen Aspekte des Bildes insoweit herangezogen werden, als sie für den Vergleich mit da Vincis „Abendmahl“ und zum Erfolg bei der Beantwortung offener Fragen hilfreich sind. Dabei soll bei jedem Bild zuallererst eine Bildbeschreibung, soweit sie thematisch von Relevanz erscheint, erfolgen und in einem zweiten Schritt auf die Deutung der Bildelemente eingegangen werden. Am Ende werden die einzelnen Bilder miteinander verglichen.

Die Intention der Arbeit zielt darauf ab einen Vergleich zwischen den einzelnen Abendmahlsdarstellungen verschiedener Künstler zu ziehen und zu diesen zu deuten. Hierbei soll anhand der Abendmahlsdarstellungen untersucht werden inwieweit da Vincis Darstellung des Abendmahls in einer bestimmten Tradition steht, wie sich die Tradition der Abendmahlsdarstellung entwickelt hat und inwiefern das mit den Thesen von Dan Brown zu vereinbaren ist beziehungsweise ob diese wissenschaftlich belegbar sind.

2. Kurze Wiedergabe der Handlung im Kontext der Seminararbeit

Professor Langdon, Symbolforscher der Harvard-Universität wird als Helfer zu einem ungewöhnlichen Mordfall im Louvre gerufen. Es stellt sich raus, dass er Verdächtiger ist, daher flüchten er und Sophie Neveu, die Enkelin des ermordeten Chefkurators, welche ihm ihre Hilfe anbietet vor der Polizei. Sie finden Unterschlupf und Rat bei Langdons altem Freund Sir Leigh Teabing, einem Forscher auf dem Gebiet des Heiligen Grals. Von ihm erfährt man von revolutionären Thesen, die in einen geschichtlichen Zusammenhang verwoben werden. Daraufhin kündigt Sir Teabing an, den Heiligen Gral zu zeigen und deutet auf das „Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Hier nun die Thesen, die im Folgenden vorgebracht werden. Die Person, die links von Jesus sitzt (vom Blickwinkel des Betrachters aus gesehen), ist nicht wie allgemein hin angenommen Johannes der Täufer, sondern Maria Magdalena, die in Wahrheit Jesus Frau war. Darüber hinaus erwartete Maria Magdalena zur Zeit der Kreuzigung Christi eine Tochter von ihm, welche sie später in Frankreich zur Welt brachte. Als Beweise für die Thesen werden zum Einen die weiblich anmutenden Gesichtszüge von Johannes/Maria Magdalena, ein Brustansatz und das wallende rote Haar vorgebracht. Weiterhin spiegeln sich die Gewänder der beiden farblich und seien so dargestellt, als wären sie an der Hüfte zusammengewachsen. Zwischen Jesus und Johannes/Maria Magdalena ist ein leerer Raum in Form eines „V“ zu erkennen. Dies sei wiederum ein Zeichen für den weiblichen Schoß und damit für die Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena und dafür, dass der Heilige Gral kein Gefäß ist, sondern eben die Bezeichnung für die Blutslinie Jesu Christi. Eingebaut hat Leonardo da Vinci diese Hinweise, weil er der Großmeister einer geheimen Sekte war, die sich der Sicherheit von Jesu Nachkommenschaft verschrieben hat. Auch Sophies Großvater war ein solcher Großmeister. Im weiteren Verlauf des Films können die beiden Protagonisten alle Rätsel lösen und es stellt sich raus, dass die Thesen wahr sind und darüber hinaus, Sophie Neveau die letzte Nachkommenschaft von Jesus Christus ist.

Matthäusevangelium: Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen sprach er: Amen, ich sage Euch: Einer von Euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.1

Lukasevangelium: Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch. Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt den Wein und verteilt ihn untereinander! Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt. Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Doch seht, der Mann, der mich verrät und ausliefert, sitzt mit mir am Tisch.2

Markusevangelium: Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen. Da wurden sie traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich? Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus.3

Die Kenntnis über den Ablauf des Abendmahls ist eingangs von Vorteil, um sich in den im Folgenden vorgestellten Abendmahlsdarstellungen orientieren zu können. Denn die unterschiedlichen Künstler nahmen verschiedene Momente als Motiv für ihr jeweiliges Bild. In diesen drei Mahltexten wird das letzte Mahl Jesu beschrieben. Zwar gibt es noch weitere Erwähnungen, spielen diese aber nur eine untergeordnete Bedeutung für diese Seminararbeit. Im weiteren Verlauf werde ich mich hauptsächlich auf das Matthäusevangelium beziehen, da es meiner Meinung nach das Abendmahlgeschehen am detailliertesten beschreibt und mir in seiner Verwendung für am sinnvollsten erscheint.

[...]


1 Matthäusevangelium 26, 20-29. In: Bibel, Einheitsübersetzung, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1980.

2 Lukasevangelium 22, 14-21. In: Bibel, Einheitsübersetzung, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1980.

3 Markusevangelium 14, 17-23. In: Bibel, Einheitsübersetzung, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1980.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Johannes oder Maria Magdalena? Eine kritische Auseinandersetzung mit den Thesen von Dan Brown
Hochschule
Universität Paderborn  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Der da Vinci Code – Ein Sakrileg?
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V166469
ISBN (eBook)
9783640825554
ISBN (Buch)
9783640825776
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die ursprünglich im Anhang befindlichen Bilder werden hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht mitgeliefert.
Schlagworte
Da Vinci, Mittelalter, Der da Vinci Code, The Da Vinci Code, Sakrileg, Dan Brown, Frühe Neuzeit, Das letzte Abendmahl, Jesus Christus, Johannes der Täufer, Maria Magdalena
Arbeit zitieren
Artiom Chernyak (Autor), 2010, Johannes oder Maria Magdalena? Eine kritische Auseinandersetzung mit den Thesen von Dan Brown, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166469

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