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Illusionstheater- Das Paradox des Schauspielers

Aubignac, Sainte Albine, Riccoboni und Diderot im Dialog

Title: Illusionstheater- Das Paradox des Schauspielers

Seminar Paper , 2008 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Veronika Harder (Author)

French Studies - Literature
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In den 1770er Jahren entstand Diderots Paradoxe sur le comédien. Er nahm Bezug auf den Dialog zwischen de Sainte Albine und Riccoboni und entwickelte darüber hinaus das Paradoxe, in dem die Arbeit des sublimen Schauspielers seiner Auffassung nach besteht.

Im Folgenden soll anhand der theatertheoretischen Texte Sainte Albines, Riccobonis und Diderots die Abwendung von der doctrine classique aufgezeigt werden. Auch das Anknüpfen an Verfahrensweisen der antiken Rhetorik, wie es für die klassische Doktrin typisch war, soll verdeutlicht werden. Nicht zuletzt sollen die teils diametral entgegengesetzten Ansichten der drei Theoretiker untereinander verhandelt und verglichen werden. Insbesondere werden die Aspekte um die die Schauspieltheorie jeweils bereichert wird, näher beleuchtet.

Zunächst wird Grundlegendes aus dem Regelwerk der großen doctrine
classique, die bis heute als "Zentralbegriff des 17. Jahrhunderts" gilt4, dargelegt, um dieses dann den neuen Vorstellungen, die heute als die des Illusionstheaters des 18. Jahrhunderts gelten, gegenüberzustellen. Wie sich im Verlauf der Untersuchung zeigen wird, ist es dafür sinnvoll die Klärung einiger Begriffe der antiken Rhetorik vorauszuschicken. Diese Fachtermini werden zur Transparenz und Vergleichbarkeit beitragen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Termini

3. La doctrine classique d'Aubignac (1657)

3.1. Die imitatio

3.2. Die bienséance

3.3. Die vraisemblance

4. Le Comédien von de Sainte Albine (1747)

4.1. Le Feu

4.2. Der sensible Schauspieler

5. L'Art du Théâtre von Riccoboni (1750)

5.1. Warum kann der Akteur nicht mit echten Emotionen spielen?

5.2. L'insensibilité et l'imitation

5.3. Riccoboni über de Sainte Albine

6. Le Paradoxe sur le Comédien de Diderot (1770er)

6.1. L'insensibilité sensibilité

6.2. Von der imitatio zur aemulatio - das modèle idéal

6.3. Von Vorstellung zu Vorstellung besser

7. Résumé

8. Quellennachweis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung schauspieltheoretischer Ansätze zwischen 1657 und den 1770er Jahren, indem sie die Ansichten von Rémond de Sainte Albine, Riccoboni und Diderot kontrastiert, um die Abkehr von der klassischen Doktrin hin zum modernen Illusionstheater aufzuzeigen.

  • Theatertheoretische Grundlagen der französischen Klassik
  • Vergleichende Analyse der Schauspieltheorien von Sainte Albine, Riccoboni und Diderot
  • Diskussion der Begriffe "Sensibilität" und "Nicht-Sensibilität" auf der Bühne
  • Bedeutung der antiken Rhetorik für die Schauspielkunst des 18. Jahrhunderts
  • Entwicklung des Ideals des "sublimen Schauspielers"

Auszug aus dem Buch

6.2. Von der imitatio zur aemulatio - das modèle idéal

Wenn der Schauspieler sich nun also darauf versteht, seine Umwelt kühl zu beobachten, wie schafft er es, sich aus den gewonnenen Eindrücken, seine Rolle zu kreieren? Soll er einfach einen Verliebten beobachten, wenn er selbst vorhat, einen Verliebten darzustellen, und diesen dann nachahmen? Im Sinne der imitatio würde schon das ausreichen. Doch Diderot geht weiter:

[...] Prenons un art à son origine, la sculpture, par exemple. Elle copia le premier modèle qui se présenta. Elle vit ensuite qu’il y avait des modèles moins imparfaits qu’elle préféra. Elle corrigea les défauts grossiers de ceux-ci, puis les défauts moins grossiers, jusqu’à ce que, par une longue suite de travaux, elle atteignît une figure qui n’était plus la nature [...].33

Diderot führt dieses Beispiel einer Skulptur an, die zunächst nach einem bestimmten Modell entsteht (imitatio). Durch Hinzuziehen anderer, "weniger unperfekter" Modelle, werden nach und nach Fehler ausgemerzt (perfectio). Nachdem eine lange Reihe von Verbesserungen stattgefunden hat, ist sie eines Tages eine Figur, die es in der Natur nicht gibt, ein idealisiertes Modell (aemulatio).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Schauspieltheorie ein und skizziert den Übergang von den Regeln der klassischen Doktrin zum Illusionstheater des 18. Jahrhunderts.

