Auf Anregung des ehemaligen Gymnasial-Oberlehrers Günther Saalfeld entstand in Zusammenarbeit mit dem Hochschulprofessor und Schriftführer des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins (ADSV) Paul Pietsch der Deutscher Sprache Ehrenkranz, in dem ungefähr 250 Gedichte gesammelt wurden, die die deutsche Sprache zum Inhalt haben und im Zeitraum vom 9. bis 19. Jahrhundert entstanden sind. 1898 erschien das Büchlein in der Erstauflage im Verlag des ADSV und diente als Festgabe zur 10. Hauptversammlung des Vereins. Aufgrund der Zweiteilung des Buches in „Ernstes“ und „Scherzhaftes“ ist es auch gestattet, diese Arbeit in zwei Teile zu gliedern. Da die Gedichte nicht thematisch, sondern dem Erscheinungsdatum nach zusammengestellt wurden, bot es sich an, die 140 ernsten Gedichte, die im 19. Jahrhundert entstanden sind, nach Themengebiete zu ordnen. Dabei stellte sich heraus, dass sie sich nach fünf Gesichtspunkten einteilen lassen: 62 rühmen die Unübertroffenheit der deutschen Sprache, 29 loben ihren Klang, 14 verweisen auf das dichterische Erbe, das der Sprache innewohnt und 14 Gedichte drücken durch den Verweis auf die Kindheit die Vertrautheit, die sich in der Sprache befindet, aus. Schließlich fordern 11 Gedichte ausdrücklich auf, den „fremden Flitter“ fahren zu lassen.
Im ersten Teil möchte ich einige zentrale Aspekte, die in den hundertvierzig untersuchten Gedichten immer wieder thematisiert werden, an einzelnen Gedichten exemplarisch darstellen und miteinander vergleichen. Dabei wird auffallen, dass sich kein Gedicht nur einem einzigen Aspekt widmet. Vielmehr ist festzustellen, dass in jedem Gedicht mehrere Gedanken zum Ausdruck gebracht werden, die sich in ihrer Bedeutung und Vordringlichkeit für den jeweiligen Autor unterscheiden.
Der zweite Teil der Arbeit widmet sich den Gedichten, die im „scherzhaften“ Teil des Buches abgedruckt wurden. Hier wird nur in knapper Form dargestellt, unter welchen Aspekten sich diese Gedichte zusammenstellen lassen.
Es soll ein erster Eindruck vermittelt werden, wie in den Gedichten im Deutscher Sprache Ehrenkranz die Sprache empfunden und Kritik an ihrem Gebrauch geübt wird. Die dabei angesprochenen Gedichte befinden sich alle im Anhang.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
Gedichtvergleich- Ernstes
1. Muttersprache (1814)
2. Du sollst ein Wächter sein der deutschen Sprache (1866)
3. An unsre Sprache (1861)
4. Deutsche Sprache (1869)
Gedichtvergleich- Scherzhaftes
Die „Verwälschung“ der deutschen Sprache
Tunkenkrieg und Salsenschlacht
Der öffentliche Gebrauch der Sprache
Anlass zum Gespött: Philipp von Zesen
Erfolge des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht ein historisches Gedichtkorpus des 19. Jahrhunderts mit dem Ziel, das darin artikulierte Sprachverständnis sowie die zeitgenössische Kritik am Sprachgebrauch und der zunehmenden Aufnahme von Fremdwörtern zu analysieren.
- Analyse des Sprachverständnisses im 19. Jahrhundert anhand lyrischer Zeugnisse.
- Untersuchung der ideologischen Überlegenheit und der "Heiligkeit" der Muttersprache.
- Kontrastierung von ernsten Lobliedern mit scherzhaften Spottgedichten über Fremdwortgebrauch.
- Darstellung der Rolle von Sprachvereinen (insb. des ADSV) bei der normativen Beeinflussung des öffentlichen Sprachgebrauchs.
Auszug aus dem Buch
1. Muttersprache (1814)
Seiner Muttersprache hat Max von Schenkendorf fünf Strophen gewidmet, in denen er jeweils einen Grund für die ideologische Überlegenheit der deutschen Sprache darlegt. Mit zwei Ausrufen im doppelten Trochäus, gefolgt von einem Daktylus „Muttersprache, Mutterlaut!“ (V. 2) beginnt das Gedicht in kräftiger und beschwingter Weise und gibt gleich das Leitmotiv der ersten Strophe kund. Es handelt sich dabei um das passive Aufnehmen der Mutterlaute und das aktive Bilden der Muttersprache. In den Versen 4 bis 6 wird die thesenartige, kurze Formulierung der Einleitung weiter ausgeführt: Das lyrische Ich scheint sich an die ersten Worte („erstes Wort, das mir erschallet“) seiner liebenden Bevollmächtigten („süßes, erstes Liebeswort“) und seine eigenen Sprechversuche („Erster Ton, den ich gelallet“) zu erinnern. Deshalb löst diese Sprache jetzt ein wohliges, vertrautes Gefühl aus („wie so wonnesam, so traut“ (V. 3)). Durch die dreimalige Wiederholung des Adjektives „erstes“/ „erster“ wird die Autorität der Muttersprache begründet: Keine andere Sprache hat das lyrische Ich von Kindesbeinen an begleitet.