2. Termini: Hier werden grundlegende Fachbegriffe der antiken Rhetorik wie natura, exercitatio, doctrina, decorum, imitatio und aemulatio für das Verständnis der späteren Kapitel definiert.

3. La doctrine classique d'Aubignac (1657): Das Kapitel erläutert die zentrale Rolle der doctrine classique und die drei Kernbegriffe imitatio, bienséance und vraisemblance als Rahmen für die damalige Theaterpraxis.

4. Le Comédien von de Sainte Albine (1747): Es wird die Theorie von de Sainte Albine analysiert, der den Schauspieler als begabten, aber durch das Spiel zu formenden Künstler begreift und die Selbsttäuschung als Voraussetzung für das Spiel fordert.

5. L'Art du Théâtre von Riccoboni (1750): Riccoboni wird als erster Vertreter des 'nichtsensiblen' Schauspielers vorgestellt, der statt emotionaler Einfühlung eine technische Reflexion und kühle Beobachtung verlangt.

6. Le Paradoxe sur le Comédien de Diderot (1770er): Dieses Kapitel beleuchtet Diderots Paradoxon, in dem der sublime Schauspieler durch kühle Beobachtung und Abstraktion ein ideales Modell der Darstellung schafft.

7. Résumé: Das Résumé resümiert den Einfluss der drei Theoretiker auf das moderne Schauspielverständnis und ordnet die historische Debatte in den Kontext zeitgenössischer Anforderungen ein.

8. Quellennachweis: Dieses Kapitel führt die verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Untersuchung auf.

Schlüsselwörter

Schauspieltheorie, Le Comédien, doctrine classique, imitatio, bienséance, vraisemblance, aemulatio, Illusionstheater, Diderot, Riccoboni, Sainte Albine, Sensibilität, Schauspielkunst, Rhetorik, Modellideal.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die theoretische Entwicklung der Schauspielkunst im 18. Jahrhundert, basierend auf den Schriften von Sainte Albine, Riccoboni und Diderot.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Fragen der emotionalen Beteiligung des Schauspielers an seiner Rolle, die Abgrenzung von klassischer Lehre und neuem Illusionstheater sowie der Einfluss antiker rhetorischer Begriffe.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Schauspieltheorie von der Forderung nach emotionaler Einfühlung hin zu einer Technik der kontrollierten, kühlen Darstellung (dem Paradox des Schauspielers) entwickelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine historisch-theoretische Analyse, bei der die Schriften der drei Theoretiker miteinander vergleichend in Beziehung gesetzt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Werke von de Sainte Albine, Riccoboni und Diderot und arbeitet jeweils die spezifischen Neuerungen und theoretischen Ansätze zur Schauspieltechnik heraus.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Fachtermini sind hierbei unter anderem die Rhetorik-Begriffe wie imitatio und aemulatio, das Prinzip der bienséance sowie das Konzept der Sensibilität bzw. Nicht-Sensibilität auf der Bühne.

Was unterscheidet Riccobonis Auffassung grundlegend von der von Sainte Albine?

Während Sainte Albine ein emotionales Mitfühlen des Schauspielers für die Glaubwürdigkeit fordert, lehnt Riccoboni dies ab und verlangt stattdessen, dass der Schauspieler ein kühler Beobachter bleibt.

Wie definiert Diderot das "Paradox" des Schauspielers?

Das Paradoxon besteht für Diderot darin, dass der "sublime" Schauspieler gerade dann die stärksten Emotionen beim Publikum erzeugt, wenn er selbst unbeteiligt bleibt und die Gefühle lediglich technisch-künstlerisch durch Abstraktion "nachahmt".

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Details

Title
Illusionstheater- Das Paradox des Schauspielers
Subtitle
Aubignac, Sainte Albine, Riccoboni und Diderot im Dialog
College
Christian-Albrechts-University of Kiel
Grade
1,3
Author
Veronika Harder (Author)
Publication Year
2008
Pages
17
Catalog Number
V166510
ISBN (eBook)
9783640826810
Language
German
Tags
illusionstheater- paradox schauspielers aubignac sainte albine riccoboni diderot dialog
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Veronika Harder (Author), 2008, Illusionstheater- Das Paradox des Schauspielers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166510
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