Mit der abschließenden Feststellung („Klingest ewig in mir fort“) schließt sich die Strophe zu einem Kreis. Es wird nämlich deutlich, dass es sich bei den ersten beiden Versen nicht nur um einen Ausruf gehandelt hat, sondern dass die Muttersprache oder der Mutterlaut in diesem Gedicht angesprochen wird. Nicht nur in der äußeren Form wird ein runder Abschluss bewerkstelligt, sondern auch inhaltlich, weil das lyrische Ich alle drei Zeitstufen Vergangenheit (Kindheit), Gegenwart und Zukunft („klingest ewig in mir fort“) thematisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte und die Struktur des Werkes "Deutscher Sprache Ehrenkranz" ein und erläutert die methodische Unterteilung in ernste und scherzhafte Gedichte.
Hauptteil: Der Hauptteil analysiert exemplarisch ernste Gedichte hinsichtlich ihrer Metaphorik und ideologischen Gehalte sowie scherzhafte Gedichte im Hinblick auf deren satirische Kritik am Fremdwortgebrauch.
Gedichtvergleich- Ernstes: In diesem Kapitel werden vier Gedichte des 19. Jahrhunderts detailliert analysiert, um die konzeptionelle Darstellung der Muttersprache als göttliches, identitätsstiftendes Gut aufzuzeigen.
Gedichtvergleich- Scherzhaftes: Dieser Abschnitt ordnet die humoristische und satirische Auseinandersetzung mit der deutschen Sprachreinigung thematisch und bewertet die Rolle der Sprachvereine.
Schluss: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass die untersuchten Texte ein konsistentes nationales Sprachverständnis widerspiegeln und reflektiert die spätere historische Einordnung des ADSV.
Schlüsselwörter
Muttersprache, Sprachvereine, ADSV, 19. Jahrhundert, Fremdwortkritik, Patriotismus, Sprachreinigung, Lyrikanalyse, Ideologie, Sprachverständnis, Kulturgeschichte, Sprachgebrauch, Identität, Nationalgefühl, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Auseinandersetzung der deutschen Sprache im 19. Jahrhundert und dem Wirken des "Allgemeinen Deutschen Sprachvereins".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind der Schutz der deutschen Sprache vor Fremdeinflüssen, die allegorische Darstellung der Muttersprache sowie der Zusammenhang zwischen Sprache und nationaler Identität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dichter im 19. Jahrhundert ihre Muttersprache empfunden haben und auf welche Weise Kritik an deren Veränderung durch Fremdwörter geübt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die exemplarisch Gedichte aus der Sammlung "Deutscher Sprache Ehrenkranz" interpretiert und vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelanalyse "ernster" Gedichte sowie eine thematische Einordnung der "scherzhaften" Spottgedichte über Sprachgepflogenheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie "Muttersprache", "Sprachreinigung", "Identität" und "Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts" charakterisiert.
Wie interpretieren die Autoren des 19. Jahrhunderts die Muttersprache?
Die Muttersprache wird häufig als etwas Heiliges, als eine "Göttin" oder "Mutter" allegorisiert, die es vor der "Verwälschung" durch fremde Wörter zu schützen gilt.
Welche Funktion erfüllt der "Allgemeine Deutsche Sprachverein" in den Gedichten?
Er dient als Zielpunkt von Lobpreisungen, da er aktiv die "Tilgung" von Fremdwörtern vorantreibt und die Reinheit der Sprache als nationales Gut propagiert.
Wie unterscheidet sich die Kritik in den ernsten von der in den scherzhaften Gedichten?
Während ernste Gedichte eher mahnend, verherrlichend oder identitätsstiftend wirken, setzen scherzhafte Gedichte auf Satire, Spott und Parodie, um die Nutzung von Fremdwörtern lächerlich zu machen.
Welche Rolle spielt die Metaphorik im Gedicht "An unsre Sprache"?
Die Metaphorik, etwa durch Vergleiche mit antiken Motiven oder der Reformation durch Luther, dient dazu, die historische Tiefe und kulturelle Bedeutung der deutschen Sprache zu unterstreichen.
- Quote paper
- Julia Braun (Author), 2009, Gedichte im "Deutscher Sprache Ehrenkranz", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166511